Halo (Folge 1×07)

Nachdem sich uns in der letzten Folge der Halo offenbart hat, legt Folge 7 »Nachlass« all seine Anstrengungen auf den Nebenplot um Kwan. Das wird jene ärgern, die nur für den Master Chief und nichts anderes als den Master Chief einschalten, gleichzeitig verdeutlicht die Folge, dass Kwan und der Planet Madrigal einen wesentlichen Bestandteil des gesamten Bogens um Halo darstellen.

Inhaltsangabe

Die Episode beginnt mit einem kurzen Rückblick in Kwans Vergangenheit, der zeigt, dass sie schon damals sehr idealistisch war und keine Scheu hat, ihrem Vater vor allen anderen der Heuchelei zu bezichtigen. Zurück in der Gegenwart brettert Kwan mit Sorens gestohlenem Quad auf einen riesigen Sandsturm zu mit dem Ziel, die Wüstenhexen, die ihr Vater seinerzeit aufgesucht hat, zu finden. Das erweist sich als unnötig, denn die Hexen finden Kwan zuerst und verschleppen sie ins Dorf.

Soren hat von Kwan abgelassen und ist wieder zurück auf dem Rubble. Dort feiert er eine kleine »Firmenparty«, auf der der sich sein Piratenkollege Squirrel Mut antrinkt und Soren vorwirft, dass er zu alt für den Job des Piratenkönigs sei. Im Verlauf der Folge macht Soren gute Miene zum bösen Spiel; er gibt vor, Squirrel zu verzeihen und nimmt ihn mit auf einen Raubzug – nur um ihm mit einem Gabelstapler den Fuß zu zerquetschen und so zu zeigen, wer hier der Boss im Haus ist.

Auf Madrigal findet sich Kwan im Dorf der Wüstenhexen wieder und fordert die Oberhexe Desiderata auf, ihr die Wahrheit über die Ha-Familie zu erzählen. Doch die Hexe verweigert ihr die Auskunft, da die immerzu zornige Kwan noch nicht bereit dafür sei. Unterdessen ist der dichtende Vinsher immer noch auf der Suche nach Kwan und hat das Kopfgeld mittlerweile verdreifacht.

Desiderata erklärt sich schließlich doch bereit, Kwan einzuweihen. Ein Wesen aus einer anderen Welt habe Kwans Urahnen einst eine Verantwortung übertragen. Um Kwan einer Prüfung zu unterziehen, gibt die Hexe ihr eine Schüssel Deuterium zum Trinken. Es folgt ein Drogentrip, auf dem Kwan sich ihrem Zorn und ihrer Angst stellen muss. Aufgezogen wie ein Manegenkampf, tritt Kwan gegen einen wortlosen, schwer grunzenden Master Chief an. Sie verliert Runde um Runde. Erst, als Kwans Zorn verfliegt, nimmt Chief sie an der Hand und führt sie zu ihrer Bestimmung: Zu einem Brunnen, an dem Kwan in vielerlei Gestalt (und ganz im Stil von Avatar – Der Herr der Elemente) ihre Urahnen und schließlich ihren Vater antrifft, der ihr ihre Aufgabe mitteilt. Kwan sei die Beschützerin eines Portals und ihre Aufgabe wird sein, den Chief eines Tages zum Portal zu führen und es für ihn zu öffnen.

Kwans Weg führt sie zurück in ihre alte Heimat, zur Förderanlage aus Folge 1. Dort trifft sie überraschenderweise auf Soren, den sein schlechtes Gewissen zu ihr zurück geführt hat. Ehe sich die beiden an die Gurgel gehen können, tritt Vinsher mit einer kleinen Armee auf den Plan. Es folgt ein Schussgefecht, welches die beiden für sich entscheiden können, indem Kwan die Pipeline und damit verbunden die Förderanlage sprengt. Vinsher und seine Soldaten sterben.

Die Schulden zwischen Kwan und Soren sind beglichen und so trennen sich die beiden – natürlich nicht ohne sich vorher zu piesacken. Soren fliegt mit einem Batzen Geld zurück auf den Rubble, während Kwan befreit vom Zorn und mit Johns Gewehr auf dem Rücken auf Madrigal zurück bleibt und ihrer neuen Zukunft entgegen sieht.

