Ash vs Evil Dead

Lesezeit: 5 Minuten

Als im April 2018 Ash vs Evil Dead nach drei Staffel eingestellt wurde, war die Bestürzung in der Gemeinde der Horrorfans groß. Denn den Produzenten war es gelungen, die Tanz der Teufel-Reihe nach über 20 Jahren als TV-Serie wiederzubeleben und dabei den Vorgängerfilmen, die als Klassiker des blutig-vergnüglichen Horrors gelten, mehr als gerecht zu werden. Dabei ist es alles andere als einfach, Splatter-Stoffe für das Fernsehen zu adaptieren, man denke nur an das eher enttäuschende Serien-Remake von From Dusk Till Dawn. Wie ist es der Crew um Sam Raimi und Bruce Campbell gelungen, zu triumphieren, wo Indie-Legende Robert Rodriguez scheiterte?

   

30 Jahre sind vergangen, seit Ash Williams (Bruce Campbell, Bubba Ho-Tep) in der Hütte im Wald seine von Dämonen besessenen Freunde blutig niedermetzelte. Nach dem Zeitsprung ins Mittelalter scheint das Böse endgültig gebannt zu sein. Doch Ash ist alles andere als ein gefeierter Held. Er arbeitet nach wie vor in einem Baumarkt, wird von seinem Chef schikaniert und wohnt in einem Trailer. Eines Nachts kommt er während eines One-Night-Stand im Marihuana-Rausch auf die bescheuerte Idee, aus dem Necronomicon vorzulesen. Prompt ist das Böse wieder in der Welt und dem gealterten Ash auf den Versen. Dieser ist nun bemüht, den immer blutiger werdenden Schlamassel in den Griff zu bekommen, bevor die Menschheit in die Binsen geht. Hilfe erhält der dabei von seinen Kollegen Pablo (Ray Santiago) und Kelly (Dana de Lorenzo). Bewaffnet mit Kettensäge und Schrotflinte begeben sie sich gemeinsam auf Dämonenjagd und „treten dem Bösen in den Arsch“.

Das Trailer-Park Arschloch

Originaltitel Ash vs Evil Dead
Jahr 2015 – 2018
Land USA
Episoden 30 in 3 Staffeln
Genre Splatterkomödie
Cast Ashley Williams: Bruce Campbell
Ruby Knowby: Lucy Lawless
Pablo Simon Bolivar: Ray Santiago
Kelly Maxwell: Dana DeLorenzo
Amanda Fisher: Jill Marie Jones
Brujo: Hemky Madera

Eine der größten Herausforderungen des Drehbuchs dürfte es gewesen sein, Ash als Charakter auszuarbeiten. Denn hier hatten die Filme wenig Vorarbeit geleistet. So hatte sich Raimi im ersten Tanz der Teufel eher auf Bildsprache und Splatter-Effekte konzentriert und seinen Protagonisten nur flüchtig eingeführt. Deswegen verbrachte Campbell die ersten beiden Filme vor allem mit dem Kampf um die eigene Haut, garniert mit dem ein oder anderen One-Liner. Erst im dritten Teil spielten Dialoge eine etwas wichtigere Rolle und nun wurde Ash zunehmend als großspuriger, aber unfähiger Macho dargestellt. Daran knüpft die Serie an. Ebenfalls dürfte Campbells ironische Selbstdarstellung als ständig abgebrannter Trailer-Park-Prolet in My Name Is Bruce als Vorlage für seine Figur gedient haben. Denn der gealterte Ash ist letztendlich der überzeichnete Gegenentwurf zu allen politisch korrekten Idealen der Gegenwart. Er säuft, er kifft und er gibt regelmäßig sexistische Sprüche zum Besten. Ebenfalls scheint er keine Probleme damit zu haben, seine Mitmenschen zu belügen und deren Hilfsbereitschaft schamlos auszunutzen.

Blutiger Humanismus

Dass Ash dennoch als Held funktioniert, ist darauf zurückzuführen, dass seine menschlichen Schwächen eine Identifizierung mit dem Publikum erleichtern. Gleichzeitig beweist Cambells Figur zumindest in Notlagen echte Charakterqualitäten. Doch vor allem die Freundschaft mit Pablo und Kelly lässt Ash als Charakter wachsen und macht ihn sympathisch. Dass dies gelingt, liegt auch an der guten Chemie zwischen den Hauptdarstellern. Hinzu kommt, dass die Serie einen Gutteil ihres Humors daraus bezieht, dass Ash immer wieder als legendärer Dämonenkämpfer verehrt wird und dabei den in ihn gesetzten Erwartungen und Hoffnungen nie wirklich gerecht zu werden scheint. Gleichzeitig macht ihn dies zu einer interessanteren Figur, die ständig zwischen Charakterschwein und mythischem Helden chargiert und dadurch eine Menschlichkeit gewinnt, die ihn wohltuend von den makellosen, glattpolierten Protagonisten des Superheldenkinos abhebt. Somit steht Ash vs Evil Dead in der stolzen Tradition des Horrorkinos der 80er, welches der damaligen oberflächlichen Körperkultur einen authentischen und blutverschmierten Humanismus entgegensetzte.

