Terminator: Dark Fate

Lesezeit: 8 Minuten

Mit seiner Rückkehr sollte die Reihe gerettet werden. Die Rede ist von James Cameron (Avatar – Aufbruch nach Pandora), seines Zeichens Terminator-Schöpfer und Regisseur der ersten beiden Teile. Doch nicht nur er sollte zurückkehren, denn auch Sarah Connor-Darstellerin Linda Hamilton schlüpfte im Alter von 63 Jahren erneut in die Rolle der taffen Kriegerin. Da stellt sich nur die Frage, ob sie zusammen mit Arnold Schwarzenegger die versenkte Franchise-Karre aus dem Dreck ziehen kann. Denn Terminator: Genisys wollte eigentlich eine neue Zeitebene erzählen, konnte jedoch zu wenig Leute begeistern und das Einspielergebnis ließ zu wünschen übrig. Daher setzt nun der sechste Teil Terminator: Dark Fate nach dem beliebten zweiten Teil an und ignoriert damit Terminator 3 – Rebellion der Maschinen, Terminator: Die Erlösung und Genisys

     

Die Zukunft wurde verändert. Zusammen mit ihrem Sohn John (Edward Furlong) und einem umprogrammierten T-800 konnte Sarah Connor (Linda Hamilton, Defiance) das K.I.-Programm Skynet aufhalten, wodurch es nicht zur Übermacht der Maschinen kam. Doch dafür musste die junge Mutter einen hohen Preis bezahlen. Denn unerwarteter Weise erschien ein weiterer T-800 (Arnold Schwarzenegger, The Expendables) und tötet John vor ihren Augen.

In 2020 erscheinen in Mexiko City gleich zwei Kugelportale aus der Zukunft, aus denen ein Mann und eine Frau entsteigen, um auf die Suche nach Daniella “Dani” Ramos (Natalia Reyes, 2091) zu gehen. Beide werden in der hiesigen Autofabrik fündig, wo Dani mit ihrem gerne singenden Bruder Diego (Diego Boneta) zusammenarbeitet. Die durch Implantate modifizierte große Soldatin Grace (Mackenzie Davis, Blade Runner 2049) beschützt die junge Frau vor dem Angriff des Killerroboters Rev-9 (Gabriel Luna, Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.). Jedoch können sie diesen nicht besiegen, weswegen das Geschwisterpaar mit Grace fliehen muss. Rev-9 beginnt daraufhin eine Verfolgungsjagd, bei welcher er alles aus dem Weg räumt, was ihm zwischen die scharfen Klingen kommt. Weit kommen die Flüchtigen nicht, denn die Angriffe des Killers sind verheerend und Diego wird vor Danis Augen getötet. Als Grace sich schützend vor die weinende Mexikanerin stellt, bekommen die beiden unerwartet Hilfe von einer älteren Frau, die mit schweren Geschützen sofort auf den Terminator schießt und ihn dabei für einen kurzen Zeitraum außer Gefecht setzt. Wenn auch nicht wirklich begeistert, nimmt Grace die Hilfe der alten Dame an, bei der es sich um keine geringere als Sarah Connor handelt.

Der sechste Teil, der eigentlich Nummer 3 ist

Originaltitel Terminator: Dark Fate
Jahr 2019
Land USA
Genre Action, Science-Fiction
Regisseur Tim Miller
Cast Grace: Mackenzie Davis
Sarah Connor: Linda Hamilton
T-800: Arnold Schwarzenegger
Rev-9: Gabriel Luna
Dani Ramos: Natalia Reyes
Diego Ramos: Diego Boneta
Laufzeit 128 Minuten
FSK

Mit Terminator: Genisys plante das Kreativteam hinter dem Film eine neue alternative Zeitline zu erzählen, bestehend aus drei Filmen mit Game of Thrones-Star Emilia Clarke als Sarah Connor. Doch der erste Teil kam weder beim Publikum, noch bei den Kritikern allzu positiv weg, was aus Arnold Schwarzeneggers Sicht an der FSK 12-Einstufung lag. Weitere Teile wurden daher auf Eis gelegt. Paramount Picture engagierte daraufhin Terminator-Erfinder James Cameron, um der Reihe noch einmal neues Leben einzuhauchen. Für den geborenen Kanadier war schnell klar, dass er mit einem weiteren Film wieder zurück zu den Wurzeln kehren musste. Daher erschuf er Terminator: Dark Fate, welches direkt nach dem zweiten Teil Terminator 2 – Tag der Abrechnung spielt und damit die Ereignisse der anderen Filme komplett ignoriert. Kein Wunder, bleibt gerade das zweite Abenteuer unerreicht hinsichtlich seiner Bewertungen und Einspielergebnisse.

