She-Hulk: Die Anwältin (Folge 1×01)

Prominenter Zuwachs für das Marvel Cinematic Universe: Jennifer Walters alias She-Hulk bereichert das erzählerische Multiversum seit dem 18. August 2022. Die der gleichnamigen Serie zugrunde liegende Figur, die den Zusatz “Die Anwältin” trägt, existiert bereits seit 1980 und war Bestandteil vieler Teams. Trotzdem startete die Serie unter einem negativen Echo im Vorfeld.

Inhaltsangabe

Jennifer Walters (Tatiana Maslany, Orphan Black) ist eine leidenschaftliche Anwältin und dabei ziemlich erfolgreich. Ein Ausflug mit ihrem Cousin Bruce Banner (Mark Ruffalo) veränderte ihr Leben allerdings für immer: Bei einer gemeinsamen Autofahrt taucht ein Raumschiff auf, welches das Fahrzeug von der Straße abkommen lässt. Dabei  verletzt sich Jennifer. Bruce versucht die Verwandlung in Hulk zwar hinauszuzögern, doch sein Blut vermischt sich dabei mit Jens. Dadurch wird Jen schließlich zu einer weiblichen Form des Hulk.

Völlig ahnungslos torkelt sie in eine Bar und wird dort von einer Frauengruppe aufgefangen, die vermutet, dass Jen Opfer eines Gewaltakts wurde, und sie erst einmal aufhübscht. Vor der Bar lungern übergriffige Männer herum, die Jen anflirten und sie schließlich zu einem Wutausbruch treiben, was zur Folge hat, dass ihr innerer Hulk nach außen bricht. Bruce schreitet schließlich ein, denn Jen kennt ihre eigenen Kräfte noch nicht.

Bruce bringt sie in ein von Tony Stark eingerichtetes Labor in Mexiko, in dem er sich selbst lange Zeit aufhielt, um sich und Hulk in Einklang zu bringen. Dies alles geschah während des Blips. Er offenbart Jen, dass sie überlebt hat, da sie dieselbe DNA wie er besitzt, und nun lernen müsse, mit ihren neuen Kräften umzugehen. Fortan trainieren die beiden, um Jen an ihre neue Existenz zu gewöhnen. Auch wenn viele Klamotten bei der Verwandlung kaputtgehen, hat Bruce gute Tipps auf Lager: Spandex eignet sich am besten gegen den hohen Verschleiß an Klamotten und auch mit dem Abbau von Alkohol gibt es fortan keinerlei Probleme mehr. 

Inzwischen hat Jen sich an ihr neues Leben gewöhnt. Freunde und Kollegen sind im Bilde über ihre Kräfte. Gerade führt sie eine Verhandlung, da platzt die Schurkin Titania (Jameela Jamil, The Good Place) dazwischen. Jen schreitet als She-Hulk ein, was Folgen für alle haben wird …

Ein Charakter mit langjährigem Hintergrund

Als Hulk mit einer eigenen Serie 1978 im TV lief und sich größter Popularität erfreute, wollte Marvel die Gunst der Stunde nutzen und ein weibliches Pendant etablieren. Sogenannte “Ms. Male Characters” waren damals nichts Besonderes, man denke nur an den Videospiel-Bereich, wo auf einen Pac-Man eine Ms. Pac-Man folgte. Vergleichbar mit Bionic Woman zum Six Million Dollar Man sollte ein Spin-off entstehen. Entworfen wurde She-Hulk von Stan Lee schließlich 1980, aber sonderlich erfolgreich war die Figur nicht. 1989 übernahm der legendäre britische Comic-Autor John Byrne die Führung und legte die Figur völlig neu an: smart, sexy, ironisch. Die richtige Positionierung der Figur war gefunden. Anfang der 90er sollte sie schließlich einen eigenen Film erhalten und mit Brigitte Nielsen war auch schon eine Hauptdarstellerin gecastet, doch das Projekt versandete und mehr als Promotion-Fotos entstanden nicht. In den Comic blieb She-Hulk immer in der B-Liga aktiv, war aber Teil zahlreicher Superhelden-Teams: Bei den Avengers, Fantastic Four, Defenders, S.H.I.E.L.D., Hulkbusters und vielen weiteren Gruppierungen mischte sie mit. Dass sich das MCU diese Figur entgehen lassen würde, erschien schon immer ausgeschlossen. Wieso auch? She-Hulk ist eine starke Frauenfigur, über welche man obendrein noch die Geschichte des Hulk, dessen filmische Rechte bei Universal und nicht bei Marvel liegen, weitererzählen kann. Und wer trägt mehr zur Diversität bei als eine grüne Frau?

