Making Monsters

Lesezeit: 3 Minuten

Jeden Tag werden über 1 Milliarde Stunden an YouTube Videos angesehen. Dass im Zeitalter des Smartphones jeder mal eben Videos dreht und hochladen kann, hat auch auf Sinnhaftigkeit und Qualität einzelner Videos eine Wirkung. Immer mehr Menschen machen sich einen Spaß daraus, andere zu erschrecken und lassen daran dann die Welt Teil haben – ein Prank eben! Die beiden Regisseure Justin Harding und Rob Brunner haben sich für ihren ersten Langfilm ein topaktuelles Thema ausgesucht, indem sie ein Influencer-Pärchen auf einen höllischen Trip schicken.

Chris (Tim Loden) hat geschafft, was viele Hobbyfilmer anstreben: Er kann von seinem selbstgedrehten Content leben und ist ein Internetpromi. Sein Prank-Channel läuft großartig und seine Verlobte Alana (Alana Elmer) ist Gott sei Dank schreckhaft genug. Schon länger wünscht sich das Paar ein Kind, aber es will einfach nicht klappen. Der Doktor verordnet Alana, vor allem Stress zu vermeiden. Kaum möglich bei einem Kindskopf wie Chris. Für Abwechslung soll die Einladung eines alten Freundes sorgen, der mitten auf dem Land ein einsames Dasein fristet. Er lebt in einer umgebauten Kirche und mit dem Friedhof nebenan bekommt das traute Heim gleich ein stimmungsvolles Flair. Nach einer wilden Partynacht zu dritt, voller Sex und Drogen, erwacht das Paar verkatert. Der Gastgeber ist mitsamt Auto verschollen, Telefone leer und der Strom funktioniert nicht mehr. Und Alana fühlt sich von übernatürlichen Wesen beobachtet ….

Die stimmungsvolle Ausstattung soll es richten

Originaltitel Making Monsters
Jahr 2019
Land Kanada
Genre Horror, Thriller
Regisseur Rob Brunner, Justin Harding
Cast Chris: Tim Loden
Alana: Alana Elmer
David: Jonathan Craig
Laufzeit 85 Minuten

Bereits die Eröffnungsszene kündigt an, dass hier offenbar ein Killer am Werk ist. Wie das schließlich mit den übernatürlichen Geschehnissen zusammenpassen mag, ist eine Frage, welche im weiteren Handlungsverlauf erst einmal geklärt werden muss. Denn Logik nimmt weniger Fokus ein als die gelungenen Masken- und Make-up-Effekte. Diese sind vor allem deshalb zu loben, da die Monsterköpfe liebevoll gestaltet sind und nach man ihnen die investierte Arbeit ansieht. Ähnlich viel Mühe steckt auch in der Ausstattung: Die Kulissen sind stimmungsvoll, die ausgebaute und gemütlich eingerichtete Landkirche möchte man am liebsten direkt selbst mit Freunden beziehen. Hinweise darauf, dass am Set hart gearbeitet wurde, um so viele kleine Details auch wirklich hervorzuheben. Deswegen ist es fast ein Jammer, dass Making Monsters ein Drehbuch besitzt, das es sich sehr leicht macht, indem es Versatzstücke zu einem großen Ganzen zusammenführen will. Dabei bleiben ungeklärte Fragen offen, deren Antworten sich der Zuschauer dann doch irgendwie selbst zusammenreimen muss. Kann Alana Geister sehen? Sind die Geister auch nur ein Trick? Sind sie eine Nebenwirkung des nächtlichen Exzesses? Wie kommt sie in den Keller?

Sympathisch ist das neue professionell

Dass Making Monsters unterhält, ist den beiden Figuren zuzuschreiben. Sie sind Influencer. Sie sind auf eine Weise völlig unsympathisch. Gleichzeitig aber erschreckend authentisch dabei, sodass man dann doch auf ihrer Seite ist. Nicht zuletzt der Darstellung der beiden Schauspieldebütanten ist das zu verdanken. Diese lässt hinsichtlich der Professionalität noch Luft nach oben, ist aber erfrischend unbefangen. Alana Elmers Gesicht ist ein wandelndes Trampolin, sie besitzt den vielzitierten Mut zur Hässlichkeit, indem sie allerlei verrückte Fratzen und panische Mimiken reißt, welche sie entstellen. Dieses sehr lebhafte Schauspiel gleicht dem Overacting, aber man nimmt es ihnen in ihrer Rolle ab. Oft werden vor allem zu Beginn absichtlich unsympathisch eingeführte Protagonisten mit der Zeit erträglicher, weil sie eine Wandlung von großkotzig zu mutig durchlaufen. Ähnlich ist das hier.

Influencen mit dünnem Drehbuch

Dem Drehbuch ist die Unerfahrenheit aller Beteiligten nur allzu stark anzumerken. Die Geschichte wirkt, als wäre sie nur bis zum jeweils nächsten Plotpoint geschrieben worden, um dann die passende Richtung einzuschlagen. Für eine konsistente Erzählung wird aber bereits früh (und das gleich mehrfach) die falsche Abfahrt genommen und so setzt sich das Resultat gleich aus drei großen Versatzstücken zusammen, die sich gegenseitig abstoßen, weil zuvor Geschehenes schnell wieder unwichtig wird. An der Stelle wäre weit mehr Feinschliff von Nöten gewesen, um zumindest ansatzweise zu bewirken, dass sich alles wie aus einem Guss anfühlt.

Fazit

Making Monsters ist ein sympathischer Titel mit viel Unterhaltungspotenzial. Ihm fehlt nur eine klare Linie, um den Verdacht der inhaltlichen Willkür loswerden zu können. So gibt es nun Überraschungen am laufenden Band, was eine besonders große Kurzweiligkeit mit sich bringt, aber auf Kosten von Logik und Glaubhaftigkeit. Ein typischer Zuschauerspalter.

© Bokeh Collective

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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