Die Hexen von Eastwick

Lesezeit: 4 Minuten

Es ist ein Kreuz mit den Hexen. Einerseits könnten sie so schön das weibliche Aufbegehren gegen fiese Rollenmuster sein. Andererseits schlafen sie mit dem Teufel und all die Rebellion führt nur wieder zu einem Mann, der bestimmt, wo es lang geht. Dieser Widerspruch liefert das Futter für Die Hexen von Eastwick. 1987 gedreht, bietet diese pfiffige Komödie um frustrierte End-Dreissigerinnen mit unverhofften magischen Kräften gleich drei Paraderollen für Top-Schauspielerinnen der Achtziger Jahre Susan Sarandon, Michelle Pfeiffer und Cher. Und eine Gelegenheit für Jack Nicholson, mal wieder die innere Rampensau rauszulassen.

 

Ein Städtchen in Neuengland, bildhübsch, aber sterbenslangweilig. Alexandra (Cher, Mondsüchtig) ist Bildhauerin. Jane (Susan Sarandon, Thelma and Louise) ist Musiklehrerin. Sukie (Michelle Pfeiffer, Gefährliche Liebschaften) ist Lokaljournalistin. Alle drei gehen auf die Vierzig zu und alle drei sind allein: Alexandra ist Witwe, Jane steckt in einer mühevollen Scheidung und Sukie wurde von ihrem Mann mit sechs Kindern sitzengelassen. Gut, es gibt den Job und den wöchentlichen Cocktail-Abend unter Freundinnen, aber wird es nochmal einen Mann in ihrem Leben geben? Und guten Sex? Beim Cocktailschlürfen und Sinnieren ballen sich unverhofft dreifache Sehnsucht und Unzufriedenheit zu magischer Macht zusammen… und schon kommt ein geheimnisvoller Fremder in das beschauliche Städtchen. Daryl Van Horne (Jack Nicholson, Einer flog über’s Kuckucksnest) zieht in eine opulente Villa am Stadtrand, macht allen dreien den Hof und alle drei lassen sich auf das Abenteuer mit dem ebenso unattraktiven wie charismatischen Kerl ein. Schnell stellt sich heraus, dass Mr. Van Horne grandios im Bett ist und übernatürliche Fähigkeiten besitzt, kurz gesagt: er ist der Teufel persönlich, der hier seinen kleinen Hexenzirkel gefunden hat. Aber trotz aller skandalös-lustvollen Orgien zu viert stellt sich auch heraus, dass er ein skrupelloser und besitzergreifender Mistkerl ist. Sukie, Jane und Alex brauchen all ihre neu gefundenen magischen Kräfte, um ihn wieder wegzuhexen…

Romantische Komödie und die große Göttin

Originaltitel The Witches of Eastwick
Jahr 1987
Land USA
Genre Komödie, Fantasy
Regisseur George Miller
Cast Alexandra Medford: Cher
Jane Spofford: Susan Sarandon
Sukie Ridgemont: Michelle Pfeiffer
Daryl Van Horne: Jack Nicholson
Felicia Alden: Veronica Cartwright
Clyde Alden: Richard Jenkins
Fidel: Carel Struycken
Laufzeit 113 Minuten
FSK

