Virgin Road – Die Henkerin und ihre Art zu leben (Band 1)

Wer sich seit den 2010er-Jahren auch nur ansatzweise für Anime-Serien begeistern konnte, wird ihnen zwangsläufig begegnet sein: Isekai-Titel, also Geschichten, in denen ein normaler Mensch aus der wirklichen Welt in einer Fantasy-Welt landet. Häufig basieren diese Anime-Produktionen auf Light Novels, bei denen der Isekai-Trend ebenfalls nicht zu enden scheint. Auch die Light Novel Virgin Road – Die Henkerin und ihre Art zu leben fällt in diese Kategorie, stellt jedoch eine junge Frau in den Mittelpunkt, die genau solche Menschen, die aus der wirklichen Welt in ihre Welt transportiert werden, tötet. Die von Mato Sato geschriebene und von nilitsu illustrierte Reihe erscheint seit 2019 in Japan. Hierzulande veröffentlichte der Verlag Altraverse den ersten Band der Light Novel am 21. Februar 2022. Wie sich der erste Band der actionreichen Fantasy-Reihe schlägt, lest ihr in unserem Review.

 

Die junge Menou mag wie eine unschuldige Priesterin aussehen, doch eigentlich ist sie eine Henkerin, also eine Auftragsmörderin im Dienst der Kirche. Als solche ist es ihre Aufgabe, die sogenannten “Verlorenen” oder auch “Fremdweltler” zu töten. Diese aus Japan stammenden Menschen, die zufällig in diese Welt gebracht werden, bergen nämlich allesamt mächtige Kräfte. Mit diesen bringen sie Chaos und Zerstörung über die Welt, da die Kräfte immer stärker und unkontrollierbarer werden. Menous neustes Ziel, die naive Akari, stellt sie jedoch vor eine besondere Herausforderung, denn das Mädchen beherrscht die Fähigkeit der Zeitumkehrung und ist deshalb scheinbar unsterblich …

Isekai-Klischees auf den Kopf gestellt

Originaltitel Shokei Shoujo no Bajin Rodo
Ursprungsland Japan
Jahr 2019
Gattung Light Novel
Bände 1/?
Genre Fantasy, Action, Abenteuer
Autor Mato Sato
Verlag Altraverse
Veröffentlichung: 24. Januar 2022

Die Prämisse der Geschichte orientiert sich an den gängigen Isekai-Standards: Normale Japaner werden aus der normalen Welt teleportiert und sind unglaublich mächtig. Nur dass diese unkontrollierte Macht, die als “Reinkonzept” bezeichnet wird, sie zu einer tickenden, gefährlichen Zeitbombe macht und sie deshalb kein lustiges Abenteuer, sondern der Tod durch die Hand einer Henkerin erwartet. Virgin Road nimmt damit die Klischees ein wenig auf die Schippe. Das wird vor allem dadurch deutlich, dass der Prolog den Leser:innen vorgaukelt, die Hauptfigur sei wie in so vielen Werken ähnlicher Art ein Highschool-Schüler – nur damit dieser kurz darauf von dem so nett scheinenden Mädchen Menou abgestochen wird. Sie ist ohnehin eine interessante Protagonistin, da sie sich selbst als einen Bösewicht sieht. Schließlich tötet sie zum Wohle ihrer Welt unschuldige Menschen und legt sie sogar zuvor herein, indem sie sich ihr Vertrauen erschleicht. Doch insgeheim sehnt sie sich nach Vergebung und echten menschlichen Bindungen. Gezeichnet wird Menou vor allem durch ihre Vergangenheit. Denn als die Kräfte einiger Fremdweltler außer Kontrolle gerieten, löschten sie ganze Städte und Zivilisationen aus. Diese als “Human Error” bezeichneten Ereignisse sind es, die verhindert werden sollen. Menous Heimat wurde als Kind von einem solchen Human Error vollkommen ausgelöscht und sie verlor ihre Erinnerungen an sich selbst und ihre Heimat. Ihre Persönlichkeit wurde damit fast ausschließlich von ihrer Meisterin, der mächtigen Henkerin Flare, geprägt und auch Menous Magie und Kampfstil orientiert sich an dieser.

