Bring Me Home

Der Albtraum aller Eltern: das eigene Kind verschwindet und wird selbst Jahre später noch vermisst. Für die Mutter Jung-yeon ist dieser Albtraum die bittere Realität, denn ihr einziger Sohn Yoon-su wird seit sechs Jahren vermisst – dennoch möchte sie die Hoffnung nicht aufgeben. Als sie einem Hinweis zu einem Fischerort folgt, erwartet sie jedoch eine Konfrontation mit den skrupellosen Bewohnern. Der südkoreanische Thriller Bring Me Home, der seine Weltpremiere aus dem Toronto International Film Festival 2019 feierte, illustriert die Geschichte um Jung-yeon mit einer emotionalen Wucht. Der Regisseur Kim Seung-woo feiert mit dem Film sein Debüt. Im Rahmen des Fantasy Filmfests 2020, das am 9. September 2020 in Berlin startet und im Laufe des Monats in mehreren deutschen Städten stattfindet, konnten Interessierte Bring Me Home im Originalton mit englischen Untertiteln genießen und sich selbst einen Eindruck machen. Die Kaufversion erscheint am 29. Januar 2021.

     

Jung-yeon (Lee Yeong-ae, Lady Vengeance) sucht seit sechs Jahren verzweifelt nach ihrem verschwundenen Sohn Yoon-su. Ein anonymer Hinweis besagt, dass in einem kleinen Fischerort ein Junge namens Min-su (I Si-u) sei, der ihr Sohn sein könnte. Jung-yeon macht sich sofort auf den Weg, aber die Bewohner des Ortes behaupten, hier lebe kein Min-su und versuchen sie abzuweisen. Jung-yeon hat jedoch längst herausgefunden, dass an dem Fischerort einiges verkehrt läuft und beschließt, auf eigene Faust weiter in dem Ort nach ihrem Sohn und der Wahrheit zu suchen …

Eine Mutter auf der Suche nach ihrem Kind

Originaltitel Nareul Chajajw
Jahr 2019
Land Südkorea
Genre Thriller, Drama
Regie Kim Seung-woo
Cast Seo Jung-yeon: Lee Yeong-ae
Kommissar Hong: Yoo Jae-myung
Myeong-guk: Park Hae-joon
Seung-hyeon: Lee Won-geun
Myeong-deuk: Heo Dong-won
In-suk: Park Ju-hee
Kang: Jin Yu-yeong
Choi: Kim Jong-su
Min-su: I Si-u
Ji-ho: Kim Tae-yul
Laufzeit 108 Minuten
Veröffentlichung: 29. Januar 2021

Es fällt nicht schwer, mit der Hauptfigur Jung-yeon mitzufühlen, denn nicht nur, dass ihr Kind seit Jahren verschwunden ist, es scheint auch so, als wolle jeder aus der Verzweiflung der Mutter Profit ziehen. Ihr Mann Myeong-guk (Park Hae-joon), der ebenfalls fieberhaft nach dem gemeinsamen Sohn gesucht hat, stirbt bei einem Autounfall – als er einem Hinweis zum Aufenthaltsort seines Sohnes nachgehen möchte, doch der Hinweis entpuppt sich als nichts weiter als ein Streich. Selbst Jung-yeons eigene Familie ist vor allem auf das Geld der Witwe aus und hält deren Festhalten an der Suche von Yoon-su für verrückt. Jung-yeon ist so verzweifelt, dass sie teilweise an der Schwelle zum Suizid steht, aber die Sehnsucht nach ihrem Kind hält sie weiter am Leben. Als sie dann den Hinweis erhält, dass ein Junge namens Min-su ihr Sohn Yoon-su sein könnte, zögert sie natürlich nicht lange.

In den Fängen einer brutalen Ortsgemeinschaft

Bereits zu Beginn des Films sieht der Zuschauer den jungen Min-su als günstige Arbeitskraft für die Gemeinschaft des Fischerortes arbeiten, bei der er nicht nur wie ein Arbeitssklave behandelt, sondern auch regelmäßig misshandelt und missbraucht wird. Einmal wurde er sogar so stark verprügelt, dass er nun fast taub ist. Auch der jüngere Ji-ho (Kim tae-yul) lebt dort und muss diese Qualen ertragen. Die Misshandlungen werden nie zu explizit präsentiert, das Dargestellte ist noch harmlos im Vergleich zu dem, was die beiden Jungen sonst ertragen müssen – alle schlimmeren Misshandlungen spielen sich durch einige Andeutungen aber unweigerlich im Kopf der Zuschauer ab und sorgen für zusätzliche Gänsehaut. Dadurch ist schnell ein wahrer Hass auf die skrupellose Ortsgemeinschaft entstanden, die ohnehin durchweg als böse dargestellt wird. Nicht einer der Bewohner scheint Reue zu zeigen und selbst ein korrupter Polizist ist in die Sache verwickelt. Zwar funktionieren die Bewohner des Ortes somit gut als Antagonisten und als Zuschauer empfindet man Genugtuung, wenn diesen nach und nach das Lachen vergeht, aber damit wird es sich natürlich einfach gemacht. Um zu unterstreichen, dass die Bewohner wirklich abgrundtief böse sind, gibt es sogar eine Szene, in denen sie lachend ein schwangeres Reh erschießen und einer der Bewohner ist sogar ein gesuchter Mörder und Vergewaltiger. Dadurch werden die Ortsbewohner zu eindimensionalen Figuren, die wie Bösewichte aus dem Bilderbuch erscheinen, was sowohl Fluch als auch Segen ist.