Immer dieser verrückten Wüstenweisen

Sicher, die Wüstenhexen sind cool anzuschauen, doch was genau ist ihr Daseinsgrund? Warum sind sie speziell auf die Ha-Familie angewiesen, um das Portal zu beschützen, wenn es doch so viele von ihnen gibt? Sind sie nur Botschafter? Wenn ja, dann sind sie definitiv überbesetzt. Man kann auch nicht verhehlen, dass dieses Trope ziemlich ausgenudelt wirkt. Die mystischen Weisen in der Wüste, die den Protagonisten via Drogentrip die Erleuchtung bringen; das sind Storybeats, die man schon häufig gesehen hat. Zuletzt in Dune oder auch in The Book of Boba Fett. Der wertvolle Stoff ist in Halos Falle nicht das Spice, sondern »Deuterium«, was auch noch mal so eine Seltsamkeit darstellt, da Deuterium eigentlich nur ein Element ist, welches für die Herstellung von Treibstoff genutzt wird, in dieser Folge aber als magisches Space-Element vorgestellt wird, welches Visionen hervorruft und mystische Portale öffnet.

Kwan vs. Chief – ein Fest für alle Kwan-Hater

Die Kampfarena mit Kwan und Chief ist kurzweilig. Dass der Chief Kwans größte Angst bzw. größtes Hassobjekt darstellt, mag man nach dem Allianz-Angriff aus Folge 1 und Kwans Rettung durch den Chief vielleicht nicht ganz nachvollziehen können, aber zumindest vor Episode 1 bestand der Daseinsgrund der Spartaner noch darin, die Aufständischen auszuradieren. Dass diese Supersoldaten darüber hinaus auch wie gemacht dafür sind, den Aliens der Allianz die Stirn zu bieten, ist lediglich ein glücklicher Zufall.

Ein kleiner Roboter im Brunnen?

Mit dem überraschenden Tod von Vinsher und seiner kleinsten Sonnenbrille der Welt, ist der Rebellen-Plot also erst einmal ad acta gelegt. Kwan avanciert wohl doch nicht zur Anti-UNSC-Queen, sondern gibt sich stattdessen ihrer Rolle als »Beschützerin« hin. Der interessante Twist ergibt sich in dieser Folge aus Kwans Vision, in der sie an einen ominösen Brunnen gelangt. Dort kommuniziert einer ihrer Urahnen mit einem fliegenden, kleinen Roboter, der kurz darauf im Brunnen verschwindet. Noch hält sich die Serie diesbezüglich bedeckt, doch diese Dinger werden Illuminaten oder auch Monitore genannt. Ohne näher ins Detail zu gehen, verleiht die Anwesenheit des Roboters Madrigal und auch der bislang als unnötig verschrienen Kwan eine neue Signifikanz. Und vielleicht findet sich besagter Brunnen genau dort, wo in der Förderanlage die Pipeline aufgepfropft war, die nun praktischerweise von Kwan zerstört wurde.

 

Fazit

Zugegeben: Aufgrund des Kwan-Fokus bin ich mit mäßigen Erwartungen in die Folge hinein gegangen. Nach der Sichtung überwiegt allerdings angenehme … Überraschtheit. Es gibt viel negatives Geschwätz über den Kwan-Plot sowie dessen Irrelevanz und Halo gibt sich in der ersten Hälfte auch keine große Mühe zu enthüllen, was das ultimative Ziel für sie (und Soren) ist. Nachdem aber Chief in der letzten Episode seine Charakter-Folge bekommen hat, ist es nur fair, dass auch Kwans Geschichte die Chance bekommt, dorthin zu gelangen, wo sie sein sollte. Und dort steht sie nun: Kwan ist die Beschützerin dessen, was wir für ein Portal zu Halo halten. Kwan und Madrigal scheinen demnach tatsächlich Bestandteil des großen Handlungsbogens zu sein. So weit, so gut. Erst einmal.
Kwans Existenz erinnert mich ein bisschen an The Clone Wars: Dort wurde die Figur der Ahsoka anfänglich auch von allen als »notnervig« abgetan, nur um am Ende zu Everbody’s Darling zu avancieren. Bin gespannt, wie sich Kwan auf Dauer machen wird. 

© Paramount+ 

Totman Gehend

Totman ist Musiker, zockt in der Freizeit bevorzugt Indie-Games, Taktik-Shooter oder ganz was anderes und sammelt schöne Bücher. Größtes Laster: Red Bull. Lieblingsplatz im Netz: der 24/7 Music-Stream von Cryo Chamber auf YouTube.

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