Murder by Numbers

Ein Ermittler-Duo das in Mordfälle stolpert und diese auflöst, ist eines der ältesten Klischees des Krimi-Genres. Wenn einer der Ermittler allerdings ein Roboter mit künstlicher Intelligenz und Gedächtnisproblemen, die andere eine frisch geschiedene Schauspielerin ist, dann darf man schon mit etwas Abwechslung rechnen. Murder by Numbers ist eine Visual Novel, die sich dieses Themas annimmt und dabei die bekannte Formel der Phoenix Wright-Spielreihe mit dem Lösen von Puzzles verbindet. Dabei ist die Frage berechtigt, ob es sich bei dem Spiel nur um eine Kopie handelt oder das Spiel auch auf eigenen Beinen stehen kann. Deutsche Visual Novel-Fans dürfen sich seit dem 5. März 2020 bereits ein Bild davon machen und für alle, die den Titel noch nicht kennen, übernehmen wir das nun.

 

Nonogramme sind eine Art von Rätsel, die hierzulande vor allem durch Nintendos Picross-Spiele einigermaßen bekannt sind. Die Idee mit diesen Rätseln Bitart zu gestalten ist ebenfalls nicht neu. In Murder by Numbers sind sie gleichzeitig ein wichtiges Spielelement und relevant für die Geschichte. Der kleine Roboter S.C.O.U.T. wacht auf einer Müllhalde auf und sieht sich mit Gedächtnisproblemen geplagt. Gleich zu Beginn nutzt das Spiel das Hochfahren von S.C.O.U.T., um eine kleine Anleitung für das Lösen von Nonogrammen zu geben. Hier dienen die gelösten Rätsel als “Scans”, die S.C.O.U.T. von seiner Umgebung macht. Die Protagonistin Honor Mizhrahi, ist eine Schauspielerin in der Serie “Murder Miss Terri” und spielt dort einen Police Detective. Nach dem Abdrehen der letzten Folge wird sie allerdings vom Produzenten und einem ihrer Freunde, Blake, gefeuert. Noch von Unverständnis geplagt, trifft sie auf dem Parkplatz auf S.C.O.U.T., der auf der Suche nach seinen Erinnerungen Hilfe von ihr benötigt, im Glauben sie sei ein echter Detective. Bevor es weitergeht, passiert aber, was passieren muss: Ein Mord geschieht! Damit beginnt die Geschichte eines Ermittler-Duos auf der Suche nach Erinnerungen, Freundschaft, Wahrheit und natürlich den Mördern.

Freunde und Kollegen mit einer Prise Ex-Mann und einer Mutter als Topping

Originaltitel Murder by Numbers
Jahr 2020
Plattform PC, Nintendo Switch
Genre Mystery, Puzzle, Visual Novel
Entwickler Mediatonic
Publisher The Irregular Corporation
Spieler 1
USK keine Angabe
Seit dem 5. März 2020 im Handel erhältlich

Das Setting der 1990er mit Los Angeles als Zentrum sorgt für eine Ansammlung illustrer Personen. Von typischen Schauspielern, schwulen Stylisten, Drag Queens, abgedrehten Regisseuren, Anwälten bis zu Ex-Militärs wird nichts ausgelassen. Honor als starke, schwarze Frau, die sich von ihrem gewalttätigen Ex-Mann getrennt hat, ist eine Hauptcharakter, der die Schwierigkeit verkörpert, nach einer schmerzhaften Beziehung wieder das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ihr Ex-Mann Ryan ist auch ein wiederkehrender Charakter und immer wieder in Fälle verwickelt. Ebenso Honors Mutter, die ein ganz anderes Bild von Ryan hat. So sehr wie die Geschichte eine Suche nach S.C.O.U.T.s Erinnerungen darstellt, dient sie ebenso als eine Reise für Honor, um ihre Berufung zu finden. Wichtig für sie ist dabei auch ihr Vater, ein ehemaliger Polizist der im Dienst verstarb. Detective Cross, der grimmige alte Polizist, der für jeden Fall mit Honor zu tun hat, besitzt ebenfalls eine Verbindung zu ihr. Das ganze Spiel ist darauf ausgelegt, dass die meisten Charaktere nicht nur für einen Fall wichtig sind, weshalb man sich in dieser Gruppendynamik auch gleich zu Hause fühlt.

