The Ancient Magus’ Bride (Staffel 2)

Verborgene Machtkämpfe, Magie und Zauberei in verschiedenen Formen, mysteriöse Wesen und ein ganz normaler Schulalltag. Na ja, so ganz normal ist die Schule, die Chise besuchen wird auch nicht. Die erste Staffel von The Ancient Magus’ Bride hat es 2018 geschafft, die Geschichte in einem gleichmäßigen Tempo aufzubauen, das genügend Zeit gab, die Figuren kennenzulernen bis hin zu einem fulminanten Finale. Studio Kafka erzählt die Geschichte weiter, jedoch auf eine andere Art. Die Nähe zum Manga, der in Deutschland unter dem Titel “Die Braut des Magiers” vom Tokyopop Verlag veröffentlicht wird, ist stets gegeben. Chise geht weg von der Natur und den gemeinsamen Übungen mit ihrem „Ehemann“ und Lehrmeister Elias und begibt sich in die Hände andere Lehrer*innen und gleichgesinnter Schüler*innen. Kann die 24 Episoden umfassende zweite Staffel genauso punkten wie ihr Vorgänger? Seit dem 21. Dezember 2023 steht sie vollständig auf Crunchyroll zum Abruf bereit.

Chise hat in ihrer Vergangenheit bereits Stärke bewiesen. Sie besitzt die Fähigkeit, Geisterwesen zu sehen. Bei einer Auktion wurde sie von Elias, einem Magier mit Skelettschädel ersteigert und infolgedessen zu seiner Braut. Zusätzlich liegt ein Drachenfluch auf ihr. Trotz der schwierigen Situation hat sie gelernt, ihr Leben zu akzeptieren und ein Stück weit mit der Vergangenheit abzuschließen. Aus Chise wurde ein starker Lehrling der Magie. Eine ganz neue Herausforderung wartet nun auf die junge Frau: ein Schulalltag voller Kommilitonen. An einer Schule, in der die Schüler*innen die Möglichkeit haben zu lernen, was Magie bedeutet und wie man sie benutzt, möchte auch Chise sich weiterbilden. Es ist ihr eigener Wunsch. Elias kann und will sie nicht allein lassen und beschließt als Lehrer dort zu unterrichten. Da Chise keine positiven Dinge mit der Schulzeit in ihrer Kindheit verbindet, fällt es ihr zunächst schwer Anschluss zu finden. Zudem wirkt ihre Zimmerkollegin abweisend und einige Mitschüler*innen scheinen Geheimnisse zu haben.

Alle sind miteinander verbunden

Originaltitel Mahoutsukai no Yome
Jahr 2023
Episoden 24
Genre Slice of Life, Fantasy
Regie Kazuaki Teresawa
Studio Studio Kafka
Veröffentlichung: 21. Dezember 2023 auf Crunchyroll

Die Verlagerung der Geschichte, die in der ersten Staffel überwiegend in der Natur spielte, in ein Schulsetting, mag zunächst befremdlich wirken, erfüllt aber ihren Zweck. So ist der Grundstein gelegt, damit Chise die unterschiedlichsten Personen und Wesen kennenlernt. Darunter Zoe, der halb Mensch, halb Gorgone ist. Er trägt bewusst den ganzen Tag Kopfhörer. Ohne diese erwacht sein Schlangenhaar und beginnt zu wüten. Chises Zimmerkollegin Lucy Webster wurde Zeugin, wie fast ihre gesamte Familie umgebracht wurde. Einzig sie und ihr Bruder überlebten. Sie wirkt auf den ersten Anschein griesgrämig, hat eine tiefe Verbundenheit zu Spinnen, denn ihre Familie war für die Zucht magischer Spinnen und deren Seide berühmt, die zur Herstellung magischer Bücher verwendet wurde. Aufgrund der familiären Tragödie erfüllen Lucy tiefe Hassgefühle gegenüber Philomela Sargeant, die aus einer Familie von Attentätern stammt. Es bestehen jedoch keine Beweise, dass Philomela etwas damit zu tun hat.

