The God of High School

Ein Turnier mit den Besten der Besten, die ihr Können beweisen. Kräfte entstehen, die über die eines normalen Menschen hinausgehen und dem Level von Göttern entsprechen. Stopp! Ja, das Ganze klingt schon sehr nach dem Klassiker Dragonball und seinem berühmten Großen Turnier, bei dem Affenschwanzträger Son-Goku mehr als einmal den Ring pulverisiert. Doch seit dem 28. September 2020 liegt eine andere Anime-Serie vor, in deren Zentrum Kämpfer stehen, die für den Sieg alles geben: The God of High School. Basierend auf dem koreanischen Web-Manhwa von Yongje Park setzte Studio MAPPA (Dororo) die Geschichte des alle Kampfarten erlaubenden Weltkampfs um, dessen Siegerprämie die Erfüllung eines Wunsches ist. Allerdings ziehen im Hintergrund ein paar andere Mächte die Fäden. Unsere Aufwärmübungen sind absolviert, die Finger gedehnt, daher legen wir jetzt mit einem knallharten Review-Check los. Ob sich die Umsetzung eine blutige Nase holt?

 

In ganz Südkorea startet das große „The God of High School“-Turnier. Hier dürfen Schüler mit jeder Kampftechnik, die sie beherrschen, mitmachen, um am Ende einen Wunsch von den Veranstaltern erfüllt zu bekommen. Taekwondo-Spezialist Mori Jin startet als einer der Teilnehmer im Vorrundenkampf in Seoul. Dabei lernt er den „Vollkontakt Karate“-Kämpfer Daewi Han und die Schwertkämpferin Mira Yu kennen und freundet sich mit ihnen an. Während der Runden bemerken jedoch alle drei, dass übernatürliche Kräfte am Werk sind. Nichts ahnend, dass es hier um weit mehr als nur um einen einfachen Turniersieg geht, kämpfen sie sich trotzdem durch die Runden.

Bei diesen Kämpfen bitte nicht blinzeln!

Originaltitel The God of High School
Jahr 2020
Episoden 13 Folgen (in 1 Staffel)
Genre Action, Komödie, Fantasy
Regie Seong-Hu Park
Studio MAPPA
Seit dem 28. September 2020 vollständig auf Crunchyroll

Mit einer gewaltigen Hand plättet Turnierveranstalter Mujin Park eine komplette Insel, um damit seine Feinde aus dem Weg zu räumen. Mit dieser unfassbaren Szenerie beginnt The God of High School und zeigt damit auf, dass einen hier mehr erwartet als nur Schläge und Tritte. Wobei die einfachen Kampftechniken schon genug beeindrucken. Schnelle Schlagabfolgen, aufwendige Bewegungsmuster und teils Waffengewalt — bei diesem Wettkampf erlauben die Regeln fast alles. Und Studio MAPPA legte sich ordentlich ins Zeug. Hierbei folgen flüssige Bewegungsabläufe auf stylisch choreografierte Showdowns, sodass es schlicht Spaß macht, zuzuschauen. Jeder Kampf verläuft anders und eben weil die unterschiedlichsten Kampfarten aufeinander krachen, bieten die Action-Szenen Abwechslung im Übermaß. Liebhaber guter alter, blutiger Martial Arts Kämpfe kommen hier definitiv auf ihre Kosten.

Von Menschen, Göttern und Dämonen

Lange bodenständig bleibt es jedoch nicht. Nicht nur, weil Moris Tritte den Gegner mehr als einmal imposant von den Füßen hebt, sondern weil es noch eine andere Besonderheit gibt: Charyeok. Kämpfer bedienen sich der Fähigkeiten von Göttern, Helden oder anderen übernatürlichen Wesen. So bleibt es zum Beispiel nicht nur bei einer Kampftechnik namens Thors Hammer, sondern der dazugehörige Teilnehmer erschafft eine gigantische Waffe, mit der er auf seinen Gegner einschlägt. Für Strubbelkopf Mori und seine zwei neuen Freunde heißt es Neuland betreten, dann keiner von ihnen besitzt zu Beginn der Handlung eine solche Fähigkeit. Welche Kräfte wohl in unseren Protagonisten stecken? Eine spannende Frage, der die Handlung nachgeht, genauso wie den interessanten Machenschaften der unterschiedlichen Gruppierungen, die anfangen sich zu regen.

Friendship forever

Während sich im Hintergrund des Turniers von The God of High School ein gewaltiger Sturm zusammenbraut, lernen wir nach und nach unsere drei Hauptfiguren besser kennen. Auch wenn Mori eine ansteckende fröhliche Art an den Tag legt, so ist er auch ein Kind der Traurigkeit. Sein einziges Familienmitglied in Form seines starken Großvaters verließ ihn, womit der damals kleine Junge plötzlich allein war. Mit Mira und Daewi findet er zum ersten Mal richtige Freunde. Doch auch die anderen beiden tragen ihr Päckchen mit sich. So versucht Mira die Kampfkunst ihres verstorbenen Vaters am Leben zu erhalten und Daewi das seines todkranken besten Freundes. Die Geschichte erhält damit eine passende Tiefe, die klarmacht, warum jemand freiwillig heftige Prügel einsteckt. Die sich aufbauende enge Freundschaft sorgt aber auch für lustige, chillige Momente — volle Punktzahl für Moris Chibi-Einlagen — die wie eine angenehme Frühlingsbrise weht.