Eigentlich könnte der Film eine geistreiche Kleinstadtkomödie um drei Frauen und einen Mann sein. Ein wenig schematisch sind die drei dabei schon aufgestellt: Die Blonde, die Brünette und die Rothaarige. Jede mit ihrer kompakten Backstory. Bis der Groschen fällt, dass das ganz bewusst so gehalten ist. Weil dahinter ein ganzer Batzen feministischer Mythologie steckt. Die Urmutter der Hexerei, die große Göttin mit den drei Aspekten, Jungfrau, Mutter, Alte und den Farben weiß, rot und schwarz. Alex, Jane und Sukie sind zwar alle gleich alt und moderne Frauen, die sich nicht in so ein archaische Muster pressen lassen. Aber da ist es trotzdem: Jane, die graue Maus, ist zwar geschieden, hat in ihrer verkorksten Ehe aber noch nicht gelernt, ihre Lust an Liebe, Sex und Leben auszuleben. Jungfrau. Alex hat ihre große Liebe schon hinter sich. Alte. Und Sukie wird einfach immer wieder schwanger, bis ihr Mann mit dem nicht abreissenden Kindersegen nicht mehr klar kam. Mutter. Jede für sich ist magisch unbegabt, alle zusammen haben ungeahnte Kräfte. Dass Alex in ihrem Bildhauer-Atelier kleine Steinzeit-Venus-Figürchen formt, ist ein hübsches, kleines Detail in diesem Gesamtbild. Und dass Daryl Van Horne, der Teufel/ der gehörnte Gott, lauter feministische Phrasen der Achtziger Jahre als Anbaggersprüche nutzt, passt auch ganz wunderbar, weil sie einen als unaufrichtig-anbiedernde Komplimente aus dem Mund eines schleimigen, phrasendreschenden Mannes so dermaßen schräg anschauen.

Magie zwischen Komödie und Special Effects

Die Hexen von Eastwick ist nicht Harry Potter. Da wird Magie nicht erklärt und in ein ganzes Universum eingeordnet. Sie passiert einfach und die Protagonistinnen sind genauso überrascht wie der Zuschauer. Erst ist es nur Wille, der Wirklichkeit wird. Drei einsame Frauen träumen von einem Mann und schon kommt einer in die Stadt. Dann wird die Magie immer konkreter, ein Tennisball tut offensichtlich nicht das, was die Naturgesetze ihm nahelegen. Kirschkerne haben eine ziemlich erschreckende Wirkung. Erst zum Schluss hin, als die drei Frauen sich ihrer Fähigkeiten bewusst sein, gibt es so vertraute Dinge wie Voodoo-Puppen und magische Bücher. Der ganze Zauber endet in einem ordentlichem Special Effects-Finale. Ein wenig überraschend für einen Film, der eher als Kleinstadt-Komödie begann. Es mag auch am Alter des Films und dem damaligen Stand der Filmtechnik liegen, dass das nicht so richtig packend wirkt.

Star-Kino der Achtziger

Drei starke Frauen und ein gnadenloser Egozentriker: Für diese Konstellation wurde eine Star-Besetzung gefunden, die gleich vier große Namen der Achtziger Jahre auf die Leinwand bringt. Schwer zu sagen, ob die Aufstellung Sarandon, Pfeiffer, Cher gegen Nicholson gut funktioniert oder nicht. Jack Nicholson gibt den Nicholson, mit Durchgeknalltheit, gefährlichem Charme und ungebremster Leinwandpräsenz. Ein großartiger Gegner für das Frauen-Trio, aber zu dritt zu sein bedeutet halt auch nur ein Drittel Screentime für jede. Jede hat ihre großen Momente, Cher darf Nicholson eine Abfuhr erteilen, die sich gewaschen hat, Sarandons Erblühen der verklemmten grauen Maus zur sexuell befreiten Frau hat jede Menge komödiantisches Feuer. Und am Ende können sie ihn vereint zur Hölle schicken. Aber trotzdem. Bei all der weiblichen Leinwwandpräsenz bleibt dennoch das Gefühl, einen Jack Nicholson-Film gesehen zu haben.

Fazit

Filme, in denen der Teufel vorkommt, neigen zu Schwere und Bedeutungsgeschwurbel. Wie soll man sonst auch das absolut Böse adäquat darstellen? Die Hexen von Eastwick tut das zum Glück nicht, der Film geht sein Thema dankenswerterweise mit spritziger Leichtigkeit an. Eine unterhaltsame, kleine Komödie mit intelligentem Drehbuch, großen Namen und viel Frauen-Power. Kein großartiges Kino-Erlebnis, ein paar unrunde Elemente, aber ein vergnüglicher Blick zurück in die Achtziger.

© Warner Bros.

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wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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