Peter Grant (Band 5,5): Geister auf der Metropolitan Line: Eine Peter-Grant-Story

Lesezeit: 4 Minuten

Wie würde es Ihnen gefallen, in der U-Bahn von einem Geist belästigt zu werden? Den Londonern passt es ganz und gar nicht, weswegen Peter Grant zur Tat schreiten muss. Er bekommt dabei eher unfreiwillig Hilfe von Abigail, seiner Nichte und Zauberlehrling in spe, und anderen bekannten Charakteren. Mit Geister auf der Metropolitan Line: Eine Peter-Grant-Story liefert uns Ben Aaronovitch eine kurze Novelle, die zwischen den Ereignissen von Band 5 Fingerhut –Sommer und Band 6 Der Galgen von Tyburn angesiedelt ist. Mit gerade einmal 170 Seiten verkürzt uns die Geschichte zwar nur ein wenig die Wartezeit auf Band 7 — der im Englischen unter dem Titel Lies Sleeping im November 2018 erscheinen soll — aber trotzdem kommt ein Fan nicht drum herum.

    

Für Peter gibt es selten ruhige Zeiten. Nach seinem Bahnabenteuer unter der Baker Street verschlägt es ihn erneut zu den Zuglinien des Londoner Verkehrs. Mehrere Fahrgäste haben darüber berichtet, dass sie von Geistern belästigt worden sind, weswegen das Folly eingeschaltet wird. Für Peter beginnt die Arbeit auf der Metropolitan Line, denn schnell wird klar, dass alle Sichtungen auf dieser Linie stattgefunden haben. Leider gibt es das große Problem, dass alle Leute, welche mit Geistern in Kontakt getreten sind, ihre Erinnerungen an den Tathergang schnell vergessen. Es kommt daher auf jede Minute an, um das Rätsel zu lösen. Doch ist das nicht das einzige Problem: Seit kurzem geht Abigail im Folly ein und aus. Nach ihrem Fuchsabenteuer ist Nightingale der Meinung, dass sie ebenfalls als Zauberlehrling angemeldet werden sollte. Wie erklärt Peter das bitte seiner Tante?

„Seit einiger Zeit waren gehäuft Hinweise eingegangen, dass auf der Metropolitan Line Geister unterwegs waren. Was Jaget pflichtschuldig an mich weitergab, weil für störende Gruselfaktoren die Einheit Spezielle Analysen zuständig ist, auch bekannt als das Folly oder „die verdammten Spinner.“

Nicht ganz das klassische Peter Grant-Abenteuer

Originaltitel The Furthest Station
Ursprungsland Großbritannien
Jahr 2017
Typ Roman
Bände 5,5 / ?
Genre Krimi, Urban Fantasy
Autor Ben Aaronovitch
Verlag dtv

Für Peter ist es normal, an mehreren Fällen gleichzeitig zu arbeiten. Da es sich hier aber nur um eine Novelle handelt, beschränkt sich der Autor auf einziges großes Problem, das gelöst werden muss. Man kann daher sagen, dass hier eher ein routinierter Polizeieinsatz geschildert wird, wenn davon abgesehen wird, dass hier Geister ihr Unwesen treiben! Dadurch, dass die Nebenhandlungen fast komplett wegfallen, gelangt der Leser schnell von A nach B und dann zum spannenden Finale. Miträtseln ist wie immer möglich und Ben Aaronovitch macht es uns auch nicht zu einfach, weswegen es ein paar spannende Wendungen gibt. Diese zügige Vorgehensweise ist für Peter-Grant-Fans eher ungewohnt und man kann es auch nicht anders sagen: Die Nebenhandlungen werden vermisst. Ganz ohne kommt die Geschichte aber auch nicht aus. So geht es ein wenig um Abigail, der Peter versprochen hat, sie zum Zauberlehrling zu machen, wenn sie ihre Lateinprüfung besteht. Wirklich viel Hin und Her gibt es zwar nicht, denn da bleibt nicht viel zu überlegen. Es ist bekannt, was aus Leuten wird, die versucht haben, sich selbst Magie beizubringen.

