Weltenwanderer-Trilogie: Die Verzauberung der Schatten

Lesezeit: 5 Minuten

Der Roman Vier Farben der Magie, der im April 2017 erschienen ist, bildet den Auftakt der Weltenwanderer-Trilogie von V. E. Schwab. Ein halbes Jahr später erschien, ebenfalls im Fischer-Tor-Verlag, der zweite Band Die Verzauberung der Schatten. Zu Beginn von Band 2 sind vier Monate vergangen, seit Kell und Lila gegen die Dane-Zwillinge in den Kampf zogen und den schwarzen Stein zerstörten. Seitdem sich ihre Wege getrennt haben, herrscht eiserne Funkstille. Beide versuchen in ihrem alten bzw. neuen Leben (wieder) Fuß zu fassen.

Kells Rolle hat sich nach dem Aufdecken seiner Schmuggelleidenschaft und des nur knapp abgewendeten Untergangs des Roten Londons, an dem er Schuld gewesen wäre, sehr verändert. Die Leute begegnen ihm mit Misstrauen und Furcht, statt wie zuvor mit Ehrfurcht und Bewunderung. Auch sein Verhältnis zur Königsfamilie ist merklich abgekühlt. Immer mehr fühlt er sich wie ein Gefangener. Das Vertrauen seiner Zieheltern ist durch seinen Verrat merklich zurückgegangen. Kell kann kaum noch einen Schritt machen, ohne von seiner Leibgarde bewacht zu werden. Sein Ziehbruder Rhy, der Prinz des Roten Londons, ist der Einzige, der seine Gefühle nachvollziehen kann. Kell musste nach einer Dummheit seines Bruders dessen Leben retten, weshalb nun ihre beider Leben aneinander gebunden sind. Jedoch wird dem Prinzen nicht die Gunst seiner Eltern entzogen. Die Brüder teilen seither nicht nur ein Leben, sondern auch sämtliche Empfindungen des jeweils anderen. Keine leichte Situation.

Alte und neue Gesichter

Delilah Bard, ehemals eine berüchtigte Diebin aus dem Grauen London, ist seit den Ereignissen im Roten London nicht in ihre Welt zurückgekehrt. Sie hat ihre Chance genutzt und sich ein neues Leben aufgebaut. Nicht wie erhofft als Piratin, aber dennoch an Bord des Schiffes “Nachtfalke”. Sie steht jetzt unter dem Kommando des bekannten Kapitäns Alucard Emery. Lila übt sich seitdem nicht nur in der arnesischen Sprache, sondern auch in der Entwicklung ihrer magischen Fähigkeiten, die spätestens seit der Begegnung mit dem schwarzen Stein offenbart wurden. Offenbar schlummern in ihr aber weit mehr Kräfte als sie sich selbst jemals hätte vorstellen können. Sie stellt sich immer öfter die Frage, wer Delilah Bard eigentlich ist. Eine größere Rolle wird auch Prinz Rhy zuteil. In der Vergangenheit der verwöhnte Partyprinz, der nichts wirklich ernst nehmen kann, muss er sich nun seiner Verantwortung als zukünftiger König stellen. Sein Vater überträgt ihm die wichtige Aufgabe, das “Essen Tasch” zu organisieren. Ein magisches Turnier, bei dem die besten Magier der drei Reiche gegeneinander antreten. Die Veranstaltung dient nicht nur der reinen Unterhaltung, sondern ist vor allem ein politisches Machtspiel, bei dem es darum geht, die Stärke des eigenen Landes zu demonstrieren – ohne, dass es wie eine Kriegserklärung wirkt. Umso brisanter wird das Ganze natürlich, als Rhy beschließt, seinen Bruder Kell für das Turnier anzumelden. Als Antari steht es Kell nicht zu, daran teilzunehmen, da er sämtliche Elemente beherrscht und als mächtigster Magier offiziell vom Turnier ausgeschlossen ist. Hinzu kommt, dass sich auch Lila auf dem Weg zum Turnier befindet. Eigentlich begleitet sie nur Alucard, den weitaus mehr mit dem Roten London verbindet, als Lila zunächst ahnt. Doch Lila wäre nicht Lila, wenn sie nicht auch ihre ganz eigenen Pläne verfolgen würde.

Eine neue alte Gefahr

Originaltitel A Gathering of Shadows
Ursprungsland USA
Jahr 2017
Typ Taschenbuch
Bände 2 / 3
Genre Fantasy
Autor V.E. Schwab
Verlag Fischer-Tor

Pläne schmiedet derweil auch der neue König des Weißen Londons. Nach dem Sieg über die Dane-Zwillinge hätte die Welt in Chaos versinken und ein erbitterter Kampf um die Thronnachfolge beginnen müssen, doch der neue König hat sich schnell etabliert – nicht ohne fragwürdiger Hilfe. Mehr oder weniger überraschend kehrt der weiße Antari Holland, den Kell mitsamt des schwarzen Steins in das Schwarze London geschickt hat, zurück und erhebt sich als neuer König. Sein Leben ist allerdings an Osaron gebunden, quasi die gleiche Magie, die auch dem schwarzen Stein innegewohnt hat und natürlich ganz eigene Ziele verfolgt.