Warum She-Hulk nicht das ist, was viele vermuten

Man sieht also: She-Hulk ist eine Figur mit Geschichte. Anders als man in der Kommentarspalte manches Social Media-Posts vermuten mag, in dem Personen davon ausgehen, dass She-Hulk ein Gender-Gewächs der Neuzeit oder eine spontane Disney+-Eigenkreation sei, die nur dazu diene, für Gleichberechtigung zu sorgen, steckt mehr dahinter. Der Zug ist in diesem Fall 42 Jahre zuvor bereits abgefahren. Dennoch wollte das negative Echo im Vorfeld nicht abbrechen, was aber nicht ausschließlich mit der Diversität zusammenhängt. Der Looks des ersten Trailers erinnerte Zuschauer:innen eher an Fiona aus Shrek und die Qualität der CGI-Effekte wurde bemängelt. Zudem wurde klar, dass She-Hulk die vierte Wand durchbrechen und ganz nach dem Muster von Ally McBeal mit dem Publikum sprechen würde. Etwas, das bereits in den Comics stattfand, denn She-Hulk ist ein selbstreferenzieller Charakter. Aber allen Unkenrufen zum Trotze: Am Ende entscheidet die Qualität der Serie und nicht die eines Trailers. 

Blitzeinführung

Besser früh als nie scheint das Motto der ersten Folge zu sein. Nicht jede Figur benötigt unbedingt eine Origin Story (man denke da nur an Spider-Man), im Fall von Jen Walters ist es allerdings sinnvoll zu zeigen, dass sie nicht einfach nur “ein weiblicher Hulk” ist, sondern eine eigenständige Persönlichkeit darstellt. Anders als in den Comics führt ein Unfall zu der Transformation und keine lebensrettende Bluttransfusion. Das Erforschen der Superkräfte erfolgt obligatorisch, ist aber durch das Zusammenspiel mit Hulk sehr charmant anzusehen und trägt vor allem dazu bei, dass dessen oftmals einseitig wahrgenommener Charakter sinnvoll ergänzt wird. Überdeutlich wird schon in der ersten Folge, dass Serienschöpferin Jessica Gao (Corporate) auf  die Ungleichbehandlung von Frau und Mann aufmerksam machen will. Jen erfährt das vor allem im Berufsleben. Rückständige Ansichten werden satirisch aufgespießt. 

Tatiana Maslany, die Frau der tausender Gesichter

Das Casting von Tatiana Maslany ist im Grunde eine völlig naheliegende Sache: In Orphan Black verkörperte sie zahlreiche Haupt- und Nebenfiguren und musste mit sich selbst interagieren. Die vielen Klone, die sie in der Serie spielt, gestaltet sie nuanciert und individuell. Eine Figur wie She-Hulk erfordert Fingerspitzengefühl, denn sie soll mehr sein als nur ein grober Klotz in weiblich. Jen Walters zeigt in der ersten Folge schon viel ihrer Smartness und es wird spannend zu sehen sein, wie Maslany ihre Figur entwickeln wird. Ihre schwungvolle Performance ist schon in der ersten Folge umwerfend! Vor allem die Interaktionen mit Jameela Jamil, die in The Good Place einen liebenswert-schrillen Charakter verkörpert, erscheinen vielversprechend.

Fazit

Auch wenn die Ereignisse der ersten Folge ziemlich durchrauschen, ist es eine gute Entscheidung, einen zügigen Haken hinter die Origin Story zu setzen und die Protagonistin schnell im Hier und Jetzt zu platzieren. Vom eigentlichen Genre, der Anwaltskomödie, gibt es in der ersten Folge noch nicht viel zu sehen. Freuen darf man sich allerdings auf viele MCU-Cameos und ohnehin darauf, welche Rolle die Figur einnehmen wird. Mag man den Gerüchten Glauben schenken, soll auch Titania eine Figur von langfristiger Präsenz sein. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass die Serie nicht der Versuchung nachgeht, Jen zu positionieren, indem sie einfach nur besser als die Männer um sie herum ist. 

© Disney

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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