Lindbergh

Lesezeit: 6 Minuten

Die Herren der Lüfte. Auf den Spuren des Piloten Charles Lindbergh sendet der japanische Zeichner Ahndongshik (Renjoh Desperado) den jungen Knit gemeinsam mit einem drachenartigen Wesen namens Plamo auf eine Reise in eine ihm unbekannte Welt voller Gefahren und Abenteuer. Kazé Manga veröffentlichte in den Jahren 2014 und 2015 die mit acht Bänden abgeschlossene Reihe Lindbergh in Deutschland. Es handelt sich dabei um eine mit Fantasy-Elementen gespickte Geschichte in der Anfangszeit der Flugtechnik. Begeben wir uns nun auf einen spannenden Weg voller beeindruckender Kreaturen, sympathischer Menschen und Piraten. Auf nach Eldura!

Hoch über den Wolken von Steilwänden umgeben liegt das sagenumwobene Land Eldura. In diesem Königreich, in dem das Fliegen strengstens verboten ist, lebt der kleine Knit gemeinsam mit einem drachenähnlichen Lebewesen namens Plamo. Knits Vater Merius träumte vom Fliegen und ließ sich durch das Verbot nicht davon abhalten. Doch als er eines Tages seine gebauten Flügel testen wollte, stürzte er über die Kante der fliegenden Insel und gilt seitdem als verschollen. Als eines Tages ein geheimnisvoller Mann namens Shark auf einem mächtigen Wesen vom Himmel fällt, gerät Knits Leben aus den Fugen. Viele Geheimnisse über die Lindberghs, zu denen Plamo gehört, kommen ans Licht und so stehen dem Jungen Große Abenteuer bevor. Angetrieben durch den geheimnisvollen Luftpiraten Shark verlassen sie ihre Heimat und stürzen sich in ein Abenteuer, das ihr Leben verändern wird.

Facettenreiche Charaktere

Originaltitel Lindbergh
Jahr 2009 – 2013
Bände 8
Genre Abenteuer, Fantasy
Autor Ahndongshik
Verlag Kazé Manga (2014 – 2015)

Knit ist sehr neugierig und begeistert vom Fliegen, doch am meisten reizt ihn an der Flucht von Eldura die Chance, mehr über seinen Vater herauszufinden. Vor allem, ob dieser vielleicht noch am Leben ist. Für sein Alter ist er sehr eigenständig, da er nach dem Tod seiner Eltern früh lernen musste, alleine zu leben und Geld zu verdienen um sich und Plamo zu versorgen. Durch die Begegnung mit Shark macht er eine starke Veränderung und Entwicklung durch, die besonders nach einem Zeitsprung von drei Jahren zum Vorschein kommt. Für einen großen Zwiespalt bei den Lesern sorgt der Pirat Shark. Auf der einen Seite hilft er Knit wo er kann, ist für ihn ein Vorbild oder gar eine Art Vaterersatz. Auf der anderen Seite hat er eine grausame sowie hinterhältige Art, was großes Misstrauen beim Leser weckt. Seine Absichten, warum er zum Beispiel zunächst Plamo gefangen nimmt, dann aber doch Knit hilft zu entkommen bleiben lange im Unklaren, machen ihn aber gerade dadurch extrem interessant. Die beiden Protagonisten Knit und Shark, sowie die gesamte Welt in der die Geschichte spielt, haben zudem eine starke Ähnlichkeit zu Robert Louis Stevensons Die Schatzinsel mit John Silver und Jim Hawkins.

Der Beginn der Luftfahrt gemischt mit einer fantastischen Geschichte

Charles Lindbergh, der als Vorbild für eine Rasse drachenähnlicher Wesen aus der gleichnamigen Mangareihe dient, gehört zu den bekanntesten Piloten der Luftfahrt. Ihm gelang die erste Alleinüberquerung des Atlantiks von New York nach Paris im Jahr 1927. Durch Sharks Erklärungen erfährt Knit gemeinsam mit den Lesern, dass Lindberghs in verschiedenen Arten und Größen existieren. Sie besitzen die Fähigkeit, mit den Hinterläufen die Luft zu treten. Diese Sprünge werden von den Menschen fern von Eldura durch gebaute Flügel verstärkt, sodass sie als Fluggeräte dienen und gleiten. Bei Plamo handelt es sich um ein echsenartiges, rosafarbenes Wesen, das Knit gemeinsam mit seinem Vater eines Tages fand, als es gerade aus dem Ei schlüpfte. Seitdem weicht Plamo nicht mehr von Knits Seite, was eine sehr starke Freundschaft zeigt. Zwei weitere Charaktere, die in der Mitte der Geschichte ihren Auftritt haben, sind Ordey und Wildey, die Gebrüder Wright. Der Nachname lässt aufhorchen, denn ihre Vorbilder Wilbur und Orville Wright gelten ebenfalls als Pioniere der Luftfahrt.

Eine geheimnisvolle Legende

Obwohl die Lindberghs keine richtigen Flügel besitzen, haben es die Menschen geschafft, mit ihnen den Himmel zu durchqueren. Einer Legende zufolge hatten vor langer Zeit alle Flügel und flogen als Boten Gottes frei durch die Lüfte. Sie lebten mit den Menschen in Harmonie und respektierten sich gegenseitig. Irgendwann begannen streitlustige Bewohner, Waffen zu ergreifen und ritten auf den fliegenden Wesen um sich gegenseitig zu bekämpfen. Sie wollten anstelle von Gott über die Welt herrschen. Entzürnt über dieses Verhalten riss Gott den Lindberghs die Flügel aus. Um genau zu sein, erhielten die Lindberghs durch das Verhalten der Menschheit so die größere Strafe.