Das Weiße London soll unter dem neuen König aufblühen wie sein Nachbar das Rote London, in dem die Magie allgegenwärtig ist, ohne die Welt aufzuzehren. Der Weiße König möchte für die Bevölkerung seines Reiches nicht mehr dasselbe Leben wie unter der Herrschaft der Dane-Zwillinge. An seiner Seite steht die treue Ojka, die sich ihm mit Leib und Seele verschrieben hat. Um seine Vorstellung zu verwirklichen, sind dem Weißen König so einige Mittel recht. Diese betreffen sowohl das Rote London, als auch Kell selbst. Doch das geschlossene Bündnis, das der König eingehen musste, fordert seinen Tribut.

Eine solide Fortsetzung

Der zweite Band lebt vor allem dadurch, dass die Charaktere mehr Tiefe bekommen als im ersten Teil. Dem Leser wird das Innenleben von Kell, Lila und Rhy sehr viel näher gebracht. Hinzu kommt, dass mit Alucard Emery ein neuer charismatischer Charakter eingeführt wird, dessen Vergangenheit sogleich eine Verknüpfung zu den Charakteren schafft, welche ihn sehr gut in die Handlung integriert. Auch Rhy wird wesentlich differenzierter dargestellt als noch im Vorgänger. So hat man nicht das Gefühl, als würde sich die Geschichte einzig und allein um Kell und Lila drehen. Mit dem Turnier wird einem als Leser die Welt, in der Kell lebt, näher gebracht, aber leider bleiben die anderen Reiche trotz ihrer Vertreter vor Ort in weiter Ferne. Allerdings wirkt der Aufbau der drohenden Gefahr aus dem Weißen London weniger konstruiert als noch im ersten Band. Konnte man diesen noch unabhängig vom zweiten Band lesen, endet der zweite nun mit einem Cliffhanger, der es fast unmöglich macht, den abschließenden Band nicht zu lesen.

Ich war nach dem ersten Band skeptisch, ob ich überhaupt weiterlesen soll. Mir ist Vier Farben der Magie zu eindimensional und die Story zu vorhersehbar. Der zweite Band punktet für mich definitiv mit Alucard Emery, der durch seine charismatische Art und Weise sämtliche Dialoge und Situationen auflockert. Mit ihm habe ich endlich einen Charakter gefunden, den ich wirklich interessant finde. Vor allem auch die Tatsache, dass Rhy nicht mehr nur der Partygänger ist, tut der Geschichte gut. Die Entwicklung des Weißen Londons ist definitiv auch spannender als noch im ersten Band. Das Turnier an sich ist eine gute Idee, allerdings waren die Kämpfe nicht sonderlich spannend zu lesen, was sehr schade ist. Ich habe eigentlich wenig mitgefiebert, zumal der Ausgang relativ klar war. Durch die Regel, dass die letzten drei Kämpfer ihre Masken abnehmen müssen, war es mir fast klar, dass Lila und Kell ausscheiden würden. Ich finde das schade, weil die Dynamik dadurch interessanter gewesen wäre, als diesen Konflikt zu scheuen.  Leider schafft es die Autorin ebenfalls nicht, ihre Welt dem Leser wirklich nahe zu bringen. Man weiß zwar, welche Reiche existieren, auch das Interesse dieser an Kell wird mehrmals erwähnt, aber leider bleiben die anderen Reiche in weiter Ferne und für den Leser nicht greifbar. Insgesamt gefällt mir der zweite Band deutlich besser als der erste, aber trotzdem bleibt das Ganze eher eine durchwachsene Sache und kann mich immer noch nicht richtig überzeugen.

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Prinzessin Blaubeere

Prinzessin Blaubeere studiert aktuell noch Geschichte im Hauptfach, möchte aber nach ihrem Abschluss Polizistin werden und schwitzt deshalb seit Neuestem im Fitnesstudio, in das sie ihr Einhorn Kurt (Cobain), das sie sich schon lange vor dem großen Boom angeschafft hat, leider nicht mitnehmen darf. Sie liest überwiegend Fantasy und suchtet allerhand Filme und Serien mit den unterschiedlichsten Themen - Zombies und Rosamunde-Pilcher-Kitsch dabei am unbeliebtesten. Darüber hinaus schreibt sie gerade selbst an einem Fantasyroman, in dem natürlich auch ein Einhorn vorkommt.

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