Atelier of Witch Hat

Lesezeit: 4 Minuten

Zur Hexe oder zum Zauberer muss man geboren werden! Oder vielleicht auch nicht? Passend zum 20-jährigen Jubiläum von Harry Potter überfluten Sondereditionen den Markt. Und Newt Scamander muss in der Fortsetzung zu Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind auf Verbrecherjagd gehen. Zwischen diese Größen hat sich auf den deutschen Markt ein Manga voller eigener Magie geschlichen. In Atelier of Witch Hat, 2018 bei Egmont Manga erschienen, entdeckt das Mädchen Coco ein Geheimnis und spielt mit Kräften, die sie auf ihre ganz persönliche Abenteuerreise schicken.

Coco liebt alles, was mit Magie zusammenhängt. Seien es die Pflastersteine bei der nahegelegenen Burg, die bei Berührung aufleuchten. Oder die magische Quelle in der Nähe ihres Heims, die sich selbstständig reinigt. Sobald sie Magie wittert, leuchten ihre Augen und sie ist voller Begeisterung. Am liebsten würde sie selbst eine Hexe werden, doch dazu muss man geboren sein. Als sie eines Tages hinter das Geheimnis eines Zauberers kommt, probiert sie sich selbst an der verbotenen Kunst. Doch damit löst sie Ereignisse aus, die sie zwar ihrem Traum näher, aber auch Verluste bringen.

Gelüftete Geheimnisse und gefährliche Experimente

Originaltitel Tongari Booshi no Atori
Jahr 2017
Bände 1 / ?
Genre Fantasy, Abenteuer
Autor Kamome Shirahama
Verlag Egmont Manga (2018)

Womit Coco nie gerechnet hätte ist, dass die Magie auf der Kunst des Zeichnens basiert. Sofort muss sie an das Bilderbuch denken, dass ihr vor vielen Jahren zusammen mit einer Schreibfeder von einem seltsam verkleideten Mann verkauft wurde. Nun, wo sie weiß, was sie tun muss, probiert sie sich an den ersten Zeichnungen … und zaubert tatsächlich! Munter probiert sie weiter herum, bis sie von dem Zauberer, den sie heimlich beobachtete gerade rechtzeitig aus ihrem Haus gerettet wird. Doch seine Hilfe kommt zu spät für ihre Mutter, die von Cocos letztem Zauber in eine Statue verwandelt wird. Jetzt gibt es nur zwei Möglichkeiten für das Mädchen: Ihr Gedächtnis gelöscht bekommen oder selbst zur Hexe werden!

Zeichnen, zeichnen, zeichnen!

Selbstverständlich entscheidet sich Coco für das Leben als Hexenschülerin. Nicht nur will sie ihre Mutter retten, auch ihren größten Herzenswunsch kann sie erfüllen! Doch das Leben im Atelier ihres Meisters Quiffrey ist harte Arbeit. Schließlich ist es ein weiter Weg bis man die Zeichenfeder perfekt beherrscht und Coco muss sich auch den Respekt ihrer Mitschülerin Agathe erkämpfen. Jede Szene ist von Kamome Shirahamas wundervollen Zeichenstil umrahmt. Die Charaktere besitzen ein unverwechselbares Mienenspiel. Die Settings sind detailreich ausgearbeitet. Und immer wieder explodiert eine Seite regelrecht in prachtvollen Panels, deren Aufbau an den Jugendstil erinnern. Die Zeichnerin hat sich bereits mit einigen Variant-Covern von Marvel-Comicheften einen Namen gemacht. In Japan hat sie bereits die Reihe Eniale & Dewiela veröffentlicht – Atelier of Witch Hat ist ihre deutsche Erstveröffentlichung.

Charaktere fürs Herz

Kamome Shirahama hat ihre Charaktere liebevoll gestaltet: Coco ist neugierig, stets fröhlich und leicht zu begeistern. Auch wenn sie noch naiv ist, geht sie alle Probleme gewissenhaft und kreativ an. Passend dazu hat sie den Zauberer Quiffrey als Meister erwischt. Dieser schafft es mit wenigen Worten, Coco aufzubauen, wenn sie doch einmal verzweifelt und ihr neue Perspektiven aufzuzeigen. Bis auf Agathe, Cocos Mitschülerin, bleiben die anderen Charaktere noch blass. Jedoch sind mindestens vier Bände angekündigt, genügend Zeit also, um das zu ändern. Als Bedrohung wird die Gruppe der Krempenhüte eingeführt. Diese sind auch dafür verantwortlich, dass Coco sich an verbotenen Zaubern und überhaupt in die Zaubereigemeinschaft aufgenommen wird. Sie scheinen große Pläne mit ihr zu haben …

Erster Eindruck:

Der erste Band von Atelier of Witch Hat sprüht vor Ideen und kann mich allein mit seinen Zeichnungen begeistern. Dass die Charaktere dann auch noch so sympathisch sind und die Welt der Hexen und Zauberer gut durchdacht ist, macht das Lesen zu einem absoluten Vergnügen. Es werden ausreichend Andeutungen zur Bedrohung gemacht und das Ende bietet einen Cliffhanger, der einen sofort auf den zweiten Band hibbeln lässt. Wäre nicht die Geschichte schon einen Blick wert: Die Zeichnungen sind es auf jeden Fall!

Zweite Meinung:

Magie, die durch Zeichnungen entsteht! Alleine damit hatte mich der erste Band von Atelier of Witch Hat gepackt und nicht mehr los gelassen. Hinzu kommt, dass Coco ein wirklich liebeswerter Charakter ist, der zwar Fehler macht und deswegen traurig ist, aber trotzdem den Mut nicht verliert. Gerade das nach allem, was am Anfang mit ihr und ihrer Mutter passiert, ist sie nicht lange niedergeschlagen, sondern weiß, dass sie etwas verändern kann. Mir gefällt, dass es gleich zwei größer Handlungsstränge gibt, die beide interessant aufgebaut werden. Qifrey ist ein Charakter, bei dem ich gespannt bin, was wir noch von ihm erfahren werden. Immerhin wohnt er so weit abseits von allem und scheint sehr besessen von seiner Suche zu sein. Da kann die Autorin noch gut etwas Komplexes aufbauen. Was mir als einziges im ersten Band nicht gefällt , ist das typische Verhalten, das eine der anderen Lehrlinge Coco nicht akzeptiert. Das ist leider sehr klischeehaft und hätte vor allem in der Ausführung nicht sein müssen. Mein Herz habe ich an die sehr detaillierten, verspielten Zeichnungen verloren. Kein Panel ist zu überladen, sondern genau ausgewogen und daher sehr übersichtlich, trotz der vielen Details.

© Egmont Manga

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MadameMelli

MadameMelli ist im Berufsalltag als Informationsninja unterwegs und hilft Suchenden, die passende Literatur zu finden. In ihrem Freundeskreis ist sie als Waschbär bekannt und dementsprechend ist auch kaum ein Buch, Manga oder Comic (oder Tee) vor ihr sicher – alles wird in die Hand genommen, begutachtet und bei Gefallen mit nach Hause geschleppt. Nur nicht gewaschen, das wäre zu viel des Guten. Sinniert gerade darüber, ob es als Waschbär sehr gefährlich ist, Wölfe zu lieben, lässt sich davon aber nicht abhalten und schreibt in ihrer Freizeit selbst Geschichten. Manchmal auch über Wölfe. Oder Tee.

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