Dragon – Love Is A Scary Tale

Fantasy aus Russland? Spätestens seit Sergei Wassiljewitsch Lukjanenkos fulminanter Wächter-Saga ist russische Fantasy auch bei uns angekommen. Von daher kann das Leinwandmärchen Dragon – Love Is A Scary Tale von Spielfilmregiedebütant Indar Dzhendubaev (Yolki 5) auch nicht als Pionierarbeit auf diesem Gebiet angesehen werden. Dennoch finden russische Filme bisher nur selten den Weg zu uns nach Deutschland. Schon aus diesem Grund lohnt es sich, einen Blick auf Dzhendubaevs Drachenvariante von Die Schöne und das Biest zu werfen.

    

In einem kleinen Dorf soll die junge Miroslava vermählt werden. Bei der traditionellen Hochzeitszeremonie, die an eine alte Sage über einen Drachen, der Jungfrauen entführt und verschlingt, angelehnt ist, geschieht das Unvermeidliche. Das erste Mal seit Jahrzehnten taucht wieder ein Drache auf und entführt die Braut. Der designierte Bräutigam Igor ist der Enkel eines legendären Drachentöters und nimmt die Verfolgung auf. Unterdessen hat der Drache Miroslava auf eine abgeschiedene Felseninsel verbracht. Dort versteckt diese sich vor dem Drachen und trifft dabei auf den mysteriösen Arman, der ebenfalls auf der Insel lebt. Bald schon findet Miroslava heraus, dass die Dracheninsel nur von dem Mann gefunden werden kann, den sie wirklich liebt. Aber liebt sie Igor überhaupt? Und bald zeigt sich auch, dass hinter Arman weitaus mehr steckt, als es auf den ersten Blick erscheint…

Die Schöne und der Drache

Das Grundgerüst ist wohl aus dem französischen Volksmärchen Die Schöne und das Biest den meisten Zuschauern bekannt. Die Liebe zwischen Mensch und Bestie auf einen Drachen zu übertragen, ist jedoch ein gelungener Geniestreich und haucht dadurch dem altbekannten Stoff wieder neues Leben ein. Dabei steht und fällt Dragon mit dem Liebesdrama zwischen Miroslava und dem Drachenmenschen Arman…und dieses gelingt ausgesprochen gut! Dies liegt vor allem an der hervorragend besetzten weiblichen Hauptrolle. Mariya Poezzhaeva (Lenas Klasse) gelingt es die innere Zerrissenheit der Figur zwischen Angst vor dem Drachen und aufkeimender Liebe zu Arman sowie den zunehmenden Zweifeln bezüglich ihrer Gefühle gegenüber Igor für den Zuschauer greifbar darzustellen. Dadurch entwickelt sich ein hoch emotionales Liebesdrama, bei dem der Zuschauer mit der Protagonistin wunderbar mitfiebern kann. Damit wird zugleich kaschiert, dass die emotionale Bindung zu Miroslavas männlichem Gegenpart Arman – gespielt von Matvey Lykov (Petersburg. Nur aus Liebe) – trotz dessen spannenden inneren Konflikten dem Zuschauer nicht in demselben Maße zugänglich ist.

Identitätssuche ohne ganz große Überraschungen

Originaltitel Он – дракон
Jahr 2015
Land Russland
Genre Fantasy, Drama, Abenteuer
Regisseur Indar Dzhendubaev
Cast Arman: Matvey Lykov
Miroslava: Mariya Poezzhaeva
Igor: Pyotr Romanov
Yaroslava: Ieva Andrejevaite
Knyaz: Stanislaw Andrejewitsch Ljubschin
Laufzeit 110 Minuten
FSK

