xxxHOLiC

Lesezeit: 7 Minuten

Geister, Dämonen und die Hexe der Dimensionen. Dies ist nur ein kleiner Teil, mit dem sich der Schüler Kimihiro Watanuki im Manga xxxHOLIC von CLAMP (Card Captor Sakura) herumärgern darf. Herausgegeben von Egmont Manga, betraten die Charaktere im Jahr 2004 zum ersten Mal den deutschen Markt. In 19 Bänden können wir uns einen Überblick verschaffen, was es mit der geheimnisvollen Hexe Yuko auf sich hat, weshalb Watanuki gerne ausrastet, wieso Versprechen nie ohne gründliches Nachdenken gegeben werden sollten und wie wichtig Ehrlichkeit und Vertrauen sind.

Kimihiro Watanuki ist am Verzweifeln. Er kann nicht nur Geister sehen, sondern diese verfolgen ihn wohin auch immer er geht und machen ihm das Leben zur Hölle. Auf der Flucht vor seinen Verfolgern stolpert der Schüler eines Tages und als er aufblickt, sind die Geister die ihn zuvor noch fressen wollten, verschwunden. Er befindet sich vor einem seltsamen Gebäude, das so gar nicht ins Gesamtbild der Umgebung passt. Auf mysteriöse Weise tragen ihn seine Beine in das Haus und direkt vor die Füße der Hexe Yuko Ichihara. Die Eigentümerin des Ladens erklärt ihm, dass ihr Treffen Schicksal sei.  Denn nur Personen, die einen Wunsch besitzen, können das Geschäft finden und betreten. So auch Watanuki, denn sein größter Wunsch ist ein Leben ohne Geister. Doch jeder Wunsch hat einen Preis. Dieser kann allerdings nicht in Geld bezahlt werden, sondern muss einen entsprechenden Gegenwert haben, um die Welt im Gleichgewicht zu halten. Da Watanuki nichts Entsprechendes besitzt, wird er von nun an Yukos Aushilfe sowohl im Laden, als auch im Haushalt, um seine Schuld abzuarbeiten.

Jeder Wunsch hat seinen Preis

Originaltitel xxxHOLiC
Jahr 2003 – 2011
Bände 19
Genre Drama, Fantasy, Mystery
Autor CLAMP
Verlag Egmont Manga (2004 – 2011)

Das Geschäft von Yuko ist kein gewöhnlicher Laden. Obwohl sie sehr viele wertvolle Dinge in ihrer Schatzkammer (von Watanuki liebevoll Rumpelkammer genannt) besitzt, verbergen sich dahinter die Bezahlungen ihrer Kunden. Die Hexe akzeptiert kein Geld. Das wichtigste Prinzip ist, dass der von den Kunden geleistete Gegenwert ihrem Wunsch entspricht. Je aufwendiger der Wunsch, umso teurer der Preis. Es kommt zum Teil auch vor, dass sich hinter dem Preis nichts Materielles verbirgt. Das beste Beispiel hierfür ist Watanuki, der mit seiner Arbeitskraft und der damit verbundenen Zeit bezahlt. Die Frau, die sich von ihrer Zwillingsschwester unterscheiden will, zahlt mit ihren Haaren, die sie abschneidet. Eine weitere, die mit ihrem Laptop nie wieder ins Internet möchte, bezahlt mit diesem, indem Yuko den Laptop mit einem Baseballschläger zerstört. Dies sind eher harmlose Varianten. Dass es auch anders geht, muss Watanuki zu Beginn seiner Laufbahn feststellen. Schmerzhaft erfährt er was geschieht, wenn eine junge Frau trotz Warnungen von Yuko ihr komplettes Leben auf Lügen aufbaut. Hinter der glücklichen Fassade zeigt sich ein Mensch, der zutiefst unglücklich ist. Dadurch entsteht die erste heftige Szene in xxxHOLIC, bei der es ein Opfer gibt. Wie bestimmt wird, was der entsprechende Gegenwert für den Wunsch ist, bleibt allerdings ein Rätsel. Was diese Erklärung betrifft, müssen sich die Leser auf Yukos Gespür und ihre Erfahrung verlassen.

Der Mensch ist das größte Mysterium von allen

Die Stimmung, die sich durch die Handlung zieht, schwankt sehr schnell. Im ersten Moment ist es magisch, wunderlich, verträumt, süß und dann wird es spannend, unheimlich und sogar düster. Das Geschehen wird oft durch Watanukis Wutausbrüche aufgelockert, die allerdings in einigen Momenten etwas übertrieben wirken sowie seinem ständigen Genörgel, welches etwas auf die Nerven geht. „Es gibt keine Zufälle, es gibt nur Fügungen“, dieser Spruch der Hexe Yuko zieht sich durch die ganze Geschichte und auch wenn Watanuki zu Beginn den Rätseln, in denen seine Meisterin spricht, nicht ganz folgen kann, lernt er mit der Zeit zu verstehen und verändert sich dadurch. Mit viel Spannung wird über die einzelnen Kunden berichtet, die seltsamerweise zum Großteil aus Frauen bestehen. Nicht alle Hilfesuchenden sind Menschen und so bleibt die Geschichte unvorhersehbar und wird teilweise düster, wenn das Schicksal mancher sie unaufhaltsam in die Tiefe stürzt. Watanuki will helfen – dadurch passiert es auch, dass er sein eigenes Leben riskiert, ohne an die Folgen zu denken.

