Red Letter Day

Lesezeit: 3 Minuten

Hach, die netten Nachbarn. Grüßen einen immer am Zaun, nehmen Pakete entgegen, und wenn einem mal der Zucker ausgeht, weiß man, wo man klingeln muss. In Cameron Macgowans Film Red Letter Day wird eine Nachbarschaft zu einem blutigen Schauplatz, denn eine Aktivistengruppe stopft die Briefkästen mit roten Briefumschlägen voll. Jeder erhält den Namen eines Gegners und dieser erfährt auch von seinem Gegenüber. Wer den anderen zuerst umbringt, gewinnt. Gute Nachbarschaftsverhältnisse werden hier im Eiltempo zerstört und das auf eine äußerst schmerzhafte Art und Weise. Ärgerlicherweise endet der Independentfilm genau dann, als er gerade beginnt.

Melanie (Dawn Van de Schoot) ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder mitten in der Pubertät. Sie ist mit Madison (Hailey Foss) und Timothy (Kaeleb Zain Gartner) in eine ruhige Gegend gezogen. Eines Tages liegen im Briefkasten drei rote Umschläge, jeder davon an eines der Familienmitglieder adressiert und mit einer Zielperson, die eliminiert werden soll. Geht man der Aufforderung nach, könnte man schnell selbst die Zielscheibe sein, da die genannte Zielperson ebenfalls einen solchen Brief erhalten hat. Ist das nun ein schlechter Scherz oder bitterer Ernst? Melanie ruft die Polizei, doch die sieht keinen akuten Handlungsbedarf und vertröstet die junge Mutter auf den Abend. Ein fataler Irrtum, denn wenige Minuten später steht schon der erste Nachbar im Garten …

Die Idee dahinter wurde bereits besser in Serienform adaptiert

Originaltitel Red Letter Day
Jahr 2019
Land Kanada
Genre Thriller
Regisseur Cameron Macgowan
Cast Melanie: Dawn Van de Schoot
Madison: Hailey Foss
Timothy: Kaeleb Zain Gartner
Luther: Roger LeBlanc
Laufzeit 76 Minuten

Red Letter Day ist der beste Beweis dafür, wie eine Produktion aussieht, wenn eine Idee nicht zu Ende gedacht wurde und dann obendrein in den falschen Händen landet. Dieselbe Idee setzte bereits die TV-Serie Chosen um und machte aus der Idee heraus eine knackige Action-Miniserie. Weniger zutreffend sind Vergleiche mit The Purge, denn dabei handelt es sich um ein staatliches Programm, während in Red Letter Day völlig unklar ist, wer nun hinter dem Wahnsinn steckt. Für Hintergründe interessiert sich die Story ohnehin nicht. Sie setzt dort an, wo die Folgen am härtesten zutreffen: direkt im Wohnzimmer. Bei nur 76 Minuten würde man erwarten, dass die Handlung entsprechend straff erzählt wird – dem ist aber nicht so. Es bleibt genügend Zeit, um die Familienmitglieder einzuführen, und bis es dann mal losgeht, kommt mit Blick auf die Uhr erste Skepsis auf.

Alltagsgegenstände als Waffen

Da die Handlung ausschließlich am Tag spielt (ganz im Gegensatz zu The Purge), entfallen schon einmal düstere Szenen. Die Stimmung bleibt hell und freundlich (wie eine perfekte Nachbarschaft eben) und dadurch fällt die Kluft zwischen Alltag und Brutalität viel stärker aus. Denn mitten auf der Straße vor dem eigenen Haus kann es einen treffen. Da auch niemand vorbereitet ist, werden eben Waffen improvisiert. Je nachdem, was Küche und Garage so hergeben. Zu den originellsten Werkzeugen gehört sicherlich ein Fleischhammer, der auch mehrfach zum Einsatz kommt. Red Letter Day kennt hier auch kein Pardon und schlägt gnadenlos zu. Wenn ein Fuß gebrochen wird, ist auch ein Knochen zu sehen. Wenn das Drehbuch also schon nichts hergibt, dann ist immerhin Platz für explizite Darstellung. Macgowan lässt Raum für Absurditäten und kann dadurch immerhin noch Akzente setzen.

Ziel: unklar

Unterdessen hält sich das Drehbuch mal hier, mal dort auf. Die Dramaturgie bleibt dabei völlig auf der Strecke und ehe man realisiert, dass jene Szene eben doch tatsächlich das Finale gewesen sein soll, ist der Film auch schon vorbei. Mitten im Nirgendwo, ohne irgendeine Auflösung, erkennbare Bemühung oder sonst etwas Befriedigendes. Ist das Geld für einen Weiterdreh ausgegangen? Die Ideen? Das Ende grenzt an eine Frechheit und hinterlässt den schalen Beigeschmack, als sei die eigentlich flippige Idee nur ein Vorwand gewesen, um ein paar Gewaltszenen zu drehen. Ärgerlich, ärgerlich, ärgerlich – zumal die Schauspieler einen guten Eindruck hinterlassen und bemüht sind, ihre Rollen auszufüllen.

Fazit

In serieller Form mit mehr Laufzeit (und vor allem mehr Budget) hätte aus Red Letter Day mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr herausgeholt werden können. Das Drehbuch ist schlampig konzipiert und kümmert sich nur um das Nötigste, um sich dann in Gewaltakten mit Blut zu besudeln. Das abrupte Ende stellt einen wenig kompetenten Rauswurf dar, der einen mit Fragezeichen zurücklässt. Eine halbgare Prämisse viertelgar umgesetzt – die denkbar schlechteste Kombination.

© Tiberius Film

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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