Star Trek: Discovery (Folge 2×14)

Lesezeit: 4 Minuten

Mit Folge 2×14, dem zweiten Teil von „Such Sweet Sorrow“, ist Staffel 2 von Star Trek: Discovery auch schon wieder vorbei. Im Finale werden noch einmal alle Register gezogen, in einer der längsten, spektakulärsten und wirklich, wirklich längsten Weltraumschlachten, die eine Serie je gezeigt hat.

Der Plan ist bekannt: Die Zeitmaschine fertig bauen und mit dieser dann die Discovery mitsamt Sphären-Archiv in die Zukunft und aus dem Einflussbereich der Künstlichen Intelligenz Control bringen. Das ist der Plan, der auch umgesetzt wird. In der Zwischenzeit müssen sich die Crews der Discovery und Enterprise einer 15:1 Überzahl von Sektion 31-Schiffen erwehren, einen Torpedo entschärfen, den Antagonisten im Zweikampf besiegen und einige temporalphysikalische Probleme lösen.

Shiny Space Battle is shiny

Teil 1 des Staffelfinales hat sie lange genug darauf vorbereitet und nun ist sie da: die Entscheidungsschlacht gegen Control. Enterprise und Discovery stellen sich jetzt mit unzähligen Shuttles, Pods und dazustoßenden Verbündeten gegen 30 Raumschiffe plus Mini-Drohnen, welche die KI unter ihre Kontrolle gebracht hat. Die über die gesamte Episode hinweg tobende Weltraumschlacht präsentiert sich in opulenter Qualität, die jedem Kinofilm Konkurrenz macht und optisch eindrucksvoll ist. Angereichert wird das Spektakel mit diversen Spannungsmomenten: Stamets wird tödlich verletzt und Hugh, der letztlich doch wegen seinem Partner an Bord geblieben ist, offenbart diesem während der Behandlung seine wiederentdeckte Liebe. Auf der Enterprise versucht Admiral Cornwell derweil einen in der Hülle feststeckenden Blindgänger-Torpedo zu entschärfen. Leland hat sich an Bord der Discovery gebeamt, um die erwünschten Daten runterzuladen, was Georgiou die Gelegenheit bietet, ihn zum Kampf zu stellen und nach Möglichkeit sehr qualvoll zu töten. Und Burnham versucht mit der Hilfe von Spock die Zeitmaschine zum Laufen zu bringen, muss aber erst die Sprünge zu den fünf vorangegangenen Signalaufkommen unternehmen, damit das, was geschehen ist, auch geschehen ist und von da aus etwas anderes in der Zukunft geschehen kann – Zeitreiseprobleme halt.

Shiny Space Battle makes no gorram sense!

Das optische Spektakel lädt dazu ein, sich zurückzulehnen und von der Opulenz und Dramatik berieseln zu lassen. Allerdings drängen sich beim Anschauen doch gelegentlich Fragen auf: Passen an Bord von zwei Föderationsschiffen wirklich derart viele Shuttles und Pods? Können die Schilde der Enterprise und Discovery denn wirklich so lange den Beschuss von 30 (!) Schiffen aushalten? Tyler kommt mit klingonischer Verstärkung herbei, okay, aber dann plötzlich auch Kelpianer in Ba’ul-Kampffliegern? Wie hat eine bis vor kurzem noch vorindustrielle Kultur plötzlich die Fähigkeiten und Möglichkeit her? So befriedigend es auch sein mag, Leland zu schlagen, sind Fäuste wirklich die richtige Waffe gegen eine Killermaschine aus der Zukunft? Wie kommt es, dass die Sprengschutztüren der Enterprise nur von einer Seite aus geschlossen werden können? Warum sind Tür und Wände innerhalb der Enterprise anscheinend resistenter als die Außenhülle, sodass Pike durch das Fenster in der Sprengschutztür mitansehen kann, wie sich Admiral Cornwell opfert? Die Weltraumschlacht ist eigentlich eine ziemlich dringliche Situation, in der jede Menge Leute sterben, ist da wirklich so viel Zeit für pathetische Dialoge und Abschiede? Die KI, vor der man die Daten in der Zukunft verstecken will, ist gerade an Bord des Schiffs, das man dafür in die Zukunft schicken will, sollte man da nicht den Plan kurz überdenken? Ein klingonischer Spion wird zum neuen Chef des Föderationsgeheimdienstes befördert? Es drängen sich sogar ziemlich viele Fragen auf, andauernd. Mit Logik ist es in Unterhaltungsmedien natürlich so eine Sache und das zu eng zu sehen verdirbt unnötigerweise den Spaß. Dann wiederum lassen sich effektvolle und dramatische Situationen auch so konstruieren, dass sich die Fragen nach der Logik nicht derart aggressiv und zahlreich aufdrängen.

Meinung

Vorneweg, ich finde Staffel 2 insgesamt extrem sch—lecht und das Finale hat da auch nicht geholfen. Da mich Staffel 1 noch hellauf begeistert hat, habe ich mein eigenes Urteil hinterfragt und mir einige positive Stimmen zu der Folge als Kontext durchgelesen. Dabei wird trotz Logiklöchern meistens auf die großartige Optik und die emotionale Durchschlagskraft verwiesen. Ja, die Spezialeffekte in der Folge sind zweifelsfrei toll. Obwohl ich für die Serie inzwischen einen derartigen Verdruss empfinde, dass mich sogar die langgezogene Weltraumschlacht (und ich mag Weltraumschlachten, ehrlich) ein Stück weit gelangweilt hat. Emotionale Momente sind natürlich immer eine subjektive Sache. Bei Admiral Cornwells Tod war ich zu beschäftigt damit, mich über die ziemlich faul zusammengeschusterte Situation aufzuregen und bei Michaels und Spocks Abschied musste ich auch eher darüber nachdenken, wie furchtbar, furchtbar lange jetzt schon diese Schlacht tobt und da aktuell noch die KI an Bord ist, vor der man ja eigentlich flüchten will. In der ersten Staffel hatte ich beim Anschauen das Gefühl, eine ziemlich gut durchdachte Geschichte erzählt zu bekommen und gutes Storytelling ist etwas, das ich sehr schätze. In der zweiten Staffel gibt es eher das Gegenteil: Eine Geschichte, die als Mittel zum Zweck rein auf Effekte ausgelegt ist, seien dies nun optische oder emotionale. Ein Wort das sowas recht passend definiert wäre „Kitsch“. Schöne Spezialeffekt gibt es inzwischen überall, pathetischen Kitsch in Unterhaltungsmedien schon seit Jahrtausenden. Gutes Storytelling ist dagegen sehr selten und das habe ich in dieser Staffel von der ersten bis zu dieser letzten Folge vermisst.
Ein Stück weit Kontinuität wird immerhin wiederhergestellt und erklärt, warum in der Nachfolge weder von der Discovery und ihrer besonderen Technologie noch von Spocks Schwester jemals die Rede ist. Auch dürfte die Frage spannend werden, wie es mit der Serie in Staffel 3 weitergeht, da die Discovery nun wirklich aus der bekannten Zeitlinie herausgelöst worden und – wenn denn alles nach Plan gelaufen ist – 900 Jahre in die Zukunft gereist ist. Aktuell verspüre ich aber wenig Lust auf die kommende dritte Staffel.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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