Golden Kamuy

Lesezeit: 5 Minuten

Bei einer „Goldschatzsuche“ denken wir zumeist an eine Komposition aus dem blauen Meer der Karibik, einer einsamen Insel und verwegener Piraten, die sich spannende Duelle liefern. Der auf Hokkaido geborene Mangaka Satoru Noda (Supinamarada!) würzt seinen Manga Golden Kamuy mit einer spannenden Suche nach dem goldenen Reichtum in seiner Heimat, gab noch den russisch-japanischen Krieg hinzu und ergänzte zum Schluss die Kultur der Ureinwohner der Insel, der Ainu.. Hierzulande durch die zwei Animestaffeln von Studio Geno (Kokkoku) bekannt, bereitet der Verlag Manga Cult seit dem 5. September 2019 die Reihe für den deutschen Markt auf. In der Sprache der Ainu gibt es ein Lob für schmackhaftes Essen: „Hinna, Hinna“. Ob wir uns nach dem Genuss des ersten Bandes zu diesen Worten hinreißen lassen können, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung. Wir haben nämlich schon vorgekostet.

 

Saichi Sugimoto überlebte trotz schwerer Wunden den japanisch-russischen Krieg und bekam von seinen Kameraden den Spitznahmen „Der Unsterbliche“. Als Kriegsveteran verschlägt es ihn in den hohen Norden nach Hokkaido. Dort in der harschen Wildnis sucht er verzweifelt nach Gold, welches aber nicht für ihn ist. Im Krieg versprach er seinem Freund, sich um dessen Ehefrau zu kümmern, die langsam erblindet. Fündig ist der vernarbte junge Mann bis jetzt leider noch nicht geworden. Doch wie der Zufall so will, erzählt ihm ein alter betrunkener Mann von dem gewaltigen Ainu Goldschatz, der gestohlen und vom Dieb versteckt wurde. Um das Versteck zu finden schließt sich Sugimoto mit einem jungen Ainu-Mädchen namens Asirpa zusammen. Gemeinsam müssen sie zahlreichen Feinden gegenüberstehen und in der Vegetation der Insel überleben.

Die schwere Suche nach dem Schatz

Originaltitel Golden Kamuy
Jahr 2014
Bände 1 / ?
Genre Abenteuer, Action, Historie
Autor Satoru Noda
Verlag MangaCult (2019)

Der Dieb des Goldes sitzt in einem schwer bewachten Gefängnis. Um jedoch den Aufenthaltsort des Schatzes zu markieren, tätowierte er seinen Mitgefangen eine codierte Karte auf den Körper. Diese kunstvollen Linien findet Sugimoto bei dem alten Mann, der ihm die Geschichte des Goldes erzählte. Damit hat er seinen ersten Anhaltspunkt und begibt sich so auf die Suche nach weiteren entflohenen Mithäftlingen. Dabei stellt er sich geschickt an und überlegt gründlich, wie er vorgehen kann, jedoch sind es oft die Ratschläge seiner Parterin, die ihm das Leben retten. Doch nicht immer geht alles glatt und so kommt es zu einigen Kämpfen auf Leben und Tod. Seine größte Waffe ist dabei nicht sein Gewehr, sondern seine extreme Zähigkeit zu Überleben. Dadurch bleibt es packend, wie die Duelle ausgehen und vor allem, mit welchen Verletzungen der ehemalige Soldat davonkommen wird. Bei Golden Kamuy geht es schnell blutig zur Sache und auch die traumatischen Kriegserinnerungen sind nicht gerade ohne.

Weit oben im Norden

Womit Golden Kamuy aus der Masse der neu erscheinenden Titel sofort heraus sticht, sind seine drei besonderen Zutaten. Nicht viele Geschichten spielen auf der kalten Hauptinsel Japans und damit sehr weit ab vom Schuss.. Damit gibt es für Leser*innen einiges Neues zu entdecken, denn die üppige Flora und Fauna präsentiert sich schon im ersten Band mit ihrer großen Vielfalt, jedoch noch unter einer Schneedecke. Da wird einem beim Lesen selbst im heißen Sommer ordentlich kalt! Die Geschichte ist am Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelt, die Zivilisation hat sich also noch nicht allzu weit ausgebreitet. Erst kürzlich wurde der russisch-japanische Krieg, bei dem es um den Einfluss in der Mandschurei und Korea ging, beendet. Daher liegt noch immer das Gefühl eines Kriegszustandes in der Luft. Wie genau eine ganze Division aus diesem Krieg ins Bild passt, ist am Ende des ersten Bandes noch offen, regt aber stark die Neugier der Lesenden an.