Wie viele Schüler*innen hat eine Klasse?

Zu einer Schule gehören viele Klassen, die von Lernenden nur so strotzen. Nicht nur für Chise sind es neue Gesichter, sondern auch für die Zuschauenden. Die Serie führt nach und nach die Personen ein. Es wirkt teilweise überhastet. Doch der Hintergrund jeder einzelnen Figur ist für das Gesamtbild und den Verlauf wichtig. Daher kommt es zu einzelnen Episoden, in denen Chise nur als Randfigur fungiert. Es dauert die Hälfte der Staffel, bis jede Person eingeführt ist und die Handlung danach Fahrt aufnimmt. Der Schwerpunkt der gesamten Staffel liegt darauf, die Figuren besser zu verstehen. Seien es die Zauberer oder der zurückgekehrte Hauptbösewicht aus der ersten Staffel. Zugute halten muss man dem ersten Teil, dass der Aufbau gelungen ist. Neben der Einführung von Figuren kommen auch Monster aller Art ins Spiel, denen man am besten nicht in einer dunklen Gasse begegnen möchte. Der zweite Teil beinhaltet weniger furchterregende Wesen, dafür mehr Drama auf persönlicher Ebene. Das Attentat auf die Familie Webster und die Feindschaft von Lucy zu Philomela lassen Dramatik erahnen. Gerade die verstört und unterdrückt wirkende Philomela entpuppt sich als eine der Schlüsselfiguren der zweiten Staffel.

Wir drehen den Spieß mal um

Chise und Elias werden als Figuren, wenn auch nicht in jeder Folge, auf andere Weise dargestellt, wobei ein Augenmerk auf Elias’ Gefühlen liegt. Seine Worte mögen beim ersten Hören egoistisch wirken, jedoch ist ihm nicht gänzlich bewusst, was der Begriff Freundschaft wirklich alles ausdrückt. Chise wird in diesem Sinne seine Lehrmeisterin und bringt ihm mehr über menschliche Gefühle bei. Elias deutet an, dass er vielleicht menschlicher sei, als er denkt, er aber jemanden braucht, der ihm hilft zu verstehen, was er in einem bestimmten Moment fühlt. Diese Unterrichtsstunden helfen Chise dabei, Elias besser zu verstehen. Parallel wird Chises Kopf mit den traumatischen Gefühlen ihrer Vergangenheit gefüllt, was ihr allerdings im Verlauf der Staffel zu Gute kommt. Die Zuschauenden haben so die Möglichkeit, in die Psyche eines Charakters einzutauchen.

Es wird düster

Eine schwierige Aufgabe ist es, beim Schreiben, Zeichnen und Animieren das Publikum so zu erreichen, dass es in die jeweilige Welt eintauchen kann und wie hier den fantasievollen und verstrickten Handlungen folgen kann. Die Geschichte umfasst eine enorme Spannbreite und der Manga ist noch nicht einmal abgeschlossen. Von Folge zu Folge wird die Welt größer, in der zweiten Staffel deutlich düsterer. Die dunkle Seite der Magie wird erforscht sowie die Konsequenzen, die sich aus der Ausübung von Magie ergeben können. Die Figuren müssen generell lernen, was Verantwortung bedeutet. Den Zuschauenden werden mehr Arten der Magieanwendung vorgestellt, Hexenzirkel und Alchemisten beispielsweise. Mit der steigenden Magie entstehen auch Situationen, die sich ins Negative wenden. Grausame Flüche werden ausgesprochen, Familienmitglieder verschwinden, Personen durchstehen furchtbare Qualen und lebende Opfergaben werden dargeboten, um nur ein paar Szenarien zu nennen.

