Archibald, der Monsterdetektiv

Ein Kindercomic, erschaffen von einem Manwha-Zeichner aus Südkorea, in dem es vor Zombies und anderen Monstern nur so wimmelt: Kann das überhaupt zusammenpassen und gutgehen? Werden in den Kindern da nicht Ängste geschürt, die den Gang in den Keller oder das abendliche Zubettgehen zu einer ganz neuen Herausforderung für alle werden lassen? Dass den jungen Lesenden durchaus mehr zugemutet werden kann als Tagebücher für Loser oder einhornreitende Mädchen, zeigt Archibald, der Monsterdetektiv von Kim Hyun-min, der erste von fünf Gruselcomics für Kinder, der im Juni 2021 auf Deutsch im Splitter Verlag erschienen ist. Nur für Kinder?

   

Archibald hat ein seltsames Hobby: Der schüchterne Junge möchte ein Detektiv für besondere Fälle sein, in denen Monster und Magie eine Rolle spielen. Leider fehlt es ihm bisher an einem Fall, anhand dessen er sein Können unter Beweis stellen könnte. Da wären die vom Friedhof verschwundenen Leichen, über die er nachgrübelt, während die anderen Kinder ihn dafür als Freak verspotten. Als aber ein einäugiger Hund namens Monk im Antiquitätengeschäft seines Großvaters auftaucht, der zudem noch verkleidet ist und sprechen kann, bekommt Archibald seine Chance. Monk ist ein Agent der Besonderen Organisation für Monsterermittlungen, kurz BOM genannt, und hat den Auftrag, einen Krug aus dem Antiquitätengeschäft sicherzustellen, der aber leider in der Nacht gestohlen wird. Nun ist Archibalds Spürsinn gefragt. Zusammen mit Monk folgt er der Spur des Diebes, trifft auf Zombies und andere Monster und erkennt, dass auch Monk ganz unten in der Hierarchie seiner Organisation steht und versucht, sich gegenüber seinen Kollegen zu behaupten.

Zombies in Kindercomics? Ja, bitte!

Originaltitel Pourfendeur de monstres
Jahr 2015
Land Frankreich
Genre Fantasy
Autor Kim Hyun-min
Zeichner Kim Hyun-min
Verlag Splitter (2021)
Veröffentlichung: 25. Juni 2021

Archibald, der Monsterdetektiv ist als Gruselcomic für eine junge Leserschaft gedacht, dessen Szenarien leicht verständlich aufgebaut sind: Hänseleien von Stärkeren gegenüber Schwächeren, das Gefühl von Trotz und Ohnmacht angesichts Ausgrenzung, der Kampf um die eigene [kindliche] Würde. Mit diesen Grundlagen entfaltet sich die Geschichte um Archibald leichtfüßig und nimmt einen flüssigen Verlauf. Nach und nach tauchen Gestalten auf, die auf den ersten Blick nicht gerade kindgerecht zu sein scheinen, wie Alkoholiker, Zombies und Riesenspinnen. Doch sich wirklich gruseln oder nachhaltig Angst haben muss niemand, denn während Archibald im ersten Moment durchaus natürlich reagiert, erkennt er – und mit ihm die Lesenden – beim näheren Hinsehen schnell, dass die Monster in der Regel ziemlich harmlos sind und sich in ihren Eigenschaften gar nicht so sehr von Menschen unterscheiden. Sie sehen nur einfach etwas anders aus. Mit dieser Erkenntnis verfolgen Archibald und die Lesenden die Spuren, die zur Aufdeckung eines magischen Verbrechens führen.

Comic statt Manwha

Der 1974 geborene Kim Hyun-min stammt aus Südkorea und studierte Visual Arts an der Universität von Seoul. Seit 2010 zeichnet er Manwha für Erwachsene und Kinder. Mit Archibald, der Monsterdetektiv eroberte er schließlich den europäischen Comicmarkt. Der mittlerweile aus fünf Bänden bestehende Comic um den Jungen Archibald und seine seltsame Vorliebe für Monster und Magie erschien erstmals 2015 in Frankreich. Stilistisch orientiert sich Kim Hyun-min an der Kunstrichtung der Ligne claire, die von Hergé begründet wurde und sich in Tim und Struppi niederschlug. Dazu gehören präzise verlaufende Konturen, realistische Hintergründe, flächige Farbgebung und eine einfache Geschichte. Kim Hyun-min gestaltet seine Geschichte mit diesen Elementen und stellt sich mit seinem Werk in eine Reihe mit Jacques Martin (Alix), Moebius (Die Sternenwanderer) und Sarah Glidden (Israel verstehen – in 60 Tagen oder weniger). Dieser Stil verleiht der Geschichte eine Leichtigkeit, die für einen gruseligen Kindercomic genau passend ist.

Erster Eindruck

Auch wenn Archibald, der Monsterdetektiv als Comic für Kinder angepriesen wird, so macht es doch auch Erwachsenen Spaß, Archibald und Monk auf ihr Abenteuer zu begleiten. Die Geschichte ist für eine erwachsene Leserschaft sicherlich zu einfach, doch das machen die detaillierten Zeichnungen und ansprechenden Farbgebungen mehr als wett. Es macht dem inneren Kind Spaß, sich von den dynamisch gestalteten Panelen mitnehmen zu lassen, ein bisschen mitzurätseln und sich über die eine oder andere Reminiszenz an andere Werke zu freuen. Die junge Leserschaft freut sich dagegen an einem kleinen Helden, mit dem sie sich identifizieren kann, einem schüchternen Jungen, der sich aber nicht unterkriegen lässt und Abenteuer erlebt, von denen andere nur träumen können.

© Splitter


Veröffentlichung: 25. Juni 2021

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