Friedhof der Kuscheltiere (2019)

Lesezeit: 6 Minuten

Genauso wie Katze Church erhebt sich auch Friedhof der Kuscheltiere seit dem 4. April 2019 aus seinem Grab. Basierend auf dem Roman des Bestsellerautors Stephen King (Der Outsider) verfilmten Kevin Kölsch und Dennis Widmyer (gemeinsam Starry Eyes) erneut den Stoff um die Familie Creed, in der Hoffnung es besser zu machen als einst Mary Lambert. Deren Umsetzung aus dem Jahre 1989 brachte Paramount Pictures zwar eine ordentliche Stange Geld ein, hinterließ aber bei Zuschauern und vor allem bei Fans der Vorlage nur negative Erinnerungen. Ob sich die Neuauflage sehen lässt oder doch lieber vergraben hätte bleiben sollen, besprechen wir in unserer Review.

Die Familie Creed zieht in den kleinen, ruhigen Ort Ludlow. Denn Vater Louis (Jason Clarke, Terminator: Genisys) tritt eine Stelle am hiesigen Krankenhaus an, um mehr Zeit für seine zwei Kinder und seine Ehefrau zu haben. Während Mutter Rachel (Amy Seimetz, Stranger Things) zusammen mit Tochter Ellie (Jeté Laurence, Schneemann) Kisten auspackt, zieht eine Gruppe maskierter Kinder am Haus vorbei in den Wald. Wie sich herausstellt, gehört zum Grundstück des neuen Hauses auch ein Haustierfriedhof. Als Ellie sich später alleine dort hinschleicht, trifft sie auf einen älteren Mann, der sich als Nachbar Jud Crandall (John Lithgow, Interstellar) vorstellt. Dieser wird schnell zum Freund der Familie und sogar Katze Church mag den netten alten Mann. Eines Tages finden Louis und Jud den Stubentiger tot im Straßengraben. Da die Katze alles für Ellie bedeutet, beschließen die beiden Männer, diese nachts heimlich auf den Haustierfriedhof zu begraben. Als sie ihre Arbeit verrichten wollen, hält Jud jedoch Louis auf einmal auf. Stattdessen bringt er den Familienvater weiter hinein in den Wald, zu einem alten Indianerfriedhof, wo die Katze bestattet wird. Am nächsten Morgen sitzt Church wieder quicklebendig in Ellies Zimmer. Doch nach und nach muss Louise feststellen, dass sich die Katze in ihrem Wesen verändert hat. Als es dann zu einem folgenschweren Unfall in der Familie kommt, gibt es plötzliche eine Möglichkeit den Tod zu überlisten…

Bei einem Hauskauf lieber nicht zu früh freuen

Originaltitel Pet Sematary
Jahr 2019
Land USA
Genre Horror, Drama
Regisseur Kevin Kölsch, Dennis Widmyer
Cast Louis Creed: Jason Clarke
Jud Crandall: John Lithgow
Rachel Creed: Amy Seimetz
Ellie Creed: Jeté Laurence
Victor Pascow: Obssa Ahmed
Gage Creed : Hugo und Lucas Lavoie
Marcela: Maria Herrera
Zelda Goldman: Alyssa Brooke Levine
Laufzeit 101 Minuten
FSK

Friedhof der Kuscheltiere schafft es leider nicht, die Stimmung des Buches komplett einzufangen. Dabei beginnt der Film noch recht verheißungsvoll. Der Schwenk über den dichten grünen Wald vermittelt ein bedrückendes Gefühl, welches plötzlich von einem brennenden Haus regelrecht aufgerissen wird. Nachdem die Kamera uns zu einer blutbeschmierten Tür führt, wechseln wir zur Familie Creed, die nichts ahnend zu ihrem neuen Haus und ihrem damit verbunden grauenvollen Schicksal fährt. Die Vorstellung der einzelnen Figuren gelingt gut, wenn Zuschauer auch schnell feststellen werden, dass diese allesamt sehr normal und bodenständig sind. In diesem Fall ist das aber nicht schlimm, denn so fällt es leichter, uns mit diesen zu identifizieren. Gerade im späteren Verlauf ist das wichtig, sollen wir uns doch genauso die Frage stellen, was wir tun würden. Vater Louis steht nämlich vor keiner leichten Entscheidung. Zwar hat die Veränderung, die Church (was für ein passender Name!) durchlaufen musste, schon gezeigt, dass alles seinen Preis hat, jedoch ist die Verlockung sehr groß.

