Psycho-Pass: Sinners of the System Case 3 ‒ Jenseits von Liebe und Hass

Der letzte der drei Psycho-Pass: Sinners of the System-Filme widmet sich einem der beliebtesten Charaktere: Shinya Kougami. Somit erfahren Zuschauer, was aus dem Einzelkämpfer nach den Ereignissen aus dem Psycho-Pass: The Movie wurde und welchen weiteren Weg diese Figur geht. Damit stand Autor Makoto Fukami (Resident Evil: Vendetta) vor keiner leichten Aufgabe. Schließlich schlägt sich der ehemalige Inspektor noch immer mit seiner vollzogenen Rache herum, seinem verlorenen Zuhause und dem Verlust eines Lebensweges. Wie also wäre es mit dem farbenfrohen Tibet, Friedensverhandlungen und einem jungen Mädchen, das nach Rache sinnt? Klingt nach einer vielversprechenden Mischung, oder nicht? Wir schauen uns Case 3 ‒ Jenseits von Liebe und Hass daher genauer an, denn seit dem 20. Juli 2020 liegt der Film auf Disk hierzulande vor.

Nach den Ereignissen in der SEAUn-Region zieht es Shinya Kougami weiter durch die Weltgeschichte. Während eines Aufenthalts in einer Bar lernt er Guillermo Garcia kennen, der dem ehemaligen Ermittler eine Fahrt nach Tibet organisiert. Doch schon auf dem Weg dorthin greifen Guerillas einen Bus mit Flüchtlingen an. Kougami kann nicht einfach nur zusehen, sondern greift aktiv ein und rettet die Leute. Die junge Tenjin bittet daraufhin ihren Retter darum, ihr das Kämpfen beizubringen, da es einen Mann gibt, an dem sie sich rächen muss. Wegen seiner eigenen Erfahrung rät Kougami Tenjin davon ab. Er erklärt sich aber bereit, ihr einige Überlebenstechniken zu vermitteln, da in Tibet gerade schwere Zeiten herrschen, denn mehrere verfeindete Gruppen kämpfen um die Vormacht. Doch Garcia soll ein Friedensabkommen auf den Weg bringen. Mittendrin befindet sich noch Frederica Hanashiro, die im Namen des japanischen Außenministeriums nach bestimmten Auswanderern sucht.

Abgebrühter Kämpfer trifft ….

Originaltitel Psycho-Pass: Sinners of the System Case.3 – Onshuu no Kanata ni
Jahr 2019
Laufzeit 67 Minuten
Genre Action, Drama
Regie Naoyoshi Shiotani
Studio Production I.G.
Veröffentlichung: 20. Juli 2020

Die Handlung von Psycho-Pass: Sinners of the System Case 3 ‒ Jenseits von Liebe und Hass besitzt ein paar altbekannte Bausteine, auf bekannten Wegen genutzt werden. Denn wenn Kougami dem Mädchen Tenjin das Kämpfen beibringt und dabei über sein Leben philosophiert, erinnert dies an Leon der Profi oder Logan. Zum Glück setzt der Titel aber nicht komplett auf bekannte Muster. So findet unser Ex-Ermittler auch viel Zeit zum Nachdenken und lernt neue Leute kennen, die Themen ansprechen, vor denen er sich sonst wieder drücken würde. Besonders sind die Szenen, in denen er sich mit einem imaginären Shougo Makishima unterhält. Versprühen sie doch einen besonderen Reiz, weil sie sehr tiefgründig sind. Aber auch Frederica Hanashiro dreht an den richtigen Schrauben, um ohne lange Moralpredigten bei den Figuren etwas auszulösen. Damit entwickelt sich eine angenehme Stimmung aus der ungewöhnlichen Hausgemeinschaft rund um Kougami, Tenjin und Hanashiro.

