Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht (Folge 1×07)

So also ist Mordor entstanden, Tolkiens Reich des Bösen. Wer sich bisher gefragt hat, was Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht mit Tolkiens voluminöser Romantrilogie zu tun hat, der weiß jetzt bescheid. Ein sehr langer Bogen, der auf vertrautem Gebiet endet. Ein weiterer ganz großer Bogenschlag kündigt sich bei den Elben und den Zwergen an. Nur was den Harfüßen widerfährt, ist immer noch nicht so recht enthüllt.

Inhaltsangabe

Galadriel erwacht in rotem Dämmerlicht und von Asche bedeckt. Um sie herum Trümmer, Tote und Menschen, die versuchen, sich und andere in Sicherheit zu bringen. Sie trifft auf Theo und versucht, mit ihm aus der Gefahrenzone des Vulkanausbruchs zu entkommen. Miriel und Isildur versuchen, seine unter Trümmern begrabenen Freunde zu befreien, doch nur einer von den beiden hat überlebt. Bei dem anschließenden Versuch, Menschen als einem brennenden Haus zu retten, wird Miriel von Funken geblendet, Isildur wird unter Trümmern begraben. Elendil trifft auf die erblindete Königin und bringt sie in Sicherheit. Außerhalb der Gefahrenzone haben die numenorischen Truppen ein Lazarett aufgebaut. Theo findet dort Bronwyn und Arondir wieder, die er für tot gehalten hatte. Auch Halbrand hat überlebt, allerdings schwer verletzt. Die Königin kehrt per Schiff nach Numenor zurück, fest entschlossen, den Kampf weiterzuführen. Auch Halbrand ist entschlossen, seine Rolle als König weiterhin zu erfüllen. Bronwyn und Arondir wollen in eine Siedlung an der Küste, um dort ein neues Leben zu beginnen. Galadriel und Halbrand machen sich auf den Weg zum Elbenkönig.

Die Harfüße erreichen ihr Herbstquartier, ein Obstbaumwäldchen. Doch Gras und Bäume sind verkohlt, offenbar von glühenden Gesteinsbrocken aus dem Vulkan getroffen. Die Harfüße überlegen, ob wohl der hochgewachsene Fremde, der sie schon vor den Wölfen beschützt hat, hier helfen kann, wenn man ihn darum bittet. In der Tat legt er seine Hand auf den verbrannten Stamm eines Apfelbaums und spricht beschwörende Worte, die den Baum zum Erbeben bringen. Doch alles, was zunächst geschieht, ist, dass ein Ast abbricht und beinah ein Kind erschlägt. Die Harfüße weichen angsterfüllt vor ihm zurück. Sadoc weist ihm den Weg zur nächsten Menschensiedlung. Doch am nächsten Morgen sind alle Bäume gesund und tragen reiche Früchte. Die drei weißen Gestalten haben die Spur des Fremden bis zum Obstgarten verfolgt und lassen die Wagen der Harfüße in Flammen aufgehen. Nori beschließt, ihm zu helfen und vor den Verfolgern zu warnen. Ihre Freundin Magsi, ihre Mutter und der alte Sadoc schließen sich ihr an.

Elrond verhandelt mit König Durin III über Zugang zu den Mithril-Minen im Austausch gegen großzügige Gaben für die nächsten Jahrhunderte. Der König will zunächst mit seinem Sohn über das Angebot sprechen. Im Zwiegespräch erklärt der König, dass er nicht das Leben von Zwergen beim gefährlichen Mithril-Abbau opfern wird, nur damit die Elben ihrem vorbestimmten Schicksal entwischen können. Sein Sohn ist tief betroffen, dass er seinem Freund Elrond nicht helfen kann. Auch Disa ist empört über des Königs Starrsinn. Als das Bröckchen Mithril neben dem schwarz verfärbten Blatt zu liegen kommt und sie sehen, wie das Blatt binnen kurzem wieder goldgelb wird, beschließen sie, gegen den Willen des Königs zu handeln und Elrond zu unterstützen. Als der König sie und Elrond sie bei den Mithril-Adern erwischt, verweist er Elrond aus dem Zwergenreich, nimmt seinem Sohn einen symbolträchtigen Halsschmuck ab und lässt die Mine versiegeln. Tief unten in den Felsspalten erwacht ein Balrog.

Adar glaubt sich am Ziel: Die Orks können nun Helme und Mäntel ablegen, im Dämmerlicht des Ascheregens sind sie vor Sonnenlicht geschützt. Das Land um den Vulkan ist nun ihre neue Heimat: Mordor.

