One Piece – 14. Film: Red

Alle Jahre wieder segeln die Strohhutpiraten aus dem Manga- und Anime-Epos One Piece zu einem neuen Abenteuer auf der großen Leinwand. Wohl auch deswegen, da nur alle paar Jahre ein neuer Film erscheint, ist die Freude über einen neuen Kino-Film stets groß, wie jüngst bei One Piece Red. In Japan konnte das Abenteuer von Ruffy und seinen Strohhüten zahlreiche Rekorde brechen, sodass dieses als großer Erfolg verbucht werden konnte. Nachdem der Streifen im Juli 2022 anlässlich des 25. Jubiläums der Manga-Reihe seine Weltpremiere feierte und ab August in japanischen Lichtspielhäusern startete, kommen deutsche Piraten dank Crunchyroll ab dem 13. Oktober 2022 in den Genuss des Abenteuers. Wie sich das überraschend musikalische Abenteuer schlägt, erfahrt ihr in unserem Review.

Uta ist die weltweit erfolgreichste Sängerin, innerhalb von nur zwei Jahren konnte sie sich mit ihrer atemberaubenden Stimme eine große Fanbase aufbauen und die Herzen der Menschen rühren. Nun soll ihr erstes Live-Konzert auf der Musik-Insel Elegia stattfinden und auch die Strohhutpiraten lassen sich eine Teilnahme nicht entgehen. Doch da stellt Ruffy fest, dass es sich bei Uta um keine andere als Shanks Tochter handelt, mit der er einst als Kind im Windmühlendorf spielte! Allerdings scheint sich Uta in der Zwischenzeit verändert zu haben, denn plötzlich hasst sie Piraten?! Und was ist überhaupt diese “neue Ära”, von der Uta spricht?

Ruffy und seine Kindheitsfreundin

Originaltitel One Piece Red
Jahr 2022
Laufzeit 115 Minuten
Genre Action, Abenteuer
Regie Goro Taniguchi
Studio Toei Animation
Kinostart: 13. Oktober 2022

Ohne Frage handelt es sich bei One Piece Red um einen der bisher persönlichsten Filme, schließlich steht jemand im Mittelpunkt, der direkt mit Ruffys Kindheit verbunden ist: Uta. Noch dazu soll sie die Tochter des roten Shanks sein, einem der wichtigsten Charaktere im One Piece-Universum. Umso spannender sind dann natürlich die Umstände. Warum war Uta einst plötzlich verschwunden, als Shanks mit seinen Piraten ins Windmühlendorf zurückkehrte? Woher stammt ihr plötzlicher Hass auf Piraten? Als Kinder träumten schließlich sowohl Ruffy als auch Uta davon, eines Tages selbst die Weltmeere zu bereisen und Piraten zu werden. Die Freundschaft zwischen Ruffy und Uta wird dabei mit mehreren Rückblicken illustriert, die weitere schöne Einblicke in die Kindheit des Strohhutpiraten gewähren. Wie bereits bei den Vorgängerfilmen bieten sich auch bei Red definitiv die Anime-Episoden an, die als kleine Vorgeschichte zum Film produziert wurden, nämlich die Episoden 1029 und 1030 (hierzulande beim Streaming-Dienst Crunchyroll abrufbar). Sie sind zwar für ein Verständnis nicht nötig, geben aber etwas mehr Kontext, da die Handlung immerhin sofort damit startet, dass die Strohhüte an Utas Konzert teilnehmen.

Uta, eine Figur des One Piece-Schöpfers

Die Handlung selbst gestaltet sich zwar im Bezug auf die Wendungen recht vorhersehbar, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Im Gegenteil, neben dem bunten Konzert und satter Action präsentiert sich die Handlung durchaus emotional, gleichzeitig bleibt der typische Humor nicht aus. Als besonders interessant erweist sich einmal mehr der Umstand, dass sich auch auf die dunklen Seiten der Piraten fokussiert wird, die man als Fan der schrulligen Strohhüte vielleicht das ein oder andere Mal vergisst. Gleichzeitig zeigen sich die hohen Tiere der Marine und Weltregierung aber wieder einmal als besonders grausam, was zeigt, dass es nicht einfach die Guten und die Bösen gibt. Spannend und besonders cool ist, dass Eiichiro Oda an dem Film wieder direkt beteiligt ist, was man definitiv merkt (man vergleiche schlicht einen der jüngeren Filme mit denen, an denen Oda nicht beteiligt war). Auch die Figur der Uta hat er selbst geschaffen, die bewusst so anders als die Charaktere, die wir sonst so kennen, gestaltet wurde. Denn nach eigener Aussage wollte er in diesem Film erstmals eine weibliche Figur in den Fokus rücken anstatt einem älteren Mann wie etwa in Strong World (Shiki) oder Z (Zephyr). Das hebt den Film abseits der Beteiligung von Shanks und seiner plötzlichen Tochter noch mehr von den Vorgängern ab, sodass er sich nicht einfach wie eine verlängerte Episode anfühlt. Tatsächlich gelingt es, Uta innerhalb der 115 Minuten Laufzeit zu einem komplexen und interessanten Charakter auszubauen, die besonders mit ihrem ambivalenten Motiv überzeugen kann (das an dieser Stelle nicht verraten werden soll).

