Die Herrschaft des Feuers

Lesezeit: 5 Minuten

Dass Drachen nicht immer in mittelalterlichen Settings auftauchen müssen, beweist der 2002 produzierte Film Herrschaft des Feuers. In der Handlung erwachen die Flugungeheuer nach einem langen Winterschlaf in unserer Zeit wieder zum Leben und erobern den blauen Planeten für sich. Doch die Menschheit gibt nicht auf und so dürfen, die damals noch weniger bekannten Schauspieler Christian Bale (Exodus: Götter und Könige) und Gerard Butler (300) neben Matthew McConaughey (Der Dunkle Turm) in Rob Bowmans (Akte X – der Film) Abenteuer in die Fußstapfen von Siegfried, dem Drachentöter, treten.

  

Quinn Abercromby (Ben Thornton, American Burger) ist ein zwölfjähriger Schüler in London. An einem ganz normalen Tag besucht er seine Mutter bei der Arbeit an einem U-Bahnschacht. Eine der Bohrmaschinen bohrt sich in einen Hohlraum, der nicht auf der Karte verzeichnet ist. Als Quinn dort hineinklettert, wird er von etwas Großem angespuckt. Wie sich herausstellt, wurde bei den Arbeiten ein Drache im Tiefschlaf erweckt, der sich feuerspeiend einen Ausweg aus der Höhle kämpft. Quinn überlebt als Einziger den Angriff. Zwölf Jahre später muss er mit ansehen, wie die Welt fast vollkommen verbrannt ist, da tausende Drachen die Welt erobert haben. Der nun erwachsene Quinn (Christian Bale) hat eine Gruppe Überlebender in einer Burg im englischen Hinterland untergebracht. Sein bester Freund Creedy (Gerard Butler) hilft ihm dabei, die Gemeinschaft zusammen zu halten. Doch es gibt Unruhen. Die Leute hungern, weswegen sich eine kleine Gruppe dem Beschluss aller widersetzt und zu den Feldern fährt. Damit locken sie einen Drachen an, der sofort anfängt, die Ernte zu verbrennen. Quinn kann einen Teil seiner Leute retten, doch stellt sich ihm die Frage, wie es weiter gehen soll. Die Nahrung wird immer knapper, Kontakt zu anderen Überlebenden gibt es nicht mehr und die Drachen erwecken keinen Anschein, dass sie demnächst wieder in einen Winterschlaf verfallen. Bevor Quinn jedoch seinen Mut verliert, taucht eine Einheit der US-Army vor der Burg auf. Angeführt von Denton Van Zan (Matthew McConaughey) wollen sie Drachen töten!

A- oder B-Movie?

Originaltitel Reign of Fire
Jahr  2002
Land USA, Großbritannien 
Genre  Action, Fantasy
Regisseur  Rob Bowman
Cast Quinn Abercromby : Christian Bale
Denton Van Zan: Matthew McConaughey
Alex Jensen : Izabella Scorupco
Creedy : Gerard Butler
Ajay: Alexander Siddig
Karen Abercromby: Alice Krige
Jared Wilke : Scott James Moutter
Laufzeit  102 Minuten
FSK  

Der Film liefert eine gute Erklärung, woher die Drachen kommen. Trotzdem sollte man nicht zu viel darüber nachdenken, sonst fallen einem die Logiklöcher zu sehr auf. So zum Beispiel: Wenn in London nur ein einziger Drache in diesem Hohlraum war, wie kommt es, dass alle anderen Drachen auch erwachen? Wenn es so viele Drachen gibt, dass sie anfangen sich selbst zu fressen, müssten sie dann nicht wieder in Tiefschlaf fallen? Immerhin gibt es eine logische Erklärung, warum eine US-Gruppe den weiten Weg auf sich nimmt, um in England Drachen zu töten. Alex Jensen (Izabella Scorupco, James Bond 007 – GoldenEye) hat herausgefunden, dass alle bisher getöteten Drachen Weibchen sind. Daher gehen sie davon aus, dass der erste gesichtete Drachen – dem Quinn als Kind begegnet ist – das Männchen sein müsste. Weil die Story Schwächen aufweist, ist er für viele Zuschauer, trotz toller Computertechnik, nur ein Film auf B-Movie-Niveau. Da nützt es auch nichts, dass man bei den Schauspielern ein gutes Händchen bewiesen hat. Christian Bale spielt die Rolle des schlauen, taffen, aber menschlichen Anführers sehr gut. Der damals noch junge Gerard Butler heimst dank seiner coolen, passenden Sprüche viele Sympathiepunkte ein. Nur Matthew McConaughey ist ein Dorn im Auge, denn seine gespielte Figur Van Zan ist ein Klischeebild eines Amerikaners: Arrogant, machohaft und ein Dickschädel, der sich von niemanden etwas sagen lässt. Selbst als Quinn ihn davor warnt, geradewegs ins Herz Londons zu marschieren, lässt sich der Muskelberg nichts sagen.