Wenn die Gesetze des Todes ausgehebelt werden

Apropos Samtpfote: Eine geglückte Entscheidung, im Gegensatz zur alten Verfilmung keinen schwarzen Kater zu wählen. Denn gerade das lange verfilzte Fell, sorgt für einen gewissen Ekel, der sich dann noch mehr bestätigt, wenn die Katze ihr neues Verhalten an den Tag legt. Da läuft einem ein Schauer über den Körper, wenn das Tier nur bei Tageslicht auf der Straße hockt und seinen eindringlichen Blick zeigt. Allgemein können die Szenen mit Church punkten, denn diese sind nicht übertrieben und erzeugen durch einfache Mittel ein unbehagliches Gefühl. Auch die Erinnerungen Rachels an ihre kranke Schwester Zelda (Alyssa Brooke Levine) sorgen für ein für das Genre passendes Gefühl beim Zuschauer. Zudem ist durch sie verständlich, woher Frau Creeds tiefverankertes Problem mit dem Thema Tod kommt. Auch Pluspunkte sammelt Friedhof der Kuscheltiere bei der Wahl des Schauspielers für die Rolle des Jud Crandall. John Lithgow verleiht dem alten Mann viel mehr Tiefe, als die Romanvorlage überhaupt hergibt.

Geradlinig ins Verderben

Doch neben all den positiven Aspekten leidet Friedhof der Kuscheltiere unter anderen großen Problemen. Leben doch gerade Horrorfilme von Überraschungen, mangelt es dem Film leider an diesen. Die Handlung verläuft über weite Strecken sehr vorhersehbar geradlinig, sodass sich gerade alteingesessene Genre-Liebhaber langweilen werden. Außerdem ist es schade, dass vor allem der psychologische Part der Vorlage nicht vermittelt wird. Anstatt den inneren Konflikt von Louis auszubauen und zu zeigen, dass er als rational denkender Mensch damit hadert, seine tote Tochter wiederzuerwecken, schreitet der Familienvater zügig zur Tat. Übrigens ist es die größte Änderungen zum Buch, dass es nicht den kleinen Sohn Gage erwischt, sondern die neunjährige Ellie. Dies ist jedoch kein Wunder, kann ein älteres Kind doch bereits sprechen und auch viel eher Szenen drehen, in denen es auf sadistische Art seine eigene Mutter absticht. Eine kluge Wahl, denn Jeté Laurence verkörpert die tote Ellie außerdem mit Bravour. Gerade die Szene im Bett, als sie pragmatisch feststellt, dass sie tot ist, gehört zu den denkwürdigsten Momenten des Films. Auch das Finale weicht von seiner Buchvorlage ab, auch wenn das Endergebnis nicht so weit entfernt ist. Stephen Kings Version zeigt einen Mann am Ende des Wahnsinns, der trotz all der Fehlschläge seine tote Ehefrau ins Leben zurückholt. Der 2019er Film hingegen zeigt zum Abschluss ein im Auto sitzenden Gage, dessen komplette tote Familie das Auto umzingelt.