Wenn es dann doch zu viel Inhalt wird

Atemberaubende Kämpfe, tragische Hintergrundgeschichten und dann noch zwei Organisationen, die im Hintergrund ihre Macht demonstrieren. In einigen Episoden ist es doch recht viel, was sich teils gleichzeitig abspielt. Unglücklicherweise entfaltet sich daher nicht alles zur vollen Zufriedenheit, wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet und überfordert den einen oder anderen Zuschauer vor dem Bildschirm. Gerade der Konflikt zweier großer Gruppen in Form der Turnierleitung und einer Geheimorganisation bräuchte mehr Spielminuten. Schließlich sind einige Figuren, Techniken und geschmiedete Pläne involviert, so dass alleine dies mehrere Folgen füllen könnte. Richtig schade ist, dass die eingeführte Gruppe The SIX, zu der auch Mujin Park gehört, eine sehr kleine Nebenrolle spielt. Noch schlimmer fällt das Finale aus, bei dem so viel passiert, dass kaum noch etwas verständlich wirkt. So bleibt am Ende zu sagen, dass die doppelte Anzahl an Folgen besser gewesen wäre, um mit der kompletten Geschichte zu punkten.

Verbotener Alkoholkonsum?

Hier findet keine Party zu Ehren des Gottes Dionysos statt, dass eine Menge hochprozentige Getränke erklärt, was zur Folge, was zu den ganzen roten Nasen und Ohren führt. Charakter-Designer Manabu Akita (Kakegurui) setzt schlicht die Originalaufmachung der farbigen Vorlage um und bleibt auch sonst Yongje Parks Werk so nahe wie möglich. Die so auffälligen Gesichtsmerkmale sind zwar gewöhnungsbedürftig, bilden aber einen Wiedererkennungsmerkmal. Außerdem lenken die unterschiedlichen Augen, nette Accessoires (Schlafbrille!) und ein Regenbogen an Haarfarben die Augen auch auf andere Dinge. Trotz des häufigen Aufenthaltes im gleichbleibenden Ring sorgen die anderen Hintergründe für genug Abwechslung, so dass es optisch nicht langweilig wird. Wir begeben uns sogar ein wenig auf Sightseeingtour durch Seoul.

Frischer Wind im japanischen Anime-Bereich

Auf den ersten Blick überrascht, dass Regisseur Seong-Hu Park (Garo: Vanishing Line) viele Teamposten mit Neulingen besetzte, was daran liegen könnte, dass das Projekt auch für den südkoreanischen Markt entwickelt ist. Daher stammen das Opening sowie das Ending von nationalen Künstlern. Ihre internationale Bekanntheit ändert sich nach The God of High School bestimmt. Schließlich fällt es schwer, bei KSUKEs „Contradiction feat. Tyler Carter“ stillzuhalten und CIXs Abschluss „WIN“ sorgt für einen sanften, poppigen Ausklang. Der stimmungsvolle Soundtrack stammt von Arisa Okehazama, die damit ihr Debüt komponierte. Bei den Sprechern findet sich auch ein abwechslungsreicher Mix aus bekannten sowie neuen Personalien wieder. Frohnatur Mori wird zum Beispiel von Tatsumaru Tachibana gesprochen, der damit seine erste Hauptrolle bekam, während Altmeister Daisuke Namikawa (Yuu Narukami in Persona 4 The Animation) dem undurchschaubare Mujin seine Stimme verleiht.

Fazit

Nach der wahnwitzigen ersten Episode von The God of High School sind es vor allem die spektakulären Kämpfe, die mich davon überzeugten, am Ball zu bleiben. Selten animierte das Produktionsteam diese von der ersten bis zur letzten Episode so spaßmachend flüssig. Ein Fest für die Augen. Das wird noch unterstützt von dem abwechslungsreichen Charakter-Design, den sehr niedlichen und immer wieder auftauchenden Chibi-Einlagen sowie den sympathischen Figuren. Doch bei all den optischen Produktionswerten schwächelt es gewaltig in der Handlung. Den verschiedenen Storyfäden hätte Regisseur Seong-Hu Park mehr Platz einräumen müssen, damit diese ihre volle Tragkraft entfalten können. Gerade der Konflikt der Parteien läuft zu sehr nebensächlich ab und verwirrt teilweise mehr, als das er unterhält. Auch einige Hintergrundgeschichten wie die von Ilpyo Park wirken sehr zusammengestaucht, so dass sie auch noch in die wenigen Folgen passen. Vor allem aber das Finale fällt total überladen aus und es fehlt überall an ausführlichen Erklärungen. Schade, denn The God of High School hätte so viel mehr sein können. Trotzdem wäre ich einer zweiten Staffel nicht abgeneigt, die dann aber aus den Fehlern der ersten lernt.

© Crunchyroll

Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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