Freaky

Die Filmgeschichte ist voller Beispiele, in denen Menschen auf einmal in einem fremden oder stark veränderten Körper zu sich kommen. Meist tauschen Familienmitglieder ihre Körper (Freaky Friday) oder aber völlig gegensätzliche Freunde (Jumanji: Willkommen im Dschungel). In Freaky von Christopher B. Landon (Happy Deathday) kommt es zu einer Konstellation, die wir in dieser Form noch nicht kannten: Pubertierender Teenager und Serienkiller tauschen die Körper. Wie üblich für diese Thematik dürfen die Folgen für zahlreiche humoristische Szenen herhalten. In den USA durfte der Film bereits im Herbst 2020 starten, hierzulande kam er am 24. Juni 2021 in die Kinos.

 

Millie Kessler (Kathryn Newton, Paranormal Activity 4) ist 17 Jahre alt und führt das unaufgeregte Leben eines Teenagers. Seit dem Tod ihres Vaters hat sie sich ohnehin immer weiter zurückgezogen, sodass sie auch wenig auf den kommenden Homecoming-Ball gibt, um sich um ihre alkoholkranke Mutter Katie Finneran (Bloodline) zu kümmern. Doch eine einschneidende Erfahrung verändert ihr Leben: Sie wird das Opfer des berüchtigten “Blissfield Butchers”, einem Serienkiller (Vince Vaughn, Trennung mit Hindernissen). Doch anstatt einen Tod zu sterben, erwacht Millie am nächsten Tag im Körper ihres Mörders – und er in ihrem. Während es der Killer nun umso leichter hat, an seine Opfer heranzukommen, ist Millie auf der Flucht. Wie kann sie ihre Unschuld beweisen, wenn selbst ihre Freunde sie nicht wiedererkennen?

Mörderischer Körpertausch

Originaltitel Freaky
Jahr 2020
Land USA
Genre Slasher, Komödie
Regie Christopher B. Landon
Cast Blissfield Butcher: Vince Vaughn
Millie Kessler: Kathryn Newton
Mrs. Coral Kessler: Katie Finneran
Char Kessler, Schwester: Dana Drori
Nyla Chones: Celeste O’Connor
Josh Detmer: Misha Osherovich
Laufzeit 102 Minuten
FSK
Kinostart: 24. Juni 2021

Mit Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse und Happy Deathday bewies Regisseur Christopher B. Landon schon mehrfach, dass er einem Mix aus Horror und Komödie absolut nicht abgeneigt ist. In dieselbe Kerbe schlägt auch Freaky, wo zwar am laufenden Band jemand stirbt, dies aber stets auf eine humorvolle Weise. Dazu trägt auch ein großer Vorteil des Horror-Genres bei: Häufig sind die Opfer alles andere als Sympathieträger:innen, sodass man sich über deren Ableben auch noch freuen darf. Der Film bleibt der Tendenz des Slasher-Genres treu treu, Außenseiter über sich hinauswachsen zu lassen, während Cheerleaderinnen und Machos wie üblich schnell das Zeitliche segnen. In dieser Hinsicht referenziert Freaky lieber bestehende Konventionen als für Überraschungen zu sorgen. Der Fokus liegt aber sowieso erst einmal auf dem Leben in den neuen Körpern. Dazu gehört, dass die beiden Protagonisten erst einmal mit ihrem neuen Alltag klarkommen müssen. So stellt der Butcher in Millies Leib fest, dass es ihm nicht mehr so einfach fällt, einen anderen Erwachsenen zu attackieren und die Rechte eines Teenagers deutlich eingeschränkter sind. Millie im Leib des Butchers wiederum muss lernen, ihre Kräfte zu zügeln.  Ein reichhaltiges popkulturelles Wissen in Form von Film- und Songtiteln sowie Zitaten  kommt dabei zum Einsatz.

Spiel der Kontraste

Körpertausch-Szenarien leben maßgeblich davon, dass die Darsteller:innen variantenreich genug auftreten können, um gewissermaßen eine Doppelrolle zu übernehmen. Und das können die beiden in Freaky: Vince Vaughn und Kathryn Newton erhielten für ihre ambivalente Darstellung nicht nur viel Lob von der Kritik, sondern beweisen auch, wie nuanciert sie aufspielen können. Wenn Vince Vaughn seine weibliche Seite entdeckt, ist das nicht sonderlich feinsinnig, sondern eher ein Spiel mit den Klischees worauf eine Komödie natürlich auch aus ist. Kathryn Newton hingegen mutiert vom zurückgezogenen Teenager zum eiskalten Vamp. Das Spiel der Kontraste sorgt dafür, dass sich die Witze beinahe von selbst erzählen und es wenig erzählerisches Zutun erfordert. Das ist Segen und Fluch zugleich, denn während sich die Handlung wie von selbst abspielt, passiert relativ wenig. Die Kreuzung zwischen Slasher und High-School-Komödie funktioniert über weite Strecken ziemlich gut, auch wenn manche kleinere Erzählstränge wie die Trauma-Bewältigung von Millies Familie ein wenig aufgezwängt wirken.

Fazit

Freaky ist ein Selbstläufer: Die Grundsituation bringt genug Humor und Abwechslung mit, dass der Film von selbst funktioniert. Leider verlässt sich Landon zu sehr darauf, dass diese Idee schon funktionieren wird und verpasst es, erzählerische Qualitäten miteinfließen zu lassen. Somit geschieht nichts, womit man nicht bereits rechnen würde. Unterm strich bleibt eine bestens funktionierende Horrorkomödie, die eben wenig innovativ ist oder nur wenige eigene Akzente zu setzen weiß. So oder so sollte aber der höchste Anspruch dem Unterhaltungsfaktor gelten und in dieser Hinsicht liefert Freaky.

© Universal Pictures

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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