Die Zeit am Abgrund

Lesezeit: 3 Minuten

Wenn ein Mangaka den Nerv einer ganzen Generation trifft, dann Asano Inio (Solanin), mit Jahrgang 1980 selbst in Generation Y geboren. In seinen Titeln geht es nicht nur um das Erwachsenwerden und die Ansprüche, die plötzlich an einen gestellt werden, sobald man das Jugendalter verlässt. Auch Orientierung im Berufsalltag und fehlendes Vorankommen im Leben sind Motive, die seine Werke begleiten. Im August 2018 veröffentlichte Tokyopop eines seiner bislang düstersten Werke. Die Zeit am Abgrund liest sich so hautnah, als wäre es beinahe biografisch.

  

Der Mangakünstler Kaoru Fukazawa hat den Durchbruch geschafft. Seine Serie konnte sich über Jahre hinweg in der Gunst der Leser halten und kommt nun zu einem Ende. Damit schwindet nicht nur eine Jahre lang aufgebaute Routine, sondern eine Leidenschaft. Völlig ausgezehrt und ohne Struktur im Leben lebt er in den Alltag hinein. Längst ist er in einem schwarzen Loch angekommen, das ihn dazu zwingt, seine eigene Existenz zu hinterfragen. Gefangen in der Depressionsspirale beginnt er sich auch immer stärker von seiner Frau zu distanzieren, welche selbst kaum Zeit für die Ehe findet. Dass sie als Manga-Redakteurin erfolgreich ist, macht es ihm nicht leichter. Der Sog wird immer tiefer…

Entzauberte Generation

Originaltitel Reiraku
Jahr 2017
Bände 1
Genre Drama
Autor Inio Asano
Verlag Tokyopop (2018)

Die Zeit am Abgrund ist intensiv, empathisch und schonungslos. Genau so wie auch Asanos andere Titel Gute Nacht, Punpun oder Solanin, deren Hauptfiguren gezwungen werden, sich einer ungeschönten Realität zu stellen. Die Hauptfigur Kaoru ist Opfer der Spielregeln der eigenen Branche, welche mit der Persönlichkeit des Mannes kollidieren. Das Feedback in sozialen Medien ist maßgebend und das Wort des Verlags Gesetz. Dafür knechtet das Talent, dessen misantropisches Wesen früher oder später zusammenbrechen muss.

Pessimistisches Lebensbild als Reaktion auf unerfüllte Träume

Manchem Leser wird sich ein neues Bild eröffnen, das geprägt ist von Abscheu und Mitgefühl. Denn arbeiten in der Mangaszene ist oftmals brotlose Kunst, die den Zeichner physisch wie psychisch an seine Grenzen bringt. In Kaorus Fall sogar so sehr, dass das Beben sein Privatleben erfasst. Schließlich lässt er sich auf eine Prostituierte ein. Dies ist erst der Anfang der unverbindlichen Zuneigung. Hier muss er sich nicht für seinen Lebensstil rechtfertigen.  Auffällig ist, dass sämtliche Figuren der Geschichte unzufrieden mit ihrem Leben sind und sich alle ihren Emotionen hingeben. Erzählt wird die Geschichte in gewohnt ausdrucksstarken Bildern des Zeichners. Asano legt weiterhin Wert auf realistische Proportionen, ohne dabei eine Moral erfüllen zu wollen. Im Gegenteil, Kaoru ist etwa ausschließlich an schlanken Frauen interessiert, wie er sagt. Doch der Mangaka besitzt den Anspruch, möglichst authentisch sein zu wollen. Der strukturierte Panelaufbau erleichtert das Folgen der Geschichte.

Fazit

Die Zeit am Abgrund ist bewusst schwere Kost. Die ernste Thematik liest sich, als würde Asano Inio aus dem eigenen Leben als Mangaka berichten und ein Stück weit auch persönliche Erlebnisse in dem Oneshot verarbeiten. Geschichten über die Manga-Industrie und Hintergründe zu einem Leben als Zeichner sind rar. Deshalb ist Die Zeit am Abgrund vor allem jenen Lesern empfohlen, die Titel wie Poison City mögen oder ohnehin bereits Asano-Fans sind.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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