Leon der Profi (Director’s Cut)

Lesezeit: 4 Minuten

Ob es wohl an Léon – Der Profi liegt, dass seit Jahren der Vorname Leon zu den beliebtesten Jungennamen Deutschlands gehört? Haben all die Leon-Väter und -mütter irgendwann einmal diesen Neunziger-Klassiker von Luc Besson (Das fünfte Element) um den melancholischen Auftragskiller und die unschuldig-frühreife New Yorker Göre gesehen? 1994 gedreht, erlangte der Film schnell Kultstatus, machte Jean Reno (Die purpurnen Flüsse) zum internationalen Star und legte den Grundstein für die Karriere der damals erst zwölfjährigen Natalie Portman (Star Wars). Die damalige Kinofassung war nach Probevorstellungen stark gekürzt worden. Besonders die Szenen, in denen es um die aufkeimende Liebesbeziehung zwischen dem einsamen Killer und der Zwölfjährigen geht, schienen zu gewagt für ein Massenpublikum. Nun kommt Léon – Der Profi am 30. September 2019 nach 25 Jahren wieder ins Kino, in einer 22 Minuten längeren Director’s Cut-Fassung und durch 4K-Abtastung aufwändig restauriert.

Sie wohnen auf dem gleichen Flur eines schäbigen New Yorker Altbaus: Léon, der Auftragskiller, der exakt, präzise und kaltblütig mordet und sein Privatleben nur mit einer Topfpflanze teilt. Und Mathilda, die zwölfjährige Schulschwänzerin aus der gewalttätigen Problem-Familie , die häufig mit einer Zigarette im Mundwinkel und blutender Nase im Treppenhaus abhängt. Als ihr Vater die unkluge Idee hat, die Drogendealer, für die er arbeitet, über`s Ohr zu hauen, wird die ganze Familie von den Dealern, angeführt von dem skurril-psychpathischen Mr. Stanhope (Gary Oldman, Dame, König, As, Spion) niedergemetzelt. Nur nicht Mathilda, die gerade vom Einkaufen kommt und geistesgegenwärtig an der Nachbartür klingelt, um bei Léon Schutz zu suchen. Léon nimmt sie bei sich auf und es entwickelt sich eine zarte Beziehung zwischen den beiden. Mathilda will auf jeden Fall in Léons Fusstapfen treten und Auftragskillerin werden. Während Léon, glücklich über das Licht und die Wärme, die Mathilda in sein Leben bringt, durchaus bereit ist, in die Rolle von Lehrmeister und Ersatz-Papa zu schlüpfen, will Mathilda noch mehr: sie hat sich in Léon verliebt und sie will Rache an den Mördern ihrer Familie…

Killer, Dealer, Knarrenballett

Original Léon
Jahr 1994
Land Frankreich
Genre Thriller, Drama
Regisseur Luc Besson
Cast Léon: Jean Reno
Mathilda: Natalie Portman
Norman Stansfield: Gary Oldman
Tony: Danny Aiello
Malky: Peter Appel
Mathildas Vater: Michael Badalucco
Mathildas Mutter: Ellen Green
Blonde Frau: Maiwenn Le Besco
Laufzeit 127 Minuten
FSK

Es ist einer von jenen Filmen, in denen einsame Männer mit einer Schusswaffe in der Hand durch eine Stadtlandschaft streifen und das Töten als schöne Kunst betreiben. Überhöhte, überzeichnete Figuren, einerseits der wortkarge Killer mit der Wollmütze und der Sonnenbrille, andererseits der zugedrogte Schnösel im Leinenanzug, der aus dem Schwadronieren gar nicht mehr herauskommt, bevor er jeden umnietet, der ihm vor die Knarre läuft. Dementsprechend hat der Film gleich mehrere Szenen großes Knarrenballett vor der Kulisse ästhetisch verfallener New Yorker Altbau-Treppenhäuser und -Flure , die allein schon ausreichen, um den Film das Prädikat “sauber gemachter Actionfilm” zu verleihen. Wenn nicht die kleine Mathilda den Film zu etwas Besonderem machen würde.

Natalie Portmans erste große Rolle

Einem sehr harten, emotionslosen Charakter ein Kind an die Seite zu stellen, um ihn ein bisschen weicher zu machen, ist ein bewährtes Mittel. Das funktioniert hier auch. Léon hat zum ersten Mal seit langem Spaß am Leben, wenn Mathilda ihn nass spritzt und er sie mit der Bügelflasche durch die Wohnung scheuchen darf. Aber Mathilda ist nicht nur kindlich, niedlich und schutzbedürftig. Natalie Portman macht es großartig, eine toughe Großstadtgöre in all der Selbstüberschätzung ihrer zwölf Jahre auf die Leinwand zu bringen. Mathilda ist von zwei Dingen absolut überzeugt und dabei absolut im Irrtum: sie kann genauso Auftragskillerin sein wie ein Erwachsener und sie weiß alles über Liebe, Sex und Beziehungen, was es zu wissen gibt, deshalb soll Léon ihr Geliebter werden. Diese frühreife Pose, die umso naiver ist, je mehr sie Naivität hinter sich zu lassen versucht, macht den besondern Charme dieser Figur aus und bringt eine besondere Dynamik in die Beziehung zwischen Léon und Mathilda. In der Kinofassung von 1994 fielen einige der Szenen, in denen Mathilda Léon zu seinen Aufträgen begleitet oder sich zu offensichtlich (wenn auch erfolglos) daran macht, ihn zu verführen, der Schere zum Opfer. Der Director’s Cut hat sie dankenswerterweise wieder mit drin, es macht die Geschichte einfach klarer und detailreicher.

Schauplatz New York

Das Ganze, Liebe wie Mord, passiert vor der Kulisse New York, allerdings keinem klassischen New York des Fim Noir mit viel Dunkelheit und Schatten und Neonreflexen auf nassen Asphalt. Das hätte nahe gelegen, bei einem Film über Leben und Sterben im Großstadtdschungel. Stattdessen ist das New York von Léon und Matilda ein heiteres, sonniges New York. Selbst die schäbigen möblierten Zimmer und billigen Hotels, durch die Léon und Mathilda ziehen, sind lichtdurchflutet und zwar skurril geschmacklos eingerichtet, aber irgendwie anheimelnd, weil die zwei darin so viel Heiteres erleben. Die Straßen verströmen wenig Glamour und wenig Bedrohlichkeit, sie wirken eher fröhlich-provinziell mit ihren kleinen Läden mit spanischen oder italienischen Beschriftungen. Schön, dass diese stimmungsvollen Bilder dank der Restaurierung richtig gut aussehen.

Fazit

Auch nach Jahren lohnt es sich immer wieder, Léon – Der Profi anzuschauen. Der Film hat in den letzten 25 Jahren kaum Staub angesetzt und nichts von seinem Charme und seiner Spannung verloren. Außer vielleicht die Kombination von Hochwasserhose und weißen Socken, die Léon trägt, das wird wohl kein Revival erleben. Aber ansonsten ist es schön, dass dieses alte Schlachtross wieder frisch gestriegelt aus dem Stall kommt. Hoffentlich findet der Film in neuer Optik und sinnvoll ergänzt wieder sein Publikum.

© Studiocanal

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wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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