Actionfeuerwerk

Während die Story ihre großen Schwächen hat, sind es dann doch die Actionparts, die dem Film Pluspunkte einbringen. Der erste Angriff eines Drachen auf die Felder sieht schon überzeugend aus und sorgt für ordentliche Spannung. Der nächste Angriff eines Feuerspuckers erfolgt, als Van Zan mit seiner Gruppe die Burg erreicht hat. Der Zuschauer bekommt so präsentiert, wie die „Erzengel“ arbeiten. Alex fliegt mit ihrem Helikopter hoch genug und lässt ihre Engel rausspringen. Der Plan funktioniert normalerweise so, dass ein Fallschirmspringer den Drachen anlockt und zwei sich dann hinter das Ungeheuer setzen und es mit Netzen beschießen, sodass es zu Boden kracht. Leider geht hier einiges schief. Zwar kann der Drache getötet werden, aber Van Zan verliert gute Männer.  Richtig beeindruckend und emotional aufwühlender ist der Angriff des männlichen Drachens auf die Burg. Da es Nacht ist, sieht es beängstigend aus, wie sich das Tier auf die Burg setzt und seinen Feueratem nach unten haucht. Hier gibt es dann auch den ersten wirklich traurigen Abschied, da es eine Figur erwischt, die dem Zuschauer bis dahin ans Herz gewachsen ist. Das Finale in London verläuft zwar spannend, aber nach allem, was so weit passiert ist, mangelt es etwas an noch eindrucksvolleren Drachenszenen. Es wirkt fast zu einfach, wie Quinn dem Drachen den Sprengpfeil ins Maul schießt.

Das Problem mit den Schuppen

Neben den menschlichen Schauspielern sind es vor allem die gut gemachten Drachen, die dem Zuschauer den Atem rauben. Ihr Design erinnert von den Flügeln her sehr an Fledermäuse. Die Tiere wirken daher sehr stromlinienförmig, weswegen die Flugszenen auch glaubhaft wirken. Ein Minuspunkt sind die ziemlich zerfledderten Flügel der Drachen. 2002 war die Tricktechnik schon weit, aber schwere Strukturen, wie Schuppen, stellten eine große Herausforderung dar. Daher floss ein Großteil des 60 Millionen Dollar Budgets in die Tricktechnikabteilung. Es wurden aufwendige Figuren und Nachbauten angefertigt. Große Probleme gab es dabei, die Tiere realistisch wirken zu lassen. Zwar gab es Jahre zuvor Jurassic Park oder Dragonheart doch 100% perfekt war da noch nichts. Dass sich der Aufwand gelohnt hat, zeigt sich darin, dass Herrschaft des Feuers beim Sitges Festival den Award „Beste visuelle Effekte“ gewinnen konnte. Neben der Optik stimmt auch die Klangwelt. Der Soundtrack von Ed Shearmur (Gregs Tagebuch: Böse Falle!) passt in allen Szenen wunderbar.

Drachen in Filmen ziehen mich einfach magisch an. In diesem Film sehen sie toll aus und es gibt gute Actionszenen, daher habe ich meinen Spaß mit Herrschaft des Feuers. Die Story hat zwar ihre Schwächen, aber sobald ich die Disk in den Player lege, versuche ich einfach mein Hirn auszuschalten. Quinn ist ein sympathischer Charakter und ich muss auch immer wieder lachen, wenn er am Anfang mit Creedy gemeinsam ein Star Wars-Theaterstück für die Kinder aufführt. Matthew McConaughey erkennt man echt schwer unter dem Bart und den Muskeln. Das liegt aber auch daran, dass er hier eine andere Synchronstimme hat. Van Zan mag ich auf jeden Fall nicht sonderlich, denn wäre er anders vorgegangen, hätten viele Leute nicht sterben müssen. Mein persönliches Filmhighlight ist die Szene, in der Quinn den Drachen auf seinem Pferd vor die Schussbahn von Van Zan lockt. Das Finale in London finde ich etwas unspektakulär, auch wenn der männliche Drache echt beeindruckend aussieht. Etwas schade ist, dass die Blu-ray-Version kein durchgängig gestochen scharfes Bild aufweist.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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Misato
Redakteur

Da werden Erinnerungen wach. Vor allem, weil der Film es immer wieder schafft mich total zu foppen. Der Trailer ist total genial und ich will dann immer all die Drachenszenen sehen und mich einfach an stumpfer Action erfreuen. Und es dauert einen Moment mich dran zu erinnern, dass mir an diesem Film sonst einfach nichts gefällt. So gewisse fragwürdige Storyelemente kann ich auch gern übersehen, aber die Nervigkeit von Van Zan überstrahlt für mich alles. Und besonders sympathisch finde ich sonst auch niemanden. Und das ist nach dem vollkommen aus dem Hut gezauberten Ende mein größtes Problem.

Herrschaft des Feuers wäre für mich ein idealer Kandidat für ein Remake. Zum einen gibt es zu wenig tolle Drachen im Film und die heutige Tricktechnik könnte das noch besser machen. Zum anderen sollte jemand mit einem Rotstift durch die Handlung wetzen und alles in eine stimmige Balance bringen. Die Figuren brauchen jetzt keinen Tiefgang und emotionalen Ballast für lange Dialoge. Aber so ein bisschen mehr als langweilige Stereotype dann doch. Ist in Actionfilmen meist okay, aber weil man hier mit den Drachen so ein besonderes Alleinstellungsmerkmal hat, muss man das gebührend würdigen. (Aber hey, Alex als Frau ist die Pilotin, ein sehr wichtig bedientes Trope für mich!)

Atticus
Redakteur

Ein Remake ist eine spannende Idee. Da wäre bei diesem Film in der Tat einiges rauszuholen. Das Grundszenario finde ich ziemlich interessant. Ich fände es auch nicht verkehrt, wenn man bei einem solchen Remake ein bisschen mehr Tiefgang reinbringen und die Figuren besser ausarbeiten würde. Aber gegen einen selbstironischen Actionblockbuster hätte ich auch nichts einzuwenden 😀 Hauptsache sie streichen das missglückte Ende und feilen ein bisschen an Handlung und Figuren.

Ayres
Redakteur

Danke fürs Vorstellen. Scheint etwas dezent Trashiges an sich zu haben, was mich sofort anspricht und den Titel auf meine Watchlist schiebt 😉