Ein schicksalhaftes Treffen?

Virgin Road wirft das Rampenlicht vollkommen auf weibliche Figuren. So wird Protagonistin Menou von Momo begleitet, die ihr als Henkersgehilfin zur Hand geht und die sie bereits seit ihrer Kindheit kennt. Momo ist ein betont süßes Mädchen, das aus ihrer Liebe zu Menou kein Geheimnis macht und ihr konstant auf die Pelle rückt. Obwohl Menou darauf eher ablehnend reagiert, haben beide ein liebevolles Verhältnis zueinander. Momo ist ebenso unfassbar stark und legt sich alsbald mit der wilden Ritterprinzessin Ashuna an. Der Kern der Geschichte ist aber die Bindung zwischen Menou und Akari. Aus einem mysteriösen Grund herrscht eine tiefe Vertrautheit zwischen ihnen, insbesondere von Akari ausgehend, obwohl sie sich erst wenige Tage kennen. Akari wirkt dabei unfassbar naiv und redet vom ersten Moment an davon, dass das Treffen zwischen ihr und Menou Schicksal sei. Für Menou klingt das verrückt, doch tatsächlich steckt mehr hinter Akaris merkwürdigem Verhalten. Diese Wendungen innerhalb der Geschichte sind gut gemacht und wirken sehr organisch. Insbesondere präsentieren sie für die zukünftige Geschichte einige sehr interessante und spannende Aspekte. Der Konflikt im ersten Band selbst wirkt dafür nicht nur vorhersehbar, sondern auch oberflächlich. Das ist schade, aber innerhalb eines ersten Bandes, der noch vor allem der Einführung der Welt und Etablierung der Figuren dient, verschmerzbar. Die vorgestellte Welt ist nämlich auch eine der Stärken, da diese durch Struktur und Aufbau sehr faszinierend ist.

Simpler und doch grafischer Schreibstil

Wie für die Gattung Light Novel gewohnt, ist Virgin Road in einem einfachen Schreibstil gehalten, in dem aber vor allem Actionszenen sehr lebendig umschrieben werden. Dadurch dürften sich Leser:innen das Geschehen sehr bildhaft vorstellen können. Gerade das System hinter der Anwendung der Magie ist dabei sehr spannend, gleichzeitig ist der Sinn von diesem schnell erfassbar. Tatsächlich gibt es in dem Band auch einige überraschend groteske und brutale Szenen, die recht grafisch beschrieben werden. Besonders spannend ist aber der Aufbau, denn neben den normalen Kapiteln gibt es immer wieder ein Interludium, das Szenen aus der Vergangenheit der Charaktere beschreibt. Besonders auf Menous Kindheit und Ausbildung zur Henkerin wird hierbei ein Fokus gesetzt. Das sorgt dafür, dass die Figuren schnell greifbar werden. Die wenigen Illustrationen von nilitsu unterstreichen die Schlüsselmomente, präsentieren sich aber als eher durchschnittlich. Seit 2020 erscheint in Japan ebenso eine Manga-Adaption von Ryo Mitsuya, die ebenfalls seit Januar 2022 bei Altraverse erscheint. Im April 2022 startete zudem eine Anime-Adaption der Light Novel im japanischen TV.

Fazit

Der erste Band Virgin Road – Die Henkerin und ihre Art zu leben schafft es, coole Figuren und insbesondere eine faszinierende Welt vorzustellen, die gängige Isekai-Klischees umsetzt und gleichzeitig etwas aufrüttelt. Die Geschichte des Bandes wirkt jedoch etwas gehetzt und oberflächlich, auch Überraschungen bleiben aus. Immerhin ist am Ende eine interessante Ausgangssituation für die Zukunft gegeben und gerade die mysteriöse Bindung zwischen Menou und Akari ist es, die erst einmal besonders spannend erscheint. Damit setzt Virgin Road zwar erst einmal keine neuen Maßstäbe, bietet aber tolle Action und schöne Momente zwischen den Figuren. Für Fans actionreicher Fantasy-Bücher und einem weiblichen Charakter-Ensemble unbedingt einen Blick wert!

© Altraverse


Veröffentlichung: 24. Januar 2022

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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