Feuerschwingen

Lesezeit: 4 Minuten

Autorinnen und Autoren sind sowieso immer ein wenig außergewöhnlich. Aber selbst unter diesen liebevoll chaotisch-kreativen Menschen gibt es noch welche, die hervorstechen. Bewaffnet mit einer Alpaka-Handpuppe namens Zwiebel, einem bunten Poncho und einem unverwechselbaren Lachen gehört die Autorin Sabrina Železný dazu. Als studierte Kulturanthropologin und mit ihrer Liebe zu Sprachen, vor allem der spanischen, hat sie bald zu einer Faszination Lateinamerikas geführt. In zahlreichen Romanen floss diese besondere Sichtweise bereits ein – zuletzt in Feuerschwingen, das 2019 im Verlag ohneohren erschien.

   

Gold ist seit ewigen Zeiten die Basis der Feindschaft zwischen Inka und Iberer. Diese pflegen sie auch noch, nachdem sie von der Erde fliehen mussten und sich jedes Volk eine neue Heimat im Weltall gesucht hat. Entsprechend angespannt ist die Situation zwischen dem Inka Manco und dem Iberer Gonzalo, als letzterer sich auf dem Schiff seines Feindes einschleicht. Doch Gonzalo ist sich sicher, dass der andere trotz seines von fremden Erinnerungen verstrahlten Hirnes den Weg nach Eldorado kennt. Eben jenes holografische Gedächtnis der Inka führt die beiden auf eine Reise zurück zur Erde, die sie zu einem Waffenstillstand zwingt. Bald müssen sie herausfinden, ob ihr Zweckbündnis ein anderes Ende als Verrat mit sich bringen kann und was das für ihre Völker bedeuten könnte.

Inka im … Weltall?

Originaltitel Feuerschwingen
Ursprungsland Österreich
Jahr 2019
Typ Roman
Bände 1
Genre Science-Fiction, Science-Fantasy, Inkapunk
Autor Sabrina Železný
Verlag Verlag ohneohren

Eurozentrische und Nordamerikazentrierte Fantasy oder Science-Fiction kann jeder schreiben – doch Südamerika wird in Geschichten bisher eher selten aufgegriffen. Umso größer ist das Alleinstellungsmerkmal von Sabrina Železný in der deutschsprachigen Phantastik, die als Kulturanthropologin Arbeit und Leidenschaft verbindet. Dabei entstehen so herrlich verrückte Ideen wie Inka im Weltall. Deren Erzfeinde, die Iberer dürfen natürlich auch nicht fehlen. Nachdem der Heimatplanet für beide Völker unbewohnbar wurde, suchten sie sich jeweils ein neues Zuhause. Sie wurden fündig und richteten sich dort nach alten Traditionen ein. Und gerade das macht den Einstieg in die Welt von Feuerschwingen so einfach: Trotz der Fremde des Weltalls findet man noch genügend Bekanntes. Das macht es vor allem für Lesende einfach, die sich sonst nicht an Science-Fiction wagen. Hier werden Orte, Handlungen und Geschichten, die man mehr oder weniger kennt, auf eine spannende Weise mit frischen Ideen kombiniert, die einem klar machen, dass man sich im Weltall befindet. Doch gerade dieses ist nicht weniger gefährlich als die Erde, oder Pacha, wie die Inka unsere Heimat nennen.

Das richtige Maß an Emotionen

Versteckt sich ein Iberer im Flugzeug eines Inkas … Was wie der Beginn eines Schenkelklopferwitzes klingt, ist in Feuerschwingen der Start einer ungewöhnlichen Beziehung. Iberer und Inka sind Erzfeinde, fielen erstere doch in das südamerikanische Reich ein. In der Realität wie auch in Sabrina Železnýs Buch waren die Iberer vor allem auf das Gold aus, das sie zu großen Teilen einschmolzen. Eine langwährende Feindschaft steht also zwischen Manco und Gonzalo. Nachvollziehbar wird der Streit zwischen ihnen von der Autorin aufgebaut. Ebenso passend ist der erzwungene Waffenstillstand, als sie auf der Erde landen. Ein Deal, damit beide überleben. Eine Zeit, in der beide lernen, mit den Macken des anderen zurechtzukommen. In der sie merken, dass der andere doch nicht nur hassenswert ist. Und während zarte Bande der Freundschaft aufgrund von Lebensrettungen und Gemeinsamkeiten geflochten werden, steht immer noch das Geheimnis von Qori Qori (btw. Eldorado) zwischen den beiden.

Ein intergalaktisches Puzzle

Direkt in den ersten Kapiteln werden viele Grundsteine für die Handlung von Feuerschwingen gelegt. Das Volk der Inka versucht verzweifelt zu verbergen, dass ausgerechnet sie, die Erfinder der Sonnenflieger, kaum noch Gold besitzen. Die Hologramme, die dem Inka Manco bei der Suche nach Qori Qori helfen sollen, verursachen eine hohe Strahlenbelastung. Es fällt dem jungen Mann mit jeder Nutzung schwerer, die fremden Erinnerungen von seinen eigenen zu trennen. Immer öfter flüstern die Stimmen aus der Vergangenheit auch ohne Aktivierung des Hologrammsteins. Im freien Raum wird er von Kaperfliegern beinahe geschnappt und kann nur mithilfe des Iberers Gonzalo entkommen. Nach und nach fügen sich weitere Teile dem Puzzle der Geschichte hinzu. Die Autorin schafft es, geschickt mit diesen Einzelteilen zu jonglieren, Informationen an der richtigen Stelle zu platzieren und später wieder aufzugreifen. Am Ende entsteht ein Gesamtbild, das man am liebsten direkt von vorn zu lesen beginnen möchte.

Fazit

Sobald ich den Roman Feuerschwingen begann, kamen mir ein paar Dinge bekannt vor. Ich musste ein bisschen überlegen, erinnerte mich dann aber an die Anthologie Intergalaktisches Seemannsgarn, die vor ein paar Jahren ebenfalls im Verlag ohneohren erschien. Und wirklich: Die Figuren müssen der Autorin im Kopf geblieben sein. Ich bin froh, dass sie das taten, denn jetzt ist eindeutig ihre Zeit. Der Roman wirkt auf mich wie aus einem Guss. So viele Elemente verbinden sich zu einem Ganzen, das zu lesen schlicht Spaß macht. Vor allem die Entwicklung zwischen Manco und Gonzalo, wie der eine Vertrauen fasst und der andere seine harte Schale öffnet – das liest sich einfach wunderbar organisch. Kurz vor Schluss kommt dann sogar noch ein weiteres Element dazu, mit dem ich gar nicht mehr gerechnet hätte, das für mich aber dann noch ein Sahnehäubchen auf ein sowieso schon perfektes Buch gesetzt hat!

© Verlag ohneohren

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MadameMelli

MadameMelli ist im Berufsalltag als Informationsninja unterwegs und hilft Suchenden, die passende Literatur zu finden. In ihrem Freundeskreis ist sie als Waschbär bekannt und dementsprechend ist auch kaum ein Buch, Manga oder Comic (oder Tee) vor ihr sicher – alles wird in die Hand genommen, begutachtet und bei Gefallen mit nach Hause geschleppt. Nur nicht gewaschen, das wäre zu viel des Guten. Sinniert gerade darüber, ob es als Waschbär sehr gefährlich ist, Wölfe zu lieben, lässt sich davon aber nicht abhalten und schreibt in ihrer Freizeit selbst Geschichten. Manchmal auch über Wölfe. Oder Tee.

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