Spare Parts – Die Waffen sind wir

Der Ansatz, menschliche Körperteile durch Maschinen oder Waffen zu ersetzen, ist kein neuer. Robert Rodriguez konnte der Idee mit seinem Planet Terror kurzzeitig frischen Wind verleihen, doch seitdem wurde das Thema nicht mehr im großen Rahmen neu aufgenommen, ist aber nie in Gänze von der Bildfläche verschwunden. Mit Spare Parts – Die Waffen sind wir gelangte im Juni 2021 ein solcher Vertreter in den Handel, der bislang keine großen Wellen schlug. Regisseur Andrew Thomas Hunt (Sweet Karma) scheint jedenfalls eine Vorliebe für Frauen in Action-Rollen zu haben. Gesehen haben wir die ungeschnittene Fassung aus Österreich, welche auf dem Obscura Filmfest 2021 zu sehen war. Der deutschen Version von Tiberius Film fehlen durch 24 Schnitte insgesamt eine Minute und sieben Sekunden.

 

Eine vierköpfige Punkband namens Ms. 45, bestehend aus Amy (Michelle Argyris, Besessen – Der Teufel in mir), ihrer Schwester Emma (Emily Alatalo, Christmas Catch) und dem Pärchen Cassy (Kiriana Stanton, Neverknock) und Lea (Kathryn Kohut, Falling for Look Lodge), wird nach einem Auftritt überfallen, gefangen genommen und unter Drogen gesetzt. Beim Aufwachen stellen die Frauen fest, dass ihnen jeweils ein Arm abhanden gekommen ist und die fehlenden Gliedmaßen durch unterschiedliche tödliche Waffen ersetzt wurden. Als wäre das nicht dramatisch genug, finden sie sich in einem Kult wieder, der von einem “Emperor” angeführt wird. Für die vier Frauen sind Plätze in einer aus einem Schrottplatz umfunktionierten Arena vorgesehen, wo sie als Gladiatorinnen gegen andere Krieger antreten sollen.

Die (neuen) Waffen einer Frau

Originaltitel Spare Parts
Jahr 2020
Land Kanada
Genre Action, Horror
Regie Andrew Thomas Hunt
Cast The Emperor: Julian Richings
Amy: Michelle Argyris
Emma: Emily Alatalo
Cassy: Kiriana Stanton
Driller: Ryan Allen
Lea: Kathryn Kohut
Laufzeit 91 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 9. Juni 2021

Ein krachender Band-Auftritt und ein paar rotzige Plattitüden der toughen Ladies. Das Eingangsszenario stellt vier nicht auf den Mund gefallene Frauen dar, die zwar als Tough Chicks etabliert werden, sich kurz darauf aber ohnehin neu finden müssen. Das Drehbuch macht sich nämlich nicht großartig Mühe, die vier Damen zu profilieren. Ganz nach dem Motto “gleich wird eh alles anders”. An den dürftigen Figurenzeichnungen ändert sich aber auch danach nichts, da alles nur noch darauf abzielt, die beste Überlebensstrategie für sich selbst zu finden. Der Film legt sichtlich größeren Fokus auf die neuen Körperteile der Frauen und was sie mit ihren Waffen nun erreichen können. Woher sie plötzlich Kampferfahrung besitzen, will irgendwie so zusammengereimt werden. Zwar gibt es hier und da auch Training, aber ansonsten soll der Prolog bereits dafür sorgen, dass Zuschauer:innen von der Durchschlagkraft der Damen schon zur Genüge überzeugt sind. Außerdem muss man keinen Expertenstatus besitzen, um sich auszurechnen, welche der Frauen verzichtbar ist und welche das Ende miterleben wird.

Postapokalyptisches Szenario ohne Apokalypse

Was hat es aber nun mit der Arena und dem Sektenkult auf sich? Die Handlung setzt auf keine großen Erklärungen und so muss man irgendwie mit der Tatsache umgehen, dass irgendwelchen Göttern Opfer gebracht werden müssen und dabei Personenkult um Julian Richings (Wrong Turn) Emperor betrieben wird. Die Frauen werden dafür durch die Eisenarena getrieben und stellen sich gesichtslosen Kämpfern in wenig aufregenden Kämpfen. Wo das alles nun stattfindet, was aus der Welt rundherum wurde und wie die Arena von der Umwelt um sie herum einfach so übersehen werden kann, sind Fragen, die der Film offen lässt. Das erzeugt insgesamt ein unbefriedigendes Bild, denn die Geschichte selbst nimmt sich viel zu ernst, lässt aber viel zu vieles offen, um sich voll auf sie einzulassen.

Eigenwilliges Designkonzept

Vage gehaltener Hintergrund, profillose Figuren. Spare Parts muss sich darauf verlassen, dass abgehackte Glieder und ein bisschen Blut schon für genug Eindruck sorgen. Das funktioniert zumindest, wenn man Spaß an handgemachten Effekten hat. Dann können die rabiaten Gewaltspitzen überzeugen, auch wenn der Titel meilenweit weg von einem Funsplatter ist.  Gibt man sich damit zufrieden, kann es sich schon lohnen, den sonst auf Sparflamme köchelnden Film anzusehen. Damit das neue Handwerkszeug entsprechend präsentiert wird, gibt es ein unterstützendes Stilmittel-Set, das bestenfalls als misslungen bezeichnet werden kann. Aggressive Stroboskop-Lichter leuchten die Autotrümmer-Arena aus und viel zu intensive Farbfilter sorgen dafür, dass sich das Farbkonzept viel zu stark in den Vordergrund drängt, vielleicht sogar davon ablenken möchte, dass die Kämpfe selbst wenig aufregend inszeniert sind und man den Begriff Choreografie gar nicht erst in den Mund nehmen möchte.

Fazit

Bisschen Torture Porn, etwas Body Horror, hier und dort Green Room oder Mad Max. Spare Parts ist alles, aber nichts davon so richtig. Und es geht noch weiter:  Spare Parts gehört zu jenen Filmen, die trotz ihres geringen Budgets gerne in der ersten Reihe mitspielen würden, weil ihm der eigene Anspruch auf die Stirn geschrieben steht. Das kann man niemandem verübeln, denn vor allem der Cast spielt motiviert auf und Julian Richings gibt auch in der Rolle des Sekten-Oberhaupts eine tolle Figur ab. Das ist trotzdem nicht ausreichend, um den Film auch zu einem aufregenden Erlebnis zu machen oder gar mit Wiederschauwerten aufzuladen. Die viel zu ernste Geschichte bietet selbst im Rahmen des Möglichen wenig Tiefe und verlässt sich auf ihr krudes Konzept aus knapp bekleideten Frauen in wenig sehenswerten Kämpfen, fancy Waffen und aggressivem Farbfilter-Konzept. Finger weg!

© Tiberius Film


Veröffentlichung: 9. Juni 2021

 

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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