Sie ist wieder da

Gleich drei starke Frauenrollen finden sich in diesem Film, allen voran die Heldin der ersten beiden Terminator-Titel. Eine große Überraschung wurde schon vor Drehbeginn bekannt: nämlich, dass Linda Hamilton erneut in die Rolle der Sarah Connor schlüpfen würde, denn es zogen bereits einige Jahre ins Land. Die über 60-jährige absolvierte dafür ein hartes Training, damit die Zuschauer ihr die Rolle als taffe Kämpferin im hohen Alter noch abkaufen würden. Ihr Fleiß lohnte sich, denn nicht nur kaufen wir ihr den perfekten Umgang mit den großen Waffen ab, sondern spüren auch, dass sie komplett wieder in der Rolle der Widerständlerin ist. Der Verlust, den sie durchlitt, härtete sie noch weiter ab. Doch im Kern ist sie auch eine Mutter, die drei Milliarden Menschenleben rettete, aber nicht ihren eigenen geliebten Jungen. Daher ist eine der stärksten Szenen im kompletten Film, als Sarah dem Mörder ihres Sohnes erneut gegenübersteht und es kaum glauben kann. Wie in Zeitlupe die Gesichtszüge der Frau entgleiten und sie mit rasender Wut auf ihren Gegner einprügeln möchte, ist so spürbar, dass wir selbst von dieser Emotion ergriffen werden. Im Verlauf der Handlung bleibt ein ständiges Wechselspiel ihrer verschiedenen Gefühlslagen, wodurch Terminator: Dark Fate mehr als nur ein klinisches Actionspektakel ist.

Die Kriegerin aus der Zukunft

Dazu tragen auch die Rollen von Mackenzie Davis als taffe Soldatin Grace und Natalia Reyes als junge Mexikanerin, die ungewollt in eine viel zu große Sache gerät, bei. Gerade Erstere überzeugt, weil sie nicht nur durch ihren verstärkten Körper mit den Kräften des neuen Terminators mithalten kann, sondern auch, weil sie innerlich einen Kampf austragen muss. Da die beiden von Sarah Hilfe erhalten, muss sie sich dieser gegenüber durchsetzen, was die weiteren Schachzüge angeht. Doch die alte Dame ist ein ziemlicher Dickschädel und auch Dani ist keine Damsel-in-Distress. Emotional trägt Grace vor allem ein schweres Päckchen mit sich herum, da sie aus einer Zukunft stammt, in der die Menschen einen Kampf um das eigene Überleben führen. Des Weiteren benötigt sie einen starken Medikamentencocktail, um ihren Körper am Laufen zu halten. Ein Zustand, der ihr absolut nicht passt, da sie jedes Mal verwundbar wird und vor allem auf die Hilfe der anderen angewiesen ist. Wenn dann auch noch ihr Schützling beschließt, dass Weglaufen keine Option mehr ist, kann der Zuschauer den Unmut schon einmal direkt nachvollziehen.

Der alte Mann und das neue Modell

Welche Rolle Arnold Schwarzenegger in Terminator: Dark Fate zu Teil werden würde, blieb lange Zeit ein großes Geheimnis. Sollte er nur für einen Rückblick herhalten oder würde er doch aktiv im Kampf mitmischen? Schlussendlich verriet der Trailer, dass das Damentrio irgendwann bei ihm eintreffen und der T-800 (wie schon in Genisys) äußerlich gealtert sein würde. Doch noch weitere Überraschungen erwarten den Zuschauer hier, allerdings veränderte sich in puncto Kampfkraft nichts. Wie gewohnt greift der stämmige Roboter zu großen Geschützen und kann ordentlich kraftvolle Schläge austeilen. Für diese Szenen trainierte Schwarzenegger hart. Sein Alter machte sich aber bemerkbar, weswegen er schon ein wenig neidisch auf seine Filmpartnerin Hamilton schaute, die kaum zu halten war. Sein Gegenspieler, der dank Gabriel Lunas kleinerer Statur eher einen harmloseren Eindruck macht, hat jedoch einiges zu bieten. Der Rev-9 ist im Grunde eine Kombination aus hartem Metallskelett, das dem T-800 angelehnt ist, und einer flüssigen schwarzen Substanz, die das Skelett ummantelt und dabei an den T-1000 aus Terminator 2 – Tag der Abrechnung erinnert. Die Besonderheit ist, dass beide Teile voneinander getrennt agieren können und das Heldenteam es dadurch gleich mit zwei Gegnern zu tun bekommt. Eine gelungene Idee, weil sich somit die Kampfszenen durch eine höhere Teilnehmeranzahl erweitern.