Puzzle-Spaß im Los Angeles der 90er Jahre

Über vier Kapitel, die sich jeweils um einen Fall drehen, wird eine übergeordnete Geschichte von Murder by Numbers erzählt. Das Untersuchen von Tatorten, Befragungen von Zeugen und die immer schwieriger werdenden Puzzles erzeugen ein wunderbares Spielgefühl für alle Rätselfreunde und Fans von Spielen wie Phoenix Wright. Die paar wenigen Puzzles, die dabei eine Lösung in einer bestimmten Zeit verlangen, sind manchmal aber äußerst knapp bemessen. Es wird dadurch die sonst relativ ruhige Art des Spiels etwas aufgelockert, was auch Langeweile verhindert. Die Tatsache, dass mit Masakazu Sugimori der Komponist für die Musik zuständig ist, der auch schon an den Phoenix Wright-Spielen arbeitete, verstärkt dieses Gefühl der Gesamtheit. Beim Lösen der Puzzles kann man sich schon einmal dabei ertappen, die Melodien mitzusummen. Mit zehn bis 15 Stunden Spielzeit ist die Visual Novel auch nicht allzu lang geraten, wodurch selbst bei ähnlichen Puzzles keine Ermüdungserscheinungen auftreten. Nach den Credits wird sogar noch, ganz im Stil der Marvel-Filme, eine mögliche Fortsetzung angedeutet. Geschichten zum Erzählen gäbe es schließlich auf jeden Fall noch genug.

Fazit

Eine Visual Novel im Stil von Phoenix Wright und mit Puzzles? Mein Interesse war da gleich geweckt. Wie viel Spaß die Geschichte macht, war vorerst nebensächlich, doch ich wurde gleich zu Beginn in diese Welt eingesaugt  und die Puzzles sind eine angenehme Beschäftigung, um das Gehirn frisch zu halten. Mediatonic liefert hier tolle Arbeit ab und zeigt, dass auch neue und unbekannte Marken überraschend stark sein können. Die geistigen Vorfahren wie Phoenix Wright sind zwar klar erkennbar, doch durch die Nonogramme und einem wunderbaren Pool an vielschichtigen Charakteren sind alle Ähnlichkeiten eher als Hommage zu verstehen. Kleinere Abzüge gibt es dann doch für die Story, die sich manchmal sehr schnell durch bestimmte Ereignisse bewegt. Da hätte ich mir hin und wieder gerne etwas längere Szenen gewünscht. Am Ende überwiegen aber die positiven Eindrücke sehr viel mehr. Musik, visuelle Gestaltung und auch die Charaktere haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen und die Hoffnung auf weitere Teile ist hoch. Für Fans von Phoenix Wright und ungleichen Ermittler-Duos ist der Titel auf jeden Fall zu empfehlen und wenn man auch noch Spaß mit Puzzles hat, stellt Murder by Numbers (beinahe) perfekte Unterhaltung für mehrere Stunden.

© The Irregular Corporation

Hero Kage

Hero Kage ist Test Engineer für einen der weltweit größten Chiphersteller und sorgt unter anderem dafür, dass die Elektronik in Autos richtig funktioniert. In seiner Freizeit erholt er sich mit jedem Medium, das eine Geschichte bieten kann, die ihm gefällt. Dabei unterscheidet er nicht zwischen einzelnen Medien. Es geht ihm nur darum, besonders gut unterhalten zu werden. Zudem ist er auch noch passionierter Brett- & Kartenspieler und immer für ein neues Spiel zu begeistern.

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