Fate: The Winx Saga (Staffel 1)

Noch vor dem Netflix-Start sorgte Fate: The Winx Saga für Aufsehen. Die auf der italienischen Zeichentrickserie Winx Club basierende Serie wurde des Whitewashings bezichtigt. Schließlich wurde der ostasiatische Charakter Musa mit einer weißen Schauspielerin besetzt und ein als lateinamerikanisch präsentierter Charakter gar komplett gestrichen. Auch abseits dessen wuchs der Unmut vieler Fans, die in der stark abweichenden Netflix-Fassung ihre Kindheitserinnerungen an die magische und bunte Zeichentrickserie gefährdet sahen. Am 22. Januar 2021 erschien die sechs Episoden umfassende erste Staffel der Serie um Bloom und ihre Freundinnen. Nach ihrem Start besetzte sie direkt die Netflix-Charts in mehreren Ländern. Wie sich die deutlich düstere Umsetzung der Idee nach Iginio Straffi nun im Endergebnis fernab jeglicher Kontroversen schlägt, haben wir uns angesehen.

   

Die 16-jährige Bloom (Abigail Cowen, Chilling Adventures of Sabrina) erfährt eines Tages, dass sie eine Feuerfee sei und fortan auf die Schule Alfea in der sogenannten Anderswelt gehen soll, um ihre Kräfte kontrollieren zu lernen. Unwissend, was sie erwartet, lernt sie dort die Wasserfee Aisha (Precious Mustapha), die Mentalfee Musa (Elisha Applebaum, Mob Handed) und die Erdenfee Terra (Eliot Salt, Intelligence) kennen, ebenso wie die zickige Lichtfee Stella (Hannah van der Westhuysen, The Bay of Silence). Allerdings scheint Bloom keine gewöhnliche Feuerfee zu sein und mit dem Beginn ihrer Schulkarriere in Alfea beginnen mysteriöse und gefährliche Wesen, die ‘Verbrannte’ genannt werden, nach jahrelanger Ruhe, wieder aufzutauchen …

Harry Potter meets Riverdale

Originaltitel Fate: The Winx Saga
Jahr 2021
Land USA
Episoden 6 in Staffel 1
Genre Drama, Fantasy
Cast Bloom: Abigail Cowen
Stella: Hannah van der Westhuysen
Musa: Alisha Applebaum
Aisha: Precious Mustapha
Terra Harvey: Eliot Salt
Sky: Danny Griffin
Riven: Freddie Thorp
Beatrix: Sadie Soverall
Veröffentlichung: 22. Januar 2021 auf Netflix

Ohne Frage: Das Konzept des scheinbar völlig normalen Teenagers, der entdeckt, dass er Teil einer verborgenen Welt ist und selbst besondere Kräfte besitzt, ist alles andere als neu. Bloom scherzt mit ihrer Mitbewohnerin Aisha bereits in den ersten Minuten über die Parallele mit Harry Potter. Diese ist tatsächlich recht eindeutig, insbesondere mit dem Aspekt einer wie ein Internat aufgebauten Schule. Die düsteren Themen und typischen Teenager-Probleme erinnern hingegen eher an Riverdale. Allerdings belastet Bloom nicht nur die ihr so unbekannte Welt, in die sie sich nun einfügen muss. Denn in ihrer Wut auf ihre Mutter hat sie durch ihre Kräfte das eigene Elternhaus in Flammen gesetzt. Umso wichtiger ist es ihr, die Kontrolle über ihre Kräfte zu erlangen, was aber zunächst eher schwierig scheint. Entweder es passiert gar nichts oder die Flammen sind sofort so stark, dass Bloom sie nicht kontrollieren kann. Ein wichtiger Handlungspunkt ist dann noch die Entdeckung, dass Bloom ein sogenanntes Wechselbalg (ihre leiblichen und magischen Eltern haben sie absichtlich mit dem Baby ihrer jetzigen Eltern vertauscht) ist, nachdem sie zunächst denkt, sie habe eben irgendwann eine Fee in der Familie gehabt und deswegen sei sie nun auch eine. Die Frage nach ihrer Herkunft und ihren leiblichen Eltern bildet neben der Bedrohung durch die Verbrannten der Haupthandlungsstrang der ersten Staffel.

Die Magie bleibt noch subtil

Der Alltag in der Anderswelt und insbesondere Alfea wirkt fast schon erschreckend normal. Die Schüler kleben am Smartphone, vertreiben sich die Zeit auf den sozialen Medien und feiern Parties. Bis auf ihre Unterrichtsstunden über die Kontrolle ihrer magischen Fähigkeiten also nicht wirklich anders als Gleichaltrige. Neben den Feen gehen auf Alfea aber auch Jugendliche ohne magische Fähigkeiten, die sich zu Kriegern, die ‘Spezialisten’ genannt werden, ausbilden lassen. Durch die Abstinenz typischer Merkmale, die man normalerweise mit Feen in Verbindungen bringt, wie zum Beispiel Feenflügel, stechen die magisch begabten Schülerinnen und Schüler auch nicht weiter heraus. Positiv ist aber, dass die Momente, in denen Magie angewandt wird, dafür absolut beeindruckend aussehen und keinesfalls starr oder unrealistisch wirken. Dennoch sind der magische Aspekt der Serie sowie der Aufbau als Serie über Feen noch fast zu gering. Teils fühlt man sich eher, als würde man einen Ableger des X-Men-Universums schauen, wenn die Jugendlichen ihre Fähigkeiten präsentieren.

