Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht (Folge 1×08)

Fans und ihre Theorien. Eine ganze Staffel lang hat Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht virtuos damit gespielt. Um im Finale gleich dreimal die Bombe platzen zu lassen. Einmal ist allerdings nur angetäuscht, es soll zwar mit einem Knaller anfangen, aber auch eine Folge lang die Spannung halten. Zeit für die einen, sich von liebgewonnenen Theorien zu verabschieden, für die anderen, sich auf die Schulter zu klopfen, weil sie es schon immer gewusst haben.

Inhaltsangabe

Der Fremde wandert durch den Wald und glaubt, Nori zu sehen. Doch die verhüllte Gestalt entpuppt sich als die kurzhaarige Magierin, die auch Gestaltwandel beherrscht. Die drei Frauen in Weiß grüßen ihn als Lord Sauron. Sie erkennen, dass er sein Gedächntis verloren hat und versprechen, ihn nach Osten in die Länder von Rhun zu bringen, wo das Sternbild, das er sucht, zu sehen ist und wo er lernen wird, seine Kräfte zu kontrollieren. Die Harfüße beobachten aus das Geschehen aus einem Gebüsch und versuchen, ihn zu befreien. Es kommt zum Kampf, der in einem magischen Duell zwischen dem Fremden und der gestaltwandelden Feuermagierin kulminiert. Nori beschwört ihn, sich für das Gute zu entscheiden. Die drei Magierinnen erkennen ihren Irrtum: er ist nicht Sauron, sondern ein Istar, also ein Zauberer. Der Fremde nimmt den Zauberstab der Feuermagierin und schickt die drei in die Schatten zurück. Sadoc ist von einem Wurfmesser getroffen worden und stirbt. Magsi wird an seiner Stelle Pfadfinderin und führt die Harfüße ins Winterquartier. Nori begleitet den Zauberer, der nach Rhun will, um seine Erinnerungen wiederzufinden.

In Numenor liegt der alte König im Sterben. Damit ein Grabmal für ihn angefertigt werden kann, erhält Earien, Elendils Tochter und Baumeister-Schülerin, die Aufgabe, ihn zu zeichnen. Der alte Mann hält sie für seine Tochter Miriel, warnt sie vor dem Untergang Numenors und fordert sie auf, in den Palantir zu sehen. Earien enthüllt die magische Kugel. Währenddessen reisen die erblindete Miriel und Elendil nach Numenor zurück. Als sie ankommen, ist die Stadt schwarz beflaggt, der König ist tot.

Galadriel bringt den schwer verletzten Halbrand nach Lindon. Celebrimbor und Elrond überlegen, was sie tun können, um die Elben zur retten, jetzt wo sie nur einen kleinen Brocken Mithril zur Verfügung haben. Celebrimbor hat die Idee, aus dem Stückchen Mithril einen kleinen Gegenstand zu schaffen, der die gleiche Wirkung hat. Halbrand, bald genesen, gibt ihm den Hinweis, es mit einer Legierung zu versuchen, die die Wirkung noch verstärkt. Celebrimbor ist hoch erfreut über diese Hilfestellung und macht sich mit Halbrand an die Arbeit. Als er den König das Projekt erklärt, spricht er von einer Macht jenseits des Körperlichen. Galadriel erkennt diese Worte, denn Adar hatte so Saurons Vorhaben beschrieben. Sie stellt Nachforschungen über das Königshaus der Südlande an und stellt fest, dass es vor tausend Jahren ausgestorben ist. Es gibt also keinen König der Südlande. Sie stellt Halbrand zur Rede und er gibt zu verstehen, dass er Sauron ist. In einer langen Traumsequenz begegnet Galadriel ihrem Bruder, der offenbar ein verwandelter Sauron ist. Die Vision wechselt zu Galadriel und Halbrand auf dem Floß. Er beteuert, dass er durch sie neuen Mut gefasst hat und beschlossen hat, den Schaden, den er angerichtet hat, wieder gut zu machen und die Welt zu heilen. Erbietet ihr an, mit ihm zusammen die Welt zu retten und zu beherrschen. Sie weigert sich und versinkt im Meer. Als sie aus der Vision erwacht, ist Halbrand/Sauron verschwunden. Celebrimbor, Elrond und Galadriel beschließen, aus dem Stückchen Mithril drei Ringe zu schmieden. Die Metalle für die Legierung stammen aus Galadriels Dolch, den sie einschmelzen lässt. Sauron macht sich auf den Weg nach Mordor.

Och, nö!

