BH90210

Lesezeit: 5 Minuten

Die Nostalgiewelle bewegt sich langsam weiter und das Interesse an den 90er-Jahren steigt. Die ultimative Begleitung der Dekade für Teens war natürlich Beverly Hills, 90210. Eine Serie, die mehrere Spin-Offs sowie eine Fortsetzung vorweisen kann. Wäre es dann jetzt Zeit für ein Revival, wie andere es zelebrieren? Die Schauspieler sind nun doch in die Jahre gekommen und fallen eher durch Erwähnung in den Klatschspalten auf. Das echte Leben ist irgendwie interessanter als die Frage, was die Charaktere machen. Und so bietet die sechsteilige Mini-Serie BH90210 etwas sehr Eigenwilliges an: Die Darsteller spielen sich einfach selbst bei der fiktionalen Produktion des Reboots. Schwelgen in Erinnerungen mit viel Selbstironie.

 

Ein Event in Las Vegas bringt den ursprüngliche Cast von Beverly Hills, 90210 wieder mal zusammen. Tori (Tori Spelling) und Jennie (Jennie Garth) reisen gemeinsam an, als beste Freundinnen, die sie sind. Jennie möchte nicht darüber sprechen, dass ihre dritte Ehe grade in die Brüche gegangen ist, während Toris neueste Reality-Show abgesetzt wurde. Bei den anderen läuft auch nicht alles rund. Jason (Jason Priestley) hat sich als Regisseur an einem TV-Set mit einem der Schauspieler angelegt. Ian (Ian Ziering) ist mit seiner Frau dabei, sich selbst als Marke zu verkaufen. Beide Männer haben allerdings Beziehungsprobleme, von denen sie noch nichts wissen. Bei Brian (Brian Austin Green) ist die Ehe in Ordnung, aber seine Frau ist ein Popstar und er der kindererziehende Hausmann, was manchmal am Ego kratzen kann. Nur Gabrielle (Gabrielle Carteris) scheint alles bestens im Griff zu haben, doch in Las Vegas entdeckt sie eine Seite an sich wieder, die sie lange verdrängt hat. Etwas Alkohol, ein paar fragwürdige Entscheidungen und ein geklautes Kleid später, landen die sechs vor Gericht. Die aufgebrummten Sozialstunden sorgen für etwas mehr Zeit miteinander und aus der Not wird eine offensichtliche Idee geboren: ein Reboot von Beverly Hills, 90210 muss her! Und wer sagt das nun Shannen (Shannen Doherty), die dem Event schon nur per Leinwand beiwohnte?

Fiktive Realität

Originaltitel BH90210
Jahr 2019
Land USA
Episoden 6
Genre Comedy
Cast Gabrielle Carteris: Gabrielle Carteris
Shannen Doherty: Shannen Doherty
Jennie Garth: Jennie Garth
Brian Austin Green: Brian Austin Green
Jason Priestley: Jason Priestley
Tori Spelling: Tori Spelling
Ian Ziering: Ian Ziering

Gerüchte über die ein oder andere Form eines Reboot, Revivals oder zumindest TV-Specials zu Beverly Hills, 90210 gab es schon länger und die Schauspieler sahen sich immer wieder mit Fragen danach konfrontiert. Obwohl die Serie in der Laufzeit von 1990 bis 2000 viele Umbesetzungen hatte, blieb die ursprüngliche Clique Kult. Trotz aller angeblichen Streitigkeiten und späteren Skandale. Mit BH90210 wird das Interesse an Fakt und Fiktion gekonnt miteinander verbunden. Die Schauspieler geben ihre Namen her, spielen aber überzogene Versionen von sich selbst. Brian Austin Green ist beispielsweise seit 2010 mit Megan Fox verheiratet. Die beiden haben drei Kinder und führen eine gute Ehe. Böse Zungen zogen aber lange Zeit darüber her, dass sich der Ex-Teenie-Star das Sexsymbol gekrallt hat und es nichts ernstes sein könnte. Daraus wird nun eine Ehe mit einem Popstar und jeder fragt Brian, wann denn seine Frau endlich ihr neues Album heraus bringt. Besonders Tori Spelling beweist viel Selbstironie. Sie tingelt durch Promi-Reality-Formate (in der ersten Staffel der US-Version von The Masked Singer war sie auch dabei) und ist dauerpleite. Da fällt recht früh ein Spruch dazu, wie das sein kann, da ihr Vater Aaron Spelling schließlich ein mehr als erfolgreicher Produzent war.

