Star Trek Discovery (Folge 5×04)

Schon wieder Schatzsuche? Nein, so vorhersehbar gestaltet sich Star Trek: Discovery Staffel 5 dann doch nicht. Obwohl eigentlich das dritte von fünf Puzzleteilen dran wäre, haben sich die Schurken eine teuflische Verzögerungstaktik ausgedacht, die die Discovery alle paar Minuten in eine andere Zeit katapultiert. Genau gesagt in einen beliebigen anderen Moment verschiedenster Star Trek: Discovery-Staffeln. Damit müssen Captain Burnham und erster Offizier Rayner erst einmal klarkommen.

Inhaltsangabe

Moll und L’ak haben schon wieder Ärger mit einem zwielichtigen Geschäftspartner, der sie über den Tisch ziehen will. Aber diesmal sind sie vorbereitet und haben das Entgelt vergiftet, sodass der unsaubere Händler sich in Todesqualen am Boden windet, während Moll und L’ak weiterziehen, auf der Suche nach dem nächsten Hinweis auf die Technologie der Progenitoren. Was sie wohl erworben haben? Es wird die kleine Spinne sein, die Moll am Ende der letzen Folge auf Adiras Ärmel platziert hat und die an den Wänden der Discovery herumkrabbelt.

Als die Discovery dort ankommt, wo Jinaals Hinweis sie hätte hinführen sollen, ist da gar nichts und alle rätseln, wie das sein kann. Da flackern plötzlich die Lichter und Merkwürdiges geschieht. Offenbar ist die Discovery in der Zeit zurückgesprungen, zum Moment, wo sie durch das Wurmloch in die Zukunft schoß. Alle an Bord machen den Zeitsprung mit und wissen darum nicht, was ihnen geschieht, außer Michael Burnham und Rayner. Die Discovery springt wieder und wieder in der Zeit, von den Anfängen im Trockendock auf der Erde bis in eine Zukunft, in der Moll und L’ak die Technologie der Progenitoren in die Finger bekommen und sie an die Breen verkauft haben, die damit prompt Zerstörung über die Galaxis bringen.

Burnham und Rayner treffen auf Stamets, der ebenfalls von den Zeitsprüngen unbeeinträchtigt bleibt. Gemeinsam lösen sie das Rätsel: Molls Krabbeltier ist eine Zeitspinne, die das Raumschiff in regelmäßigen Abständen von ein paar Minuten in eine andere Zeit versetzt. Damit ist die Discovery lahmgelegt, Moll und L’ak haben in der Jagd nach dem nächsten Hinweis nun die Nase vorn. Zudem hat die Spinne einen eingebauten Schutzmechanismus, der alles, was ihr zu nahe kommt, zu Staub zerfallen lässt. Es gibt eine Lösung für das Problem. Doch dafür müssen Michael Burnham und Rayner bis auf die Brücke vordringen und der Crew der Vergangenheit, allen voran der Michael Burnham von einst klarmachen, dass sie keine feindlichen Gestaltwandler sind, sondern Wesen aus der Zukunft mit einer wichtigen Mission.

In den Klauen des Chronophagen

Man hätte meinen können, dass die Spinne, die Adira nichtsahnend an Bord bringt, ein schlichtes Spionagegerät ist, mit deren Hilfe Moll und L’ak einfach den Standort der Discovery orten können. Was die Spinne tatsächlich kann, ist sehr viel ausgefeilter und wird mit sehr viel Technobabble präsentiert. Jenseits wortreicher Erklärungen, wie sie funktioniert, warum Stamets… was eine Warpblase bewirken könnte … tut sie vor allem eines. Mit den ihren Zeitsprüngen macht sie aus Folge 4 eine Star Trek: Discovery-Nummernrevue. Da Staffel 5 das letzte Star Trek: Discovery-Abenteuer ist, gönnt man sich einen wehmütigen Rückblick auf das Gesamtwerk. Quer durch alle Staffeln folgt ein Kabinettstückchen nach dem anderen, hier mal ein Comedy-Moment, da ein heißer Kuss zwischen Michael und Book, bis hin zu einem Zweikampf der Michael Burnham von jetzt (in rot, lange Zöpfe) gegen die Michael Burnham von einst (in Blau, kurze Löckchen). Das treibt die allgemein bekannte Star Trek-Selbstverliebtheit auf eine bisher nie erreichte Spitze. Sicher kann man irgendwo nachlesen, wie oft sie springen und wo genau in der Star Trek: Discovery-Timeline sie landen, denn es füttert dermaßen den Drang der Fans, so etwas ganz genau aufzuschlüsseln und einzuordnen. Immerhin, jede kleine Szene ist gut geschrieben und das Ganze erscheint nicht als Selbstzweck, denn die Protagonisten nutzen nach anfänglicher Verwirrung jede neue Begegnung um ihrem Ziel, die Zeitspinne auszuschalten, ein wenig näher zu kommen.

