Murderbot (Staffel 1)

Murderbot – wer kennt’s? Keiner? Ein paar? In inneren Sci-Fi-Kreisen ist die Romanreihe von Martha Wells längst eine große Nummer. Im Mittelpunkt steht ein Security-Bot mit Sozialphobie, der lieber Serien schaut als Menschen rettet – und ausgerechnet den schickt man los, um ein Forschungsteam auf einem fremden Planeten zu beschützen. Mit Staffel 1 von Murderbot brachte Apple TV+ im Jahr 2025 die erste Novelle der Reihe (Systemausfall) auf den Bildschirm. Vorneweg: ein starker Alexander Skarsgård. Hinten dran: einige Ecken und Kanten. Und trotzdem – das Ding funktioniert.

Murderbot ist Eigentum »der Firma«. Sein Job ist Security: Es hält Menschen davon ab, sich gegenseitig umzubringen. Bei einem seiner Aufträge gelingt es Murderbot, sein Gouvernour-Modul zu hacken und sich damit von der Firma zu befreien. Doch anstatt frei zu drehen, bleibt Murderbot im Auftrag der Firma unterwegs. Bloß nicht auffallen. Also spielt es erst mal seine Rolle weiter, schaut Soaps und wird schließlich von einem Team der Preservation Allianz für eine Mission angeheuert. Die verläuft allerdings alles andere als reibungslos: Das Equipment spinnt, das benachbarte Forschungsteam wird ermordet – irgendetwas stinkt hier. Murderbot muss seine Klienten schützen und gleichzeitig sein wahres Wesen verbergen. Denn wenn jemand erfährt, dass es autonom ist, droht ihm die Verschrottung.

Originaltitel Murderbot
Jahr 2025
Land USA
Episoden 10 (in Staffel 1)
Genre Sci-Fi, Comedy, Drama
Cast Murderbot: Alexander Skarsgård
Mensah: Noma Dumezweni
Gurathin: David Dastmalchian
Ratthi: Akshay Khanna
Arada: Tattiawna Jones
Pin-Lee: Sabrina Wu
Bharadwaj: Tamara Podemski
Captain Hossein: John Cho
Veröffentlichung: 11. Juni 2025

Aus Tagebuch wird Ensemble-Serie

Die Killerbot-Reihe von Martha Wells ist doch etwas recht Eigenes: Ein vollständig subjektiver Tagebuchbericht aus der Perspektive eines sarkastischen, sozial unbeholfenen Security-Bots, der Seifenopern wegsuchtet und eigentlich lieber ganz woanders wäre. Für die Serienadaption auf Apple TV+ bedeutet das: Ein innerer Monolog muss in ein audiovisuelles Format gepackt werden – ohne dabei die Essenz zu verlieren. Die Regisseure Chris und Paul Weitz lösen das Problem, indem sie Murderbot zu einer Ensemble-Serie umgebaut haben. Zwar bleibt Murderbots Voice-over ein zentraler Aspekt (puh!), die Kamera hat aber auch die Crew um Murderbot herum im Blick – denn eine Show ist freilich zum Abglotzen da, gell. So entsteht eine neue Balance zwischen Introspektion und externem Drama.

Mördermaschine trifft auf Hippies

Das Ensemble besteht hauptsächlich aus den Leuten der Perseveration-Allianz – einem Haufen kompetenter, aber leicht eigenwilliger Wissenschaftler:innen mit Cajon, selbstgenähten Klamotten und tief sitzendem Pazifismus. Auf diese »Space-Hippies« prallt nun Murderbot, ein hyperrationales, sarkastisches Maschinending. Gerade dieser Kontrast ist der Motor vieler Szenen: Murderbots spöttische Ablehnung, gepaart mit heimlicher Faszination, macht diese Dynamik so skurril – und zum Ende hin sogar sehr berührend. Im Vergleich zur Buchvorlage werden die Preservation-Leute in der Serie ein Mü extremer in diese freigeistige Richtung gepusht – quasi als Gegenentwurf zur konzernverseuchten Galaxis. Das ist jetzt nicht unbedingt subtil, aber es funktioniert, weil die Serie ihre Hippies zwar aufs Korn nimmt, ihnen aber letztlich völlig zustimmt.

Schwachpunkt: Das Ensemble

So liebenswert die Crew von Preservation auch ist – am besten funktioniert sie meistens nur in direkter Wechselwirkung mit Murderbot. Sobald sich die Figuren von ihm entfernen, verpufft unser Interesse an ihnen. Was daran liegt, dass Murderbots Wahrnehmung der primäre Filter bleibt. Deutlich wird das u. a. bei der polyamoren Dreiecksbeziehung im Team, die so vor sich hin stolpert und eher Kulisse für Murderbots trockene Kommentare ist, als dass sie irgendein nennenswertes Ziel verfolgt. Trotzdem stechen einzelne Performances hervor: Noma Dumezweni (Mensah) überzeugt als moralischer Anker, souverän und empathisch. David Dastmalchian spielt seinen Gurathin so miesepetrig, dass er fast als Prof. Snape durchgehen könnte (mit ähnlicher Tragik). Und Akshay Khanna killt seine Rolle als Ratthi mit perfektem Comedy-Timing und dem Charme eines liebenswerten Himbos.

