Survive

Am 6. April 2020 startete in den USA der Streamingdienst Quibi (kurz für “Quick Bites”, also Snacks). Quibi unterscheidet sich von allen anderen Anbietern wie Netflix oder Disney+ dadurch, dass der Streamer exklusiv über mobile Geräte verfügbar sein wird. Außerdem besitzen die eigenproduzierten Serien von Quibi Episodenlängen von unter zehn Minuten. Damit wird man der kurzen Aufmerksamkeitsspanne vieler Zuschauer gerecht und kann schnelle Unterhaltung auf der Fahrt zur Arbeit anbieten. Zu den Zugpferden gehört die im Startmonat ausgestrahlte Serie Survive, die gleichzeitig das erste Serienprojekt von Sophie Turner nach Game of Thrones darstellt. Was sich in nur zwölf Folgen erzählen lässt? Das besprechen wir hier.

 

Jane (Sophie Turner) führte ihren letzten Monate im Kampf gegen die Tablettensucht, weshalb sie in einer Therapieeinrichtung lebte. Doch nach der Entlassung geht es in kein neues Leben: Auf dem Weg dorthin stürzt ihr Flugzeug ab und gemeinsam mit einem anderen überlebenden Passagier namens Paul (Corey Hawkins, Straight Outta Compton) muss sie sich durch die Wildnis schlagen. Fernab der Zivilisation kämpfen die beiden gegen Lawinen, unüberwindbare Schluchten und Wölfe. Wird ihr Überlebenswille groß genug sein gegen die Gewalten der Natur?

Ein Streamingdienst gegen die Sehgewohnheiten

Originaltitel Survive
Jahr 2020
Land USA
Episoden 12 in 1 Staffel
Genre Drama
Cast Jane: Sophie Turner
Paul: Corey Hawkins
Veröffentlichung: 6. April 2020 auf Quibi

Die Episoden von Survive gleichen in ihrer Erzählweise nicht einer klassischen TV-Serie. Das heißt, dass keine zusammenhängende Geschichte erzählt wird, die das Ende der jeweils letzten Folge nahtlos fortgesetzt. Quibi als Dienst versteht sich als Häppchenformat, das seine Geschichten in Kapiteln erzählt. Das bedeutet, dass zwischen zwei Folgen durchaus etwas Zeit vergehen kann. Hieraus ergibt sich der erste potenzielle Lustkiller für Zuschauer: Es wird vorausgesetzt, dass man noch auf dem Schirm hat, wo die Handlung zuletzt hängen blieb. Ein zweiter Risikofaktor ergibt sich ebenfalls: Die Gesamtlaufzeit von 92 Minuten wird also in zwölf Teile zerstückelt, woraus eine berechtigte Frage resultiert: Wer drückt gerne beim Abspielen eines Films so oft zwischendrin Stop? Quibi fordert die Sehgewohnheiten also heraus.

Einschnitte in die Narrative

Nun aber zu Survive, das auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Lost und The Grey – Unter Wölfen anmutet. Die auf dem gleichnamigen Roman von Alex Morel basierende Geschichte beschäftigt sich in den ersten beiden Folgen mit der Einführung von Jane, an der Sophie Turner besonders die Tatsache reizte, dass Jane eine depressive Figur ohne Lebenswillen ist. Alleine dieser Faktor lässt bereits erahnen, dass ein unfreiwilliger Überlebenskampf Jane verändern wird. Insofern tun sich hinsichtlich des Plots auch keine weiteren Überraschungen auf, wenn der Titel “Survive” lautet und die Hauptfigur damit bereits zu kämpfen hat. Ab Folge 3 folgt ein Bruch und wir finden uns unmittelbar nach dem Absturz wieder. Mitten im Schnee zwischen den Wrackteilen. Wäre Survive eine klassische TV-Serie, wäre all dies bereits in der ersten Folge geschehen und somit muss man sich bereits hier mit Blick auf die Laufzeit daran gewöhnen, dass das erste Viertel der Staffel bereits vorbei ist.

Format killt Potenzial

Sophie Turner und Corey Hawkins verkörpern ihre beiden Figuren solide. Dass deren Entwicklung bruchstückhaft und oftmals per Voice-Over erzählt wird, ändert nichts an der Tatsache, dass beide letztlich eher schemenhaft bleiben. Das ist insofern schade, als dass Janes Charakter eine Komplexität mit sich bringt, die zu weiten Teilen unberührt bleibt. Es grenzt auch geradezu an Verschwendung, eine Serie wie Survive mit derart pompösen Landschaftsaufnahmen für mobile Geräte zu produzieren. Die felsigen Schluchten und Schneemassen gehören auf den großen Bildschirm, aber auf der anderen Seite muss es der Strategie von Quibi geschuldet sein, eben nicht als “Spar-Netflix für die Hosentasche” enden zu wollen. Dem Auge wird in den wenigen Folgen einiges geboten, aber auch der Score weiß mitzureißen. An der Stelle fühlt sich der Umstand, dass die Geschichte für einen Dienst wie Quibi installiert wird, geradezu ärgerlich an, da man immer wieder vor Augen geführt bekommt, wie so eine Inszenierung auf einer anderen Plattform wohl hätte aussehen können.

Fazit

Trotz beeindruckender Landschaftsaufnahmen und der Faszination der rauhen Naturlaunen hinterlässt Survive einen faden Beigeschmack. Potenzial für eine solide Survival-Serie mit komplexer Protagonistin ist vorhanden, doch letztlich spielt das Kurzserienformat in Spielfilmlänge nicht mit, um etwas Bemerkenswertes und Nachhaltiges aufzubauen.

© Quibi

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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