Mononoke The Movie 2: Chapter II – The Ashes of Rage
Wo früher der Herrscher eines Landes seinen Regierungssitz aufbaute, dort sind teure Kleider, prächtige Räume und vor allem Machtkämpfe nicht weit. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche! Auch im zweiten Film Mononoke The Movie: Chapter II – The Ashes of Rage bringt die Frage nach dem Erben so einiges Dunkel ans Tageslicht, welchem sich erneut nur ein mysteriöser Medizinhändler annehmen kann, bzw. er versucht es. So einfach ist das Ganze nämlich nicht, denn sein Gegner ist erneut ein übernatürliches Wesen. Außerdem führen die verschiedenen Fraktionen mit Macht einiges im Schilde, wodurch die spannende Frage bleibt, wie diese Geschichte ausgehen wird. Seit dem 14. August 2025 liegt Regisseur Kenji Nakamuras (Gatchaman Crowds) mittlerer Streich seiner Filmtrilogie beim Streaming-Riesen Netflix vor. Zeit auch für uns, der Form, der Wahrheit und des Motivs des Grauens nachzugehen und das erneut in einem Kaleidoskop aus Farben und Mustern.
Nur einige Wochen nach dem Zwischenfall im Ooku treibt es den Medizinverkäufer Kon erneut an die Pforte der Burg. Während ihn die Wachen nicht einfach hineinlassen wollen, spielt sich im Inneren bei einer Besprechung ein Machtkampf, bei dem es um die Nachfolge geht, ab. Minister Katsunuma bekommt die neugeborene Tochter, dessen eigen Fleisch und Blut Matsu die Kleine aufziehen soll. Wenn kein männlicher Erbe folgt, wäre diese Familie berechtigt zu herrschen. Ein Punkt, dem nicht alle mit Wohlwollen zustimmen. Allen voran die Mutter des Kindes Sachiko, die kein Mitspracherecht besitzt und selbst ihr Kind aufziehen möchte, und Konkubine Fuki, die in der Gunst des Shoguns steht. Gerade letztere regt sich sehr auf, übergibt sich und bricht zusammen. Die Vermutung ist schnell da, dass Fuki schwanger ist. In genau dieser angespannten Lage fängt eine der Dienerinnen ganz plötzlich Feuer, was für den Medizinhändler ein Zeichen ist, dass sich eine Form bildete.
Auf der Suche nach der Wahrheit
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| Originaltitel | Mononoke Movie: Dai-2 Shou – Hinezumi |
| Jahr | 2025 |
| Genre | Horror, Mystery |
| Regie | Kenji Nakamura |
| Studio | EOTA, Crew-Cell |
| Laufzeit | 74 Minuten |
| Veröffentlichung: 14. August 2025 auf Netflix | |
Wovon der zweite Mononoke-Film profitiert, ist, dass The Phantom in the Rain bereits die Vorgehensweise des Spitzohres genau erklärte. Daher wissen wir, dass dieser sein Exorzistenschwert erst ziehen kann, wenn sich drei Bedingungen erfüllen. Außerdem kehren wir an einen bekannten Ort mit bekannten Gesichtern zurück. Keine langwierigen Vorstellungsrunden. Zwar gesellen sich ein paar alte Männer in machtvollen Positionen, dazu, aber diese besitzen einfach gestrickte Ziele: Macht. Daher nimmt The Ashes of Rage viel schneller an Fahrt auf als sein Vorgänger. Etwas klischeehaft aber auch! Schließlich geht es um die Nachfolge und das ist bei Geschichten mit geregelter Blutlinien-Nachfolge immer der Fall. Auch wenn die Story also weniger kreative Pfade wählt, so punktet der Film dennoch mit einer packenden Handlung, schließlich ist die gute Fuki wirklich schwanger und gerät damit ins Visier.
Die Frauenpower des Harems
Schon während der Versammlung zeigen sich die verschiedenen Fronten, die sich mehr als nur ein bisschen anzicken. Dabei wirkt Fuki sympathisch, denn sie ergreift Partei für die Mutter. Es blitzt aber auch durch, dass sie selbst ihre Macht verteidigen möchte, weswegen sie mehr als nur eine Heldin im Kimono ist, dennoch ist ihr die Unterstützung vor dem Bildschirm schnell gewiss. Im Gegenzug nimmt Boton eine undurchschaubare Position ein. Als neuer Vorstand des Ooku versucht sie dessen Regeln zu schützen, da empfängt sie einen dahergelaufenen männlichen Apotheker natürlich nicht mit offenen Armen! Beide Damen ersetzen damit das Main-Duo des ersten Films, Asa und Kame, in den Hauptrollen und machen diesen Job hervorragend. So einfach drückt sich nämlich keine der beiden in eine vorgegebene Schublade und das Script hält einige Überraschungen parat, die emotional einen umschwenken lassen. Sehr angenehm!
