Bill Hodges (Band 2): Finderlohn

Lesezeit: 5 Minuten

Von Anfang an stand für Stephen King (Der Outsider) fest, dass er um seinen pensionierten Polizisten Bill Hodges drei Bücher schreiben würde. Für den ersten Teil Mr. Mercedes gewann der Horrorautor einige bedeutende Kriminalroman-Preise. Daher ist die Messlatte für den zweiten Fall Finderlohn, der 2015 beim Heyne Verlag erschien, hoch gesteckt. Der nun als Privatdetektiv ermittelnde Ex-Cop darf zusammen mit seiner Kollegin auf den Spuren eines weit zurückreichenden Mordes an einem berühmten Autor wandeln, um das Leben eines Jungen zu retten. Büchernarren aufgepasst, denn in dieser Geschichte geht die Liebe zum Geschriebenen zu weit!

Der 79-jährige John Rothstein lebt 1978 abgeschieden vom Rest der Welt auf einer kleinen Farm. Dank seiner drei „Jimmy Gold“-Romane muss er sich keine Gedanken über Geld machen. Dass ihm seine Geschichten jedoch zum Verhängnis werden, konnte der Autor sich nicht vorstellen. Eines Nachts brechen drei Männer mit Masken in das Haus ein und bedrohen den alten Mann. Dieser soll nicht nur das Geld herausrücken, sondern auch den Code für den Safe mit den Notizbüchern. Der Dieb mit der gelben Maske ist nämlich ein psychopatischer Verehrer, der es auf die Geschichten des Autors abgesehen hat. Rothstein rückt im Laufe der Zeit mit der Kombination heraus. Für die Diebe verläuft leider nicht alles nach Plan, denn nach einem heftigen Streit erschießt der Mann mit der gelben Maske den Schreiberling.

Im Jahre 2010 findet der Junge Peter Saubers hinter seinem Haus unter einem Baum einen alten Koffer. Er schleppt diesen nach Hause, öffnet ihn und kann seinen Augen nicht trauen. Neben einigen alten Notizbüchern findet er eine Menge Geld. Das kommt gerade richtig, denn Peters Vater Tom hat seit dem Anschlag auf das City Center im Jahre 2009 seinen Job verloren und geht an Krücken. Peter entscheidet sich, das Geld anonym seinen Eltern zukommen zu lassen. Was er jedoch nicht weiß, dass er sich damit den Zorn eines Mörders zuzieht!

Der Wandel zwischen den Zeiten

Originaltitel Finders Keepers
Ursprungsland USA
Jahr 2015
Typ Roman
Band  2 / 3
Genre Krimi, Thriller
Autor Stephen King
Verlag Heyne

Im ersten Abschnitt von Finderlohn springt die Geschichte zwischen zwei Zeitachsen hin und her. Eine davon erzählt, wie Morris Bellamy, der Mann mit der gelben Maske, in das Haus des Schriftstellers einbricht. Ist der Autor verstorben, springt die Handlung plötzlich ins Jahr 2009 zu Tom Saubers. Hier sind wir erneut live dabei, wie ein gestohlener Mercedes in eine Menschenmenge fährt — der Haupthandlung des ersten Romans der Bill-Hodges-Trilogie. In den weiteren Wechseln erfahren wir, was Bellamy mit seinen Mitstreitern anstellt und wie Peter Saubers den Koffer mit dem wertvollen Inhalt findet. Geschickt spielt Stephen King jedoch damit, dass er uns gewisse Informationen vorenthält, um unsere Neugier anzufachen. Das Konzept hat seinen Reiz und geht vor allem wunderbar auf, da neben dem Voranbringen der Handlung auch die Charakterisierung gelingt.