Der Fremde ist Sauron. Da sind Naivität und Herzensgüte der putzigen, kleinen Leute auf verborgene Finsternis hereingefallen? Die Momente des Zweifels waren durchaus immer wieder da. Aber Proto-Hobbits, die sich vom Bösen manipulieren lassen? Puh, gerade nochmal gut gegangen. Der Fremde ist ein Istar, ein Zauberer. Wenn er Nori empfiehlt, immer der Nase zu folgen, dann zitiert er Gandalf. Und da war auch schon einmal eine spiegelverkehrte G-Rune, wie Gandalf sie in Der Hobbit in Bilbos Haustür ritzt. Also Gandalf himself? Aber gern! Nach den Zeitabläufen des Silmarillion ist das eigentlich nicht möglich, aber vielleicht hat man sich da künstlerische Freiheit gegönnt. Warum auch nicht? Der Weg von der einen Enthüllung zur anderen Enthüllung liefert jedenfalls große Momente für die drei Frauen in Weiß, die sich damit leider aus der Handlung verabschieden. Und jetzt kann man endlich mal ungetrübt von bösen Ahnungen genießen, wenn ein Zauberer tut, was Zauberer tun und Harfüße tun, was Harfüße tun. Das ganze wirft die Frage auf, was denn dann mit Sauron ist? Wenn das nicht Sauron war, sondern “der andere”, gab es da ein Duell, im Verlauf dessen beide mit einem Knall von der Bildfläche verschwanden, sodass die Sauron-Fangirls mühsam suchen müssen? Und wie passt Adar ins Bild, der behauptet, Sauron getötet zu haben? Jede Menge Futter für weitere Theorien. Oder man wartet einfach ab, was künftige Staffeln bringen.

Echt, jetzt?

Halbrand ist Sauron. Nicht eine frühe Version von Aragorn. Sondern Sauron. Ja, aber …? Das ist einer von den Twists, wo man alles, was schon da ist, nochmal aufribbeln muss, um zu schauen, ob es auch dann noch passt, wenn der Kontext ganz anders geworden ist. Na, schön. Wird es wohl. Halbrand war schon immer ein unsicherer Kunde, mit einer finsteren Vergangenheit, über die er sich beharrlich ausschwieg. Dass er auf der dunklen Seite landet, war nicht ganz abwegig. Ein zukünftiger Nazgul vielleicht. Aber gleich Sauron himself? Sollte der nicht irgendwie… epischer sein? Epischer als ein charmantes Schlitzohr mit Dreitagebart? Da ist das Problem: Sauron, wie man ihn aus Der Herr der Ringe kennt, ist ein riesiges, flammendes Auge, monumental, an Epik kaum zu toppen, aber auch von epischer Persönlichkeitslosigkeit. Wie er sein könnte, wenn er ein Wesen mit Absichten, Wünschen, Ängsten, Beziehungen wäre, darauf liefert Tolkien keine Antwort. Darum tut man sich als Zuschauer so schwer. aus dem einen und den anderen Sauron eine konsistente Figur zu basteln. Die Autoren von Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht hatten offenbar genau an dieser Herausforderung besonderen Spaß und liefern jede Menge Dialoge zu Saurons Beweggründen und Beziehung zu Galadriel, die wie ein Sturzbach auf das Publikum herabprasseln, ohne so recht zu überzeugen. Naja, warten wir mal drauf, wie das in Staffel 2 weitergeht.

Fazit

Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht schließt die erste Staffel mit einem knackigen Magieduell, prächtigen Bildern aus der Elbenschmiede und zwei Enthüllungen, die die Weichen für die zweite Staffel stellen. Was Zauberer und Harfuß-Mädchen in den östlichen Landen finden werden und was Halbrand/Sauron in Mordor anstellen wird, dafür werden wir uns bis zur nächsten Staffel gedulden müssen. Insgesamt eine gelungene Umsetzung von denkbar sperrigem Material, die intelligent mit der Lore und dem Fan-Wissen spielt, auch bei vielen Handlungssträngen die Spannung hält und optisch eine konsistente Welt voller Eye Candy liefert. Magisches Artefakt der Woche: Das sollten eigentlich die drei Ringe der Elben sein, deren Herstellung so opulent bebildert wird. Leider haben sie auch etwas von Kinderglück aus dem Kaugummi-Automaten. Viel mehr Spaß macht der Zauberstab, der im Duell von Doch Nicht-Sauron gegen seine bösen Fangirls für zischende Magie und epische Momente sorgt. So muss Fantasy!

© Amazon

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

1 Kommentar
älteste
neuste beste Bewertung
Inline Feedbacks
View all comments
Totman Gehend
Redakteur
21. Oktober 2022 17:24

Für mich ist die Staffel eher ne lahme Kiste, ABER! Bridie Sisson in ihrer Rolle als kurz geschorene Chef-Hexe in dieser Folge: mega. Ich konnte gar nicht weggucken, so fesselnd waren ihre Performance und gesamte Präsenz.