Mehr Drama als Thriller?

Ohne Frage, als Zuschauer ist man emotional schnell hoch involviert in die Geschichte, wenn bereits in den ersten Minuten die Verzweiflung von Jung-yeon und die Höllenqualllen, die Min-su und Ji-ho erleiden müssen, deutlich werden. Dadurch ist Jung-yeon als Mutter auf der Suche nach ihrem Sohn auch das starke Kernstück der Geschichte, sie wirkt zu jeder Sekunde glaubhaft. Durch die vielen Steine, die ihr auf ihrer Suche in den Weg gelegt werden und den Ortsbewohnern, die vor Jung-yeon so tun, als wüssten sie von Nichts, verflucht man als Zuschauer schnell die empathielose und abgebrühte Gesellschaft. Die Thriller-Momente sind dennoch recht stark und sorgen für intelligent aufgebaute Spannung, die bei dem ein oder anderen Zuschauer sicher etwas Gänsehaut verursacht. Einige Wendungen, insbesondere gegen Ende, erweisen sich dabei als sehr überraschend, auch wenn der Großteil der Handlung recht vorhersehbar bleibt. Die Handlung beinhaltet auch nicht den einen Höhepunkt, sondern offenbart mehrere Höhepunkte in der Geschichte, die jeweils absolut stark und mitreißend inszeniert werden. Letzten Endes funktioniert Bring Me Home trotz gut aufgebauter Spannung aber doch als Drama etwas besser, da Jung-seons Rolle als entschlossene Mutter auf der Suche nach ihrem Sohn, die aber auch der vollkommenen Verzweiflung nahe steht, einfach das bestgemachte Element des Filmes ist. Das heißt nicht, dass der Film nicht auch ein guter Thriller ist, das ist er nämlich durchaus, aber eben nur ein recht guter Thriller im Vergleich dazu, dass der Aspekt des Dramas herausstechend gut ist. Letzten Endes macht gerade das Bring Me Home aber auch so interessant, da die Produktion für Fans beider Genres funktioniert, solange keine Abneigung gegen Dramen bzw. Thriller besteht.

Fazit

Bring Me Home versteht es, die Zuschauer emotional zu involvieren und führt schonungslos eine furchtbare Gesellschaft vor, die einer Frau wie Jung-yeon, die doch nur ihr Kind wiedersehen möchte, nichts als Gleichgültigkeit entgegen bringt bzw. im Falle der Ortsgemeinschaft skrupellos ins Gesicht lügt, während sie zwei Kinder, darunter womöglich auch Jung-yeons Sohn, durch die Hölle schicken. Die Geschichte ist bis zum Ende spannend und bietet trotz der eher vorhersehbaren Hauptgeschichte einige Wendungen und viele starke Überraschungsmomente. Ich hab immer mitgefiebert, wenn Jung-yeon heimlich das Haus der Bewohner des Fischerorts durchsucht und eine letzte Wendung gegen Ende hab ich überhaupt nicht kommen sehen, da hat der Film mich klug hinter das Licht geführt. Bei der Darstellung der Bewohner des Fischerorts bin ich etwas zwiegespalten, denn einerseits könnte sie kaum klischeehafter sein (der korrupte Polizist, der gestörte Psychopath, der bereits wegen grausamer Verbrechen gesucht wird), andererseits funktioniert das Motiv der liebenden Mutter gegen diese bösen Auswüchse der Gesellschaft gerade deshalb so gut. Wer gerne die Genre Drama oder Thriller bzw. am besten beides schaut, ist hier genau richtig.

© Busch Media Group


Veröffentlichung: 29. Januar 2021

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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Alva Sangai
Redakteur
22. August 2020 18:05

Klingt extrem interessant. Den merke ich mir *O*

Ayres
Redakteur
21. Januar 2021 14:42

Habe den Film auf dem Fantasy Filmfest gesehen und wurde nicht so recht damit warm. Tatsächlich halte ich ihn nicht einmal für einen Genre-Film, sondern eben einfach für ein Drama (weshalb er auch für die Auswahl des Fantasy Filmfests fast übersehen wurde, wie der Moderator erklärte). Jetzt wird der Film aber als Thriller vermarktet, wofür ich ihn etwas lasch finde. Auf der anderen Seite würde der klassische Bildungsbürger mit Anspruch dem Film dann auch wenig abgewinnen können, wenn es in der zweiten Hälfte dann auch schon ein wenig temporeicher zugeht.
Was mich so am meisten stört, ist das Verhalten der Figuren. Mal sind sie ärgerlich passiv und mal brutal aktiv. So eine richtige Mitte gibt es da nicht und eigentlich verhält sich keiner so wie das ein realer Mensch tun würde. Das gilt für beide Seiten.

Vor allem aber das Ende ist irgendwie erschreckend unlogisch. Wie kann es sein, dass das Kind in all den Jahren kein Stück altert?

Alva Sangai
Redakteur
Antwort an  Ayres
21. Januar 2021 15:16

Ansich fand ich den Film ganz in Ordnung, aber das Ende fand ich nicht so toll. Man hätte den einfach tot belassen sollen. Fand ich nicht nur verwirrend, sondern auch echt merkwürdig das Ende.