Die Unglaublichen 2

Wenn Superhelden das Wasser bis zum Hals steht, weil die finanzielle Unterstützung wegfällt, sind neue Denkansätze gefragt. Die Unglaublichen 2 von Brad Bird hat eine einfache Antwort auf die Misere, in der unsere Superheldenfamilie sich befindet: Ein Rollentausch ist angesagt. Und so bleibt der Held zu Hause und kümmert sich um Haushalt und Kinder, während die Heldin einer bezahlten Arbeit nachgeht. Immerhin bedeutet das für die Familie ein (luxuriöses) Dach über dem Kopf, finanzielle Sicherheit und ein geregeltes Sozialleben. Aber so einfach ist das natürlich nicht, besonders, wenn es sich um Mr. Incredible handelt, der außer für exzessive Verbrechensbekämpfung nicht für viele andere Jobs geeigent scheint. Chaos im Haus, aufmüpfige Kinder, ein unberechenbares Baby und die Frustration, dass seine Frau als geeigneter für den Job befunden wurde, nagen an der erschütterten Heldenseele.

    

Nach Einstellung des Superheldenunterstützungsprogramms wegen der großen Schäden, die durch die Verbrechensbekämpfung entstanden sind, findet Familie Parr sich in einem Hotelzimmer wieder. Da wird Helen von Winston Deavor die Mitarbeit an einem Projekt angeboten, das das Image der Superhelden wieder anheben soll. Im Gegenzug wird der Familie ein luxuriöses Haus zur Verfügung gestellt. Während Bob sich fortan als Hausmann betätigt und langsam in die Rolle hineinwächst, bekämpft Helen als erfolgreich Superheldin Verbrecher. Dabei kreuzen sich ihre Wege mit dem geheimnisvollen Screenslaver, einem Superschurken, der mittels Hypnose andere Menschen beeinflussen kann. Als Helen die Indentität des Schurken entdeckt, ist es bereits zu spät und sie gerät unter seine Kontrolle. Auch Bob und Lucius gehen dem Screenslaver in die Falle. Bei einem Treffen der Superhelden, das auf der Yacht von Winston Deavor stattfindet, liegt es an Violet, Dash und Jack-Jack, zu verhindern, dass das Schiff mitsamt der darauf versammelten Superhelden zerstört wird.

Wo rohe Kräfte sinnlos walten – da muss Mann mal zu Hause bleiben

Originaltitel The Incredibles 2
Jahr 2018
Land USA
Genre Animation, Comedy
Regie Brad Bird
Cast Robert Parr: Craig T. Nelson / Markus Maria Profitlich
Helen Parr: Holly Hunter /Katrin Fröhlich
Violet Parr: Sarah Vowell / Emilia Schüle
Dashiell “Dash” Robert Parr: Huck Milner / Dominik Schneider
John Jackson “Jack-Jack” Parr: Eli Fucile / Sabine Bohlmann
Lucius Best: Samuel L. Jackson / Jan Odle
Edna Mode: Brad Bird / Mechthild Großmann
Rick Dicker: Jonathan Banks / Holger Schwiers
Laufzeit 118 Minuten
FSK

Bob ist der geborene Superheld, und eigentlich ist er auch für nichts anderes als die Verbrecherjagd geeignet. In „normalen“ Jobs versagt er jedes Mal kläglich. Deswegen ist es ein schwerer Schlag für sein Selbstbewusstsein, als nicht er, sondern seine Frau Helen einen Job im Superheldenbusiness angeboten bekommt. Heroisch übernimmt er zwar die Arbeit eines Hausmannes, muss aber schnell feststellen, dass Familienmanagement durchaus keine einfache Sache ist. Nicht muss ist das Haus in Ordnung gehalten und für Essen gesorgt werden, auch die Kinder brauchen jemanden, der ihnen zur Seite steht, und Helen ist nach einem langen Arbeitstag erschöpft. Dass Bob schnell an seine Grenzen stößt, ist zu erwarten, denn bisher hat sich immer Helen um die vielfältigen Belange innerhalb der Familie gekümmert. Doch ist ihm hoch anzurechnen, dass er nicht den Kopf in den Sand steckt, sondern daran arbeitet, seiner Aufgabe gerecht zu werden, auch wenn es nicht das ist, was er eigentlich tun möchte.

Ein Rollentausch mit Schattenseiten und Chancen

Endlich erhält Helen die Möglichkeit, aus dem Schatten ihres Mannes zu treten und zu zeigen, dass sie mehr als schmückendes Beiwerk ist. Dabei merkt sie schnell, dass der berufliche Erfolg seinen Preis verlangt. Während sie ihrer Arbeit nachgeht, hat sie keine Einblicke mehr in das, was zu Hause passiert, und verliert den engen Kontakt zu ihren Kindern. Mit dem Rollentausch im Hinblick auf die Arbeit kehrt sich bei Helen und Bob auch das Verhältnis zu den übrigen Familienmitgliedern um, Nähe und Distanz sind neu verteilt. Während Helen und Bob erfahren, wie es sich in der Rolle des anderen jeweils lebt, müssen die Kinder sich an die neue Familienaufstellung gewöhnen. Bobs Unerfahrenheit in der sozialen Interaktion innerhalb der Familie ist für Violet und Dash eher problematisch, für Jack-Jack bietet sich dagegen die Chance, sich zu entwickeln, da er die Lücken nutzen kann, die Bobs Überforderung ihm bietet.

Fazit

Mit Die Unglaublichen 2 ist es Disney gelungen, nahtlos an Die Unglaublichen – The Incredibles anzuknüpfen und den Alltag der Familie Parr einzufangen. Der Superheldenaspekt ist sicherlich das Sahnehäubchen auf dem Tortenstück, aber so wie der Vorgänger funktioniert auch dieser Film durchaus ohne Heldenbeiwerk und greift ein Problem auf, welches moderne Familien häufig kennen. Der Fokus liegt dieses Mal auf den Rollen von Ernährer und Familienmanager. Was passiert bei einem Tausch dieser Positionen? Von außen lässt sich immer schnell annehmen, dass der jeweils andere Part einfacher ist, aber der Blick hinter die Kulissen offenbart, dass das durchaus nicht stimmt. Gleichzeitig wird deutlich, dass das scheinbar funktionierende Familiengefüge der Parrs durchaus Defizite aufzuweisen hat. Es ist weder einfach, nur seiner Arbeit nachzugehen und den anderen die Familie managen zu lassen, es ist aber ebenso wenig befriedigend, zu Hause zu bleiben und alles am Laufen zu halten. Es wird Zeit für neue Strukturen, und das ist gut so.

© Disney

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