Knallharte Action in einem hohen Tempo

In Sache Action orientiert sich Terminator: Dark Fate an seinen Ursprüngen. Hier fließt wieder Blut, gleichwohl dies nicht bedeute, dass der Teil zu einem Splatterfest verkommt. Viel eher verdeutlicht der rote Lebenssaft die Grausamkeiten der alles tötenden Maschine, vor der nichts sicher ist, was sich zwischen ihr und dem Ziel befindet. Auch in den Actionszenen spiegelt sich die Ambition für den Zuschauer sichtlich wider, dass das Drehteam auf den Computer teilweise zu verzichten versuchte (vielleicht in Hinblick auf das Thema des Films!). Viele Szenen wurden mit echten Fahrzeugen gedreht, welche ganz klassisch in die Luft gejagt wurden. Daher herrscht ein spürbares Realitätsverhältnis, trotz einiger gewagter Stunts. Sehr beeindruckend sind besonders der Luftkampf in einer abstürzenden Frachtmaschine und dem Unterwasserkampf. Eine reine Zerstörungsorgie ist dieser Teil dennoch nicht, denn die Kampfszenen werden regelmäßig durch ruhigere Szenen abgelöst. Wünschenswerterweise hätten es von diesen ein paar mehr sein können, um noch mehr Tiefe zu erzeugen. Das hohe Tempo des Films sorgt nämlich dafür, dass einige Dinge vom Tisch fallen, die doch hätten drin sein sollen.

Schwächen im System

Legion. Das ist der Name der neuen K.I., die die Menschheit in den Untergang treibt. Doch warum es so viele Parallelen gibt, angefangen bei dem Bau der Terminatoren bis hin zu der Technologie der Zeitreisen, bleibt dem Zuschauer verwehrt. Ironischerweise lieferte eine Erklärung dazu einer der Trailer, doch diese ist nicht mehr im fertigen Film zu sehen. Die Hoffnung besteht daher, dass eine erweiterte Fassung für den Sofakonsum erscheinen wird, denn dieser Part bringt Minuspunkte auf der Bewertungsskala. Genauso wie Deadpool-Regisseur Tim Miller nicht erreichte, eine ausgewogene Balance zwischen Action und ruhigen Szenen zu erschaffen. Etwas, was im zweiten Teil der Reihe von James Cameron vollbracht wurde, da er Zwischenmenschliches nicht zu kurz hielt. Dieses hätte in Dark Fate auch etwas präsenter sein dürfen. So zum Beispiel Graces Backgroundstory, die zwar erläutert wird, allerdings zu zügig. Zu guter Letzt fehlt es dem Soundtrack ein wenig an Pepp, da er in einigen Szenen untergeht. Das bekannte Main Theme ist erneut vorhanden und sorgt für Gänsehaut, tatsächlich schaffen dies die anderen Tracks leider nicht immer.

Fazit

Erwartungen sind immer so eine Sache. Um meine nicht zu sehr in die Höhe zu treiben, ignorierte ich so gut wie jegliche Promotion und News rund um Terminator: Dark Fate. Ich bin froh darüber, denn dadurch konnte mich der Film in einigen Punkten positiv überraschen. Alleine schon als zu Beginn klar wird, warum John Connor nicht mehr auf den Werbeplakaten zu sehen ist oder dass Grace ein Mensch mit überarbeiteten Körper darstellt. Diese neuen Zutaten, bis hin zu einer wirklich tollen Offenbarung in Bezug auf Dani, denn nicht ihr Sohn wird den Widerstand anführen, sondern sie, eine Frau(!) . Dass sorgt für frischen Wind im Franchise. Um jedoch die Wurzeln nicht zu vergessen, passt es meiner Meinung nach perfekt, dass Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger mit an Bord sind. Gerade Erstere liefert eine beachtliche Leistung ab, was ich mir für mein späteres Alter nur wünschen kann. Trotz der vielen Actionszenen und dem beachtlichen hohen Erzähltempo bietet das Skript einiges auf der Charakterebene. Ich finde es passend, wie Grace und Sarah aneinander geraten, da beide erfahrungsbedingt einen starken Willen haben. Noch besser finde ich, dass Dani nicht nur von A nach B geschleift wird, sondern mitanpackt und Entscheidungen trifft. Dazu passen die ersten Szenen am Anfang, wo sie sich für ihren Bruder einsetzt, der in der Firma von einem Roboter (!) ersetzt werden soll. Insgesamt schafft es der Teil jedoch nicht an meinen über alles geliebten zweiten Terminator-Auftritt heran. Dafür fehlt es hier und da noch an ruhigeren Charaktermomenten und vor allem an Erklärungen in Bezug auf Legion. Da hilft auch nicht die Abwechslung innerhalb der Actionsequenzen. Den Spritzer Humor darf ich übrigens nicht vergessen. Terminator: Dark Fate legt die Weichen für eine Erzählrichtung und ich hoffe, dass weitere Abenteuer folgen werden.

© 20th Century Fox

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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