Die große Frage nach dem Motiv
Wer etwas gegen das Ungeborene hat, ist so offensichtlich wie ein großes rotes Stoppschild. Das kann wirklich niemand übersehen. Daraus macht das Skript auch kein Geheimnis, aber woraus es eines macht, ist das Motiv. Das bleibt bis zum Ende im Dunkeln und die wenigen Brotkrumen setzen sich nur nach und nach zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Und auch wenn die Form des Monsters diesmal schnell bekannt ist, so wirft gerade das Fragen auf. Für Kon heißt dies, in die japanische Mythologie einzutauchen. Für uns: faszinierende Fakten zu einem Thema, das so viele Geschichten noch nicht aufgriffen haben. Und ist die Katze … oh sorry, die Maus erst richtig aus dem Sack, entfaltet sich ein spektakuläre Kampfchoreografie, bei dem einem vor Staunen die Kinnlade nach unten wandert. Um einige Figuren und Orte bleibt es am Ende dennoch mysteriös. Auf diese wird jedoch der dritte und letzte Film eingehen, was hingegen kein Geheimnis ist.
Von kleinen Funken und großen Symbolexplosionen
Die drei Mononoke-Filme entstanden in einem Guss. Tatsächlich ist deswegen nicht nur Erfinder und Regisseur Kenji Nakamura wieder dabei, sondern auch der Rest des Teams des ersten Films rudert mit ihm im selben „mausigen“ Boot. Yuuichi Takahashi (Der Sommer in dem Hikaru starb) ist zum Beispiel wieder als Charakter-Designer dabei. Diesmal durfte er nicht nur jungen Damen schöne Kleider verpassen, sondern auch ein paar alte Herren äußerlich unsympathisch erscheinen lassen. In Sachen Farben und Symbolen steht The Ashes of Rage seinem Vorgänger in nichts nach. Allerdings fallen die vielen Schnitte angenehmer aus, da sich vor allem im Hintergrund nicht zusätzlich derartig viel schnell bewegt, nichtsdestoweniger können die Augen viel auf Entdeckungsreise gehen. Eine eigene Sprache sprechen die Zeichnungen an den Wänden. Kons viele kleine Bewegungen sind ebenfalls ein Augenschmaus, weil da die Liebe zum Detail so zu spüren ist. Alleine seine Finger sprechen Bände!
Im deutschen Klang schlich sich ein Fehler ein
In Sachen Opening und Ending durfte sich die Künstlerin AiNA THE END bei beidem austoben. Dabei stellt das Erstere eine gefühlte Reizüberflutung in Sachen Bildsprache und Klangwelt dar, während der Abspann etwas wohlklingender daher kommt. Taku Iwasakis (Gachiakuta) Job war die musikalische Untermalung des Werks und er hatte wahrlich keine einfache Aufgabe. Da das Gehirn mit den Farben, Mustern und der Handlung schon genug zu tun hat, durfte er mit den Noten das Fass nicht zum Überlaufen bringen. Viele Stücke sind daher sehr dezent, aber passend etwas auffälliger, wenn es die Szenen erlauben. Mit ein paar sehr bekannten Stimmen lockt die deutsche Sprachfassung. Bernd Vollbrecht (Stammstimme von Antonio Banderas) übernahm die Rolle von Fürst Otomo, während wieder Robin Kahnmeyer (Heiji Hattori in Detektiv Conan) als Kon zu hören ist. Besonders Rieke Werner (Kukumi Ureshino in Witch Watch) als Botan und Daniela Molina (Makoto in My Hero Academia: Vigilantes) als Fuki liefern ordentlich ab. Nur bei der Übersetzung schlich sich ein kleiner Fehler ein. Während in den deutschen Untertiteln die Rede vom Herrscher ist, was eine passende Übersetzung ist, heißt es in der Vertonung Kaiser. Doch das ist falsch, denn das Ooku ist ein Teil des Wohnsitzes des Shoguns und so präsentiert es sich historische korrekt auch in diesem Film.
Fazit
Dank der vielen Erklärungen im ersten Film zieht uns Mononoke The Movie 2: Chapter II – The Ashes of Rage schneller in die dunklen Abgründe des Harems. Die Vorgehensweise, viele Figuren und der Ort – das alles kennen wir schon. Deswegen springt die Handlung auch gleich zum spannenden Teil: dem Lüften der dunklen Geheimnisse. Genau diese zu enträtseln ist nicht einfach, da nicht alle Figuren einfach ihr Inneres schnell preisgeben. Der Medizinhändler bleibt zwar weiterhin eine sich mit vielen Mysterien umgebende Figur, doch gerade das macht seinen Reiz aus und es ist weiterhin faszinierend, ihm bei der Arbeit zuzuschauen. Mit Botan und Fuki dominieren zwei taffe Damen die Geschichte. Doch auch viele der Nebenfiguren bekommen mehr Tiefe, wie zum Beispiel der sympathische Torwächter Sakashita, wodurch das Ooku wie ein lebendiger Ort wirkt. Visuell bleibt der zweite Filmstreich der Linie treu. Er ist eine Schultüte gefüllt mit vielen Farben, Symbolen und anderen kreativen Spielereien und damit ein tolles Seherlebnis.
© Netflix