Lehrling und Hexe

Unser Hauptcharakter Kimihiro Watanuki besitzt die Gabe, Geister zu sehen. Zu Beginn der Geschichte ist dies für ihn allerdings mehr ein Fluch, da er von ihnen täglich gequält und verfolgt wird. Laut Yuko ist er für diese eine Art Festmahl. Als er noch klein war, verlor er beide Eltern und lebt seitdem alleine. Früh musste er lernen, sich selbst zu versorgen und aus diesem Grund kennt er sich mit den Themen Haushalt und Kochen sehr gut aus. Zu Beginn wird Watanuki als Yukos Aushilfe eingestellt und kümmert sich um den Haushalt. Schnell wird klar, dass er zu einer Art Lehrling der Hexe ausgebildet wird und sie im Laden mit den Kunden unterstützt. Da er ein großes Mitgefühl für die Kunden zeigt und auch interessiert ist, erwiesen sich Yukos Entscheidung ihm Aufgaben zu geben, als passend. Watanuki ist begabt und hat eine große Liebe zum Kochen, was Yuko zu schätzen weiß. Zudem ist er ein richtiger Putzteufel und rennt viel mit Kopftuch und Besen durch die Gegend. Obwohl er sich ständig über die Arbeit und das Verhalten der Hexe beschwert und gerne ausrastet, ist er fleißig und macht seine Arbeit gründlich. Als Eigentümer eines Ladens, in dem Wünsche erfüllt werden, würde man nicht gerade eine Frau erwartet, die sehr gerne Alkohol trinkt. Das ist ein Laster der Hexe, sie kommandiert Watanuki gerne herum (nicht nur wenn sie angetrunken ist) und es hat den Anschein, als würde sie ihn gerne ärgern oder sogar quälen. Dass er sich aufregt, ist verständlich. Nur scheint es Yuko dann noch mehr Spaß zu machen. In Wahrheit ist sie aber auch eine Art Mutter für ihn. Sie beschützt ihn, ohne dass Watanuki es merkt, hat immer ein Auge auf ihn und lehrt ihn wichtige Dinge fürs Leben.

Klassenkameraden sind wichtig

Zur Gruppe gehören noch zwei Klassenkameraden von Watanuki. Die süße, immer lächelnde Kunogi Himawari, in die Watanuki verliebt ist und der ruhige, zum Teil auch unverschämte Shizuka Domeki, den Watanuki als Rivalen ansieht. Schon bei der ersten Begegnung mit Himawari wird bei Yukos Reaktion klar, dass sich Geheimnisse um das Mädchen ranken. Es dauert allerdings sehr lange, bis diese gelüftet werden. Was Domeki betrifft, haben er und Watanuki eine enge Verbindung. Er besitzt die Fähigkeit, Geister abzuwehren, obwohl er sie nicht sehen kann. Deswegen ist er der perfekte Partner für Watanuki, auch wenn dieser es kaum ertragen kann, mit ihm auf engstem Raum zu sein. Das Faszinierende ist allerdings, dass Domeki trotz der ständigen Beschwerden und sogar Beleidigungen nicht geht, sondern dem Hauptcharakter beisteht. Ein positiver Aspekt ist, dass es keine Geheimnisse gibt. Bereits zu Beginn erzählt Watanuki seinen Kameraden von Yuko und den Kunden, sodass er sich keine Ausreden einfallen lassen muss, warum er jeden Tag nach der Schule zu einer Hexe geht.

Mysteriöse Geschäfte

Die erste Hälfte besteht weitestgehend aus in sich abgeschlossenen Geschichten, die sich mit Yukos Geschäften befassen. Die zweite Hälfte der Handlung wird deutlich komplexer. Es geht viel um Okkultismus, Wahrsagerei, Geisterbeschwörung, Aberglaube und Weisheiten. Dabei spielen neben den Hauptcharakteren des Mangas noch weitere mystische und märchenhafte Figuren eine Rolle. So das Zimmerkind, das Seidenspinnenweib, ein Traumhändler, ein Katzen- und ein Regenmädchen sowie ein Rohrfuchs, der gerne die Körperwärme von Watanuki sucht. Zusammen mit dem kleinen, schwarzen, pelzigen Wesen Mokona gibt es einige unterhaltsame Szenen. Wenn es um Essen oder Trinken geht, weiß neben Yuko auch das Tierchen nicht wann genug ist. Schnaps, Bier, Wein, Sake und Likör aller Art sind willkommen und immer gerne gesehen. Watanuki hat da auch einen Blick, was zusammen passt und weiß, wie er seine Mitmenschen glücklich machen kann.