… schicksalhaft gebeuteltes Mädchen

Die lebhafte Tenjin ist nicht nur ein Mittel um Kougami zum Denken zu animieren. Ihre tragische Lebensgeschichte passt perfekt in das aktuelle Umfeld und erzeugt sofort Sympathien, da das Mädchen mitansehen musste, wie seine Familie ermordet wurde. Dabei ist sie nicht komplett von Rache durchtränkt, sondern wankt stark. Damit findet sie bei dem Kämpfer genau den richtigen moralischen Kompass, da Kougami aus eigenen Erfahrungen sprechen kann. Die Szenen mit den beiden Figuren sind herzlich, teilweise sogar humorvoll gestaltet, denn Tenjin ist nicht gerade auf den Mund gefallen. Insgesamt bilden sie einen perfekten Kontrast zu den sonst von Gewalt dominierten Konfrontationen der verschiedenen Parteien.

Die Probleme eines anderen Landes

Ansonsten bietet die komplexe Handlung des dritten Psycho-Pass: Sinners of the System-Films politische Intrigen und das nie enden wollende dramatische Thema des Friedenfindens. Dabei bildet der charismatische Guillermo Garcia eine zentrale Rolle, die nur Fukami mit einer vorhersehbaren Wendung von Fukami versah. So stellt Kougamis neue Bekanntschaft sich als oberster Drahtzieher im Fall der Söldner heraus, die unter anderem für den Tod von Tenjins Familie verantwortlich sind. Das ist keine wirkliche Überraschung, da Garcia in die gleiche Kerbe Holz schlägt wie Desmond Rutaganda aus Psycho-Pass: The Movie und im Grunde von der ersten Begegnung an klar war, dass ein Kampf zwischen Kougami und ihm ein hohes spannendes Level annehmen würde. Trotz des klassischen Verlaufs fügen sich die einzelnen Komponenten des Titels zu einer homogenen, packenden Handlung zusammen. Eine, die vor allem auch für Liebhaber klassischer Waffen und Nahkampfgefechte einiges bietet, da Kougami nicht nur einmal zuschlagen darf.

Das farbenfrohe Tibet

Da Case 3 ‒ Jenseits von Liebe und Hass weit weg vom modernen Tokyo und dem Sibly-System spielt, wirkt dieser Teil nur wenig futuristisch. Viel eher wird das Fernweh geweckt, wenn Kougami mit dem Auto das bergige Tibet mit all seinen bunten Stoffbahnen erreicht und die hiesige Mode sogar trägt. Die detaillierten Hintergründe laden mehr als nur einmal zum Verweilen ein. Ein hohes Level an Abwechslung bietet Regisseur und Psycho-Pass-Veteran Naoyoshi Shiotani seinen Zuschauern auf optischem Level. So lebt unser Held mit seinem Schützling in einem alten Haus weit ab vom Schuss, doch für einige Aufgaben müssen sie in die viel belebte Stadt mit einladenden Handelsmärkten, bunten Tempeln und anderen alten Gebäuden. Das ansprechende Charakter-Design, die flüssigen Animationen und die perfekt durchchoreografierten Kampfszenen runden das Bild ab.

Fazit

Kougamis weiterer Reiseweg fühlt sich sehr natürlich an. Da er im vorangegangen Psycho-Pass: The Movie fast wieder alles verlor, passt es, dass er immer noch wie ein einsamer Wolf durch die Gegend zieht. Doch der Kniff mit Tenjin sorgt dafür, dass er einmal eine Weile an einem Ort verweilt. Allgemein ist Tenjin keines dieser nervigen Kinder, sondern eine angenehme Figur, die viel durchmachte und auch nicht so recht weiß, was sie nun will. Sie ist nicht von Rache besessen, kann aber ihren Verlust noch nicht komplett überwinden. Daher harmonieren sie und Kougami auch, weil er seine Rache durchlebte, aber selbst Zweifel hat. Psycho-Pass: Sinners of the System Case 3 ‒ Jenseits von Liebe und Hass schafft es ansonsten, eine passende Balance seiner Elemente zu finden. Ob nun ruhige psychologische Gespräche, die humorvollen Trainingseinlagen oder die packenden Kampfhandlungen — Langeweile kommt nie auf. Nur hätten es hier und dort noch ein paar Minuten mehr sein können, um das eine oder andere Thema zu vertiefen. Und auch Garcias Rolle hätte ruhig eine andere sein dürfen. Insgesamt ist dieser Teil für mich aber mit Abstand der beste der drei Sinners of the System-Teile.

© Kazé Anime


Seit dem 20. Juli 2020 im Handel erhältlich:

 

Sharing is caring / Artikel teilen:

Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments