Der Heckenritter von Westeros: Das Urteil der Sieben

Game of Thrones mag 2019 krachend zu Ende gegangen sein (im negativen Sinne), doch tot ist das Franchise noch lange nicht. Neben dem Spin-off House of the Dragon (2022), welches die Vorgeschichte der Targaryens erzählt und dem Franchise wieder zum alten Ansehen verhelfen konnte (puh!), schickt HBO am 19. Januar 2025 seinen nächsten Joker ins Rennen: A Knight of the Seven Kingdoms. Eine Adaption von George R. R. Martins gleichnamiger Kurzgeschichtensammlung, die den Abenteuern von Ser Duncan dem Großen und seinem Kappen Ei folgt und dabei erfrischend andere Facetten von Westeros aufzeigt.

Der Heckenritter von Westeros: Das Urteil der Sieben spielt etwa 90 Jahre vor den Ereignissen von Game of Thrones und folgt dem jungen Ser Duncan dem Großen (Spitzname Dunk) und seinem Knappen Ei auf ihren Abenteuern in Westeros. Die Targaryen-Dynastie sitzt noch am Drücker, aber die politische Situation in Westeros ist bereits von vielen Spannungen geprägt. Dunk, ein einfacher und gutmütiger Riese (und als Ritter gerade mal ein Backfisch), kämpft auf Turnieren nicht nur gegen Axt und Lanze, sondern auch gegen Korruption und Intrigen der hohen Gesellschaft.

GRRM betreibt mal wieder Sidetracking …

Originaltitel A Knight of the Seven Kingdoms
Jahr 1998–2010
Typ Roman
Bände 1
Genre Fantasy
Autor George R. R. Martin
Verlag Penhaligon
Im Handel erhältlich

Wer Westeros bislang nur als blutgetränktes Schlachtfeld und reinste Intrigenhölle kennt, der bekommt in George R. R. Martins Der Heckenritter von Westeros: Das Urteil der Sieben ein überraschend anderes Gesicht des Universums zu sehen. Zwei Jahre, nachdem GRRM uns mit dem ersten Band seines Das Lied von Eis und Feuer beglückte, veröffentlichte er Das Urteil der Sieben (1998) und legte damit den Grundstein für die Abenteuer von Dunk und Ei. Es folgten Das verschworene Schwert (2002) und Der geheimnisvolle Ritter (2010). Insgesamt also drei Novellen, die hier in Deutschland vom Penhaligon Verlag in sein Repertoire aufgenommen und 2013 als Gesamtausgabe veröffentlicht wurden.

Einfach Dunk

Martin nutzt die Welt, die er in Game of Thrones so düster gezeichnet hat (und hoffentlich irgendwann weiter zeichnen wird …), um in wesentlich kleineren Maßstäben die Geschichte einer Figur zu erzählen, die mehr Herzlichkeit als Grauen in sich trägt und damit aus dem üblichen moralisch angekratzten bis total verdorbenen Game of Thrones-Cast heraussticht: Dunk. Dunk ist nicht die hellste Kerze auf der Westeros-Torte, trägt das Herz aber am rechten Fleck, gleich neben seinem unbeirrbaren moralischen Kompass, der ihn nicht selten in die Bredouille bringt. Als ehemaliger Knappe eines kürzlich verstorbenen Ritters beschließt er, sich mit einem Schwert, zwei minderwertigen Pferden und unterdrückt brodelnder Entschlossenheit auf Turnieren einen Namen zu machen.

Game of Thrones Light

Natürlich vereint Der Heckenritter von Westeros alle Markenzeichen von GRRM: Es gibt lebhaft geschrieben Figuren, die sich vulgäre Unflätigkeiten an den Kopf werfen, allzu anschauliche Gewaltszenen, einen beeindruckenden Weltenbau und natürlich Tragik und politische Ränkespiele. Aber eben eingebettet in und abgefedert von Dunks bittersüßem idealistischen Wesen. Dadurch rückt das politische Hickhack deutlich stärker in den Hintergrund als bei Game of Thrones. Dunk ist keine listige Type wie Tyrion und auch kein geborener Krieger wie Jaime – er ist einfach ein großer Kerl, der versucht, ehrenhaft zu leben in einer Welt, die diese Tugend selten belohnt. Auf diese Weise versprüht Der Heckenritter von Westeros einen ähnlichen Außenseitercharme wie The Mandalorian. Abseits der großen Staatstragik, betreibt Dunk fröhliches Erkunden von Nischenfeldern. Keine fetten Schlachten, sondern kleine persönliche Konflikte, die GRRM natürlich trotzdem zu großen Dramen verwebt.

Dunk und Ei und der große Kontext dahinter

Dunk und Ei bilden zusammen ein charmantes Duo. Der hühnenhafte Ritter (basic, rechtschaffen, kindlich-stolz) und der scharfsinnige Knappe mit Glatze liefern sich immer wieder witzige Dispute. Dunk weckt zumeist durch seine Schlichtheit Sympathien (wirklich, einen so sympathischen Charakter gibt es selten in Game of Thrones), während Ei das Paradebeispiel für jene Figuren ist, die lernen müssen, dass Wissen und Herkunft kein Garant für ein gutes Leben sind. Unterschwellig erzählt Martin von einem Westeros, das langsam, aber unaufhaltsam auf den nächsten Bürgerkrieg zusteuert. Zwischen den persönlichen Abenteuern von Dunk und Ei blitzen daher immer wieder die größeren politischen Spannungen auf. Gerade diese Doppelbödigkeit – kleine Geschichten, die Teil eines großen Untergangs sind – verleiht den Novellen ihren Reiz.

Fazit

Der Heckenritter von Westeros: Das Urteil der Sieben ist mehr als nur ein schlichtes Anhängsel von George R. R. Martins Mutterreihe. Es ist eine eigene, in sich schlüssige Welt, die einen anderen Blick auf Westeros wirft: auf die kleinen Leute, die Ritter der Landstraße und deren verlorenen Ideale. Wer eine etwas leichtere, aber dennoch tiefgründige Westeros-Erfahrung sucht, und nebenbei auch noch auf kewle Beschreibungen von Rüstungen, Turnieren und Rittern steht, der wird hier fündig. Die aufgeblasene Handlung, wie man sie von Game Of Thrones kennt, hat hier Sendepause. Was bleibt, sind die kleinen Perlen von Dunk und Ei.

© Penhaligon Verlag

Totman Gehend

Totman ist Musiker, zockt in der Freizeit bevorzugt Indie-Games, Taktik-Shooter oder ganz was anderes und sammelt schöne Bücher. Größtes Laster: Red Bull. Lieblingsplatz im Netz: der 24/7 Music-Stream von Cryo Chamber auf YouTube.

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