Bis auf eine Kleinigkeit

Animationstechnisch lässt der Anime fast nichts zu wünschen übrig. Besonders die gruseligen Geisterwesen und Monster werden auf eine Art zum Leben erweckt, die einen erzittern lassen. Einäugige hundeähnliche Kreaturen, die in düsteren Gängen leben und von Personen, die ihr Gebiet durchqueren, ein Opfer verlangen und einen Vertrag unterzeichnen lassen, sind nur eine Spezies, auf die Chise und Elias in The Ancient Magus’ Bride treffen. Menschenfressende Spezies gibt es zudem wie Sand am Meer. Wie bereits in der ersten Staffel werden gelegentlich Szenen eingebaut, in denen alle Charaktere als Chibi-Variante dargestellt werden. Dies wirkt in einigen Momenten unpassend, gerade wenn die Figuren ernste Situationen durchleben und diese durch die Verkindlichung durchbrochen werden.

Geheime Ostereier

Mythologie und Magie spielen oft zusammen. The Ancient Magus’ Bride vereint beide Komponenten. Bereits in den Namen spiegeln sich Elemente wieder. Alcyone und Philomela sind von der griechischen Mythologie inspiriert und beziehen sich auf Vögel. Alcyone ist mit dem Eisvogel verwandt. Daher erklären sich ihre Farben: blau und orange. Philomela bezieht sich auf die Nachtigall. In der griechischen Mythologie werden des Öfteren menschlich geformte Wesen zu Pflanzen. Der Baum, der eine Person frisst und mit ihr darin Früchte trägt, basiert auf dem Vampirbaum aus der Feder von Shigeru Mizuki aus dem Jahr 1965, GeGeGe no Kitaro. Morrigan ist die Göttin des Krieges, des Todes und der Herrschaft. Seit der Antike wird sie in Irland verehrt und im ganzen Land gibt es Ruinen, die ihren Namen in sich tragen. Philomela ist Alchemistin, die mit ihrem Gewitter töten kann. Thor ist der nordische Gott des Donners und der Landwirtschaft. Untersuchungen zeigen das Gewitter einen Einfluss auf das Pflanzenwachstum haben, was wiederum eine Szene in der zweiten Hälfte der Staffel erklären könnte.

Fazit

Nach der fulminanten ersten Staffel von The Ancient Magus’ Bride erschien die lang ersehnte Fortsetzung. Die erste Hälfte verbringt viel Zeit mit dem Aufbau und der Einführung neuer Charaktere. Das ist für den späteren Verlauf notwendig, aber dämpft den Spannungsbogen. Es wird jedoch ein Fundament gelegt, auf dem man aufbauen kann. Der zweite Teil konzentriert sich sehr stark auf Philomela. Die Zuschauenden bekommen ein gutes Verständnis, was in ihr vorgeht und weshalb sie verstört wirkt und keine Nähe zulässt. Sie entwickelt sich besonders in der zweiten Hälfte und die Zuschauenden können mehr in ihre Hintergrundgeschichte eintauchen. Mit der ersten Staffel kann die Fortsetzung nicht mithalten. Es fehlen einfach die Lerneinheiten und gleichzeitig Erfahrungen, die Elias an Chise weitergibt. Das Begeisternde und Unerwartete, was Magie für schöne Dinge entfachen kann, kommt gegen die unbändige Düsternis in der zweiten Staffel nicht an.

© Crunchyroll

Sapamo

Sapamo liebt Geschichten aller Art. Für die nah am Wasser gebaute Romantikerin steht das Thema Liebe in Erzählungen ganz weit oben. Seien es Romane, Manga oder Anime. Nachdem sie tagsüber jede Menge Bücher der unterschiedlichsten Art in Regale oder auf Bücherwagen gelegt hat, entspannt sie sich abends gerne mit einer guten Lektüre. Gerne lässt sie auch einen kleinen weißen Ball über die Platte hüpfen und genießt den Besuch eines Musicals.

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