Das Leben der Ainu

Die dritte Besonderheit betrifft die Ainu, deren Gold von verschiedenen Leuten gesucht wird. Mit der jungen, sympathischen Asirpa bekommen wir einen sehr tiefen Einblick in die fremde Kultur dieses Volks. Neben der schönen Kleidung oder den verschiedenen Techniken zum Jagen sind es vor allem die Essenszubereitungen, die einen ausführlichen Platz in der Handlung von Golden Kamuy einnehmen. Denn wer weiß schon, wie man knuffige Eichhörnchen schmackhaft zubereitet? Nur zum Kochen ist das Fräulein aber nicht da! Ihr Vater wurde vom Dieb des Ainu-Goldes umgebracht und sie möchte Rache üben. Deshalb schließt sie mit dem Unsterblichen eine Abmachung. Vor allem, weil Sugimoto nur einen Teil des Goldes haben möchte und den Rest wieder dem Ureinwohnervolk zugutekommen lassen möchte, helfen sich die beiden, wo sie nur können. Dabei unterstützt sie ihn geschickt mit ihrem Bogen und anderen typischen Waffen ihres Volkes, während der Veteran nur mit seinem Gewehr bewaffnet ist. Das ungleiche Paar ist von Anfang an auf einer Wellenlänge und so drücken die Leser*innen unweigerlich die Daumen für ihren Erfolg.

Der Mann aus dem Norden

Die Zeichnungen von Satoru Noda weisen viele Details auf, was sich vor allem in der Kleidung der Figuren wiederspiegelt. So lassen sich alleine bei Asirpas Outfit mehrere aufwendig eingearbeitete Muster entdecken und auch die Uniform von Sugimoto verfügt über ein paar nette Details. Dank seiner auffälligen Narbe im Gesicht sticht der Held sehr aus der Masse der Manga-Figuren heraus und besitzt einen hohen Wiedererkennungswert. Was auch schnell auffällt sind die vielen unterschiedlichen Gesichtsausdrücke, wodurch die Figuren lebendig werden. Neben den Charakteren sind es aber auch die Hintergründe, die bei Golden Kamuy zum Verweilen einladen. Ob nun schneebedeckte Wälder oder altjapanische Häuser, hier wird dem Auge viel geboten. Ein besonderes Highlight stellt der strubbelige Bär dar, der Sugimoto zu Beginn der Geschichte angreift. An diesem Fell musste jemand sehr lange zeichnen.

Erster Eindruck

Meine Freude war groß als Manga Cult die Lizenzierung von Golden Kamuy bekannt gab. Schon der Anime kann mich sehr begeistern, sodass ich dem Erscheinen des ersten Bandes entgegenfieberte. Der Auftakt der Geschichte ist meiner Meinung nach gut gelungen, denn die Einführung der Figuren ist geschickt in die Handlung eingefügt. Durch die Preisgabe des Grundes für Sugimotos Goldsuche erfahren wir direkt, dass mehr als einfache Gier dahintersteckt. Wer würde nicht für seine große Liebe solche Risiken eingehen? Asirpa ist ein taffes Mädchen, das mir gerade deswegen gefällt, weil sie sich selbst verteidigen kann. Ihr Umgang mit dem Bogen und den Messern ist wirklich klasse und damit bildet sie einen ebenso praktischen Teil des Teams wie der ehemalige Soldat. Über die Ainu wusste ich vor dem Konsum des Titels gar nichts. Es ist wirklich interessant, wie uns der Autor die Lebensweise und die Rituale dieses Volkes näherbringt, ohne dabei die Handlung zu sehr auszubremsen. Neben dem für mich tollen Design der Figuren sind es auch die Hintergründe und die Tiere, die mich zeichentechnisch begeistern können. Besonders erwähnen möchte ich die humorvollen Stellen, denn die Gesichter der Charakter sind in den entsprechenden Szenen herrlich dargestellt. Insgesamt würde ich sagen, dass noch Platz nach oben ist, ich dem Titel aber so schon ein „Hinna,Hinna“ vergeben würde.

© Manga Cult

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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