The Spine of Night

In der Zeit, bevor Masters of the Universe gezeichnete Fantasy-Produktionen neu definierte, gab es reichlich düsteren Fantasy-Stoff wie Heavy Metal oder Fire and Ice, welcher in der Regel nicht mit Brutalität geizte, Frauen stets nackt bis halbnackt herumlaufen ließ und heute in der allgemeinen Wahrnehmung soweit entfernt ist, dass man von einem nostalgischen Steinzeit-Trip sprechen kann. Da erscheint 2021 ein Animationsfilm, der wie aus der Zeit gefallen scheint: The Spine of Night von Philip Gelatt (The Remain) und Morgan Galen King (Kurzfilm Exordium). Eine Fantasy-Welt, die alle Elemente vereint, die man sich bei einem solchen Titel nur vorstellen kann: Krieger, Hexen, Zauberer, blutige Schlachten. In der Hauptrolle: Lucy Lawless, der auf ewig die Rolle der Xena anhaften wird und deren Stimme deshalb auch wunderbar zur Protagonistin Tzod passt. Gesehen haben wir das außergewöhnliche Werk auf dem Fantasy Filmfest 2021. Mit Koch Films hat die Produktion bereits einen deutschen Verleih gefunden.

     

Eine letzte Zauberblüte ist der Sumpfhexe Tzod (Lucy Lawless) noch geblieben, mit der sie über Leben und Tod entscheiden kann. Mit letzter Kraft kämpft sie sich in eine Höhle auf einem zugeschneiten Berg, wo sie zusammen mit einem unsterblichen Wächter (Richard E. Grant, Loki) rekapituliert, welches Unheil die letzten Jahrhunderte über die Welt einbrachen. In mehreren Geschichten erzählt sie vom Verlauf der Menschheitsgeschichte.

Rotoskopie-Ultra-Violence-Dark-Fantasy

Originaltitel The Spine of Night
Jahr 2021
Land USA
Genre Animation, Fantasy
Regie Philip Gelatt, Morgan Galen King
Cast Tzod: Lucy Lawless
Wächter: Richard E. Grant
Pyrantin: Patton Oswalt
Phae-Agura: Betty Gabriel
Mongrel: Joe Manganiello
Prophet of Doom: Larry Fessenden
Laufzeit 93 Minuten
FSK unbekannt
Titel im Programm des Fantasy Filmfest 2021

Es gibt blumige, bunte und gar liebliche Fantasy und es gibt … The Spine of Night. Die Schauwerte lassen sich an dieser Stelle schnell herunterbrechen: Magie, Blut und Grausamkeiten. Der Film zeichnet eine finstere Welt im Stile von US-Animationsfilmen der 1970er und 1980er. Was die Animationen der Filme jener Zeit von heutigen Hochglanzproduktionen unterscheidet, ist die Anzahl der Framerate. Sieht man sich heutige animierte Titel wie beispielsweise Spider-Man: A New Universe oder Castlevania an, fallen die fließenden Animationen und geschmeidigen Abläufe direkt ins Auge. The Spine of Night kommt auf zwölf Bilder pro Sekunde, was das Ergebnis ein wenig hakeliger macht und für einen Unterschied zu dem sorgt, was wir heute so gewohnt sind. Zuschauer:innen, welche die 40 bereits hinter sich gelassen haben, werden sofort ein vertrautes Gefühl haben. Entstanden ist der Film durch Rotoskopie (ein Verfahren, bei dem Filmszenen Einzelbild für Einzelbild auf eine Mattglasscheibe projiziert werden, um vom Animator abgezeichnet zu werden). Dadurch entstehen in der Regel realistischere Bewegungsabläufe.

Barbarische Fantasy

Gedanklich könnte The Spine of Night auch ein Spin-off von Conan der Barbar mit Horror-Elementen sein. Die Erzählwelt ist grausam und fordert ihren Figuren vor allem physisch einiges ab. Tzod ist nicht nur oben herum, sondern auch unten herum nackt und muss sich bei Minusgraden auf zur Bergspitze kämpfen. Es gibt zuhauf Geschlechtsteile zu sehen und Menschen sind in etwa soviel wert, als dass man sie auch eben mal massenweise abschlachten kann. Abgetrennte Körperteile, abgeschlagene Köpfe ‒ wer sich auf den Film einlässt, weiß in aller Regel aber, worauf er oder sie sich dabei einlässt. In diesem Fall ist die Faustformel: Schlacht ‒ Dialoge ‒ Schlacht ‒ Dialoge ‒ Schlacht. Simpel gestrickt, einfach ausgeführt.

Erzählerische Sprunghaftigkeit

Das gesamte Worldbuilding ist größer angelegt, als es das Storytelling eigentlich zulässt: Ganze Königreiche mit verschiedenen Fraktionen, Göttern und Magiern, Intrigen und Machtgerangel könnten im Grunde Stoff für eine gesamte Serien liefern. Man kann es sich schon denken: In den 93 Minuten Spielzeit muss einiges an erzählerischem Potenzial unangerührt liegen bleiben. Zumal die Geschichte in ihrer episodenhaften Erzählung ganze Jahrhunderte umspannt und der Fokus regelmäßig verschoben wird. Insofern kann man die Entscheidung wohl gleichzeitig begrüßen, dass die Exposition kurz ausfällt und es mehr von der Welt selbst zu sehen gibt, als sich mit Zusammenhängen aufzuhalten. Eine Welt zum Erleben, nicht zum Verstehen.

Fazit

Wie viele handgezeichnete Fantasy-Epen sind einem denn in den letzten zehn Jahren begegnet? Alleine schon deshalb kann man kaum ein schlechtes Haar an The Spine of Night lassen, da die Fantasy-Erzählung in allererster Linie das Bedürfnis nach nostalgischer Fantasy-Kost befriedigt. In seiner Handlung bringt der Film keine besonderen Qualitäten mit und hinterlässt am Ende das Gefühl, als hätte man nur einen winzigen Teilausschnitt einer ganzen Geschichte erlebt. Es geht hier viel mehr um das Gefühl, nostalgische Fantasy-Action zu erleben, als dass The Spine of Night inhaltlich das Bedürfnis nach mehr weckt. In diesem Fall gilt übrigens zur Abwechslung mal: Der Trailer vermittelt ein realistisches Bild darüber, ob der Film etwas für einen ist oder nicht.

© Koch Films

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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