Bindeglied zwischen den Welten

Obwohl xxxHOLIC mit Tsubasa – Reservoir Chronicle verbunden ist, funktioniert es für einige Zeit, die Geschichte rund um Watanuki zu verstehen ohne zu wissen, was Shaolan, Sakura und die anderen auf ihrer Reise erleben. Spätestens ab Band 11 ist es beinahe unumgänglich, um gewisse Antworten und Erklärungen zu bekommen. Zu Beginn der Reihe sind die Passagen, in denen Charaktere aus Tsubasa – Reservoir Chronicle auftauchen, kurz gehalten und sie wirken nicht anders als die sonstigen Kunden in Yukos Laden. Gegen Ende wird es allerdings sehr schwer, der Geschichte zu folgen und es könnte große Fragezeichen geben, wenn man Shaolan und Sakura nicht kennt. Zudem machen die Anspielungen auf andere Serien auch neugierig. Ein Bindeglied zwischen den beiden Reihen ist das Wesen Mokona. Ein kleines pelziges Geschöpf, das in seiner weisen Form Shaolan begleitet und als schwarze Figur bei Yuko im Laden ist. Durch Mokona können sie kommunizieren. Wer beispielsweise wissen möchte, warum Watanuki und Domeki auf Befehl der Hexe Wasser aus einem Brunnen quer durch die Stadt schleppen, der findet seine Antwort in Band 17 von Tsubasa – Reservoir Chronicle.

Lang, schlacksig und mit vielen Details

Vergleicht man den Zeichenstil xxxHOLIC mit Reihen wie Card Captor Sakura oder Magic Knight Rayearth, kann man deutliche Unterschiede erkennen. Die Körper der Charaktere sind in die Länge gezogen und dünn gezeichnet. Dies hat zur Folge, dass sie etwas unrealistisch wirken. Die Kleidung von Yuko ist sehr vielfältig dargestellt. Von traditioneller japanischer Kleidung geht sie über zu bauchfreien Outfits mit Baseballschläger bewaffnet bis hin zu Abendkleidern, die zu einem Filmstar passen könnten. Besonders die Bilder der einzelnen Kapitel sind sehr detailreich und man kann sich schnell darin verlieren. Alle Bände bis auf den sechzehnten enthalten in der ersten Auflage Farbseiten, wodurch bestimmte Sachverhalte, wie zum Beispiel Watanukis unterschiedliche Augenfarben noch einmal hervorgeholt werden.

Langersehnte Fortsetzung?

In 19 Bänden ist die Serie abgeschlossen. In Japan gibt es zudem die Fortsetzung xxxHOLiC: Rei, die für Deutschland leider noch nicht angekündigt ist. Da am Ende offen bleibt, ob sich Watanukis eigener Wunsch erfüllt, bietet der Manga durchaus das Potenzial für eine Fortsetzung, bei der es für alle Fans wünschenswert wäre, wenn sie den Weg nach Deutschland finden würde. Aufgrund der Beliebtheit der Reihe sind unter Studio Production I.G (Haikyu!!) bereits ein Anime sowie ein Movie und OVAs entstanden. Der Anime zeigt die einzelnen Episoden des Mangas. In der ersten Staffel werden allerdings alle Szenen, die sich mit den Geschehnissen aus Tsubasa – Reservoir Chronicle befassen, ausgelassen.

Fazit

Zuerst muss ich sagen, dass ich Tsubasa – Reservoir Chronicle gelesen habe und damals noch nichts von xxxHOLIC wusste. Die Hexe hat mir gefallen und irgendwann kam der Punkt, als ich sehr viele Fragezeichen im Kopf hatte. Aus diesem Grund habe ich angefangen, die Reihe rund um Watanuki und Yuko zu lesen. Ich bin froh darüber, denn es beantworten sich doch einige offene Fragen, wenn man beide Serien kennt. Am Anfang war mir Yuko etwas suspekt. Sie spricht in Rätseln und von ihrer Ausstrahlung her wirkt sie sehr geheimnisvoll. Dass Watanuki sich so schnell bei ihr einlebt, überrascht mich, aber er möchte ja auch etwas von ihr. Auch der Laden der Hexe ist sehr interessant. Beim Entrümpeln der Schatzkammer findet Watanuki zum Beispiel einen Stab, der vielen Lesern aus Card Captor Sakura bekannt sein könnte. Ich habe besonders im Hinblick auf Tsubasa – Reservoir Chronicle nach vielen Anspielungen gesucht, aber mir ist wenig aufgefallen. Die Serie ist etwas düsterer gehalten: Geister, Dämonen, Spinnen und noch einiges mehr werden zur Gefahr für den Schüler. Unterstützung bekommt er durch seine Klassenkameraden und er trifft viele interessante Leute und findet neue Freunde. Wie sich Watanuki im Lauf der Geschichte verändert, finde ich sehr positiv. Er wird erwachsener und sammelt Erfahrungen durch seine Meisterin. Leider ist das Ende nicht ganz befriedigend, daher bleibt die Hoffnung das es die Fortsetzung eines Tages zu uns schafft. Es gibt keine Zufälle, sondern nur Fügungen. So der Leitspruch der Hexe. Also kann ich sagen, dass es kein Zufall war, dass ich zu dieser Reihe gegriffen habe.

© Egmont Manga

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