Lieber nicht zu genauer hinschauen

Bei einem Budget von 11,5 Millionen US-Dollar bleibt der Eindruck zurück, dass an den falschen Ecken geknausert wurde. Das Haus der Creeds ist wirklich schön und auch der Haustierfriedhof weiß eine gewisse traurige Stimmung zu erzeugen, weil er einfach gehalten ist und damit wirklich wie von Kindern gemacht aussieht. Allerdings wirkt der Weg zum Indianerfriedhof wie aus einem billigen 80er Jahre-Studiofilm. Künstlich aussehender Nebel, der schlecht ins Bild eingefügt wurde und vor allem ein paar unecht aussehende Bäume. Von dem noch billiger wirkenden Plateau möchte die Verfasserin dieser Zeilen gar nicht erst anfangen. Getoppt wird das nur noch vom dem schlecht am Computer entstandenen Verkehrsunfall, der ein weiteres Familienmitglied in den Tod reißt. Da tröstet es Stephen Kings Fans nicht, dass immerhin zwei Anspielungen in Friedhof der Kuscheltiere versteckt sind: Ein nach Derry (ES) zeigendes Verkehrsschild und bei einem Gespräch wird von einem tollwütigen Bernhardiner berichtet, welcher nur Cujo sein kann.

Fazit

Den Roman Friedhof der Kuscheltiere las ich vor vielen Jahren und gerade sein psychologisch heftiges Ende blieb mir deutlich in Erinnerung. Daher war ich sehr gespannt, wie die neue Verfilmung sich schlagen würde. Im Grunde ist sie nicht schlecht, aber auch leider nicht gut. Es mangelt an überraschenden Wendungen, genauso an Zeit für die Figuren, über Dinge nachzudenken. Gerade letzteres stört mich sehr, denn Louis’ Weltanschauung wird gewaltig auf den Kopf gestellt. Doch davon merken wir als Zuschauer nicht wirklich etwas. Daher finde ich persönlich den Anfang fast noch stimmungsvoller. Einige Dinge, die Church angehen, sind nämlich nicht schlecht gemacht. Auch Rachels Einblicke in ihre Kindheit mit ihrer Schwester wissen zu überzeugen, da die richtigen Stellschrauben gedreht werden, um gruselige Momente zu erzeugen. Davon hätte ich wirklich gerne mehr gehabt und Gelegenheiten wären da gewesen. Als zum Beispiel Louis von Jud mehr über den Friedhof erfährt, wird etwa die Mythologie des Wendigo eingebaut. Genau mit diesem Wesen hätten die Drehbuchautoren mehr spielen können. Das einmalige Aufzeigen weit weg im Moor ist schlicht zu wenig. Auch ist es schade, dass einige Waldszenen sehr billig aussehen und so die Stimmung kaputt machen. Der Trailer verspricht stimmungsvollere Momente als der Film schließlich einlöst.

© Paramount Pictures

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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Misato
Redakteur

Über fehlende Überraschungen will ich mich gar nicht beklagen. Jump Scares langweilen auf Dauer sowieso und die Story selbst ist im Grunde simpel. Die Versuchung dem Tod ein Schnippchen zu schlagen und dabei Konsequenzen auszublenden. Leider schafft der Film es wirklich nicht, dieses Dilemma so richtig psychologisch auszukosten. Jason Clarke als Louis ist irgendwie das schwächste Glied der Kette und da fehlt einfach was. Ich weiß, dass es in einem Roman sehr viel einfacher ist, die innere Welt eines Charakters zu zeigen und unendliche Voice Over sind nicht die Lösung. Aber da liegt einfach die wahre Hürde bei Friedhof der Kuscheltiere. Weniger, dass ein Mensch verändert zurückkommt, und mehr wie diese Veränderung sich auf denjenigen auswirkt, der die Entscheidung getroffen hat.

John Lithgow ist wirklich klasse und er spielt super. Aber ehrlich gesagt, ist da auch eine kleine Änderung, die für mich große Auswirkung hat. Im Buch beerdigt er seinen Hund auch auf dem Tierfriedhof und der kommt ziemlich erträglich zurück, eben nicht als fieser Kläffer. Da liest es sich, als müsse es nicht immer gänzlich fatalistisch enden, was die Verführung nachvollziehbarer macht. Hier ist der ganze Hergang in meinen Augen komplett unverantwortlich. Irgendwie schade.

Church und Ellie sind das Ansehen aber immerhin wert. Einen richtigen bleibenden Eindruck gibt es aber nicht. Im Nachhinein nicht schlimm, dass ich es damals nicht ins Kino geschafft hab. Ist was für einen Fernsehnachmittag.