Disenchantment (Teil 4)

Zwischen den einzelnen Teilen von Disenchantment auf Netflix liegen mitunter viele Monate Zeit. Ein Jahr nach dem dritten Teil (und damit der ersten Hälfte von Staffel 2) erschien am 9. Februar 2022 der Abschluss der Staffel – und vielleicht auch der Serie als solcher, denn bekannt ist bislang nicht, ob der Streamingdienst zufrieden mit den Abrufen der Abonnent:innen ist. Schließlich wurde eine zweite Staffel unmittelbar nach der Bereitstellung von Teil 2 beauftragt. Das war immerhin im Oktober 2018, so dass zu hoffen bleibt, dass sich das Interesse der Zuschauerschaft auch noch im vierten Teil halten wird. Serienschöpfer Matt Groening hat jedenfalls schon eine Fortführung parat, solange heißt es auf grünes Licht von Netflix warten. Was sich definitiv fortsetzt, ist das Mäandern der Handlung von Schauplatz zu Schauplatz, ohne dass der rote Erzählfaden dabei immer ersichtlich ist. 

Nachdem Bean erneut mit ihrer bösen Mutter Dagmar konfrontiert wurde, die sie in die Hölle entführt hatte, wartet der nächste Schreck auf sie: Kein Geringerer als Satan selbst soll sie dort ehelichen. Derweil wird Elfo von blutrünstigen Ogern verschleppt und Dämon Luci findet sich nach seinem Ableben genau dort wieder, wo er nicht hinwollte: im Himmel bei Gott und Beans Onkel Jerry. Unterdessen sitzt König Zog im Twinkletown-Zuchthaus, wo seine geistige Gesundheit wiederhergestellt werden soll. Wer wacht überhaupt über Dreamland?

Wer regiert Dreamland, wenn niemand da ist?

Originaltitel Disenchantment
Jahr 2022
Land USA
Episoden 10 in Teil 4
Genre Komödie, Fantasy
Cast Prinzessin Bean: Abbi Jacobson / Jenny Löffler
Elfo: Nat Faxon / Heiko Akrap
Luci: Eric André /Christian Intorp
König Zøg: John DiMaggio / Marko Bräutigam
Königin Oona: Tress MacNeille / Gabriele Schramm-Philipp
Veröffentlichung: 9. Februar 2022

Vor der Fortführung des vierten Teils empfiehlt es sich, sich noch einmal eine Zusammenfassung des dritten Teils zu Gemüte zu führen. Denn trotz der überschaubaren Laufzeit von gerade einmal fünf Stunden sind die einzelnen Staffelhälften derart überladen, dass es schnell unüberschaubar wird, wer eigentlich gerade wo mit wem und aus welchen Gründen unterwegs ist und wer es aktuell wieder auf Dreamland abgesehen hat. Die Marsch-Route der einzelnen Figuren seit Teil 1 einmal nachzuzeichnen, wäre sicherlich kurios. Denn während Bean in der Hölle startet und Luci im Himmel, ist Elfo ganz woanders unterwegs und König Zog ertrinkt in seinen eigenen Sorgen. Wie so oft führt also niemand das Königreich (was Bean in einer Szene ironisch kommentiert, in der die Bediensteten auf dem Thron Platz nehmen dürfen). Womit man auch in Teil 4 rechnen darf: Egal, wie oft sich die Wege von Bean, Luci und Elfo auch trennen mögen, am Ende führen sie immer wieder zusammen. Und das ist ein Problem.

Gefangen im Subplot-Sumpf

Anders als Futurama und Die Simpsons, mit denen sich Disenchantment als Matt Groening-Serie messen muss, versucht die Handlung eine Geschichte zu erzählen. Während Futurama als loses Star Trek-Tribut bezeichnen werden kann, ist Disenchantment am stärksten an Game of Thrones angelehnt und ist bestrebt, ähnlich wie Westeros mit Dreamland eine große Erzählwelt aufzubauen, in der immer etwas passiert. Damit diese Welt dementsprechend ausgekundschaftet werden kann, müssen die Figuren folglich möglichst viel herumkommen, um mit ihren eigenen Geschichten überall anzuknüpfen. In Folge 2 (“Der mit dem Oger tanzt”) geht es um die Oger und Elfos Origin-Geschichte. Darin wird eine Fan-Theorie bestätigt, die sich um Elfos Eltern dreht. Und wo es gerade schön wird, tauchen aus dem Nichts Bean und Luci auf, um ihn zu retten. Obwohl es Elfos Wunsch immer war, zu seinen Wurzeln zurückzukehren, wird dieser Wunsch nun völlig fallen gelassen und der eröffnete Subplot bleibt somit liegen. Eines von vielen Beispielen, in denen die Figuren in eine Situation geraten, in der ein bisschen etwas erzählt wird, um danach schnell weiter zu huschen.

Deus ex Dreamland

Auch die Deus ex Machina-Momente häufen sich auf eine ärgerliche Weise. Wie oft sind die Figuren schon knapp dem Tod entkommen? Wie oft sind sie schon gestorben oder haben es gar in die Hölle geschafft? Folge 10 steht exemplarisch für ein Problem, denn die Serie beraubt sich durch ihre vielen Cliffhanger der eigenen Dramatik. Auch wenn es sich um eine Comedy-Serie handelt, soll keine Langeweile aufkommen. Ist man irgendwann daran gewöhnt, dass der Tod in Dreamland nichts wert ist, nimmt das der Handlung die Fallhöhe – ganz gleich, wie viele Cliffhanger es gibt. Dementsprechend wäre Groening gut beraten, behutsamer mit solchen Momenten umzugehen.

Dreamlands Bewohnerzahl wächst

Sieht man von diesen erzählerischen Schwächen einmal ab, funktioniert der Rest wunderbar wie eh und je: Die Chemie des Haupttrios ist famos und die Dialoge sind spritzig wie schon zu Beginn. König Zog ist wie immer äußerst einfältig unterwegs und lässt sich von allen Seiten manipulieren, schließlich sogar von der intriganten Holzpuppe Fritzchen. Außerdem ist der Serie positiv anzurechnen, dass sie Erlebtes nicht vergisst: Auch in Teil 4 sind Bärendame Ursula und Meerjungfrau Mora mit von der Partie. Nicht immer ist dabei klar, ob sie nun Teil des großen Puzzles sind oder Nebenfiguren zum Zeitvertreib, was übrigens auf alle Charaktere abseits des Protagonisten-Trios gemünzt werden kann. Fest steht aber, dass Becky und Cloid zumindest zum Zeitpunkt von Teil 4 als Antagonisten gewertet werden können. Ob das von Bedeutung ist, bleibt allerdings offen, denn einen runden Abschluss, der auch als Serienende taugen würde, besitzt Teil 4 nicht.

Fazit

Disenchantment hantiert mit vielen Erzählsträngen, die dann und wann einfach bei Seite gelegt werden, ehe sie auf die Füße fallen. Die mitunter inkonsistente Erzählweise fällt vor allem dann auf, wenn man einmal inne hält und versucht festzuhalten, worum es eigentlich genau gerade geht und was der übergeordnete Handlungsbogen ist. Bei Betrachtung der Einzelfolgen macht die Serie jedenfalls auch im vierten Teil großen Spaß und strotzt vor Kreativität und genialem Worldbuilding. Es bleibt aber nicht nur zu hoffen, dass das Storyknäul entknotet wird, sondern dass es überhaupt weitergeht.

© Netflix

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments