Valkyrie: Zurück ins Jetzt

Lesezeit: 5 Minuten

Das Klirren von Metall auf Metall mischt sich mit den lauten Rufen der Feierwütigen. Der Duft von Schweiß liegt in der Luft, auch Blut lässt sich nicht immer Vermeiden und im Hintergrund hört man das quietschen von Bremsen … Huch. Irgendetwas ist an diesen Bildern falsch. Das denkt sich auch die Walküre Frida, die im Auftrag Odins mögliche Feinde ausspionierte. Als sie deren Verrat mit einem Fluch des Göttervaters bestrafen will, geht etwas furchtbar schief. In Valkyrie: Zurück ins Jetzt aus dem Verlag ohneohren sind nicht nur das Verschwinden Asgards und das Einleben in die moderne Menschenwelt ein Problem für Frida, auch alte Feinde und Sagengestalten finden ihren Weg nach Stockholm.

Da, wo sich die Menschen niedergelassen haben, um die Stadt Stockholm zu gründen, lebten eins Walküren, Götter, Trolle und andere sagenhafte Wesen. Sie kämpften, liebten und intrigierten voller Leidenschaft. Die Walküre Frida ist stolz darauf, Odin zu gehorchen und vielleicht auch ein wenig zu selbstbewusst. Aufgrund eines unklar formulierten Fluches fällt sie in einen tausendjährigen Schlaf und erwacht in der modernen Welt. In einer Zeit, in der Asgard nur noch ein Mythos ist, aber sich all die norsischen Völker unter die skandinavische Bevölkerung mischen und versuchen, sich anzupassen. Ein trostloser Alltag, die mächtige Magie von einst verloren und ohne das Wissen darüber, was überhaupt passiert ist, erwartet Frida. Ach ja, außerdem tauchen alte Feinde wieder auf, neue Freunde werden gefunden und das Rätsel um durchaus reale Sagengestalten wird nach und nach entschlüsselt.

Die alltäglichen Schlachten

Originaltitel Valkyrie: Zurück ins Jetzt
Ursprungsland Österreich
Jahr 2018
Typ Roman
Band 1 (von 2)
Genre Urban Fantasy
Autorin Tina Skupin
Verlag Verlag ohneohren

Auch die Norsen, all jene mythischen Wesen, die nach dem Verschwinden Asgards noch die Welt besiedeln, wollen wie die Menschen in die Großstadt ziehen. Damit das funktioniert, haben sie eine zweite Infrastruktur aufgebaut, die vor den Augen der Menschen verborgen ist. Unerkannt können sie so die U-Bahn nutzen oder ihre eigenen Läden und Lokale führen. Doch genau wie die Menschen sind Wesen wie die Walküre Frida nicht vor dem Alltagstrott gefeit. Nach ihrem Erwachen hofft sie noch auf eine schnelle Klärung, wo sie sich befindet und wie sie zurück zu Odin kommt. Doch nachdem sie der Fürst IKEA nicht empfangen will und sie auch keine Spuren am Ort ihres Erwachens findet, sucht sie sich erst einmal ein Bett in dem schwedischen Möbelhaus. Wo sie prompt verhaftet wird, weil sie sich nicht ordnungsgemäß registriert hat. Ohne Schulabschluss oder Ausweispapiere ist sie schließlich gezwungen, einen Job am Ticket-Schalter der U-Bahn abzusitzen und sich dabei zu Tode zu langweilen. Auch hier gibt es Regeln, die eingehalten werden müssen und als sich ein paar junge Norsen über diese hinwegsetzen, reicht es ihr. Der Tag war mies und an irgendwem muss sie ihren Frust jetzt ablassen. Dass das der Beginn von einem sehr viel größeren Abenteuer ist, ahnt sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Die Donnerdrachen, Desillusionierung und unerwartete Kämpfe

