Strange Dreams

Schlaf ist kostbar, Schlaf ist heilig! Denn während wir schlafen, reflektieren wir das Leben und ordnen Erlebtes neu ein. Für die Wissenschaft ist Traumforschung noch immer eines der größten Mysterien. Kein Wunder also, dass sich hierin endloses Potenzial für Erzählstoffe verbirgt. Der Sci-Fi-Titel Strange Dreams (im Original: “Come True”, als hätte man den Satz auseinandergerissen) befasst sich mit den dunklen Gestalten in unseren Träumen. Wir konnten uns der Schlafstudie auf den Fantasy Filmfest Nights 2021 unterziehen und den Film schon vor seiner Veröffentlichung am 23. September 2021 sehen.

 

Sarah (Julia Sarah Stone, Allure) ist von Zuhause abgehauen. Notgedrungen schläft die Teenagerin im Freien, dann vorübergehend bei ihrer Freundin Zoe (Tedra Rogers, There’s Someone Inside Your House). Entsprechend schlecht schläft sie, hat Augenringe, nickt ständig ein. Da kommt ihr ein Forschungsprojekt sehr gelegen, bei dem die Probanden im Schlaf beobachtet werden. Noch ahnt sie nicht, dass die Forscher einem unheimlichen Phänomen auf der Spur sind, das offenbar bei allen Menschen in einer bestimmten Schlafphase auftritt. Etwas, das tief im Ich verankert ist und nachts zum Vorschein kommt.

Dunkle Phantastik

Originaltitel Come True
Jahr 2020
Land Kanada
Genre Science-Fiction, Horror
Regie Anthony Scott Burns
Cast Sarah: Julia Sarah Stone
Jeremy: Landon Liboiron
Alte Frau: Tiffany Helm
Erin: Chantal Perron
Zoe: Tedra Rogers
Laufzeit 105 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 23. September 2021

Kühle Atmosphäre, sterile Schlaflabors, Synthie-Pop der 90er. Strange Dreams zeichnet sich durch eine geheimnisvoll-cleane Atmosphäre aus, die den Tauchgang in die Tiefe der Psyche begleitet. Was sieht unser Hirn? Und was wäre, wenn man diese Bilder darstellen könnte? Faszinierende Gedankenakrobatik, der das Drehbuch von Anthony Scott Burns (Our House) nachgeht. Der Abstieg ins Unbekannte wird über mehrere Kapitel erzählt, um dem Geheimnis Stück für Stück nachzugehen. Untermalt wird das von sphärischen Elektroklängen, die so geheimnisvoll bleiben wie der Film selbst. Ästhetisch wird das Unbekannte umkreist und die Kamera macht ein Geheimnis aus dem, was da wirklich lauert.   

Spannung, Beklemmung, Neugier – aber wenig Substanz

Strange Dreams ist keiner jener Filme, über die man sich ausschweifend auslassen kann, weil sie einen ausgefeilten Plot besitzen, der stetig vorangetrieben wird. Viel stärker als das, was der Film erzählt, ist das, was er darstellt und die Emotionen, die er seinem Publikum entlockt. Endlose Szenen mit leeren Straßen und Korridoren – das muss man mögen, denn auch wenn aus Sarahs Perspektive viel passiert, ist das nicht deckungsgleich mit dem Erlebnis der Zuschauer*innen. Julia Sarah Stone ist neben der Atmosphäre ohne Zweifel das Glanzlicht des Films: Mit ihrer androgynen Aura verkörpert sie perfekt die Protagonistin, aus deren Augen wir das Geschehen wahrnehmen und deren Gefühle wie Melancholie oder Verunsicherung greifbar werden.  Man kann sich also nun an dem fehlenden Interesse des Regisseurs und Drehbuchautors an seiner Geschichte aufhängen oder aber dem Sog der Atmosphäre gestatten, sich aufnehmen zu lassen. Für erhitzte Gemüter sorgen dürfte allerdings die Auflösung des Films, die man nur entweder lieben oder hassen kann. Viele Sympathien verspielt die Handlung letztlich auch durch zahlreiche Ungereimtheiten, bei denen unklar bleibt, ob sie wirklich so gewollt oder zufälliger Natur sind.

Fazit

Strange Dreams beginnt als herkömmlicher Coming-of-Age-Film über Teenagerprobleme und driftet schnell ab in dunkle und ungemütliche Gewässer. Ein Mix aus Science-Fiction, Psychothriller und Horror, der traumartig visualisiert wird und gerne mit dem Unbekannten spielt. Die vage gehaltene Darstellung und das entschleunigte Erzähltempo machen die an sich interessante Geschichte aber auch zu einem Unterfangen, das Sitzfleisch erfordert. Der hochstilisierte Traum-Thriller unterhält in der zweiten Hälfte nur noch bedingt und stößt einem großen Teil des Publikums mit seiner Entwicklung vor den Kopf. In Erinnerung bleibt er allerdings allemal, ob nun so oder so.


Veröffentlichung: 23. September 2021

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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