Ein Traum vom Fliegen

Neben Knits und Plamos erstem Flug ist besonders faszinierend, die Stadt Eldura von außen zu sehen und zu erfahren, warum sie als legendär gilt. Zudem wird die Insel von fliegenden Wächtern beschützt, die allerdings nicht zu den Lindberghs gehören, was zunächst sehr merkwürdig wirkt. Allein die Vorstellung, dass der kleine Plamo die enorme Kraft besitzt, gebastelte Flügel und einen Menschen zu tragen wirken beeindruckend. Alleine schon dadurch, dass die Fluggeräte größer sind als der Drache selbst. Wie Knit in den späteren Bänden zeigt, ist es nicht nur möglich auf den Lindberghs zu reiten, sondern auch zu surfen. Sehr interessant machen Plamo aber auch die Fähigkeiten, die ihn stark von den anderen Wesen unterscheiden. Shark weiß schon zu Beginn, dass Knits Freund zu den Lindberghs der antiken Rasse gehört, was auf die Legende schließen lässt und auch der rosa Freund macht eine enorme Wandlung durch, was die Geschichte noch spannender werden lässt.

Ohne geht es nicht

Was würden die Menschen ohne ihre drachenähnlichen Wesen machen? Sie brauchen sie zum Transportieren von Waren, als Fortbewegungsmittel, für Sharks Luftpiratenbande sind sie die besten Freunde und auch die Armee der Königin kann sie sich kaum mehr wegdenken. Und dann gibt es noch das bekannte Luftrennen von Shantos bei dem Knit mitmachen möchte, allerdings nicht mit Plamo, da dieser etwas zu klein für das Rennen ist, sondern mit einem Partner der Piratencrew, Komet. Sein kleiner Begleiter ist allerdings immer an seiner Seite. Beim Training trifft er bereits auf die junge Tilda, die im Lauf der Geschichte eine wichtige Rolle einnimmt. In Wahrheit handelt es sich bei ihr um die kleine Schwester der Königin, die von Anfang an einen Gefallen an Plamo findet und einen Entschluss fast. Sollte sie beim Wettkampf gegen Knit gewinnen, wird dessen Freund von da an ihr gehören – allerdings unter dem ihr besser gefallenden Namen Priscilla. Für unseren Hauptcharakter kommt das natürlich nicht in Frage.

Spannendes Bonusmaterial

Um sich besser in das Thema Lindberghs, die Flügel sowie Luftschiffe hineinversetzen zu können gibt es am Ende einzelner Bände Special-Reports. In diesen werden beispielsweise die Klassifizierungen der Wesen aufgrund ihrer Beinkraft vorgestellt. Je nachdem wie groß und stark sie sind, werden sie für das Tragen von Luftschiffen oder einzelnen Menschen eingesetzt. Dazu kommen Skizzen mit Erklärungen zu den Fluggeräten und dem Körperbau der Lindberghs sowie zum Schluss als I-Tüpfelchen Plamo in verschiedenen Varianten und ursprüngliche Ideen, welche  im Vergleich zum Endprodukt teilweise sehr gewöhnungsbedürftig wirken.

Es wird viel geboten

Neben den wirklich ausführlich gezeichneten Hintergründen ist auch das Charakterdesign äußerst detailliert. Besonders die sehr ausdrucksstarken Gesichter sorgen dafür, dass Emotionen deutlich werden. Vor allem bei Shark ist das sehr passend in Bezug auf seinen Namen, da er in bestimmten Szenen seine spitzen Zähne zeigt, die an einen Hai erinnern. Der Zeichenstil weicht auch etwas in Richtung Comic mit einer japanischen Note ab, was vielen Lesern gefallen könnte, die eher weniger Mangas lesen.  Neben der actionreichen Geschichte bietet der Titel auch eine Prise Romantik sowie auflockernde Szenen in Form von Humor.

Fazit

Nachdem ich  Lindbergh zum zweiten Mal gelesen habe, freue ich mich noch mehr, die Reihe im Regal zu haben. Sie ist so facettenreich und bietet mit vielen sympathischen Charakteren eine liebenswerte Handlung. Der Piratenkapitän Shark war von Beginn an meine Lieblingsfigur, denn trotz einiger negativer Seiten am Anfang, hat er ein gutes Herz und versucht Knit den gesamten Weg über zu beschützen. Auch dass er nicht möchte, dass sich der Junge die Hände schmutzig macht und mit Waffen andere Menschen bekämpft, gefällt mir sehr. Der kleine Junge Knit ist unheimlich liebenswert und seine Veränderung nach dem Zeitsprung sowohl äußerlich als auch von seiner Art beeindrucken mich. Die Namensgeber, die Lindberghs, sind sehr vielfältig. Es gibt sie in allen Größen und Formen, wobei Plamo da schon sehr heraussticht, weil er sich optisch stark unterscheidet. Wenn er fliegt, sieht es auch aus, als habe er eine Flugbrille über den Augen, was einfach süß ist. Mit acht Bänden ist es eine Geschichte von angenehmer Länge und es lohnt sich auf jeden Fall sie zu lesen, auch wenn es einen extrem traurigen Moment während der Handlung gibt.

© Kazé Manga

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