Bei den unverkennbaren Stärken betreffend die Romanze zwischen Miroslava und dem Drachen muss man aber auch attestieren, dass der Handlung insgesamt die ganz großen Überraschungen fehlen. Dass es sich bei Arman in Wirklichkeit um den Drachen handelt, ist eigentlich sofort klar. Und auch der weitere Verlauf der Beziehung der beiden ist in etwa so, wie man es sich vorstellt. Für eine kleine Überraschung sorgt allerdings der ansonsten eher blasse Igor am Ende. Oder besser gesagt dessen Weggefährte, der Igor daran hindert, den Speer auf den Drachen zu schleudern und so ein finales Aufeinandertreffen Igors mit seinem schuppigen Nebenbuhler vereitelt. Das Happy End ist dann aber insgesamt ein kleines bisschen zu perfekt.  Ungeachtet dessen punktet der Dragon jedoch mit der verzweifelten Identitätssuche von Arman. Einerseits möchte er Miroslava nicht verlieren und liebt sie. Jedoch muss er auch erkennen, dass er in ihrer Nähe stets damit zu kämpfen hat, den Drachen in sich zu unterdrücken. Denn dieser sieht in Miroslava nur ein lebendes Behältnis für seine Nachkommen. Die Gefühle des Menschen Arman für Miroslava sind ihm fremd. Arman ist somit gezwungen, den Drachen in sich zu unterdrücken, um Miroslava nicht in Gefahr zu bringen. Folglich steht er am Ende vor der schweren Entscheidung, ob er mit dem Risiko, dass der Drache irgendwann die Oberhand gewinnt, leben oder ob er Miroslava zu ihrem eigenen Schutz zurück in ihr Heimatdorf schicken soll.

Trickspektakel ohne Reizüberflutung

Dragon wurde zu weiten Teilen mit CGI erstellt. Was bei Hollywoodblockbustern oftmals dazu führt, dass der Zuschauer unter visuellen Reizen und Daueraction begraben wird, gelingt Dzhendubaev überraschend gut. Sehr gut sogar. Sowohl der Drache als auch Armans Verwandlung in den Drachen sind schön animiert. Und die Gestaltung der Dracheninsel ist ein Fest für die Sinne. Dem Film gelingt es dabei mit der farblichen Gestaltung der Insel, die Gefühlswelt von Arman und Miroslava wiederzuspiegeln. Zu Beginn ist nur der felsige Teil der Insel zu sehen. Mit der aufkeimenden Liebe zwischen den beiden verwandelt sich die Insel jedoch auf einmal in ein farbenprächtiges Paradies, welches jedoch, als es auf das dramatische Ende zugeht, wieder auf die kargen Felsen reduziert wird. Unterstützt wird dies durch Kameraschwenks und -einstellungen, die die Lebensfreude der beiden Liebenden wunderbar einfangen.

Dragon ist für mich eine der größten Filmüberraschungen der letzten Jahre. Nachdem ich nur zufällig über den Film gestolpert bin, konnte er mich mit seinen stark herausgearbeiteten Emotionen und den herrlichen Effekten auf Anhieb begeistern. Zwar wird man von der Handlung selten überrascht, aber das hat mich am Ende kaum gestört. Für mich überwog die Überraschung darüber, wie gut der Film tricktechnisch mit seinen Hollywoodvorbildern mithalten beziehungsweise diese stellenweise sogar noch übertreffen kann. Somit ist Dragon für mich der beste russische Film, den ich bisher gesehen habe… mit Abstand! Schade nur, dass das Drachenmärchen an den russischen Kinokassen gnadenlos durchgefallen ist.

 

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Atticus

Atticus ist Jura-Student. Er verbringt seine Freizeit am liebsten zusammen mit Freunden oder draußen in der Natur. Darüber hinaus ist Atticus ein großer Filmfan, jedoch nicht allzu wählerisch, so dass es kaum ein Genre gibt, dem er nicht zugeneigt wäre. Auch macht es ihm nichts aus, wenn ein Film ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Außerdem liest Atticus gerne Romane. Wenn möglich Krimis, Thriller, Horror- oder Abenteuerliteratur. Aber zwischendurch darf es auch gerne einmal etwas ausgefalleneres sein.

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