The Twilight Zone (Folge 1×09)

Lesezeit: 4 Minuten

Wenn es etwas gibt, was die US-Amerikaner lieben, dann sind das ihre Feuerwaffen und das Recht sie zu besitzen. Manch einer scheint nahezu magisch von ihnen besessen zu sein. In der Twilight Zone könnte das sogar stimmen. Oder?

Jeff Stork (Chris O’Dowd) steckt grade in einer Krise. Seine Frau Anne (Amy Landecker) hat die Scheidung eingereicht, obwohl er gern an der Beziehung arbeiten würde. Und ausgerechnet jetzt findet er seinen Vater Otis, der sich selbst erschossen hat. Ein unerklärlicher Selbstmord, vor allem da Otis Zeit seines Lebens ein friedliebender Hippie war, der mit Schusswaffen nichts zu tun haben wollte. Aber die Pistole, die er benutzt hat, ist etwas Besonderes. Ein blauer Skorpion ist auf dem Griff zu sehen, der in Kreisen von Waffensammlern schon als Mythos gilt. Als Jeff sich die Munition ansieht, findet er zudem eine Kugel, die seinen Namen trägt. Und plötzlich trifft er täglich noch mehr Menschen, die alle Jeff heißen. Zufall? Schicksal? Für wen soll diese Kugel bestimmt sein?

The Blue Scorpion

Originaltitel The Twilight Zone
Jahr 2019
Land USA
Episode 9 / 10
Genre Fantasy, Horror, Science-Fiction
Cast Jeff Stork: Chris O’Dowd
Anne Stork: Amy Landecker
Jeff Dolin: Adam Korson
Jeff Barrett: Paul Lazenby
Jeff Wesson: Joseph Gallaccio
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Der Erzähler: Jordan Peele

Der Zuschauer bekommt von Anfang an mehr Informationen als Jeff. Denn wir sehen, wie der Name Otis von der Hülse verschwindet, die am Ort des Selbstmordes zurück bleibt. Und so kann sich ein wohliger Schauer ausbreiten, wenn Jeff die Kugel mit seinem eigenen Namen findet. Es ist klar, dass diese Erzählung eine Art Wettlauf mit der Zeit ist. Eine Pistole ist schließlich da, um abgefeuert zu werden. Und in bester Twilight Zone-Manier wird es grusliger, in dem wir eine ganze Parade von Jeffs vorgeführt bekommen. Wird Jeff zum Mörder oder zum Opfer? Zunächst möchte er die Waffe verkaufen und erfährt so, dass der Blaue Skorpion tatsächlich eine hohe Summe einbringt, da sich Geschichten darum ranken. Man erzählt sich, dass die Pistole sich den Besitzer auswählt und nicht umgekehrt, um ihm dann Glück zu bringen. Die einzige Regel dabei ist, dem Blauen Skorpion Licht zu bieten, da er Angst vor der Dunkelheit hat. Ein beunruhigendes Detail, das nicht näher erläutert wird und am besten symbolisch betrachtet wird. Die Waffe ist zum schießen da und nicht um weggeschlossen rumzuliegen.

Ein tief versteckter Kern

Die symbolische Ebene ist im Skript von Glen Morgan sehr wichtig. Jeff ist Professor für Antropoligie an der Universität und wird bei seiner Sprechstunde von einer Studentin angesprochen, die sich unwohl mit ihrer Semesterarbeit fühlt. Sie fängt an die Gegenstände in ihrer Umgebung mehr und mehr zu vermenschlichen. Jeff erklärt ihr daraufhin, dass das in ihrem Kopf passiert. Und sich abgrenzt von dem religiösen Glauben, dass auch nicht menschliche Dinge eine Seele besitzen könnten. Das Verschwinden des Namens auf der Kugel weißt für den Zuschauer auf ein übernatürliches Element hin. Schließlich sind wir in der Twilight Zone, wo Realität sehr dehnbar ist. Aber dieser Unterschied bleibt als Hintergrundrauschen für den Verlauf der Folge im Raum stehen. Ist der Blaue Skorpion nur eine Waffe, auf die Jeff seine mentalen Probleme projiziert? Oder führt die Waffe doch ein Eigenleben? Und damit passiert hier etwas, was diese Staffel sonst meidet – eine sozialkritische Botschaft ist nur verschwommen erkennbar. Glen Morgan möchte hier weder Waffenliebhabern vor den Kopf stoßen, noch die Anti-Waffen-Aktivisten anstacheln. So bleibt Erzähler Jordan Peele am Ende nur zu sagen, dass es immer zu Katastrophen kommt, wenn Dinge wichtiger bewertet werden als Menschen.

Meinung

Man muss manchmal aufpassen, was man sich wünscht. Endlich ist eine Folge der neuen Auflage der Twilight Zone mal wieder etwas subtiler und was für Interpretationsfreudige, schon ist unklar, was überhaupt gesagt werden soll. Professor-Jeff ist am Ende glücklich, Einbrecher-Jeff ist tot und zwei Jungs finden die Pistole, um den Kreislauf bald fortzusetzen. Dabei ist es schade, dass auf die Geschichte des Blauen Skorpions nicht weiter eingegangen wird. Was hat es mit dieser Angst in der Dunkelheit auf sich? Das übernatürliche Element ist aus Zuschauersicht nicht zu leugnen, also ist Jeff überhaupt noch Herr der Lage? Hat er auf Grund des Stresses, den die Scheidung und der Tod seines Vaters verursachen noch die volle Kontrolle über seine Handlungen? Schmeichelt die Pistole sich bei ihm ein? Die wirklich tolle Darstellung von O’Dowd als Jeff verwischt in einer eher schwammigen Erzählung. Das ist unbefriedigender als der Holzhammer, den andere Drehbüche in dieser Staffel ausgepackt haben. Die Idee selbst ist aber für Gedankenspiele interessant. Sollte es aber darum gehen, wie schnell Leute zu einer Waffe greifen und schlimme Dinge passieren können, stellt sich für mich hier kein nachhaltiger Effekt ein. Zumal es eine Szene gibt, in der Jeff sein altes Haus betritt, seine Frau Anne ihn zunächst für einen Eindringling hält und selbst eine Pistole parat hat. Hier ist Jeff selbst eher entsetzt, der Moment scheint aber schnell vergessen.

© CBS

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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