Our House

Lesezeit: 3 Minuten

Geisterfilme erfahren 2018 ein weiteres Hoch, eine Produktion nach der anderen drängt in die Kinos und auf die Bildschirme. Um aus der Masse hervorzustechen ist es nur wichtig, ein Merkmal zu besitzen, das den jeweiligen Vertreter ausmacht. Our House versucht sich mit einem Drama, das im kleineren Rahmen auch Horror-Anteile vorweisen kann. Regisseur Anthony Scott Burns (Holidays – Surviving them is Hell) inszeniert seinen Film im zurückhaltenden Stil, der eher an Independent-Filme als an große Blockbuster erinnert. Ohnehin handelt es sich hierbei eher um einen der stilleren Titel des Fantasy Filmfests 2018.

  

Die Geschwister Ethan (Thomas Mann, Hänsel und Gretel), Becca (Kate Moyer, Holly Hobbie) und Matt (Percy Hynes White, Cast no Shadow) verlieren ihre Eltern bei einem Autounfall. Daraufhin bricht Ethan sein Studium ab um sich um seine verwaisten Geschwister zu kümmern. Weiterhin betreibt er Elektrizitätsforschung und mithilfe elektromagnetischer Apparaturen gelingt es, Kontakt mit den Geistern seiner verstorbenen Eltern aufzunehmen. Die erleichterten Geschwister nutzen diese Form der Kommunikation rege. Doch bald stellen sie fest, dass sich mit jedem weiteren Versuchsaufbau eine andere Präsenz im Haus breit macht…

Jugendliche und Geisterbeschwörung, der alte Hut

Originaltitel Our House
Jahr 2018
Land USA
Genre Drama, Horror
Regisseur Anthony Scott Burns
Cast Ethan: Thomas Mann
Matt: Percy Hynes White
Becca: Kate Moyer
Hannah: Nicola Peltz
Jess: Christine Horne
Dag: Lucius Hoyos
Laufzeit 90 Minuten

Kaum ein Film, der sich im Coming of Age-Bereich bewegt, kam in den letzten Jahren um den Vergleich mit Stranger Things herum. Jugendliche, die auf Fahrrädern durch die Gegend wetzen und Kontakt mit einer anderen Welt aufnehmen – diese Prämisse ist alles andere als neu. Auch andere Plotpoints kommen einem nur zu bekannt vor. Die verunglückten Eltern, die Kontaktaufnahme mit der Geisterwelt und schließlich auch die frühe Erkenntnis, dass das Tor besser geschlossen geblieben wäre. In seinen Grundzügen ist Our House ein Film unter vielen. Das Drehbuch von Nathan Parker (Moon) hat dahingehend auch keine Überraschungen parat, von Spannung mal ganz zu schweigen.

Tragödie im Horrormantel

Das Augenmerk wird stärker auf die Familientragödie gerichtet. Wie gehen Teenager mit dem plötzlichen Tod ihrer Eltern um? Wann kommt die Zeit des Loslassens? Und ist es legitim, Gott zu spielen und sich in überirdische Vorgänge einzumischen? Diese Fragen muss sich Ethan stellen, der einen angenehmen Protagonisten abgibt. Auch die Darstellung von Kate Moyer und Percy Hynes White ist glaubhaft und verleiht den Figuren ein ausreichendes Maß an Persönlichkeit. Die Frage, ob man als Zuschauer Mitleid für die drei empfindet, stellt sich also gar nicht. Während sich Our House die erste Hälfte über mit dem Umgang mit der neuen Situation befasst, kommt es erst in der zweiten Hälfte zum gruseligen Part. Und irgendwie hat man eines immer im Gefühl: Wieso sollte diesen ohnehin schon genug gebeutelten Teens etwas passieren? Ist der Film wirklich so mutig, weitere Opfer zu fordern? Die Antwort darauf ist: Nein, natürlich nicht.

Entlang aller Konventionen

Our House ist derart konventionell, dass der Film kaum Überraschungsmomente bietet (und selbst für den überraschtesten Zuschauer werden diese gering ausfallen). Im weiteren Handlungsverlauf geht es durch und durch generisch zu, sodass dieser Film keinen Horror-Fan hinter dem Ofen hervorlocken wird. Der Film punktet dann, wenn er sich an seinen emotionalen Kern haftet und Themen wie Angst, Wut, Trauer und Hoffnung behandelt werden. Auf Horror-Ebene überzeugt auch die Darstellung der Geister nicht. Diese sind zunächst als schwarzer Nebel unterwegs und manifestieren sich dann nach und nach in menschlichen Darstellern. Zu dieser Darstellung gesellen sich die üblichen Klopfgeräusche, verschwundene Haushaltsgegenstände und eben alles, was man bereits aus dem Genre kennt.

Unterm Strich ist Our House mit seinem Horror-Label falsch unterwegs. Inwieweit die angepeilte Zielgruppe empfänglich für den emotionalen Charakter des Films ist, bleibt offen. Hierbei handelt es sich zu weiten Teilen um ein Drama. Als solches betrachtet verfehlt Our House nicht seine Wirkung, voraussichtlich aber die Erwartungen einiger Zuschauer. Als Horrorfilm ist der Titel unspektakulär und belanglos.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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