Star Trek: Discovery (Folge 3×08)

Auf in die zweite Hälfte der Staffel! In der ersten Hälfte der dritten Staffel hat Star Trek: Discovery eine Menge Themen angerissen, die sich alle jetzt weiterentwickelt haben. Folge 8 unternimmt den mutigen Versuch, alles gleichermaßen im Blick zu behalten. Book und Michael, Saru und Tilly, Georgiou und Culber, Detmer und Adira bekommen alle einen Moment im Rampenlicht. Eine Menge Material für eine Folge. Aber schon Hollywood-Ikone Mae West wusste: “Zu viel des Guten kann wundervoll sein!”

Dank der Daten, die Michael Burnham auf Ni’Var erhalten hat, kann man nun tatsächlich den Ursprung des Brandes lokalisieren. Diese Erkenntnis schafft mehr Rätsel als sie löst, doch Adira kann sie möglicherweise entschlüsseln. Derweil erreicht Book ein Hilferuf von seinem Heimatplaneten. Dort hat sein Bruder mit einer planetenbedrohenden Insektenplage zu kämpfen und mit der Aufmerksamkeit von Osyraa, Herrscherin über die Smaragd-Kette, einem intergalaktischen Verbrechens-Syndikat, das auch recht planetenbedrohend werden kann. Also erhält die Discovery die Erlaubnis, sich vor Ort zu begeben, aber sich auf keine Konfrontation einzulassen. Book und Michael beamen sich auf den Planeten und kümmern sich um den Bruderzwist und das Insektenproblem. Saru muss sich mit Osyraa auseinandersetzen, die munter erpresst und den Planeten bombardiert. Eigentlich darf sich die Discovery nicht auf Kampfhandlungen einlassen, aber wenn Lieutenant Detmer sich gegen alle Befehle Books Raumschiff ausleihen und der Königin des Verbrechens mal zeigen würde, wo der Hammer hängt … das wäre doch nur ein bisschen gegen die Vorschriften?

Eine neue Antagonistin

Nachdem die Konflikte mit der Föderation ausgeräumt sind und man sich auch mit den Bewohnern von Ni’Var recht schnell gütlich einigen konnte, ist der Platz des Gegenspielers wieder zu vergeben. Die grünen Orioner und die blauen Andorianer waren von der ersten Folge an zwielichtig und unsympathisch präsent und auch die Verbrechensorganisation mit dem klangvollen Namen “Die Smaragdkette” war immer wieder mal Thema. Jetzt bekommt das organisierte Verbrechen ein Gesicht: Osyraa, die Orionerin, ganz oldschool von Kopf bis Fuß Zauberer von Oz-Hexen-grün und eine ebenso archetypische Schurkin. An Boshaftigkeit kann sie es durchaus mit Georgiou aufnehmen. Verbal hat Georgiou wohl die größere Feuerkraft, dafür kann Osyraa all die Dinge tun, die Georgiou nur ausspricht: Neffen an Monster verfüttern oder unschuldige Planeten bombardieren. Das ist zwar nicht differenziert oder komplex, aber es macht Spaß.

Detmer im Anflug!

Richtig Spaß macht es, dass sie für ihren Schurkinnenauftritt sofort eins auf die Nase bekommt. Wieder einmal steht man auf der Discovery vor der Frage “Befehle befolgen oder befehlswidrig das Richtige tun?” Dafür wäre eigentlich Michael Burnham zuständig, aber diesmal landet die Entscheidung bei Saru und der kann überraschenderweise und ohne Gewissensbisse ebenso elegant die Regeln biegen. Das beschert Detmer eine Gelegenheit, ihre Pilotenkünste in einer fast Star Wars-würdigen Raumschlachtszene unter Beweis zu stellen, indem sie in Books kleinem Raumschiff um Osyraas ungleich größeren Raumkreuzer herumflitzt und aus allen Rohren ballert. Yeah! Das wird noch ernste Folgen haben, aber erstmal gönnt sich die Folge triumphierende Schadenfreude.

Ryns Geheimnis, Georgious Gesundheitszustand und Adiras Coming Out

An den Rändern der Folge tut sich so einiges: Georgiou konsultiert Dr. Culber und gibt sich als die garstigste Patientin der Welt. Da muss wohl eine Menge Angstbeißerei im Spiel sein, denn ihr Zustand ist ernst. Der andorianische Ex-Zwangsarbeiter Ryn plaudert Osyraas Geheimnis aus: bei der Smaragdkette wird das Dilithium knapp. Das macht das Planeten-Tyrannisieren natürlich schwierig. Und Adira, die bisher als in einen Jungen verliebtes Mädchen eingeführt wurde, überrascht Stamets mit der Ankündigung, dass sie sich von nun an das geschlechterneutrale Pronomen “they” wünscht. Was damit zu tun haben könnte, dass der Symbiont die Seelen von Männern wie Frauen mitgebracht hat. Oder weil they sich schon immer nicht-binär gefühlt hat, aber bisher vor einem Coming Out zurückgescheut hat. Die deutsche Synchro übernimmt das englische “they”, weil die Übersetzung “sie” gleich doppelt in die Irre geführt hätte. Sperrig, aber Stamets und Culber liefern sich gleich darauf einen Dialog, in dem sie den Pronomenwechsel flüssig und selbstverständlich einbauen. So geht das also. Gar nicht schwer! Und Stamets bekennt sich dabei zu seinen Vatergefühlen gegenüber Adira und Culber findet das prima. Eine klassische Star Trek-Szene mit Feelgood-Faktor.

Eine Folge, die eine Menge Bälle in der Luft hält. Ein Schritt weiter auf dem Weg zur Ursache des Brandes. Eine neue Antagonistin gewinnt Kontur. Detmer darf glänzen, Saru darf die Regeln biegen. Georgious Probleme werden ernster und sie dabei verbal noch aggressiver. Adira hat ein Coming Out als nicht auf die Kategorien männlich/weiblich festgelegtes Wesen. Und Book bekommt Familie und Hintergrund. Das macht die Folge immer wieder interessant, aber auch ein wenig hektisch und überladen. Doch einer Folge Star Trek mit so vielen Charaktermomenten und einer so prächtig bösartigen, grünen Schurkin kann man das gern verzeihen.

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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