Handarbeit

Dabei macht die Serie allerdings nicht den Fehler, eine allzu ernstzunehmende dramatische Handlung aufbauen zu wollen. Vielmehr dient der Plot primär als Aufhänger für die zahlreichend abgedrehten Splatterszenen. Denn nachdem der dritte Teil der Filmreihe lustig, aber unblutig ausfiel, sind in der Serie die Gore-Effekte zurück. Glücklicherweise ist man nicht dem Beispiel der Serienadaption From Dusk Till Dawns gefolgt, für eine niedrigere Altersfreigabe die Gewaltdarstellungen und damit den Markenkern zu opfern. Und auch mit Computereffekten wurde sparsam umgegangen. So punktet die Produktion mit liebevoll handgemachten Spezialeffekten und Unmengen Kunstblut, die nur punktuell und teilweise etwas auffällig mit CGI ergänzt wurden. Damit zieht die Serie mit dem Splatterkino der 80er Jahre gleich und übertrifft sogar die oftmals improvisierten Effekte des ersten Kinofilms.

Gemetzel der Woche

Natürlich lässt sich eine Serie nicht wie ein Spielfilm strukturieren, und das gilt erst recht im Horrorgenre. So wäre es undenkbar, die erste Hälfte der Staffel für Charaktereinführungen und Expositionen zu reservieren und erst in der zweiten Hälfte den Horror von der Leine zu lassen. Stattdessen haben die meisten Episoden eine einfache, aber effektive Binnendramaturgie. So wird gewöhnlich nach einem etwas blutigen Cold Opening die Handlung ein Stück vorangetrieben und eine neue Bedrohung etabliert, die in der Regel kurz vor Ende spektakulär bekämpft wird. Dadurch ist sichergestellt, dass die überwiegende Mehrheit der Episoden genug Splattereffekte enthalten, um den Erwartungen des Publikums gerecht zu werden. Einzig und allein in der Mitte der meisten Staffeln wird mit diesem Schema gebrochen und unsere Helden müssen Herausforderungen meistern, die sich nicht mit Schrotflinte und Kettensäge bezwingen lassen. Vermutlich verfolgten die Autoren hiermit das Ziel, die Geschichte etwas weiter voran zu bringen und gleichzeitig für etwas Abwechslung zu sorgen. Die Zuschauer dürfte aber diese Entscheidung spalten. Denn wer eher Wert auf etablierte Erzählmuster des Serienfernsehens legt, wird vermutlich mit solchen Episoden mehr anfangen können, als jene, die sich von einer Evil Dead-Serie vor allem überzogene Gore-Effekte erhoffen. Glücklicherweise findet die Serie im letzten Drittel einer jeden Staffel stets zu ihrem Alleinstellungsmerkmal zurück und beweist ihre Kreativität durch immer neue und immer absurdere Blutbäder.

In Sam Raimis Fußstapfen

Allerdings täte man Sam Raimi unrecht, würde man sein ganzes Werk nur auf Splatter- und Gore-Effekte reduzieren. Mit Filmen wie Drag me to Hell, Schneller als der Tod und nicht zuletzt Armee der Finsternis hat er unlängst bewiesen, dass er auch eher unblutigen Filmen stilistisch seine ganz eigene Handschrift verpassen kann. Diese Handschrift und damit das Feeling der Originalfilme zu adaptieren ist den verschiedenen Regisseuren der Serie durchaus gelungen. Am überzeugendsten sieht dabei natürlich die Pilot-Folge aus, was kaum verwundert, da hier Rami selbst Regie führte. Von den verspielten Kameratricks, dem schnellen Wechsel zwischen klassischer Horrorästhetik und charmant billig anmutendem Slapstick bis hin zum Dämonen-Makeup erinnert alles an seine Kinofilme.

Fazit

Lange hatten Fans auf einen vierten Tanz der Teufel mit Bruce Campbell gewartet. Dass Ashley Williams schließlich nicht auf die große Leinwand zurückkehrte, sondern stattdessen im Fernsehen seinen Kampf gegen das Böse aufnahm, war für viele überraschend. Doch selbst als großer Kinofan muss man diese Entscheidung rückblickend als großen Glücksfall bewerten. Ash vs Evil Dead enthält genügend Splatter-Effekte, Sprüche und irre Handlungsentwicklungen, um damit gleich mehrere Kinofilme zu füllen, und ist dabei derart wertig produziert und gelungen besetzt, dass so mancher aktuelle Beitrag zum Splatter-Kino locker übertroffen wird. Dass manche Episoden etwas blutleer ausfallen, ist da schnell verziehen. Selbst die überraschende Absetzung sollte niemanden daran hindern, der Serie eine Chance zu geben. Denn letztendlich stellt das Finale der dritten Staffel durchaus einen gelungenen Abschluss nicht nur der Serie, sondern auch der Filmreihe dar. Dies ist umso erfreulicher, da Bruce Campbell vorerst eine Fortsetzung der Geschichte auf der Kinoleinwand ausgeschlossen hat. Doch natürlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

© 20th Century Fox

Sharing is caring / Artikel teilen:
  •  
  • 1
  •  

Timo Beyer

Mit Timo Beyer haben wir einen waschechten Historiker in unserer Redaktion, der sich nicht nur mit großer Begeisterung auf jeden Historienfilm stürzt, sondern auch für das klassische Hollywood-Kino brennt. Sein Lieblingsgenre sind Western verschiedenster Couleur, von John Wayne bis Clint Eastwood. Seine Film- und Buchsammlung platzt aus allen Nähten, weshalb er immer auf der Suche nach neuem Stauraum ist.

avatar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: