Tropes erklärt: The Chosen One

Spätestens seit Harry Potter kennt jeder den Trope „The Chosen One“. Ein Held oder eine Heldin ist dazu auserwählt, die Menschheit zu retten – eine Erzählstruktur so alt wie Geschichten und sie funktioniert immer wieder. In unserem neuen Format “Tropes erklärt” nehmen wir von Geek Germany die Klischees der Medienkultur genauer unter die Lupe. In unserem zweiten Beitrag schauen wir uns den Trope „The Chosen One“ genauer an.

»Trope« ist der englische Begriff für »Tropus«, eine Bezeichnung, welche ursprünglich aus der Literatur kommt und eine bestimmte Klasse sprachlicher Stilmittel meint. Im modernen Verständnis wird das »Trope« mittlerweile als allgemeines Synonym für »Klischee« benutzt. Ein Trope bezeichnet demnach konventionelle Erzählungselemente, bei denen es sich um stereotype Motive, Storywendungen, Dialogabläufe oder Rollenbilder handeln kann. Die Liste dieser Tropes ist ellenlang und manchmal wird man sich erst nach Sichtung eines Trope-Lexikons bewusst, dass man just im Film XY auf ein solches gestoßen ist. Wir von Geek Germany nehmen das zum Anlass, den Tropes auf den Grund zu gehen und allmonatlich eines vorzustellen.

Unter der Lupe

The Chosen One

Da Tropes oft sprechende Namen haben, ist es auch bei diesen Trope nicht schwer zu erraten, um was es geht: Für ein Abenteuer oder in Zeiten einer dunklen Bedrohung gibt es einen Auserwählten, der dem Schrecken – freiwillig oder nicht – gegenüberstehen muss. Oftmals ist das Schicksal des Auserwählten schon vor der Geburt durch eine Prophezeiung bestimmt und der Held kann seiner Aufgabe nicht entkommen. Natürlich bekommt er Gefährten an die Seite gestellt, die ihn, so gut es geht, unterstützen und bei seinem Abenteuern beistehen. Der finale Aufgabe, den Endgegner oder dem finalen Kampf muss sich der Auserwählte aber am Ende selbst stellen. Nach der erfüllten Pflicht wird der Auserwählte als Held gefeiert, doch er merkt, dass all seine Abenteuer nicht spurlos an ihm vorbei gegangen sind und er nicht mehr so unschuldig war, wie vor seiner Auswahl. „The Chosen One“ kommt vor allem in der Erzählstruktur der sogenannten Heldenreise vor, welche die Geschichte eines Helden abbildet. Damit gehört dieser Trope zu einen der Ältesten unserer Geschichten, denn sowohl in der griechischen Mythologie als auch beispielsweise später bei den Sagen um König Artus wird der Trope bedient. Meistens geht es dabei vor allem auch um die Entwicklung des Auserwählten zu einem Helden, der sein Schicksal erfüllen kann.

Harry Potter (Buch-Reihe, 1997–2007)

Worum geht es?

Harry Potter lebt als normaler Junge bei seiner Tante und seinem Onkel. An seinem elften Geburtstag erfährt er, dass er ein Zauberer ist und nach Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, gehen soll. Auch hinter das Geheimnis der blitzförmigen Narbe kommt er bald, denn er ist der einzige Überlebende eines Angriffs des gefürchteten Zauberers Voldemort.

Wie wird das Trope umgesetzt?

Harry Potter ist vielleicht das Paradebeispiel, wenn es um den Trope „The Chosen one“ geht. Harry ist ein Protagonist, der auf den ersten Blick vollkommen normal erscheint, aber schon im ersten Band der Bücher wird klar, dass er etwas Besonderes ist, denn er ist der einzige Überlebende eines Angriffs von Voldemort und mit ihm endete auch die Schreckensherrschaft des Zauberers. Was im ersten Teil mit der besonderen Bindung zu Voldemort angedeutet wird, wird in den weiteren Bänden der Reihe immer deutlicher, bis Harry auf eine Prophezeiung stößt, die ihn als den Auserwählten – ja er wird sogar so bezeichnet – darstellt. Er ist es, der sich am Ende dem dunklen Lord gegenüberstellen muss. Als klassischer Vertreter des Tropes nimmt Harry im Verlauf der Handlung nach und nach sein Schicksal an und stellt sich ihm an Ende in einer alles entscheidenden Schlacht. Dabei wird er von einem kleinen Jungen zu einem erwachsenen Zauberer, der seiner Aufgabe gewachsen ist.

© Carlsen

Star Wars Episode I – III (Film, 1999–2005)

Worum geht es?

Es geht um die Geschichte des Jungen Anakin Skywalker, der einer alten Prophezeiung nach der Auserwählte sein soll, welcher das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse wieder herstellen und somit den Frieden in der gesamten Galaxis sichern soll. Unterstützt wird er dabei von seinem Lehrmeister, dem Jedi-Ritter Obi-wan Kenobi, der ihn trainiert. Anakin bricht jedoch das oberste Gesetz der Jedi und verliebt sich. Nach und nach fällt er der dunklen Macht zum Opfer.

Wie wird das Trope umgesetzt?

In Episode I bis III wird ausdrücklich von der Prophezeiung gesprochen, die Anakin Skywalker betrifft. Er ist der Auserwählte, der Sith, den dunklen Lord, zerstören und damit eine Balance zwischen Gut und Böse bringen soll. Anakin erfüllt dabei viele Charakteristika des Auserwählten, denn er ist unglaublich talentiert und hat sehr viel Glück. Seine Zukunft scheint rosig zu sein, denn er ist sich auch seines Schicksals bewusst. Dann ändert sich jedoch die Handlung und der Trope bekommt eine neue Wendung, denn statt, dass sich Anakin vollkommen auf seine Aufgabe konzentriert, verfällt er der dunklen Seite. Er wird von einem Auserwählten zu einem späteren Gegegner. Damit wird in Star Wars Episode I – III das Trope „The Chosen One” bedient, aber verändert, sodass die Geschichte eine andere Wendung nimmt.

© Disney

Digimon (Anime-Serie, 1999–2000)

Worum geht es?

Es geht um die auserwählten Kinder Taichi Yagami, Hikari Yagami, Yamato Ishida, Kōshirō Izumi, Jō Kido, Takeru Takaishi, Sora Takenōchi und Mimi Tachikawa, die während eines Sommercamps in eine fremde Welt gezogen werden und dort auf Wesen treffen, die sich als Digimon vorstellen. Jedes Kind bekommt ein Digimon zum Partner und gemeinsam müssen sie einige Abenteuer bestehen.

Wie wird das Trope umgesetzt?

Durch die Art, wie Menschen mit ihren Digimon eine Partnerschaft eingehen können, fällt unter den Trope „The Chosen One“, denn „the Chosen Children“, also Kinder mit besonderen Kräften, sind dafür auserwählt, dass sie sich mit einem Digimon zusammentun. Ihre Aufgabe ist es die Digital World zu retten. Um diese Kinder, sie werden “DigiDestined” genannt, geht es in der Serie. Es gibt insgesamt acht auserwählte Kinder, die alle Digiritter sind und die Welt vor dem Bösen verteidigen. Dabei verändern sich die Kinder und müssen ihre jeweiligen Talente und Aufgaben anerkennen – das gelingt ihnen, nachdem sie sich mit ihrem Digimon vertraut machen. Der Trope betrifft hier also nicht nur einen einzigen Auserwählten, sondern eine Gruppe von Auserwählten, die gemeinsam ihr Schicksal erfüllen müssen. Es wird also nicht nur Wert auf die Veränderung des Einzelnen, sondern der ganzen Gruppe gelegt. Jeder einzelne Auserwählte muss dabei mit eigenen Problemen kämpfen und anerkennen, dass er die Welt retten muss.

© KSM Anime

Herr der Ringe (Buch-Reihe, 1954–1955)

Worum geht es?

Frodo Beutlin lebt als Hobbit glücklich mit seinem Onkel Bilbo zusammen. Als dieser jedoch an seinem 111. Geburtstag verschwindet und ihm einen Ring hinterlässt, der unsichtbar macht, ist es mit dem Frieden vorbei. Zusammen mit seinen Freunden Merry, Pippin und Sam sowie dem Zauberer Gandalf, den Elb Legolas, dem Zwerg Gimli und den Menschen Aragorn und Boromir macht sich Frodo auf den Ring zu vernichten, denn es ist der eine Ring der Macht, der dem bösen Herrscher Sauron gehört.

Wie wird das Trope umgesetzt?