90er-Pacing, 90er-Trash

Als weiteren Kritikpunkt von Murderbot könnte man das holprige Pacing benennen, besonders in den ersten drei Folgen (und besonders dann, wenn man sie im wöchentlichen Veröffentlichungsrhythmus schaut). Die Episoden sind mit 20–30 Minuten recht kurz, und oft hat man das Gefühl, dass sie einfach nur enden. Ohne echte Pointe oder klarem Abschluss. Diese fragmentierte Struktur macht es zunächst einmal schwer, emotional irgendwie einzusteigen. Als Binge funktioniert die Serie vermutlich besser, weil dann der fehlende Spannungsbogen pro Folge weniger auffällt. Gleichzeitig fühlt sich dieses Pacing aber auch wie eine gewollte Reminiszenz an. Innerhalb der Serie existiert mit »Sanctuary Moon« nämlich eine überdrehte Sci-Fi-Trash-Soap, die von Murderbot dazu genutzt wird, seine Social Skills zu verbessern. Dass die eigentliche Erzählstruktur sich diesem Format teilweise annähert, wirkt daher fast schon meta.

Action? Comedy? Drama? Dramedy? Was denn nun?

Rein visuell haut Murderbot jetzt keinen raus. Die Action ist funktional, nie spektakulär. Sie erfüllt narrative Zwecke – etwa um Kontrollverlust oder das Paarungsverhalten von Aliens darzustellen – aber sie ist kein Highlight. Zumal Murderbot sowieso ständig verliert (Zwinkersmiley). Tonal pendelt die Serie zwischen Roboterdrama (wenn jemand rausfindet, dass Murderbot freidreht, war’s das), lockerem Mystery-Thriller (wer bringt hier eigentlich die Forscher um?) und skurriler Space-Alltagskomödie (wenn Murderbot versucht, mit Soap-Wissen durch zwischenmenschliche Katastrophen zu navigieren). Gegen Ende findet die Serie aber eine stärkere emotionale Linie. Diese Tonalitätsprobleme kann man der Serie ankreiden, allerdings sind sie auch äußerst passend für die Charakterstudie eines tief verwirrten Security-Bots.

Alexander SkarsGOD

Am Ende steht und fällt alles mit Murderbot selbst – und damit mit Alexander Skarsgård (Godzilla vs. Kong, The Northman). Und der liefert ab. (Freilich gab es zu Beginn Diskussionen darüber, ob Skarsgård ’ne gute Besetzung für einen geschlechtslosen Bot ist, siehe Besprechung Folge 2). Skarsgård spielt Murderbot gerade in den späteren Folgen supernuanciert. Er redet wenig, aber seine Augen sagen alles. Keine Emotion, die er nicht darstellen könnte – das ist peak eyeball cinema. Und das Voice-over? Trocken, sarkastisch, verletzlich – genau richtig. Besonders stark ist Skarsgårds Stimme in Momenten, in denen Murderbots Unsicherheit hochkommt (etwa wenn Gurathin das vermaledeite Sexbot-Thema anspricht). Da bricht seine Stimme weg und Murderbot offenbart etwas, das es nie freiwillig zeigen würde. Und gerade diese Ambivalenz macht die Figur so einnehmend.

Fazit

Murderbot ist keine Serie für alle – und1 will das vermutlich auch gar nicht sein. Sie beginnt mit gewöhnungsbedürftigem Pacing, schwankt tonal und hat einen Cast, der seine blasse Farbe erst einmal abschütteln muss. Aber wer sich darauf einlässt, bekommt eine eigenwillige, am Ende tief berührende Geschichte über Selbstbestimmung, Identität und den Wunsch, einfach seine Ruhe zu haben. Murderbot ist kein Mainstream-Hit wie etwa Dune, The Expanse oder The Mandalorian, sondern eher klein und fein – und damit für manche genau das Richtige.
Ich für meinen Teil hab meine neue Comfort-Serie gefunden und freue mich riesig auf Staffel 2.

© Apple TV+

Totman Gehend

Totman ist Musiker, zockt in der Freizeit bevorzugt Indie-Games, Taktik-Shooter oder ganz was anderes und sammelt schöne Bücher. Größtes Laster: Red Bull. Lieblingsplatz im Netz: der 24/7 Music-Stream von Cryo Chamber auf YouTube.

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