Star Trek: Discovery (Folge 2×06)

Lesezeit: 4 Minuten

Ein neues Signal führt die Crew der Discovery in Folge 2×06 “The Sound of Thunder” auf Commander Sarus Heimatplaneten. Wie es der Zufall, oder eher der Rote Engel, so will, kurz nachdem Saru entdeckt hat, dass das ganze Gesellschaftssystem seiner Spezies auf einer Lüge basiert: Der Vorgang des Vahar’ai bringt nicht wie geglaubt den Tod, sondern ist ein Entwicklungsschritt zu einer neuen Evolutionsstufe der Kelpianer.

Nachdem Dr. Culber in der letzten Folge vom Tod genesen ist, geht es auch Commander Saru bedeutend besser. Jetzt, da er sein eigentlich tödliches Vahar’ai widererwartend überlebt hat, scheint er ein neuer Mann zu sein, denn er hat sich biologisch insoweit verändert, dass er nun keine Angst mehr empfinden kann. Eigentlich die ausgeprägteste Eigenschaft seiner Spezies. Dazu kommt für ihn die Gewissheit, dass das Große Gleichgewicht, dem sich die Kelpianer verschrieben haben und in welchem dem Vahar’ai das Selbstopfer gegenüber den technologisch überlegenen Ba’ul folgt, nur eine große Lüge ist, um die Kelpianer zu unterdrücken. Umso kurioser, dass ein neues Signal die Discovery geradewegs zu Sarus Heimatplaneten führt. Kaum dort angekommen verschwindet das Signal jedoch (mal wieder) und stattdessen bekommt es die Discovery mit den mysteriösen und wenig kommunikativen Ba’ul zu tun. Um mehr über das Signal zu erfahren, wird die Entscheidung getroffen, Kontakt zu den Priestern der Kelpianer aufzunehmen. Eine Außenmission, bei der Saru entschieden darauf besteht, dabei zu sein.

Sarus Homecoming

Wie auch schon Folge 2×04 „An Obol for Charon“ wird hier an den Short Trek „A Brighter Star“ angeschlossen und Saru kehrt zusammen mit Burnham in das Dorf zurück, aus dem er sich vor fast zwei Jahrzehnten von der Sternenflotte hat retten lassen. Die Wiedersehensfreude zwischen Saru und seiner Schwester Siranna ist zunächst groß, war diese doch in dem Glauben, dass Saru von den Ba’ul bestraft worden war und längst tot sei. Siranna hat inzwischen das Priesteramt von ihrem und Sarus Vater übernommen und glaubt genauso fromm wie dieser an die Notwendigkeit, sich dem Großen Gleichgewicht unterzuordnen. Mit Sarus neu gewonnen Wissen, dass dieses nur ein falsches Unterdrückungssystem ist, kommt es so schnell zum Streit. Siranna scheint in ihren Befürchtungen zunächst bestätigt, als die Ba’ul unter Androhung von Gewalt gegen die Kelpianer die Auslieferung des evolutionierten Saru verlangen, um ihn möglichst schnell zum Schweigen zu bringen. Wie sich jedoch herausstellt, waren eigentlich die weiterentwickelten post-Vahar’ai Kelpianer wie Saru die dominante Spezies des Planeten, die die Ba’ul einst fast an den Rand der Auslöschung gebracht haben.

Isolationspolitik und eine Fake News-Religion

In Staffel 1 von Star Trek: Discovery konnte man besonders zu Beginn durchaus Bezüge zu realweltlichen Problematiken wahrnehmen, als die Klingonen unter dem Banner konservativ traditioneller Werte zum Krieg gegen die Föderation, den Inbegriff einer offenen und toleranten Gesellschaft, blies. Auch die Ba’ul, letztlich eine isolationistische Kultur, die sich aus Angst heraus vor fremden Einflüssen abschottet und ein auf Lügen basierendes Unterdrückungssystem etabliert hat, scheint da zunächst ein Fingerzeig auf diese Probleme zu sein, doch gerät dies hier nun eher zur Selbstkarikatur.

In Into Darkness schien Pike die Erste Direktive noch wichtig zu sein…

Die Ba’ul hören sich schon vom Namen her unheimlich an. Sie sprechen auch ziemlich unheimlich und zudem sehen sie als schwarzschleimige Slenderman-Gestalten extrem unheimlich aus. Der fast schon wörtlichen Schwaz-Weiß-Malerei zwischen sanftmütigen Kelpianern und aufdringlich offenkundig unheimlichen Ba’ul zum Trotz würde sich durch deren eigentlich nur angstgeleitetes Verhalten die Verständniskerbe bieten, in welche die Föderation traditionell ihre diplomatischen Friedensbemühungen schlägt. Dieses Mal nicht, denn kurzerhand wird die Entscheidung getroffen, die Erste Direktive anstatt eine Grundsatzregel nur eine Empfehlung sein zu lassen. Mithilfe des aufgezeichneten Signals der Weltraumkugel, die auch Sarus Vahar’ai ausgelöst hat, wird auf planetarer Ebene ein Massen-Vahar’ai (zur Erinnerung: ein potentiell lebensbedrohlicher biologischer Vorgang) ausgelöst, damit die Ba’ul die Wahrheit nicht länger unterdrücken können. Zum Glück reagieren die Ba’ul sogar noch irrationaler – dem Verhalten des Discovery-Crew eine gewisse moralische Besserstellung zugestehend – und antworten mit dem Versuch, die Kelpianer global einfach komplett auszulöschen. Die unfreiwillige Komik des ganzen wird dann leider endgültig zur Komödie, wenn der Rote Engel als Deus ex machina auftaucht, um den Konflikt zu lösen.

Meinung

Da sich die Föderation keine Zeit mehr für Diplomatie zu nehmen scheint, lass ich das auch mal: Ich fand, die Folge war Mist. Das Erzähltempo mit dem Sarus Verwandlung aufgegriffen und in die Geschichte der Emanzipation seiner Spezies umgesetzt wurde, war wieder viel zu schnell und nicht homogen umgesetzt, wie auch schon der Erzählstrang von Tilly und May. Wie die Erste Direktive dann einfach mal ignoriert wird, ist komplett unglaubwürdig. Dieser Grundsatz der Nichteinmischung ist eigentlich einer der Ecksteine der Föderation und klar, mit dieser Regel wird mal gerungen, sie wird mal gebogen und sogar mal gebrochen, aber das ist dann immer eine umkämpfte Entscheidung, die auch zu einem schweren Preis kommt, hier: Pfffft!
Die Signale geraten indes allmählich zu dem, was in jedem Rollenspiel die nächstbeste Taverne ist: Eine Instanz, die Missionen verteilt. Eine interessante Erkenntnis hinter dem Roten Engel in dieser Folge ist immerhin, dass es sich dabei um einen Humanoiden in einem technologisch extrem fortgeschrittenen Raumanzug handelt. Die Selbstverständlichkeit, mit die Discovery-Crew jetzt aber dessen mutmaßlicher Vorsehung folgt, ist irgendwie absurd. Mit der nächsten Folge „Light and Shadows“ erreicht Staffel 2 dann ihre Halbzeit. Bisher steuert das Zwischenfazit auf einen großen Berg Enttäuschung zu.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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