Zu wenig Zeit zum Ausbau von Charakteren und Beziehungen

In nur sechs Episoden bleibt wenig Zeit, die Hauptcharaktere ausreichend auszuarbeiten und deshalb verwundert es auch nicht, dass sich die Freundschaft von Bloom und den anderen Mädchen eher gezwungen präsentiert. So bilden die Charaktere eher Stereotype ab und erhalten in den Episoden kaum Raum zur Entfaltung oder für eine Hintergrundgeschichte. Der Fokus liegt klar auf Bloom als Protagonistin. Auch die sich entwickelnden Romanzen werden wenig aufgebaut, sondern scheinen auf einmal einfach da zu sein, wie etwa die Beziehung zwischen Musa und der Erdenfee Sam (Jacob Dudman, The A List), dem Bruder von Terra. Nicht fehlen darf natürlich ein romantischer Konflikt. Bloom verguckt sich in den Spezialisten Sky (Danny Griffin, The Gentlemen), der aber immer noch mit seiner Ex-Freundin Stella anbandelt. Einerseits ist es erfreulich, dass dieses klassische Liebesdreieck nicht breitgetreten wird, andererseits langweilt die immer gleiche Dynamik der Charaktere, bei denen sich nicht wirklich eine Entwicklung ausmachen lässt.

Ältere Zielgruppe, andere Handlung: die Ursprungsserie ist maximal die Inspiration

Fate: The Winx Saga folgt einem bekannten Konzept, das auch schon bei Riverdale Verwendung findet. Man nehme eine recht bekannte Vorlage und mache daraus eine düstere Serie, die nur noch bedingt etwas mit ihrem Ursprungsmaterial zutun hat. Auch hier beschränken sich die Gemeinsamkeiten zur 2004 gestarteten Zeichentrickserie Winx Club auf Namen und Orte, ansonsten ist fast alles anders. Die Bedrohung der Verbrannten ist gänzlich neu, einige Charaktere fehlen (wie beispielsweise die Technikfee Tecna oder Flora, deren Kräfte aber durch Terra repräsentiert werden und die als Cousine erwähnt wird, sie existiert also zumindest). Und auch die Zielgruppe ist im Gegensatz zur bunten Zeichentrickserie keine Kinder, sondern ältere Jugendliche. Die Ausrichtung ist deutlich düsterer, die Themen erwachsener und viele Szenen mit den Verbrannten könnten glatt aus einem Horrorfilm stammen. Wer sich eine Adaption wünscht, kann also nur enttäuscht werden, denn Fate: The Winx Saga ist mehr eine Interpretation als eine Adaption.

Fazit

Fate: The Winx Saga besitzt durchaus Potenzial, das jedoch in den sechs Episoden keinesfalls ausgeschöpft wird. Die Handlung ist zwar im Kern spannend und macht insgesamt Lust auf mehr, aber bei den Figuren und deren Beziehungen kratzt die Serie noch zu sehr an der Oberfläche. Dies ist sicherlich der Kürze der Staffel geschuldet und kann hoffentlich in zukünftigen Staffeln behoben werden. Dennoch ist insbesondere das Finale sehr gelungen und insgesamt bietet die erste Staffel eine relativ solide Einführung in die Welt von Bloom. Allerdings muss man sich mental definitiv von Winx Club verabschieden. Wer stets den Vergleich mit der Ursprungsserie sucht, kann nur enttäuscht werden und vergleicht letzten Endes durch die so unterschiedlichen Zielgruppen auch Äpfel mit Birnen. Wer sich aber auf eine eigene Interpretation der magischen Welt einlassen kann und gerne Teen-Serien mit einem Fantasy-Einschlag schaut, kann zumindest mal einen Blick riskieren.

© Netflix

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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2 Comments
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Alva Sangai
10. Februar 2021 11:27

Winx Club war ein fester Bestandteil meiner Kindheit. Aber ich denke das hier, kann ich mir nicht anschauen. Da es nur wenig mit der Ursprungsserie gemein hat, frage ich mich, wen das eigentlich ansprechen soll.

Ayres
Antwort an  Alva Sangai
15. Februar 2021 20:00

Ich würde die Zielgruppe auf 14 bis 25 und weiblich schätzen. Also Leute, die nicht mit Winx Club aufgewachsen sind und sich eben auf weibliche Identifikationsfiguren fokussieren.