Peter kann nicht ohne seine Flüsse

Trotz der Kürze verzichtet der Autor in Geister auf der Metropolitan Line: Eine Peter-Grant-Story nicht darauf, seinen Fans ein bisschen magische Schokolade zu schenken. Wie immer erfolgt dies durch das Auftauchen lieb gewonnener Figuren und den obligatorischen Flussabenteuern. Zwar ist letzteres eher ein Mini-Ausflug, aber als echter Fan verzichtet man ungern auf seine Portion Wasser mit Seele, weswegen es auch hier etwas gibt. Wie immer gestaltet sich das auch als sehr amüsant und gerade für das Ende hält der Roman eine nette Portion Fanservice bereit. Hier bleibt die Hoffnung, dass dieser Teil der Geschichte irgendwann weitererzählt wird. Ansonsten lernt der Leser auch wieder etwas über die Geschichte der Zauberer in England und wie nicht anders zu erwarten: ein paar neue geografische Orte. Gerade die namensgebende Zuglinie wird Nicht-Londonern gut vorgestellt. Wer allgemein seinen Arbeitsweg mit den Gefährten auf Schienen zurücklegt, wird hier noch ein wenig mehr Freude am Lesen haben. Darüber hinaus lässt sich noch sagen, dass auch dieses Abenteuer humorvoll und wortgewandt geschrieben ist, so dass von der ersten bis zur letzten Seite Lesespaß herrscht.

„Sie sprang aus dem Zug, duckte sich unter unserem Absperrband hindurch und rannte lachend auf Toby zu. Dieser befreite seinen Kopf verdächtig gekonnt aus seinem Halsband und flitzte über den Bahnsteig. Das Geistermädchen ignorierte unsere sorgsam ausgetüftelte magische Falle vollkommen und lief ihm nach. Abgang Hund und Geisterkind.“

Kurz, knackig, aber trotzdem lesenswert: Es ist halt eine Peter Grant-Geschichte und an denen habe ich immer meinen Spaß. Nicht nur die Kommentare des Zauberlehrlings sind wieder einmal herrlich, sondern auch der Fall, an dem er arbeitet. Da hat sich Ben Aaronovitch etwas einfallen lassen, denn wer rechnet damit, dass Geister, die in einer Bahn auftauchen, zu so einem Fall führen. Besonders gefreut hat es mich, dass es doch einige andere Figuren in die Geschichte geschafft haben. Toby, der ja schon auf dem Cover zu sehen ist, ist wieder einmal besonders niedlich und lustig eingebaut und Nightingale darf nicht fehlen. Ich finde es auch passend, dass das Cover rot geworden ist. So wie schon der dritte Band Ein Wispern unter Baker Street, wo uns die Handlung zu den U-Bahn-Linien geführt hat.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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Prinzessin Blaubeere
Redakteur

Ich bin auch endlich mal zum Lesen gekommen. Mir war gar nicht klar, dass das noch gar nicht der neue Band ist, bis ich das Buch in der Hand hielt bzw. gelesen habe, dass es eine “Peter-Grant-Story” ist. Aber macht nichts. Die Geschichte war genauso unterhaltsam, wie die Hauptreihe. Und ich habe mich so sehr gefreut, einen alten Bekannten wiederzutreffen. Ich habe sofort gewusst, dass er wahrscheinlich dabei ist, wenn wir uns in dieser Geschichte wieder in der Ubahn herumtreiben. Sehr schön eingebaut war auch Abigail und ihr Fortschritt im Folly. Bin mal gespannt, wie es mit ihr weitergeht. Wegen mir könnten auch einfach öfter zwischen den Bänden solch kleine Stories erscheinen, in denen man immer nur einen Fall, abseits der Haupthandlung, löst. Wahrscheinlich hätte Peter auch als Sammbelband von einzelnen Kurzgeschichten sehr gut funktioniert.