Wer hat überlebt?

Der Handlungsstrang um die Südlande hatte sein großes Finale in der vorherigen Folge, jetzt ist eher Zeit für Scherben aufsammeln nach der Katastrophe. Prinzipiell könnten alle tot sein, die in der letzten Folge im Dorf versammelt waren. Außer Adar, der, angekettet in einer Holzhütte, die geringsten Chancen hatte. Aber dass er entwischt ist, bekam man schon in Folge 6 kurz zu sehen. Nun hat er also seine neue Heimat gefunden. Aber auch mit minimalen Vorkenntnissen weiß man, dass Mordor keine Reich glücklicher, freier Orks werden wird. Und der totgeglaubte Sauron wird irgendwann dort einziehen. Ansonsten lässt sich Folge 7 sehr viel Zeit damit, zu enthüllen, wer noch mit dabei ist. Schon, damit die anderen sich Sorgen und Vorwürfe machen können. Ein versprengtes Grüppchen trifft auf andere herumirrende Überlebende, die wiederum nach Freunden und Angehörigen suchen. Und niemand hat Galadriel bescheid gesagt, dass… Am Ende sind fast alle wieder da. Außer einer Menge namenloser Statisten und Ontamo. Wer war nochmal Ontamo? Einer von Isildurs beiden Freunden, also prädestiniert für einen Tod am Rande des Geschehens. Isildur ist vermisst, aber der trägt wohl plot armour, er wird schließlich noch gebraucht. Das Ganze zieht sich ordentlich in die Länge, jeder kommt mal dran, um zu trauern und Schuldgefühle zu haben.

Wer ist schuld?

Alle fühlen sich schuldig. Wenn in dieser Folge jemand über Gefühle spricht, dann sind es Schuldgefühle. Verständlich im Handlungsbogen um die Südlande, da ist gerade die ganz große Katastrophe eingetreten. Theo fühlt sich schuldig, weil er das Artefakt herausgegeben hat. Elendil fühlt sich schuldig, weil er Galadriel aus dem Wasser gefischt hat. Galadriel fühlt sich prinzipiell schuldig. So richtig hat keiner von ihnen den Vulkanausbruch verursacht, aber Schuldgefühle sind wohl eine Art Abwehr von Hilflosigkeit, denn wer schuld hat, hätte prinzipiell auch alles zum Guten wenden können. Dass das gar nicht ging, wäre vielleicht ein Eingeständnis, das mehr schmerzt als nagende Schuld. Doch auch Nori fühlt sich schuldig, weil sie gegen Harfußtradition verstoßen hat und dem zwielichtigen Fremden vertraut hat. Und Durin fühlt sich schuldig, weil er seinem Freund Elrond nicht helfen darf. Da hängt ein ordentlicher Vater-Sohn-Konflikt mit dran, wo der Sohn sich vom Vater unterdrückt fühlt und der Vater vom aufmüpfigen Sohn tief enttäuscht ist. Hat König Durin seinen Sohn gerade enterbt? Oder wie darf man den Moment mit dem Halsreif deuten? Nur Disa hat überhaupt keine Schuldgefühle, lässt ihrem Ärger freien Lauf und stärkt ihrem Ehemann den Rücken. Das fühlt sich so gut und geradlinig an, dass man sie so richtig ins Herz schließen möchte. Wenn man nicht wüsste, dass sie damit genau in die Richtung steuert, in der der Balrog lauert und der Untergang von Khazad-Dhum unvermeidlich wird. Pfiffig eingefädelt. Wo man doch bisher dachte, dass es zwergische Gier und Hybris war, die Khazad-Dhum zu den allseits bekannten Minen von Moria hat werden lassen.

Fazit

Bisher waren gemächliches Erzählen und Aufmerksamkeit für viele Figuren gleichermaßen Aspekte, die bei Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht gut funktioniert haben. In Folge 7 zieht es sich jedoch ziemlich hin, bis jeder seinen kleinen Charaktermoment absolviert hat. Da hätte man sich doch ein bisschen mehr Erzähltempo gewünscht. Etwa, damit Zeit für das Rätsel der weißen Gestalten bleibt. Doch für diese Auflösung muss man sich bis zur nächsten Woche gedulden. Monster der Woche: der Balrog. Also der Riesen-Feuer-Minotaurus mit der Peitsche, der Zeitalter später einen Schlagabtausch mit Gandalf haben wird. Hier brüllt er nur einen Moment feuerlodernd in die Kamera. Kurz, knapp, überraschend. So sollte ein klassischer Monsterauftritt sein. Hallo, Balrog!

 

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wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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