Bald schon lernt Frida die Donnerdrachen kennen. Diese sind der Clan der Stockholmer Altstadt und ihr Jarl ist ein Mann namens Höder. Die Walküre erkennt schnell, dass sich hinter dem Namen Donnerdrache zwar ein phantastisches Schiff im Stil der Viking, aber die Crew größtenteils aus kampfunwilligen Verteidigern besteht. So ganz sehen sie es auch nicht ein, denn wogegen sollten sie schon kämpfen? Ihr Herrschaftsgebiet, die Altstadt, ist neutrales Gebiet, das von niemandem angegriffen wird und Monster gibt es sowieso schon lange nicht mehr. Doch dann tauchen Seeschlangen und Feen mit Befreiungsaufträgen auf, Prinzessinnen entpuppen sich als alte Bekannte und die einst verfluchten Jo-Ann, ein kämpferischer Clan, dessen Mitglieder sich in Wölfe verwandeln können, streifen halb verhungert auf der Suche nach Frida durch die Straßen Stockholms. Genug Aufregung also, um Frida und ihre Freunde auf den knapp 600 Seiten zu beschäftigen. Sieht man mal vom Rätsel um Asgards Verbleib ab. Und dann ist da noch die Sache mit dem Jarl, der die Walküre besiegte. Und den sie nach altem Gesetz nun heiraten muss, außer, sie kann sich finanziell oder im Kampf auslösen … Langweilig wird die Handlung so kein einziges Mal, vor allem, weil der lockere Stil von Valkyrie: Zurück ins Jetzt zu einem amüsanten Lesegenuss werden lässt.

Magie muss man ertanzen

Frida ist stolz. Und impulsiv. Ebenso kämpferisch. Nicht zu vergessen: selbstbewusst. Dass die Protagonistin in Valkyrie: Zurück ins Jetzt nicht total unsympathisch ist, liegt daran, dass Tina Skupin ihr auch noch viele liebenswerte Eigenschaften mitgibt. Neugierde, die Fähigkeit, zu staunen, Loyalität und eine ganz besondere Art von Humor, die auch ernste Situationen auflockern kann. Wenn sie zum Beispiel verzweifelt versucht, nach ihrem Aufwachen den Wind zu sich zu rufen, um sich aus der Luft orientieren zu können, dann tanzt sie. Und weiß genau, dass Odin immer meinte, dass dies vollkommen unnötig sei, seine Walküren sollen doch bitte nicht herumtanzen (dass das sogar später im Buch noch einmal von einer bestimmten Figur aufgegriffen wird, macht es im Nachhinein noch besser!). Oft begegnet sie Situationen oder Gegenständen in ihrem neuen Alltag, die sie mit ihrem alten Leben vergleicht und oft mit einem Schulterzucken und einem Gedanken abtut, der für die Leserinnen und Leser automatisch zu einem Kichern führt. Die Autorin schafft es wunderbar, sich in ihre Figuren hineinzuversetzen und hat sich genau überlegt, wie sie auf bestimmte Aspekte des heutigen Lebens reagieren würden.

Fazit

Mir gefällt Valkyrie: Zurück ins Jetzt außerordentlich gut. Frida ist eine tolle Figur, die weiß, wann (und meist auch wie) sie ein Problem anpacken muss. Sie fackelt nicht lange und stellt sich den Gefahren. Tina Skupin sind viele wundervolle Situationen eingefallen, in denen die Komik aus den Gegebenheiten entsteht und sich der Humor so ganz natürlich durch das Buch schlängelt. Auf keiner Seite ist die Protagonistin unsympathisch und man hofft zusammen mit ihr, dass sich die Frage um Asgard klärt. Ihre authentische Art macht es einem leicht, immer mehr von ihr lesen zu wollen. Doch auch die Rätsel um Unstimmigkeiten sind spannend, einige Hinweise sind geschickt versteckt. Auf jeden Fall schafft es die Autorin, einen mit vielen Twists zu überraschen. Eine klare Empfehlung an all diejenigen, die eine Geschichte mit nordischer Mythologie abseits der üblichen Helden lesen wollen!

© Verlag ohneohren

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MadameMelli

MadameMelli ist im Berufsalltag als Informationsninja unterwegs und hilft Suchenden, die passende Literatur zu finden. In ihrem Freundeskreis ist sie als Waschbär bekannt und dementsprechend ist auch kaum ein Buch, Manga oder Comic (oder Tee) vor ihr sicher – alles wird in die Hand genommen, begutachtet und bei Gefallen mit nach Hause geschleppt. Nur nicht gewaschen, das wäre zu viel des Guten. Sinniert gerade darüber, ob es als Waschbär sehr gefährlich ist, Wölfe zu lieben, lässt sich davon aber nicht abhalten und schreibt in ihrer Freizeit selbst Geschichten. Manchmal auch über Wölfe. Oder Tee.

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