Die Wandlung des Mr. Rayner

Schon in Folge 3 hatte Rayners unwirsche Behandlung der Crew für Konflikte gesorgt. In Folge 4 steigert sich das noch mal. Rayner kassiert einen wohlverdienten Anranzer von Captain Burnham persönlich. Doch bevor sie noch die Frage nach dem angemessenen Führungsstil und die unausgesprochene Frage, wer wohl der bessere Captain ist, ausdiskutieren können, müssen sie gemeinsam eine Krisensituation meistern und siehe da: Trotz aller Differenzen klappt die Zusammenarbeit richtig gut. Bis hin zu einem hochemotionalen Finale, in dem Rayner demonstriert, dass er im richtigen Moment doch zu Einfühlsamkeit fähig ist und tiefen Respekt vor Michael Burnhams Fähigkeiten hat. Überraschend, aber durchaus nachvollziehbar aufgebaut. Dennoch, man weiß nicht so recht, soll man sich über diese unerwartete Charakterfacette freuen oder will man lieber einen schroffen, uneinsichtigen Rayner behalten, der für unterhaltsames Konfliktpotenzial sorgt?

Und sonst?

Folge 4 ist eine der wenigen Folgen von Star Trek: Discovery, die fast ganz ohne Nebenhandlung auskommt. Im Hauptstrang ist einfach zu viel los und all die kleinen Schlaglichter auf Nebenfiguren, die sonst in der B-Handlung ihren Platz finden, sind fest in der A-Handlung verankert. Immerhin, Moll und L’ak. Die gewinnen nur zögerlich Profil. Schon wieder haben sie einen unwilligen Geschäftspartner gemeuchelt. Das ist das, was Schurken tun. Aber während zuvor gerätselt wurde, ob sie das nur zum Spaß und aus verliebter Pärchendynamik heraus machen, bekommt das in Folge 4 einen anderen Einschlag. Moll ist das Alphatier in diesem Zweierteam und sie hat mit dem Universum so einiges auszutragen. Während L’ak eher zögerlich daneben steht. Für Kussszenen muss so eine Alien-Maske sehr hinderlich sein. Sexy sieht es jedenfalls nicht aus.

Fazit

Zeitreisen und Technobabble. Nicht gerade die Sci-Fi-Erzählbausteine, die ich besonders schätze. Und die allgegenwärtige Selbstreferenzialität, die in dieser Folge auf die Spitze getrieben wird, kann so manchem auch auf die Nerven gehen. Aber die Virtuosität der Erzählung, die die Handlung durch fünf Staffeln huschen lässt und immer wieder bei all den Nebenfiguren einen lustigen Satz, weise Worte oder einen emotionalen Moment hervorkitzelt, muss man schon honorieren. Ein Fan, der in jede einzelne Folge Star Trek: Discovery verliebt ist, findet hier 50 Minuten pures Glück. Aber auch, wer das Zeitgehüpfe eher verwirrend findet, hat eine Folge vor sich, in der ein verwirrendes Rätsel spannend und temporeich gelöst wird. Nach einer solchen Würdigung der ganzen Discovery-Reise inklusive Michael Burnhams Werdegang fragt man sich allerdings: Warum schon in Folge 4? Wäre das nicht ein wunderbares Finale gewesen?

© Paramount+

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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