Peter und Bellamy – zwei Bücherliebhaber

Peter ist ein netter, liebenswerter Charakter, der seinen Eltern helfen will und dank der Notizbücher eine Leidenschaft für die Romane von Rothstein entwickelt. Jeder Leser, der einen persönlichen Lieblingsautor hat, kann sich wunderbar in den Jungen hineinversetzen. Im späteren Handlungsverlauf ertappt er sich dabei, selbst darüber nachzudenken, was er in bestimmten Situationen tun würde. Schließlich ist das Geld im Koffer irgendwann verbraucht und Peter muss eine neue Geldquelle finden. Doch die Notizbücher sind für ihn mittlerweile ein unersetzbarer Schatz, den er nicht verkaufen möchte. Der Junge steckt in einer schwierigen Lage, bei der er erst viel zu spät bemerkt, dass sein Leben in Gefahr ist. Morris Bellamy, der Mann mit der gelben Maske, hat seine Beute vergraben und wanderte für ein ganz anderes Verbrechen in den Knast. Doch nach 35 Jahren Haft darf er wieder auf freiem Fuß wandern, am liebsten mit den Notizbüchern von Rothstein. Der Psychopath ist daher nicht besonders glücklich, dass sein Koffer verschwunden ist. Er beginnt Nachforschungen anzustellen, bei dem der Leser immer nur hofft, dass er nicht auf Peters Spuren gelangt. Bellamy ist zwar der Bösewicht der Geschichte, seine Taten werden aber ausführlich begründet, so dass er kein Monster, sondern ein Mensch mit Fehlern ist. Daher bleibt es spannend, welche Mittel und Wege der Schurke finden wird, um an seine Beute zu kommen.

Finders Keepers – wer’s findet, darf’s behalten

Der zweite Abschnitt von Finderlohn heißt “Alte Kumpel”. Das Erzähltempus wechselt von da an ins Präsens und bringt weitere Figuren, unter anderem Kermit William “Bill” Hodges, ins Spiel. Dieser hat seit den Ereignissen aus Mr. Mercedes sein eigenes Detektivbüro, mit Namen „Finders Keepers“, zusammen mit Holly Gibney gegründet. Durch mehrere unterhaltsame Umwege landet das Duo beim Fall Peter Saubers. Schließlich bleibt die Geldspende nicht so anonym, wie Peter es gerne hätte, denn seine Schwester schöpft Verdacht. Jedoch weiß sie nicht, woher das Geld kommt, und hat Angst, dass ihr Bruder in schlimme Dinge verwickelt ist. Ein Job für Bill Hodges! Im Gegensatz zum Leser hat der Detektiv nicht die volle Übersicht, stellt sich aber bei seinen Recherchen dank Holly sehr geschickt an. Zum Glück für den Leser, da es so zügig vorangeht und keine ellenlangen Fehlinterpretationen auf uns warten. Glaubhaft bleibt es zum Glück stets, und so wandert die Geschichte unaufhaltsam auf ihr packendes Finale zu. Zum Abschluss wird die Brücke zum dritten Roman Mind Control gebaut.

Zahlenliebhaber haben Vorteile

Natürlich hat Stephen King wieder einige Anspielungen an seine früheren Werke auch in Finderlohn versteckt. Es geht im Grunde auch nicht mehr ohne, denn es gehört zu seinen Romanen einfach dazu, weil es Spaß macht, sie zu finden. Für Menschen, die sich Zahlen gut merken können, gibt es gleich zwei Dinge zu finden. Ein Safe ist mit dem Code 9118 gesichert, dessen Quersumme die Zahl 19 ergibt und damit auf den Dunklen Turm hinweist. Die Zimmernummer 217 von Brady Hartsfield weist auf das Overlook Hotel in Shining hin und bei einer Geschichte mit einem Gefängnisaufenthalt darf Pin Up, besser bekannt unter dem Filmnamen Die Verurteilten, nicht fehlen.

Fazit

Stephen King neigt gerne dazu, zu langatmig zu werden, doch bei Finderlohn fliegen die Seiten nur so dahin. Besonders der Aufbau mit seinen unterschiedlichen Zeiten sorgt für ein interessantes Lesevergnügen. Neugierige Menschen wie mich packt der Autor damit, dass er nicht gleich alle Informationen zur Verfügung stellt. Daher muss auch noch die nächste und übernächste Seite gelesen werden — schlecht, wenn sich die eigene Haltestelle des Zuges nähert! Die Handlung schlägt wie ein laufender Hase immer wieder Haken in andere Richtungen. Es bleibt daher bis zum Finale spannend und reizvoll, dran zu blieben. Die verschiedenen Figuren werden lebhaft aufgebaut, was ich nicht anders von diesem Autor kenne. Besonders Peter habe ich ins Herz geschlossen, da er ein aufgeweckter Junge ist, der ein wirklich großes Herz für seine Familie hat. Anspruchsvoll in Szenen gesetzt sind die Motive und Ziele aller Figuren, so dass der Leser nicht immer erraten kann, wie sie sich entscheiden werden. Bücherliebhaber werden hier auf ihre Kosten kommen, geht es bei vielen der Charaktere doch um die teils fanatische Liebe zur Literatur. Jedenfalls ging es mir so bei der Lektüre von Finderlohn, dem ich gerne die volle Punktzahl gebe.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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