Einer fehlt

Leider schwebt eine kleine dunkle Wolke über der ansonsten vor allem lustigen Angelegenheit. Es sollten acht und nicht nur sieben Hauptdarsteller sein. Luke Perry hatte zugesagt, dass er wenigstens für kurze Gastauftritte zu haben sei. Sein Terminkalender war durch den Dreh von Riverdale voll, aber da sollte Platz geschaffen werden. Doch Ende Februar 2019 erlitt er einen Schlaganfall und verstarb am 4. März, kurz nach Bekanntgabe des Projekts. Sein Tod wird nicht näher thematisiert und es wird bei kurzen Erwähnungen und vielsagenden Blicken belassen. Tori Spelling und Jennie Garth, die das Konzept entwickelten und in den Credits als Mitschöpfer erwähnt sind, gaben viele Interviews und unweigerlich kamen die Gespräche auf den Tod Perrys. Die Reaktionen der beiden sprechen Bände. Die erste Episode BH90210 ist daher Perry gewidmet, der noch einmal als Dylan McKay ins Bild kommt, da Toris Kinder sich Beverly Hills, 90210 ansehen. Ein würdevoller Abschied.

Figurenfindung durch Meta-Kommentar

Doch BH90210 ist auf Unterhaltung aus und bringt an allen Ecken und Enden Humor ins Spiel. Da ist keine Zeit, um lange Trübsal zu blasen. Die Gerüchteküche war zuvor viel zu sehr damit beschäftigt überzukochen, wenn es um das Thema Shannen Doherty ging. Sie verließ Beverly Hills, 90210 nach der vierten Staffel mit großen Krach und lebt im Geist der Fans oftmals als Unruhestifterin weiter. Übersehen wird dabei schnell, dass sie bereits 2008 für einige Episoden 90210 erneut die Rolle der Brenda Walsh spielte. In den letzten Jahren machte sie ihren Kampf gegen Krebs öffentlich und spricht sehr offen über ihre Krankheit. Diesen herben Teil spart BH90210 aus und gibt Serien-Shannen ein Image als spirituelle Tierliebhaberin. Das spielt wunderbar mit der Persona, die sich in den Köpfen der Zuschauer in den 90ern entwickelt hat. Die echte Shannen ist mit dem Fotografen Kurt Iswarienko verheiratet, die Figur der Serie ist Single und immer auf Achse, um einem Tier in Not zu helfen. Die damalige Fehde zwischen Garth und Doherty wird immer wieder kommentiert, allerdings mit sehr viel Augenzwinkern.

Ein bisschen Plot muss sein

Jennie Garth nennt BH90210 liebevoll eine Soapedy. Da Beverly Hills, 90210 besonders in den späteren Staffeln extrem ins Seifenopernmetier abdriftete, wird auch das nun aufgegriffen. Eheprobleme, ungeklärte Vaterschaftsverhältnisse, ein spätes sexuelles Erwachen und Affären beschäftigt die fiktive Schauspielriege. Als Ausgleich gibt es dann aber auch einen Stalker, der als Warnung erstmal massakrierte Puppen verschickt. Und um das Reboot in Gang zu bringen, müssen Geldgeber zustimmen, Drehbuchschreiber her, die Kritik vertragen und einige Produktionshürden genommen werden. Ein herrlicher Abgrund in die Welt eines Pilotendrehs tut sich auf. Da vergehen die sechs Episoden wie im Flug.

Fazit

Eigentlich trieb mich nur Neugier dazu, BH90210 zu schauen, und kein wirkliches Interesse. Aber diese Aufbereitung, dass die Schauspieler ihren Namen hergeben und Teile ihres öffentlichen Lebens total überzogen darstellen, hat mich schnell überzeugt. Ich habe lange nicht mehr so oft, so laut und so anhaltend gelacht. Dabei ist mir klar, dass man für den vollen Unterhaltungsumfang damals auch irgendwie dabei gewesen sein muss. Ich selbst habe Beverly Hills, 90210 während der siebten Staffel aufgegeben und nur noch sporadisch geschaut, doch die ersten Staffeln sind mir wohlbekannt. Und da kamen beim Ansehen Erinnerungen an den Tausch von Bravo-Postern hoch. Komplett neue Zuschauer wird man hier kaum ansprechen können. Wer sich an die Show erinnert, wird sich aber über so einige Gastauftritte freuen. Carol Potter, ehemals Mutter Cindy Walsh, hat die Schaupielerei gegen einen Job als Therapeutin getauscht und hier kann sie Gruppentherapie anbieten. Ein Fünkchen Wahrheit findet sich doch. Wie auch ein Sharknado-Plakat, ein Franchise mit dem Ian Ziering im Gespräch bleibt. Mit dem Stalker-Plot hätte ich mir gewünscht, dass vielleicht Tiffani Thiessen ins Spiel kommen könnte. Als Valerie Malone war sie über 130 Folgen dabei. Dass es nur der Fan vom Anfang war, ist ein bisschen enttäuschend, da alles andere so schön verrückt ist. Doch allein die Tatsache, dass man den Titelsong ausgebuddelt hat und das Opening – in alphabetischer Reihenfolge – mit den fröhlichen Leuten nachstellt, sorgt für glückselige Nostalgie. Mission gelungen.

© Fox Media

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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