Zu Beginn stolpert Frodo eher zufällig in den Kampf um den Ring, denn er bekommt den Ring von seinem Onkel Bilbo vererbt. Bilbo selbst fand den Ring Jahre vorher bei einem Abenteuer und behielt ihn heimlich für sich. Er ahnte zwar, dass es ein Zauberring war, aber nicht, dass er der mächtigste der Ringe in Mittelerde ist. Nachdem Frodo den Ring bekommen hat, soll er ihn erstmal nur nach Bruchtal zu den Elben bringen, doch während dieser Reise wird deutlich, dass Frodo der Einzige zu seien scheint, der der Macht des Ringes vor längere Zeit widerstehen kann. In Bruchtal angekommen wählt er selbst sein Schicksal den Ring zu vernichten. Damit scheint sich der Trope ein bisschen zu verändern, weil Frodo sein Schicksal selbst wählt. Doch im weiteren Verlauf der Handlung stellt Gandalf fest, dass es Frodo vorherbestimmt ist den Ring zu vernichten, während es Bilbo vorherbestimmt war den Ring zu finden. Frodo scheint also von Anfang an die Aufgabe des Auserwählten zu erfüllen, die er auch freiwillig wählt. Am Ende des Abenteuers leidet Frodo am meisten unter seinen Erlebnissen und ist kein strahlender Held, sondern gebrochen und muss für immer seine Freunde verlassen. Die Last seines Schicksals wird zu groß für ihn.

© Klett Cotta

Once Upon A Time – .Es war einmal ... (Serie, 2011–2018)

Worum geht es?

Emma Swan lebt in Boston als Kautionsagentin und Kopfgeldjägerin. An ihrem 28. Geburtstag steht ein Junge, der sich als Herny vorstellt, vor ihrer Tür und stellt sich als ihr leiblicher Sohn vor, den sie zur Adoption freigegeben hatte. Emma will jedoch nichts mit ihm zu tun haben und fährt in zurück in seinen Heimatort Storybooks. Dort ist jedoch alles anders als es auf den ersten Blick erscheint und Emma muss bald herausfinden, dass sie es mit vielen Märchenfiguren zu tun bekommt.

Wie wird das Trope umgesetzt?

Im Laufe der ersten Staffel wird Emma klar, dass es ihre Aufgabe ist, den Fluch der bösen Königen zu brechen, denn es wurde ihr und Prinz Charming prophezeit, dass dies ihre Aufgabe sei. Das Besondere an Once Upon a Time ist, dass die Serie nicht nur einen Auserwählten hat, sondern mehrere, denn es geht immer wieder um das vorgeschriebene Schicksal und das eigene Finden des Happy Ends. Die Auserwählte Emma scheint ihre Aufgabe schon in der ersten Staffel erreicht zu haben, denn sie bricht mit einen Kuss den Fluch der bösen Königin. Doch im Laufe der Handlung stellt sich heraus, dass sie nicht nur den Fluch lösen soll, sondern sich auch dem wahren Erschaffer des Fluchs gegenüberstellen muss. Neben ihr sind auch Rumpelstilzchen und Henry Auserwählte, die ihr Schicksal annehmen müssen, sodass nicht nur die Geschichte eines „Chosen Ones“ verfolgt wird, sondern die Geschichten von mehreren Auserwählten und deren Umgang mit ihrer Aufgabe dargestellt wird.

© Disney

Sollte nicht unerwähnt bleiben:

Matrix

Neo findet heraus, dass er der Auserwählte ist, der die Matrix bezwingen wird. Doch Neo wehrt sich gegen sein Schicksal.

Rad der Zeit

Rand al’Thor ist vom Schicksal ausgewählt der Drachenwiedergeborene zu sein. Dementsprend muss er seiner Aufgabe gemäß handeln und die Schlacht zwischen Gut und Böse entscheiden.

Die Unendliche Geschichte

Bastian ist der Auserwählte, der das Nichts bezwingen kann. Er wird in dem Moment erwählt, in dem er das Buch öffnet und zu lesen beginnt.

Percy Jackson

Eine Prophezeihung stellt klar, dass ein Auserwählter das Schicksal der Götter im Olymp bestimmen wird. Jedoch weiß niemand, wer der Auserwählte ist. Sicher ist nur, dass es eines das Kind der drei großen Götter, also Zeus, Hades oder Poseidon, sein wird, was als nächstes 16 Jahre alt wird.

Secret of Mana

Der Hauptfigur zeit ein Schwert aus den Stein. Dieses Schwert kann jedoch nur von dem Held bewegt werden. Nun geht es darum den richtigen Helden zu finden.

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