Starkes Finale, leise Zwischentöne

Wie bereits im Vorgänger Stampede feiern auch hier wieder einige Fan-Lieblinge einen Auftritt, aber eine überraschend große Rolle nimmt tatsächlich Corby ein. Das fühlt sich erstaunlich natürlich an, gerade weil es so viel um Ruffys Vorgeschichte geht. Zumal Corby und Ruffy einmal mehr zusammenarbeiten können, sodass ihre Freundschaft, die die Grenzen von Marine-Soldat und Pirat überschreitet, zelebriert werden kann. Was ebenso verraten werden darf: Natürlich taucht Shanks nicht nur in Rückblicken auf, sondern bekommt einen richtigen Auftritt, immerhin geht es um seine Tochter. Cool ist auch, dass Red das Film-Debüt von Jinbei als Strohhutpirat darstellt, schließlich war er zum Handlungszeitpunkt von Stampede noch kein Mitglied von Ruffys Crew. Anders als in jenem Film halten sich die weiteren Gastauftritte aber noch in einem überschaubaren Rahmen, sodass der Fokus auf Ruffy, Uta und Shanks erhalten bleibt. Als ein buntes Chaos präsentiert sich dafür das Finale, das mit bombastischer und abwechlungsreicher Action überzeugen kann.

Ein bisschen wie ein Musical

Uta singt in dem Film an mehreren Stellen längere Lieder, die jeweils fantastisch inszeniert werden. Kein Wunder, immerhin handelt es sich um ein Konzert. Durch den großen Fokus auf Musik hat Red etwas von einem Musical, so wurde mit Ado eine junge aufstrebende J-Pop-Sängerin als Utas Sprecherin wie somit auch Singstimme gecastet. Besonders der Theme-Song “New Genesis” ist ein echter Ohrwurm, aber letzten Endes nur eines von vielen Highlights. Auch die wie immer sehr gelungene deutsch synchronisierte Fassung beinhaltet die fantastischen japanischen Originalsongs, die aber untertitelt sind. Die Animationen dürfen sich ebenso sehen lassen und sind erneut auf einem sehr hohen Niveau, wie es sich für einen Film mit entsprechendem Budget gehört. Gerade der Unterschied zur wöchentlich laufenden TV-Serie ist natürlich gravierend. Besonders gut zur Geltung kommen die flüssigen Animationen in den actionreichen Szenen und den kunterbunten Auftritten von Uta, die sich als ein echter Augenschmaus präsentieren.

Fazit

One Piece Red präsentiert sich als unterhaltsame Mischung aus kunterbuntem Klamauk, cooler Action und emotionaler Handlung, die nicht nur Spaß macht, sondern auch nachhaltig Eindruck hinterlässt. Uta ist definitiv ein im Vergleich ungewöhnlicher Charakter, sorgt aber gerade deswegen für ein einzigartiges Abenteuer, das Shanks neue Facetten verleiht. Gleichzeitig sind gerade die Szenen aus Ruffys und Utas gemeinsamer Kindheit schön gestaltet, zumal so einfach eine für Ruffy sehr persönliche Geschichte erzählt wird. Als besonderes Highlight zeigt sich aber definitiv die fantastische Musik, selbst wenn dieser leichte Musical-Anstrich vermutlich nicht jedem gefallen wird. Dennoch bleibt der Film mit dem gewohnten Humor und den spannenden Kämpfen auch dem Franchise treu, sodass sich alle, die etwas mit One Piece anfangen können, diesen Film nicht entgehen lassen sollten!

© Eiichiro Oda/2022 “One Piece” production committee, Crunchyroll

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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1 Kommentar
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chianna
Redakteur
17. Oktober 2022 18:27

Mich hat One Piece: Red leider nicht wirklich abgeholt. Tolle Musik, keine Frage, die Gesangsstücke sind wirklich wunderbar. Die Synchro fällt mir nicht negativ auf und über die Animation kann ich auch nicht meckern, etliche Szenen sind großartig dargestellt. Die Geschichte selbst ist nichts Besonderes, kein Thema, aber Uta empfinde ich als eine echt anstrengende Göre, die schummelt. Was mich aber wirklich stört, sind die vielen Charaktere, die da unvermutet (und meiner Meinung nach zum Teil auch unnötig) auftauchen. In Stampede hat es Spaß gemacht, die vielen bekannten Gesichter zu entdecken, hier wird es aber zu einem Spagat zwischen Utas Story und Fanservice, bei dem die Erzählung auf der Strecke bleibt.